Tag Archives: Bücher

Gunnar Kaiser – Unter der Haut

Manchmal gehen Buchideen einen verschlungenen Weg. Unter der Haut ist genau ein solches Beispiel: zunächst steckte das Romanmanuskript in der Schublade von Gunnar Kaiser. Dann entschloss sich der Autor, jenes Manuskript beim ersten Blogbuster-Preis einzureichen. Da fand es in Uwe Kalkowski, der den ebenfalls preisgekrönten Blog Kaffeehaussitzer führt, einen Fürsprecher. Dennoch schafft es das Manuskript nicht in die Endrunde des Preises. Das Licht der Welt erblickte das Manuskript nun aber durch den Berlin-Verlag, der das Buch gleich zu seinem Spitzentitel im Frühjahr machte.

Der Verlag hat sich nicht lumpen lassen, die Gestaltung des Buchs ist nämlich sehr gelungen. Ein ausgestanzter Schutzumschlag, unter dem sich eine zum Sujet passende anatomische Zeichnung befindet. Zudem Lesebändchen und schöne Type. Alles andere hätte diesem Buch allerdings auch keine Ehre gemacht, denn genau das ist es, worum sich Unter der Haut dreht: schöne Bücher und die Frage, wie weit man für diese zu gehen bereit ist.

Im Mittelpunkt dieses verschachtelt aufgebauten Romans steht Josef Eisenstein. Dieser wächst in Weimar in der Zwischenkriegszeit auf. Stets umgibt ihn ein tödlicher Nimbus. Menschen, die seinen Weg kreuzen, werden schnell vom Zeitlichen gesegnet, manchesmal hilft Eisenstein dabei auch kräftig mit. Er wächst außerhalb von gesellschaftlichen Normen heran und fällt auch zu seiner eigenen Überraschung völlig aus dem sozialen Raster. Denn als Jude sollte Eisenstein seines Lebens nicht mehr sicher sein, als die Machtergreifung der Nazis beginnt. Doch für Eisenstein scheint sich niemand so wirklich zu interessieren. Und so kann er fast ungestört eine gefährliche und eben manchmal auch tödliche Obsession entwickeln: nämlich die für Bücher.

Seit Kindesbeinen faszinieren Eisenstein Bücher. Sie üben einen unwiderstehlichen Reiz auf ihn aus und so prägt sich Eisensteins Sammellust immer tödlicher aus. Schon bald ist er bereit, für Bücher über Leichen zu gehen …

Von dieser Radikalisierung berichtet Eisenstein in seinen Erinnerungen, die einen Teil des Buchs ausmachen. Und dann ist da noch die Geschichte von Jonathan Rosen, der im New York der 60er einem geheimnisvollen Dandy begegnet – dessen Name: Josef Eisenstein.

Gunnar Kaiser hat ein komplex konstruiertes Buch geschrieben, das aus verschiedenen Büchern und Geschichten zusammengesetzt ist. Diese finden im Lauf des Buches erst langsam zueinander, entfalten aber auch schon unverbunden einen großen Reiz. Dieser potenziert sich zum Ende hin, wenn offenbar wird, wie sich die einzelnen Erzählelemente in die Handlung einpassen. Die unterschiedliche sprachliche und rhythmische Gestaltung, die sich an die wechselnden Schauplätze anpasst ist gut gelungen, wenngleich manche Dialoge etwas zu sehr ins Pathetisch-Rührselige abgleiten. Dies wird allerdings gut eingehegt, sodass solche Passagen wirklich nur einen verschwindend geringen Anteil bilden.

Vor der Lektüre des Buchs war ich noch skeptisch – die Frage nach der jüdischen Identität in den Mittelpunkt eines Romans zu stellen, das gleicht einem Minenfeld. Doch Kaiser schafft es, seinen Plot nachvollziehbar und fast frei von Klischees oder Fragwürdigem zu erzählen. Schnell entfaltet sich nach den ersten Dutzend Seiten ein Sog, der die Leser hineinzieht in die Betonschluchten New Yorks, die Weite Argentiniens oder die Enge Weimars.

Auch wenn man dem sonstigen Schaffen Gunnar Kaisers skeptisch gegenüberstehen kann – seinen Roman halte ich für gelungen. Ein beachtenswerter Erstling, der der Bibliophilie ein Denkmal setzt und der fesselnde Lesestunden beschert!

 

Seitenblicke in Fürth | 22.03.2018

In der kommenden Woche darf ich wieder einmal das machen, was ich am liebsten tue: mich mit anderen über gute (oder schlechte) Literatur unterhalten. Dies tue ich im Rahmen der halbjährlich stattfindenden Veranstaltung Seitenblicke in der Volksbücherei Fürth.

Am 22.03.2018 werden wir ab 19:30 in den Räumen der Innenstadtbibliothek Carl Friedrich Eckart Stiftung (Friedrichstraße 6a, 90762 Fürth) über diese drei Bücher diskutieren:

Emily Ruskovich: Idaho

Ein flirrender Sommertag in Idaho, USA: eine Familie im Wald, die beiden Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augenblicks ist die Idylle zerstört. Ist es Gnade, dass der Vater, Wade, langsam sein Gedächtnis verliert? Bald wird er nicht mehr wissen, welche Tragödie sich an jenem Tag abgespielt hat, wie seine Töchter hießen und seine Frau, Jenny, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Auch Ann, die Frau, deren Liebe groß genug ist, um zu Wade in das leere Haus zu ziehen, wird nie den Hergang der Tat erfahren. Aber mit jedem Tag an Wades Seite erkundet sie genauer, was damals geschehen ist, und nimmt schließlich Kontakt zu Jenny auf …

Hans Pleschinski: Wiesenstein

Der alte Mann, eine Berühmtheit, Nobelpreisträger, verlässt mit seiner Frau das Sanatorium, wo beide Erholung gesucht haben, und wird mit militärischem Begleitschutz zum Zug gebracht. Doch es ist März 1945, das Sanatorium Dr. Weidner liegt im eben zerstörten Dresden und der Zug fährt nach Osten. Gerhart und Margarete Hauptmann nämlich wollen nirgendwo anders hin als nach Schlesien, in ihre Villa „Wiesenstein“, ein prächtiges Anwesen im Riesengebirge. Dort wollen sie weiterleben, in einer hinreißend schönen Landschaft, mit eigenem Masseur und Zofe, Butler und Gärtner, Köchin und Sekretärin, ein immer noch luxuriöses Leben für den Geist führen inmitten der Barbarei.
Aber war es die richtige Entscheidung? Überhaupt im Dritten Reich zu bleiben? Und was war der Preis dafür? Können sie und ihre Entourage unbehelligt leben, jetzt, da der Krieg allmählich verloren ist, russische Truppen und polnische Milizen kommen? Und das alte Schlesien untergeht?

Janet Lewis: Die Frau, die liebte

Als Martin Guerre nach langjähriger, rätselhafter Abwesenheit endlich zu seiner Frau zurückkehrt, ist Bertrande de Rols, eine Frau von 30 Jahren, von Sinnen vor Glück. Der inzwischen zehnjährige Sohn weicht dem Vater nicht mehr von der Seite, das Gut blüht auf, die große Familie ist wieder vereint. Acht Jahre lang hatte Bertrande sich gesehnt, hatte gebangt und gezürnt, war weder Witwe noch frei gewesen, und jetzt – endlich – kann sie sich hingeben. Der Liebe, ihrer Sinnlichkeit, seinem Begehren. Welcher Dämon treibt ihr plötzlich Zweifel ins Herz? Ist der Mann, den sie liebt, wirklich Martin? Hin- und hergerissen zwischen ihrer Sehnsucht nach Zugehörigkeit und einer düsteren Ahnung, entfesselt sie eine richterliche Untersuchung – und eine Tragödie.

 

Über diese drei Bücher darf ich mit Doris Höreth von der Buchhandlung Pelzner und Sibylle Brunner von der Buchhandlung Edelmann streiten.

Im Anschluss gibt es noch einen Überblick über weitere lesenswerte Neuerscheinungen in diesem Bücherfrühling.

Ich würde mich über zahlreiche Zuschauer bzw. Zuhörer freuen, wenn ich schon mal wieder in meiner fränkischen Heimat weilen darf – der Eintritt ist natürlich selbstverständlich kostenlos!

Jörg Magenau – Bestseller

Bücher für Millionen

Es gehört zu meinen wöchentlichen Aufgaben und Ritualen in der Bibliothek – das Aufhängen und Abgleichen der Spiegel-Bestsellerliste. Immer wenn das neue orangefarbene Plakat geliefert wird, gilt es zu vergleichen: welche Titel stehen auf der Liste und welche Bücher sind im Besitz meiner Bücherei? Gibt es eventuelle Neueinsteiger oder Trends im Belletristik- und Sachbuchbereich, die an mir vorbeigegangen sind? Die Liste dient mit dabei immer als Gradmesser der Leseinteressen und lässt interessante Rückschlüsse zu.

Nicht nur ich widme mich (genauso wie viele tausend andere BuchhändlerInnen, BibliothekarInnen und VerlagsmitarbeiterInnen) regelmäßig der Bestsellerliste – auch Jörg Magenau hat das getan, seines Zeichens ehemaliger Literaturredakteur und nun als freier Autor tätig. Aus seiner Feder stammen Bücher wie das zuletzt erschienene Princeton 66, in dem er sich der USA-Exkursion der Gruppe 47 widmet. Nun gibt es von ihm das Buch Bestseller, das seine Intention schon im Untertitel verrät: Bücher, die wir liebten – und was sie über uns verraten.

Bestseller von früher bis heute

Darin betrachtet Magenau die Bestsellerlisten seit dem 2. Weltkrieg und zeichnet Trends nach, untersucht, welche äußeren Einflüsse zu bestimmten Moden geführt haben (könnten) und stellt ganz unterschiedliche Titel vor, die sich in den Jahrzehnten in Deutschland am besten verkauft haben. Er verknüpft das mit Zeit- und Geistesgeschichte und schafft so einen umfassenden Blick auf die Bundesrepublik und die literarischen Geschmäcker ihrer Bewohner. Hierbei widmet er sich dem Wiedererstarken der Natur-Bücher (etwa Peter Wohlleben mit seinen Bestsellern über Bäume, Seelenleben der Tiere und Netzwerke in der Natur) genauso wie Phantastik-Trends (von Momo bis zum Herrn der Ringe) oder dem Wunsch nach literarischer Verdrängung nach dem 2. Weltkrieg. Doch es ist nicht nur die Belletristik, die Magenau in seinen angenehm portionierten Kapiteln betrachtet, auch Sachbücher wie etwa die von Günther Wallraff finden sich in Bestseller. Er gibt dabei Überblick über thematisch in seine Argumentation passende Bücher, stellt diese teilweise in mit kurzen Synopsen vor und macht so Lust auf die neue Lektüre von Büchern, die schon tausende anderer Leser begeistern (oder zumindest zum Kauf verlocken) konnten.

Dabei ist Magenau auf Höhe der Zeit, denn auch aktuellste Geschehnisse um die Spiegel-Bestsellerlisten finden in diesem Buch ihren Platz. So geht Magenau auf den Skandal um die Causa Finis Germania von Rolf-Peter Sieferle ein (ein Spiegel-Redakteur nominierte das stark rechtslastige Buch des Historikers Sieferle, die Spiegel-Redaktion merzte es kurzerhand auf der eigenen Bestsellerliste aus und kommunizierte das schlecht – der Skandal war geboren) und bezieht Stellung.

Das alles macht aus Bestseller eine Wundertüte, eben so bunt und vielfältig wie die Bestsellerlisten selbst. Ein Buch für Literaturfans und alle, die sich für literarische Strömungen und Moden interessieren. Gut geschrieben, mit einem umfangreichen Anmerkungsapparat versehen – so darf das Buch gerne auch selbst auf die Bestsellerlisten springen!

#verlagebesuchen am 23.04.2017

Im Rahmen des Welttag des Buches boten in ganz Deutschland Verlage unter dem Motto #verlagebesuchen eine Art Tag der Offenen Tür an. Eingeladen waren interessierte Leser, die einen Blick hinter die Kulissen der Verlagshäuser werfen wollten – meist garniert mit Lesungen oder Führungen durch die Örtlichkeiten. Auch der in München ansässige Piper-Verlag hatte in seine Räume in die Georgenstraße eingeladen – und dieser Einladung kam ich natürlich gerne nach.

Volles Haus im Piper-Konferenzsaal

Das Programm umfasste 3 Stunden im Verlag; nach der Begrüßung durch die Verlegerin Felicitas von Lovenberg ging es dann auch schon los. Im bis auf den letzten Platz besetzten Konferenzsaal stießen die Piper-Autoren Georg M. Oswald, Pierre Jarawan und Su Turhan zur Rund, die sich zusammen mit der Verlegerin und Lektorinnen den Fragen des Publikums stellten. Welche Rolle spielt ein Verlag für einen Autoren? Welche Rolle spielen Literaturagenten im Literaturbetrieb? Welche Kriterien gelten für LektorInnen, anhand derer sie die Güte eines Textes beurteilen? Diese und viel mehr Fragen wurden den Gästen beantwortet ehe nach einer kurzen Pause die drei Autoren dann unisono die ersten Kapitel ihrer Bücher lasen.

Die drei Bücher, die die Autoren vorstellten waren Alle, die du liebst (Georg M. Oswald), Am Ende bleiben die Zedern (Pierre Jarawan) und Getürkt (Su Turhan). Vor allem Su Turhan, dessen Kommissar-Pascha-Krimis jüngst zur Primtime im Fernsehen liefen, erwies sich als unterhaltsamer Erzähler und Entertainer. Im Anschluss stellten sich die drei Autoren den Fragen der Zuhörer und gaben Einblicke in ihre Schreibwerkstätten, ehe alle erworbenen Bücher signiert wurden.

Verschiedene Coverentwürfe für Margaret Atwood und Zia Hader Rahman

Interessant auch die Einblicke in die anderen Abteilungen des Verlags – viele Mitarbeiter aus den Abteilungen Herstellung, Lektorat und Gestaltung standen parat und zeigten ihre Arbeitsfelder, mit denen sie sich täglich befassen. Hierbei fand ich besonders den Blick in die Herstellung erhellend – die MitarbeiterInnen zeigten verschiedene Coverentwürfe für Piper-Bücher. Sehr aufschlussreich, was sich der Verlag und Grafikagenturen für die Cover der jeweiligen Bücher überlegen – und welche dieser Cover es dann schlussendlich schaffen und welche Entwürfe wieder verworfen werden.

Schön auch dass die Kollegin Sabine von Bingereading & More ebenso wie ich den Weg zum Piper-Verlag fand und man sich nach der Leipziger Buchmesse schon wieder über den Weg lief.. Nicht nur die Welt ist ein Dorf – auch die Bloggerwelt ist es.

Die Zeit der dicken Bücher

Seit ein paar Monaten machen sie sich immer breiter in meinem Buchregal – dabei fing es doch eigentlich ganz harmlos an. Erst war es Donna Tartts Distelfink, der sich in den Buchregalen niederließ – dann fand noch Eleanor Catton mit ihren Gestirnen den Weg in mein Buchregal – und nun werden es immer mehr und mehr. Die Rede ist von dicken Büchern – die momentan auf uns einprasseln. Hiermit rufe ich die Zeit der dicken Bücher aus!

Passenderweise stellte Tobias Nazemi vom Buchrevier zuletzt eine Liste mit empfehlenswerten 1000-Seitern vor. Meinem Empfinden nach werfen die Verlage seit dem letzten Herbstprogramm und besonders in diesem Frühjahr die dicken Bücher auf den Markt, als gäbe es kein Halten mehr. Gab es in den Programmen früher hin und wieder solche Monolithen (ich denke da nur an Haruki Murakamis 1Q84), stolpere ich nun jede Woche über neue Bücher, die nicht nur an die tausend Seiten aufweisen, sondern auch ordentliches Gewicht auf die Waage bringen.

Das dicke Buch als Distinktionsmerkmal hat ausgedient, nun wagt offensichtlich nur noch derjenige oder diejenige etwas, die sich limitiert und mit wenigen Seiten zurande kommt. Bestes Beispiel ist meine aktuelle Lektüre – Chris Kraus Opus Magnum Das kalte Blut, das von zwei Brüdern, dem Dritten Reich und der Gründung des BND berichtet. Meister Kraus hat seine Geschichte auf über 1200 Seiten niedergeschrieben, muss sich aber damit in diesem Frühjahr nur mit  dem Silbertreppchen der Vielschreiber begnügen. In Führung gegangen ist Paul Auster mit 4, 3, 2, 1, dass es auf eine Seitenzahl von sage und schreibe 1264 Seiten bringt, auf denen Auster viermal das Leben von Archibald Ferguson durchdekliniert. Man mag einwenden, was sind im Schnitt 300 Seiten für ein Leben, wie es Auster beschreibt? Sehnsuchtsvoll denke ich da an Robert Seethaler zurück, der für ein ganzes Leben in Buchform nur 150 Seiten benötigt.

Viele AutorInnen strengen sich an, um beim Rennen der dicken Bücher auch noch auf das Treppchen der dicken Schinken zu gelangen – heiße KandidatInnen wäre da noch Nathan Hill mit Geister (864 Seiten), Hanya Yanagihara mit Ein wenig Leben (960 Seiten), Carlos Ruiz Zafón (Das Labyrinth der Lichter, 944 Seiten) oder die Altmeisterin Annie Proulx mit Aus hartem Holz (896 Seiten). Auch das mit dem Booker-Prize ausgezeichnete Epos Eine kurze Geschichte von sieben Morden von Marlon James bringt es da auf 864 Seiten. Ein Blick in die Verlagsvorschauen verheißt da auch nichts Gutes, als Beispiel sei nur der kommende und letzte Band der Min-Kamp-Hexalogie von Karl Ove Knausgård genannt, mit dessen Band er das Rennen um das dickste Buch des Jahres machen dürfte. Kämpfen wird es laut Verlag auf 1280 (!!!) Seiten bringen – ob wirklich jede dieser aberwitzig vielen Seiten für Knausgårds Selbstbespiegelung essentiell ist, das sei einmal dahingestellt.

Wer nun aber meint, all das träfe ja nur auf diese elegisch bis manischen Vielschreiber im Belletristikbereich zu – weit gefehlt. Auch im Sachbuchbereich grassiert die Dicke-Bücher-Manie. Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse wurde die Biographie von Kaiserin Maria Theresia von Barbara Stollberg-Rilinger (1083 Seiten). Des Weiteren wurde auf der Messe die Übersetzerin Eva Lüdi Kong ausgezeichnet, die Die Reise in den Westen vom Chinesischen ins Deutsche übertrug (1320 Seiten). Ähnlich voluminös auch die anderen Titel, die auf der Nominierungsliste in Leipzig standen – hier sei am Ende noch Leonhard Horowskis Europa der Könige ins Feld geführt – 1120 Seiten. Dies mag natürlich auch alles den Sujets geschuldet sein, die die AutorInnen behandelt – aber wer hat in dieser Zeit voller Anforderungen wirklich noch die Zeit, sich in solche Bücher hineinzuarbeiten und mit Muße zu lesen?

Haben die Autoren das Maß verloren und schaffen es nicht mehr, sich zu beschränken und konzise ihre Themen zu behandeln? Oder haben wir in dieser auf Informationshappen limitierten Zeit einfach verlernt, uns mal wieder auf etwas einzulassen?

 

Wie steht ihr zu dicken Büchern? Absolutes Muss oder eher Qual? Welches dicke Buch möchtet ihr nicht missen? Oder lasst ihr von Bücher ab einer bestimmten Dicke eh die Finger? Eure Meinung interessiert mich!