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Jennifer Clement – Gebete für die Vermissten

Die Mädchen Mexikos

Mexiko: Drogenlabor Amerikas und immer wieder Lieferant von grausamen Meldungen über Bandenkämpfe.
Großartige Bücher beleuchten dieses Thema : T.C. Boyles „América“ etwa oder Don Winslows „Die Tage der Toten“. Ein Weiteres muss nun mit diesen Büchern genannt werden. Jennifer Clements Roman „Gebete für die Vermissten“ ist ein unbeschönigendes Buch, dass das Leid der Frauen in Mexiko plastisch macht.

Die Autorin entführt darin in die staubige Bergwelt Mexikos, in ein Dorf in dem Männer Mangelware sind. Diese hat es über die Grenze ins prosperierende Amerika gezogen, während die Mütter mit ihren Töchtern in Mexiko in permanenter Angst vor Übergriffen leben. Die Kinder werden möglichst hässlich und versteckt gehalten, um Entführungen durch Kartelle zu entgehen. Clement schildert diese Welt durch die Augen von Ladydi, einem jungen Mädchen, das auf nur 230 Seiten eine schmerzhafte Odyssee durchmacht.

Es ist wahrlich keine Gute-Laune-Lektüre, die Jennifer Clement in ihrem Buch serviert. Dennoch lohnt sich „Gebete für die Vermissten“, weil es Einblick gewährt in eine Welt, die sich unserem täglichen Interesse doch sehr entzieht und so weit weg erscheint. Umso wichtiger, dass diese Literatur aufzurütteln vermag und für das tägliche Leid und die Schicksale gerade der weiblichen Bevölkerung in Mexiko sensibilisiert.
Daher sei dieses Buch jedem aufmerksamen Leser empfohlen, der über den Tellerrand blickt und der die Augen vor der Realität nicht verschließen will!

Benedict Wells: Fast genial

Einmal quer durch die USA

Fast Genial ist ein rührendes Roadmovie, das sich mit den Themen Identität, Erwachsen werden und der Suche nach Glück und Erfüllung beschäftigt. Diese werden von Benedict Wells locker in seinem klar strukturierten Roman angerissen, während sich die Rahmenhandlung um den Teenager Francis Dean dreht, der eigentlich ein klassisches Loser-Dasein führt. Mutter mit schwerwiegenden psychischen Problemen, unbekannter Vater und Leben im Trailerpark.

Durch die Bekanntschaft mit der ebenfalls in psychischer Behandlung befindlichen rebellischen Anne-May reift in ihm ein Plan: Nachdem seine Mutter ihm den Namen seines Vaters und die skurrile Hintergrundgeschichte zu seiner Zeugung offenbart hat, macht er sich mit Anne-May und seinem besten Kumpel Grover auf den Weg quer durch die USA, um seinen Vater kennenzulernen.

In klar strukturierten Kapiteln lässt Benedict Wells seine drei Helden in verschiedenen Städten Amerikas Halt machen und wechselt dabei ruhige, fast kontemplative Phasen mit schnellen Beschreibungen ab. Dies sorgt für einen ganz eigenen Rhythmus des Buchs und gefiel mir ausnehmend gut. Lustige Szenen wechseln sich genauso mit nachdenklich machenden Schilderungen ab und zeigen die Dynamiken innerhalb der Gruppe, ihre Sorgen und Wünsche.
Stellenweise erinnerte mich dies sehr an die Filme Vincent will meer und Friendship, doch das Buch bleibt immer eigenständig und souverän. Bereits Becks letzter Sommer von Benedict Wells hat mich tief berührt und ist eines meiner Lieblingsbücher geworden und nun hat er mit Fast genial das Kunststück wiederholt. Ein berührender Roman, der Depression mit Hoffnung verschmilzt und ein wirklich fieses Ende bereithält, das zahlreiche Interpretationen erlaubt!