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Veranstaltungstipp: Andere Bücher braucht das Land

Markt der unabhängigen Verlage im Literaturhaus München | 1.&2. Dezember 2018

Mit den Büchern ist es für mich ein bisschen wie mit dem Essen in fremden Städten.

Man kann vorher im Internet Menükarten studieren, man kann sich per Tripadvisor zu empfohlenen Speisestätten lotsen lassen, man kann auch auf Nummer sicher gehen und ein schon bekanntes Restaurant aufsuchen. Nicht zu reden von den Ketten, die sich beliebig geklont immer wieder in fast identischer Anordnung in jeder Stadt finden, sei es jetzt ein Steakhouse- oder eine Burgerkette. Natürlich weiß man schon vorher, was man bekommt. Geschmacklich wird es hoffentlich solide sein, satt macht es auch, aber die Überraschung und das unerwartete Momentum, die bleiben aus.

Man könnte sich aber auch einfach mal überraschen lassen. Nicht genau wissen, was man bekommt, sich einfach durch die Straßen treiben lassen und bei Gefallen einfach dann eine Lokalität aufsuchen. Sich von der Karte und der Zubereitung überraschen lassen und einfach mal einen Blindflug wagen. Schon oft habe ich es so in anderen Städten gemacht – und selten bin ich enttäuscht worden, vielmehr hat es mir neue Erlebnisse und Geschmacksüberraschungen beschert.

Bücher über Bücher im Literaturhaus München

So geht es mir oftmals auch mit Büchern. Natürlich kann ich auf Nummer sicher gehen und bei einem Verlag zugreifen, den ich schon kenne und dessen Produkte mich meistens überzeugt haben. Name und Inhaltsbeschreibungen sprechen für sich – wird schon klappen mit der Lektüre. Zumeist ist man dann nach dem Lesen gesättigt und zufrieden. Aber da muss es doch so viel mehr geben?

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zählt in Deutschland ungefähr 2000 Buchverlage, mal kleiner, mal größer. Vieles davon sind Konzernverlage, die mal zu Bonnier, mal zu Holtzbrinck oder mal zu Random House gehören. Dann gibt es aber auch die unabhängigen Verlage, die nicht in solche Strukturen eingebunden sind.

Vom Ein-Mann-Verlag bis hin zu größeren Playern reicht die Bandbreite der Unabhängigen, auch neudeutsch Indie-Verlage genannt.

In Zeiten, in denen Autorennamen, Titel und Plots der Bücher austauschbar und durchkalkuliert sind, versuchen die kleinen Verlage einen Gegenentwurf. Sie suchen sich ihre Nischen, fördern spezielle Autoren oder Themen und legen auch oft besonderen Wert auf eine hochwertige Gestaltung. Und das teilweise an der Grenze zur Selbstausbeutung

Am ersten Adventswochenende 2018 bekommen viele dieser Verlage im Literaturhaus München bereits zum 12. Mal die Möglichkeit, sich Bücherfans zu präsentieren. Dann findet unter dem Motto Andere Bücher braucht das Land wieder der Markt der unabhängigen Verlage statt.

Besondere Bücher aus dem Verlag Topalian&Milani beim Markt der unabhängigen Verlage

Eingeladen sind unter anderem so tolle Verlage wie Topalian&Milani aus Ulm, die Lokalmatadoren Liebeskind aus München, der Verbrecher-Verlag aus Berlin, Reprodukt aus Berlin, Jung und Jung aus Salzburg oder der Guggolz-Verlag aus Berlin.

Zudem gibt es eine Illustrationsausstellung mit Werken von Künstler*innen wie Barbara Yelin, Rotraut Susanne Berner oder Florian L. Arnold. Die Werke der Künstler*innen und die präsentierten Bücher kann man im Übrigen zu den Buchmessen auch gleich an Ort und Stelle käuflich erwerben.

Nicht zu vergessen die Lesungen und Gespräche mit Verlegern, Autor*innen und Künstler*innen. So liest am Sonntag beispielsweise Susanne Röckel aus ihrem Roman Der Vogelgott (Jung und Jung), der es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2018 geschafft hat. Auch Susanne Strasser oder Steven Uhly kann man dann im Literaturhaus live erleben.

Der Markt hat am Samstag von 11:00-18:00 Uhr und am Sonntag von 11:00-18:00 Uhr geöffnet. Die Ausstellungsfläche befindet sich im 3. Stock des Literaturhauses – und der Eintritt ist natürlich frei.

Wer all diese Informationen noch einmal gebündelt und übersichtlich haben möchte, dem sie der Internetauftritt des Marktes hiermit ans Herz gelegt.

Sehen wir uns in München? Ich werde auf alle Fälle am Samstag im Literaturhaus anzutreffen sein!

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Jan Weiler – Kühn hat Ärger

Nach Kühn hat zu tun legt Bestsellerautor Jan Weiler nun den zweiten Roman um den so durchschnittlichen und genau deshalb so fabelhaften Kommissar Martin Kühn vor. Doch auch wenn die Hauptperson ein Kommissar ist, im Buch eine Leiche vorkommt und viel ermittelt wird – ein Krimi ist das Buch von Jan Weiler deshalb noch lange nicht. Auch sein neuer Hausverlag Piper hat das erkannt und das Buch deshalb mit der allumfassenden Bezeichnung Roman versehen. Doch was macht das Buch jetzt zu einem guten Roman und wenn dann höchst mittelmäßigen Krimi? Dieser Frage soll in der Besprechung nun nachgegangen werden.

Der Inhalt des Buchs ist dabei recht schnell umrissen. Kühn und sein Kollege Steirer werden zu einem Tatort an der Tramhaltestelle Großhesseloher Brücke im München gerufen. Ein junger Mann mit Migrationshintergrund wurde zu Tode geprügelt – und das in München, der weltoffenen Isarmetropole. Die Spuren, denen Kühn nachgeht, führen ihn schnell ins benachbarte Villenviertel Grünwald. Dort hatte sich das Mordopfer entgegen aller Wahrscheinlichkeiten in ein junges Mädchen aus einem gutbetuchten Haushalt verliebt. Kühn versucht diese Liebesgeschichte zu ergründen und taucht dabei in eine Welt der oberen 10.000 ein, die von seiner Durchschnittsexistenz genauso weit entfernt ist, wie Kühn manchmal von seinen eigenen Mitmenschen. Wie können diese Menschen so unbeschwert leben, wo sich Kühn selbst doch einem Berg aus Sorgen gegenübersieht: sein Sohn droht ihm zu entgleiten, die Beziehung zu seiner Frau erkaltet, die Bausubstanz des Eigenheims verseucht, die finanzielle Situation mehr als angespannt? All das steht in krassem Kontrast zum täglichen Brot des Martin Kühn – und genau deshalb übt die Grünwalder Hautevolee und ihre Lebensweise einen so großen Reiz auf den Hauptkommissar aus.

Die Ausgangslage ist somit klar: Kühn muss sich der Suche nach dem Täter widmen, Zeugen vernehmen, Spuren auswerten und seiner eigenen Nase folgen. Grundlagen also für einen klassischen Ermittler-Krimi, wie es ihn zuhauf in den Bücherregalen der Republik gibt. Allerdings ist dieser Krimi, der das Grundgerüst des Romans ist, auch der schwächste Aspekt dieses Buchs. Man könnte bei der Lektüre stellenweise gar den Eindruck bekommen, Jan Weiler habe gar keine Lust auf einen Krimi, so lieblos baut er diesen in seinen Roman ein. Der Leser muss sich nicht viele Gedanken über mögliche Täter machen, denn Weiler präsentiert nur ein kleines Figurentableau, bei dem den routinierten Krimileser schnell klar wird, wer als Mörder infrage kommen könnte. Er verschleiert die Spuren in dem Fall dilettantisch, in einem anderen Subplot im Buch verrät er den Täter gleich zu Beginn. Das nimmt von vornherein viel Spannung aus dem Buch und lässt mich als Krimifan manchmal ratlos zurück.

Schlechter Krimi, guter Gesellschaftsroman

Auch gleicht sein Roman stellenweise einem Joghurt (der im auch reichlich unmotiviert eingebundenen Subplot eine große Rolle spielt), der aber schlecht gerührt wurde und eine entsprechend klumpige Konsistenz aufweist. Ein erzählerischer Fluss ergibt  sich im Buch nämlich auch nur bedingt: mal schreibt Weiler dutzende von Seiten aus der Sicht des Opfers, um dann diese Vorgeschichte mitten im Geschehen abzubrechen, dann widmet er einen Exkurs Kühns Wohnort, der Weberhöhe. Anstelle dann bei seinem Kommissar zu bleiben und daraus eine stringente Entwicklung abzuleiten, unterbricht Weiler den Fortgang der Handlung mal mit einem seitenlangen Exkurs über Bonsai-Parkett, dann konterkariert er seine Beschreibung mit einer über mehrere Seiten erstreckenden „schönen“ Liebesszene, die auch den Schriftsetzer überrascht haben dürfte. Die wild wuchernden Gedanken des Kommissars tuen ihr übriges zur bröckeligen Erzählstruktur – doch warum ist das Buch dann trotzdem gelungen, wenn es so viele kritikable Punkte an dem Buch gibt?

Wenn man Kühn hat Ärger nicht als Spannungsroman liest, sondern als Studie eines Durchschnittsmenschen, dann läuft der Roman und sein Autor zu Höchstform auf. Dass die Hauptfigur zufällig ein Kommissar ist und dementsprechend notgedrungen ermitteln muss, um so die Erwartungen zu erfüllen, das ist für Weiler eher eine Pflichtaufgabe, die er nicht besonders gut löst. Aber immer wenn es um Martin Kühn, seine Gedanken und seine vielschichtige Persönlichkeit geht, dann hat das Buch Tiefe. Wohl jeder dürfte sich in Kühns zahlreichen Grübeleien und Problemen wiederfinden. Egal ob es Fragen sind wie diese, warum vom Einkommen am Ende des Monats so wenig überbleibt oder die Frage, wie man den Begriff der ehelichen Treue definiert die den Hauptkommissar Kühn umtreiben – Weiler schafft es einfach unglaublich gut, die Sorgen und Nöten eines Durchschnittsmenschen zu schildern. Gerade auch wenn Kühns Leben in der Münchner Vorortsiedlung mit Familienwagen vor der Haustür und verseuchten Wänden im Keller auf den Lebensstil der sorglosen und im Geld schwimmenden Familien trifft, bei denen Koiteiche und ein extra Handschuh zum Knacken der Austern existiert, dann ist dieses Buch richtig stark.

Empathisch und nuanciert schildert Weiler unterschiedliche Lebensentwürfe und zeigt einen Menschen, der sich inmitten seiner eigenen Gedanken und Grübeleien zu verrennen droht. Das macht diesen Martin Kühn so sympathisch und lebensnah. Und diese Lebensnähe versöhnt dann schlussendlich auch etwas mit dem dürftigen Krimi. Ein Hauptkommissar, der sich jüngst erst in Therapie wegen Burn Out begeben hat, der sein Privatleben nicht immer sauber von seinem Job trennen kann: hier ermittelt kein genialer Analytiker, kein raubeiniger Macho mit Intuition und kein Sherlock. Hier steht einfach ein ganz normaler Mensch mit Stärken und Schwächen im Mittelpunkt. Und das ist es, das Kühn hat Ärger ausmacht.

Fazit: Als Krimi eine Enttäuschung, als Roman eines Durchschnittsmenschen große Klasse!

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Petra Morsbach – Justizpalast

Im Namen des Volkes

Petra Morsbach widmet sich mit ihrem neuen Roman einem weiteren elementaren gesellschaftlichen Feld. Nach dem Glauben (Gottes Diener) und der Kultur (Opernroman) geht es nun ins Gefüge von Recht und Ordnung. Die Folie zu ihrer Geschichte bildet die Lebensgeschichte der Richterin Thirza Zorniger. Mithilfe der Biografie der Frau zeichnet Morsbach den Gang durch die juristischen Institutionen nach und schafft ein facettenreiches Bild von Recht und Ordnung. Darüberhinaus weckt sie im Leser eine Sensibilität für das Spannungsfeld zwischen Recht und Gerechtigkeit und ersetzt en passant ein komplettes Proseminar Jura. Hat man den Justizpalast gelesen, kann man dem Ersten Juristischen Staatsexamen beruhigt entgegengehen.

Justizpalast von Petra Morsbach

Der stetige und strebsame Aufstieg dieser Thirza Zorniger vom Studienbeginn an sorgt dafür, dass man als Leser überall mit hingenommen wird. Von den Vorlesungen über erste Stationen als Richterin einer Kammer bis in die legendären Gänge des Justizpalastes führt Petra Morsbach den Leser. Es sind elementarste Fragen, die sie in ihrem Roman verhandelt und die auch einen Mehrwert bieten. Wie sieht der Alltag einer Richterin aus? Wie werden Urteile gefällt? Wie findet man Gerechtigkeit? Kann es diese überhaupt geben?

Morsbachs gewähltes Stilmittel ist dabei Fluch und Segen dieses Romans zugleich. Denn Justizpalast strotzt vor Fallgeschichten und Urteilen, die Thirza im Lauf ihrer Karriere fällen muss. Das ist auf der einen Seite zu loben, da dies eine große Plastizität in den Roman bringt und auch die Routine und manchmal auf Langweile zeigt, mit der sich Thirza beschäftigen muss. Zum Anderen hemmen diese permanenten Urteile und Fälle durch ihre trockene juristische Diktion den Fluss des Buches und lassen den Leser bei der Lektüre immer wieder stolpern und aus dem Tritt geraten (so zumindest mein subjektives Empfinden).

Geschickter hat das Problem der Frage, inwieweit juristische Urteile auch Literatur sein können, beispielsweise Ian McEwan gelöst. In seinem Roman Kindeswohl steht ebenfalls eine Richterin im Mittelpunkt. Motor des Buchs allerdings ist ein einziger großer Fall, der mit seinen Problemen schlussendlich auch auf das Leben der Richterin Fiona Maye abfärbt. Hier schafft McEwan den Spagat zwischen juristischer Spitzfindigkeit und Lebensrealität besser, als er Petra Morsbach in ihrem Buch gelingen mag.

Justizpalast ist allerdings kein schlechtes Buch, ganz im Gegenteil. Von diesen juristischen Redundanzen abgesehen gelingt der Autorin ein vielgestaltiges Buch des Justizwesens und ebenso ein facettenreiches Bild einer Richterin, die in ihrem Job aufgeht, doch auch vom Recht versehrt wird. Überlastungen der Justiz, der manchmal Don-Quichotteske Kampf gegen die Windmühlen, verfahrene Verfahren – sehr realistisch und praxisnah ist das von Morsbach gezeichnete Bild des Justizwesens in Deutschland und dessen Entwicklung. Und auch diese Thiza Zorniger ist faszinierend, hat Ecken und Kanten und ist so glaubhaft, wie nur wenige Figuren dieses Bücherherbstes.

Ein wichtiger Punkt kommt für mich auch noch auf die Habenseite des Romans. Justizpalast hat nach der Lektüre noch an Qualität gewonnen. Zunächst war ich froh, mich durch die vielen hundert Seiten Schicksal und Grundsatzurteile, Anfechtungen und Abwägungen gekämpft zu haben und wieder aus dem Justizpalast treten zu können. Thirza als Figur hat mich hingegen noch länger begleitet, ihr Streben, ihr Scheitern und Gelingen, all das vergisst man nicht so schnell. Durch Morsbachs Buch bekommt man auch einen neuen Blick auf die Institutionen und Menschen, die Recht sprechen.

Diese Plastizität und die Ambitionen Morsbachs, dem deutschen Justizwesen ein Gesicht zu geben, machen das Buch absolut preiswürdig. Nicht umsonst wurde das Buch ebenfalls für den Bayerischen Buchpreis nominiert und befindet sich damit völlig zurecht auf der Liste. Meine hochgeschätzte Kollegin und ebenfalls #baybuch-Bloggerin Birgit Böllinger vom Blog Sätze und Schätze hat ihre Gedanken zu Justizpalast ebenfalls in Schriftform gebracht. Ihr Urteil findet sich in diesem Blogbeitrag.

 

P.S.: Einen Preis würde ich Petra Morsbach im Übrigen gleich jetzt verleihen – nämlich den für den besten Schluss des Jahres. Justizpalast endet nämlich genau auf dem Punkt. Wie, das sollte hier natürlich nicht verraten werden. Nur die eigene Lektüre wird Aufklärung schaffen – es lohnt sich!

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Rodrigo Hasbún – Die Affekte

Hans Ertl war einst im Dritten Reich ein wichtiger Kameramann, der für Leni Riefenstahl drehte und spektakuläre Aufnahmen realisierte. So filmte er etwa Szenen unter Wasser und war damit der erste Kameramann, dem etwas Derartiges gelang. Doch im Nachkriegsmünchen ist der Filmemachter nicht mehr wohlgelitten, und beschließt deshalb, mit seiner Familie nach Bolivien zu ziehen.

Ein Projekt, das er vor Ort realisieren möchte, ist die Suche nach dem mystischen Städtchen Paititi im Dschungel Boliviens. Deshalb macht er sich mit einem Expeditionstreck und zwei seiner Töchter auf, um die versunkene Inkastadt aufzuspüren. Seine Frau und seine jüngste Tochter bleiben zu Hause.

Doch mit dieser Expedition setzt sich etwas fort, das bereits mit dem Aufbruch aus München begann – die Zersetzung der Familie Ertl. Die drei Töchter entfremden sich und bei der ältesten Tochter Monika wird dies in der Folge zu dramatischen privaten und politischen Verwerfungen führen, die sich so zunächst gar nicht abzeichneten.

Hasbún inszeniert diese Auflösung, indem sein Plot einer vielstimmigen Gestaltung folgt. In kurzen Kapitel erzählt er, aufgeteilt in zwei große Blöcke, von den verschiedenen Mitgliedern der Familie Ertl und ihrem Lebensweg. Immer wieder wechselt er den Tonfall und die Erzählperspektive (was die Unterscheidung der einzelnen AkteurInnen auch nicht immer leicht macht). Man liest in der Ich-Form, wird in Passagen mit Du angesprochen und auch die dritte Person ist häufig eine gewählte Erzählperspektive.

Dieser Gestaltungswillen beeindruckt, ist manchmal aber auch etwas zu viel des Guten. Insgesamt sind es für den knappen Umfang von  140 Seiten erstaunlich viele Themen, die Rodrigo Hasbún in Die Affekte packt. Radikalisierung, Auflösung von Strukturen, Suche nach Halt in Kunst – das alles steckt in diesem Buch, was es auch an mancher Stelle überfrachtet. Ein wenig mehr Entzerrung hätte dem Buch gut getan – so wirkt alles stark komprimiert und man muss wirklich genau lesen, um die Anschlüsse und Sprünge nicht zu verpassen.

Wem dieses Buch gefällt, empfehle ich zur weiterführenden und ergänzenden Lektüre den vor Kurzem im Rowohlt-Verlag erschienenen Roman Telex aus Kuba von Rachel Kushner. Radikalisierung und Befreiung von überkommenen Strukturen durch die Jugend – beide Romane haben viel gemein und komplementieren sich wunderbar, wie ich finde.

[Hasbún Rodrigo: Die Affekte ; Deutsch von Christian Hansen, 124 Seiten | erschienen im Suhrkamp-Verlag, ISBN 978-3-518-42764-4, Preis: 18,00 €]

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#verlagebesuchen am 23.04.2017

Im Rahmen des Welttag des Buches boten in ganz Deutschland Verlage unter dem Motto #verlagebesuchen eine Art Tag der Offenen Tür an. Eingeladen waren interessierte Leser, die einen Blick hinter die Kulissen der Verlagshäuser werfen wollten – meist garniert mit Lesungen oder Führungen durch die Örtlichkeiten. Auch der in München ansässige Piper-Verlag hatte in seine Räume in die Georgenstraße eingeladen – und dieser Einladung kam ich natürlich gerne nach.

Volles Haus im Piper-Konferenzsaal

Das Programm umfasste 3 Stunden im Verlag; nach der Begrüßung durch die Verlegerin Felicitas von Lovenberg ging es dann auch schon los. Im bis auf den letzten Platz besetzten Konferenzsaal stießen die Piper-Autoren Georg M. Oswald, Pierre Jarawan und Su Turhan zur Rund, die sich zusammen mit der Verlegerin und Lektorinnen den Fragen des Publikums stellten. Welche Rolle spielt ein Verlag für einen Autoren? Welche Rolle spielen Literaturagenten im Literaturbetrieb? Welche Kriterien gelten für LektorInnen, anhand derer sie die Güte eines Textes beurteilen? Diese und viel mehr Fragen wurden den Gästen beantwortet ehe nach einer kurzen Pause die drei Autoren dann unisono die ersten Kapitel ihrer Bücher lasen.

Die drei Bücher, die die Autoren vorstellten waren Alle, die du liebst (Georg M. Oswald), Am Ende bleiben die Zedern (Pierre Jarawan) und Getürkt (Su Turhan). Vor allem Su Turhan, dessen Kommissar-Pascha-Krimis jüngst zur Primtime im Fernsehen liefen, erwies sich als unterhaltsamer Erzähler und Entertainer. Im Anschluss stellten sich die drei Autoren den Fragen der Zuhörer und gaben Einblicke in ihre Schreibwerkstätten, ehe alle erworbenen Bücher signiert wurden.

Verschiedene Coverentwürfe für Margaret Atwood und Zia Hader Rahman

Interessant auch die Einblicke in die anderen Abteilungen des Verlags – viele Mitarbeiter aus den Abteilungen Herstellung, Lektorat und Gestaltung standen parat und zeigten ihre Arbeitsfelder, mit denen sie sich täglich befassen. Hierbei fand ich besonders den Blick in die Herstellung erhellend – die MitarbeiterInnen zeigten verschiedene Coverentwürfe für Piper-Bücher. Sehr aufschlussreich, was sich der Verlag und Grafikagenturen für die Cover der jeweiligen Bücher überlegen – und welche dieser Cover es dann schlussendlich schaffen und welche Entwürfe wieder verworfen werden.

Schön auch dass die Kollegin Sabine von Bingereading & More ebenso wie ich den Weg zum Piper-Verlag fand und man sich nach der Leipziger Buchmesse schon wieder über den Weg lief.. Nicht nur die Welt ist ein Dorf – auch die Bloggerwelt ist es.

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