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Jo Nesbø – Blood on snow – Der Auftrag

Nesbøs Noir-Pulp

Jo Nesbø hat die Seiten gewechselt. Stand er bei seiner Harry-Hole-Reihe immer auf der Seite der Polizei, so hat er mit seinen anderen Romanen schon mal die Abweichung vom Pfad der Tugend gewagt. Nun ist er auf der komplett anderen Seite des rechtlichen Spektrums angekommen und widmet sich einem Killer.

http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/buch/details/blood-on-snow-der-auftrag-9783550080777.htmlDieser heißt Olav und ist starker Analphabet. Er hat kein Problem damit, sich unterzuordnen und die zweite Geige zu spielen. Dies tut er allerdings mehr als gut, denn als Auftragskiller ist er in den 70er Jahren für den Osloer Drogendealer Hoffmann tätig und expediert in dessen Auftrag lästige Konkurrenz.
Nun bekommt es Olav allerdings mit einem folgenschweren Auftrag zu tun. Er soll die Frau seines Bosses liquidieren – allerdings entwickelt er Gefühle für sie. Stattdessen tötet ihr ihren Liebhaber, der sich als Hoffmanns Sohn entpuppt. Fortan steht Olav damit auf der Abschussliste von Hoffmann selbst. Kann ihn das Überlaufen zur Konkurrenz retten?

Die Story hinter Blood on snow – Der Auftrag ist wahrlich nicht sonderlich neu. Der pulpige Plot ist schon mehr als genug ausgewalzt worden. Was das Buch in meinen Augen allerdings von dem Durchschnitt abhebt, ist die Technik des unzuverlässigen Erzählers, bei dem man sich nicht sicher sein kann, was nun stimmt und was nun der Fantasie des Erzählenden entsprungen ist. Gerade nach dem Ende des Buches blieben für mich noch Fragen übrigen, die das Geschehen noch einmal neu überdenken und interpretieren lassen.

Die Schreibe Jo Nesbøs ist gewohnt knackig und präzise. Auch an der Übertragung von Günther Frauenlob ins Deutsche lässt sich nicht viel bekritteln. Das Buch mit seinen lediglich 186 Seiten ist gut gestaltet, der schwarze Buchschnitt passt sich gut in die gesamte Erscheinungsweise des Buchs ein.

Interessant bleibt auch, was Nesbø im zweiten Roman aus dem Blood-on-Snow-Universum zaubert. Dieses Buch soll im Februar 2016 unter dem Titel Blood on Snow – Das Versteck erscheinen und richtet seinen Fokus auf Ulf, der als Geldeintreiber für den Fischer arbeitet, der auch im vorliegenden Buch eine zentrale Rolle spielt.

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Dennis Lehane – In der Nacht

Ein Prohibitionsmeisterwerk

Es gibt Schriftsteller, da passt jedes Wort. Da ist keine Zeile zu viel, da klingt kein Dialog gekünstelt und da ist jede Szene sauber gebaut und lässt im Kopf des Lesers einen ganz eigenen Film entstehen. Einer jener Schriftsteller, der zu meinen absoluten Favoriten zählt, schafft genau dies – die Rede ist von Dennis Lehane. Immer noch kommt ihm in Deutschland nicht die Aufmerksamkeit zu, die er eigentlich verdient hätte (man denke nur an die Adaptionen seiner Bücher Shutter Island oder Gone Baby gone). Immerhin hat sein Verlagswechsel hin zu Diogenes nun zur Folge, dass auch das schon etwas länger erschienene Mystic River neu aufgelegt wurde und eine langsame Etablierung des Autors einzutreten scheint. Mehr als zu gönnen ist es dem Autor auf jeden Fall.

Ein weiterer Titel aus dem facettenreichen Schaffen des Amerikaners liegt nun im Taschenbuch vor – übersetzt von Sky Nonhoff. Es handelt sich um das Prohibitionsdrama In der Nacht, der Lebensgeschichte des Gangsters und Alkoholschmugglers Joseph „Joe“ Coughlin.

Von Boston nach Tampa

Dieser wächst in Boston auf, um zwischen irischen und italienischen Einwanderern dann schnell die kriminelle Laufbahn einzuschlagen. Ein Überfall auf ein Hinterzimmer bringt ihn und seinen Vater, einen hohen Polizeibeamten, zunächst nur in Bedrängnis und Joe wenig später ins Gefängnis. Dort macht er die Bekanntschaft mit hohen Unterweltgrößen um in der Folge selbst zu einem mächtigen Mobster zu werden.

Der Unterweltboss Maso Pescatore verfügt nämlich, dass Joe in den Süden Amerikas, genauer gesagt nach Tampa gehen soll. Dort steigt er im Spannungsfeld zwischen Kuba und Amerika rasch zum mächtigsten Alkoholschmuggler der Gegend auf. Er übernimmt die Kontrolle über wichtige Vertriebswege und versorgt den ganzen Süden mit erstklassigem Rum – durch die herrschende Prohibition ist ihm ein einträglicher Verdienst sicher. Doch wie es so ist mit Imperien – schon bald drohen Widersacher und Staat dem prosperierenden Geschäft Joes gefährlich zu werden. Doch dieser weiß sich zu wehren.

Ganz ganz große Kunst

Immer wieder gibt es Bücher, die den Leser mit den ersten Sätzen schon derart ins Geschehen hineinziehen, dass Widerstand absolut sinnlos und verfehlt wäre. Der Beginn von In der Nacht zählt hierzu. Wie es Lehane gelingt, den Bogen vom todgeweihten Joe Coughlin hin zu seinen Jugendjahre zu spannen, wie er prägnante Szenen einzufangen weiß und wie er die Noir-Stimmung und Chandler-würdigen Dialoge kreiert – das ist große Kunst, punktum.

Ein Buch, das während der Lektüre nach einem guten Glas Rum in der Hand gebietet und dazu angetan ist, in einem Rausch gelesen zu werden. Joes Kampf um die Vorherrschaft im Schmugglergeschäft ist nicht nur für Fans der Fernsehserie Boardwalk Empire höchst interessant. Jeder, der nur halbwegs am Kapitel der Prohibition oder der Mafia in Amerika interessiert ist, der kommt nicht um diesen Titel herum.

Und die beste Nachricht noch zum Ende: die Geschichte Joes ist noch nicht auserzählt – im Herbst kehrt er im Buch Am Ende einer Welt wieder zum Leser zurück. Ein definitiver Pflichttitel dieses Bücherherbstes!

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Arne Dahl – Hass

Finale furioso

Nun ist Arne Dahl also nach dem Ende seiner A-Gruppe auch beim Ende des OPCOP-Quartetts angelangt und bereitet seiner europäischen Supergroup ein Finale – und was für eines: Nach „Gier“, „Zorn“, „Neid“ kommt nun „Hass“, ein Band der die Erzählstränge aus den drei Vorgängerbänden zusammenführt und die Dichte des Plots der wahrlich nicht einfach gestrickten Vorgänger noch einmal toppt. Am Ende des Buchs ist ein Dramatis personae aufgeführt, und gerade wenn man mit diesem Thriller in den Dahl’schen Kosmos einsteigen will, empfiehlt sich die Lektüre dieses Personenverzeichnisses wirklich.

Von Kalabrien bis China

Dahl schickt die OPCOP-Truppe unter der Leitung von Paul Hjelm um den ganzen Globus, um es mit dem internationalen Verbrechen aufzunehmen. Ohne zu viel vom fintenreichen Plot verraten zu wollen. Seine multinationale Gruppe muss sich in Pärchen aufgesplittet unter anderem mit der ‚Ndrangheta in Kalabrien, Chinesischen Forschern in Shanghai und Aufständen in Spanien befassen. Denn es scheint, als seien die Geschehnisse, die in den drei Vorgängerbänden geschahen, nur das Präludium für ein weitaus größeres Verbrechen. Und so haben auch die Charaktere aus diesen Büchern wieder Auftritte genauso wie das gefürchtete Sicherheitsunternehmen Asterion, dessen Rolle sich durch die ganzen Bände wie ein roter Faden zieht.

Arne Dahl - Hass (Cover)

Dahl schickt die OPCOP-Truppe unter der Leitung von Paul Hjelm um den ganzen Globus, um es mit dem internationalen Verbrechen aufzunehmen. Ohne zu viel vom fintenreichen Plot verraten zu wollen. Seine multinationale Gruppe muss sich in Pärchen aufgesplittet unter anderem mit der ‚Ndrangheta in Kalabrien, Chinesischen Forschern in Shanghai und Aufständen in Spanien befassen. Denn es scheint, als seien die Geschehnisse, die in den drei Vorgängerbänden geschahen, nur das Präludium für ein weitaus größeres Verbrechen. Und so haben auch die Charaktere aus diesen Büchern wieder Auftritte genauso wie das gefürchtete Sicherheitsunternehmen Asterion, dessen Rolle sich durch die ganzen Bände wie ein roter Faden zieht.

Für den optimalen Genuss von „Hass“ empfiehlt es sich meiner Meinung nach, die drei Vorgängerbände zu kennen. Zwar erklärt Dahl in Rückblenden immer wieder essenzielle Geschehnisse, besser für das Verständnis des komplexen Plots ist es allerdings, die Bücher selber gelesen zu haben (und außerdem sind diese ja auch wirklich starke Krimilektüre, die man sich nicht entgehen lassen sollte). Ein packendes Finale furioso und der Schlusspunkt eines Krimiquartetts, das seinesgleichen sucht!

Zur Übersicht für alle Interessierten hier noch einmal die Reihenfolge des OPCOP-Quartetts:

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