Category Archives: Literatur

Kurz & knackig – Drei Bücher im Juni

Schon lange her, mein letzter Beitrag mit Kurztipps. Deshalb hier wieder einmal drei Romane, fix besprochen und notiert:

Mathijs Deen – Unter Menschen

Ein Bauer, einsam nach dem Tod seiner Eltern. Eine Frau, die sich auf seine Zeitungsannonce hin meldet. Zwei unterschiedliche Ziele, mit denen sie sich zunächst begegnen. Das ist die Ausgangslage in Mathijs Deen Roman Unter den Menschen (Deutsch von Andreas Ecke).

Deen erzählt vom Bauer Jan und Wilm, die es eigentlich weniger auf Jan denn auf seinen großen Bauernhof und das umgebende Grundstück direkt am Meer abgesehen hat. Man muss Deen dankbar sein, dass er dieses Setting nicht in eine kitschige Rom-Com-Richtung dreht. Stattdessen dominieren bei ihm herbe Natur- und Menschenbeschreibungen. Es will nicht so richtig passen – aber vielleicht könnte es auch gerade deswegen vielleicht klappen? Unter Menschen erinnert manchmal an die spröde Melancholie eines Robert Seethalers und weist einige sehr gut gesetzte Pointen auf. Auf gerade einmal 190 Seiten schaut man Jan und Wilm bei ihren Annäherungen zu und fühlt sich unweigerlich an die alte Frage erinnert: Können zwei halbe Menschen vielleicht zusammen ein Ganzes ergeben?

Erschienen ist der herb-poetische Roman im Mare-Verlag (mehr Informationen gibts bei einem Klick aufs Cover)

Nicola Karlsson – Licht über dem Wedding

Der Wedding scheint in diesem Frühjahr eine besondere Faszination auf Schriftsteller*innen auszuüben. Neben Regina Scheer, die feststellt Gott wohnt im Wedding, ist es nun auch Nicola Karlsson, die ein Licht über dem Wedding ausgemacht haben will.

Von jenem Licht bemerkt man im Buch allerdings wenig. Denn wie ein literarischer Graufilter wirkt alles, das Karlsson in ihrem Roman beschreibt. Einem Puppenhaus gleich beobachtet sie drei ganz unterschiedliche Figuren, die in einem Berliner Hochhaus eben im Wedding wohnen. Da ist Agnes, ihr Vater Wolf, der ein schweres Alkoholproblem hat. Und Hannah, die ein Modeblog betreibt; man könnte auch von einer Influencerin sprechen. All diese Figuren, ihre Kämpfe, Begegnungen und Abgründe bringt uns Karlsson nun nahe. Nur viel Licht, das gibt es nicht. Eher kleine Sonnenstrahlen, die aufgrund der deprimierenden Umgebung dann schnell ins Auge stechen.

Muss man mögen, diesen Blick auf depravierende Lebenssituation. Dafür wird hier endlich mal ein Milieu fernab von den üblichen Akademiker/RomCom/Prenzlberg-Milieus geschildert. Nur ein wenig mehr sprachliches Vermögen hätte ich mir gewünscht. Wenn schon drei Figuren im Mittelpunkt des Buchs stehen, warum dann nicht alle drei mit eigener Sprache und Eigenheiten herausarbeiten und ausstatten?

James Gordon Farrell – Troubles

In diesem Hotel möchte man wahrlich nicht wohnen – darüber lesen aber umso mehr. Denn James Gordon Farrell lässt in seinem Roman Troubles im fiktiven Hotel Majestic eine Horde ganz besonderer Gäste aufeinanderprallen, während um sie herum der irische Unabhängigkeitskampf tobt.

Man kennt das ja – einmal etwas unklar miteinander kommuniziert, und schon ist man verlobt. Diese Erfahrung muss auch der Major Brendan Archer machen, der sich als Kriegsheimkehrer 1919 mit der Tochter eines Hotelbesitzers verlobt sieht. Ganz ein Mann von Ehre, reist er in das Hotel, um dort die Angelegenheit zu klären. Doch das Hotel gibt den Major so schnell nicht mehr frei. Das ganze Haus zerfällt zusehends, das Personal ist skurril, Katzen haben sich ganze Etagen schon zurückerobert. Aber irgendwie kommt der Major und auch wir Leser nicht los vom Majestic.

Troubles ist ein ganz großer Lesespaß, der jetzt in der preisgünstigen Matthes&Seitz-Paperback-Reihe erschienen ist. Das Buch ist Teil einer Trilogie über das untergehende Britische Empire – und eines der wenigen Werke von James Gordon Farrell, der nach der Vollendung der Trilogie mit gerade einmal 44 Jahren starb. Sehr tragisch, denn man möchte gleich noch deutlich mehr Farrell’sche Titel nach dem Ende der Lektüre lesen . Hochkomisch, niemals bloßstellend, elegant, traurig, toll von Manfred Kempf-Allié übersetzt – ein großartiges Buch!

Willkommen im Dschungel

Friedemann Karig – Dschungel

Nachts, im Dschungel, hört man die ganze Welt, Grillen und Leguane und Geckos, den Wind in den Blättern, ein Rufen von weit, vielleicht einen Affen. Man spürt Moskitos auf der Haut und die Hitze und die feuchte Luft, überall Bäume und Dunkelheit und oben die Sterne, ganz hell. Der Dschungel ist so warm und gefährlich, ohne einen Freund ist man in ihm verloren.

Karig, Friedemann: Dschungel, S. 381

Nicht nur im Dschungel – auch im ganzen Leben ist man ohne einen Freund verloren. Oder der Freund ohne einen selbst. Diese Erkenntnis steht nach der Lektüre von Friedemann Karigs literarischem Debüt Dschungel. Er erzählt darin, wie man sich im Dschungel und auch den eigenen Erinnerungen verstricken kann.

Ausgangspunkt, auf den sich alles zubewegt und von dem sich alles wegbewegt, ist das Verschwinden von Felix. Irgendwo im Dschungel von Kambodscha verlieren sich alle Signale. Es gibt nur einen, der die Spuren von Felix aufnehmen und ihn sicher nach Hause bringen kann. Und das ist sein namenloser Freund, der als Ich-Erzähler dieses Romans fungiert.

Zwischen Erinnerungen und Suche im Dschungel

Immer wieder alternierend zwischen Genese dieser tiefen Freundschaft zwischen Felix und dem Erzähler und der Suche an den Stränden und Dschungeln Kambodschas treibt dieser Roman vorwärts. Karig schafft es, für die adoleszente Freundschaftsgeschichte und die Spurensuche in der Gegenwart einen eigenen und stimmigen Sound zu entwickeln.

Da verzeiht man es dem Autor auch, dass sich die Hälfte des Buchs schon wieder um Jugenderinnerungen und eine Beschwörung von männlicher Freundschaft handelt. Die deutsche Gegenwartsliteratur kennt ja offenbar momentan wirklich kein anderes Thema als dieses Coming-of-Age-Topos. Hier wird es allerdings vom stimmungsvollen zweiten Erzählstrang wirklich gut aufgefangen. Auch ist Karig ein zu guter Erzähler, als dass er es bei einer plumpen Verklärung von Erinnerungen an die Jugendzeit belassen würde. Sein rückblickender Erzählstrang hält durchaus auch Abgründe bereit und weiß sich durch einige erzählerische Kniffe vom öden Jugenderinnerungs-Einerlei wohltuend abzuheben.

Sein Dschungel ist wild, spannend und reißt mit. Zudem besitzt er die genau richtige Länge, die dann in einer schönen Schlusspointe mündet. Zudem ist der Roman eine Reflektion des Reisens, der Sinnsuche und des Dschungels in uns. Ein bemerkenswertes deutschsprachiges Debüt mit grandiosem Cover.

He said, she said

Bettina Wilpert – nichts, was uns passiert

Man kann sich leichtere Themen für einen Debütroman aussuchen – Bettina Wilpert ist aber gleich ins Risiko gegangen. Und das hat sich gelohnt.

Bettina Wilpert - Nichts, was uns passiert (Cover)

Sie hat ein Thema zur Bearbeitung ausgewählt, das nur mit entsprechendem Feingefühl und Einfühlungsvermögen erzählt werden kann. Die Rede ist vom Topos der Vergewaltigung und der Frage, was das mit den Beteiligten macht. Wer ist Täter, wer ist Opfer, was ist zwischen den beiden Parteien passiert?

Dass diese Fragen alles andere als leicht zu beantworten sind, das arbeitet Bettina Wilpert in nichts, was uns passiert mustergültig heraus. Mehrere Perspektiven, eine Art Reportage-Ich-Erzähler, der Freunde und Bekannte befragt und die Frage, wie man das Erzählte einordnet. Mit dieser Frage muss sich jede Leser*in selbst beschäftigen und eine eigene Antwort finden.

Denn Bettina Wilpert macht es einem nicht leicht. Sie erzählt die Geschichte um Jonas und Anna aus beiden Perspektiven, schildert beiderlei Wahrnehmungen auf das, was in jener zugrundeliegenden Leipziger Nacht passiert ist. Und das, was die beiden als Wahrheit wahrnehmen.

Leipzig, eine Sommernacht 2014

Ausgangspunkt ist eine Nacht während der Fußballweltmeisterschaft 2014. Während in Brasilien die deutsche Mannschaft durchs Turnier marschiert, staut sich in den Straßen Leipzigs die Hitze. Auf einer Party nähern sich Anna und Jonas an. Sie kennen sich, verstehen sich, streiten über Themen wie die Schriftsteller*innen Katja Petrowskaja und Serji Zhadan oder die Frage, wie man im Ukraine-Konflikt Stellung beziehen sollte. Es knistert, man streitet sich, man findet sich anziehend. Ebenso fließt in dieser warmen Leipziger Nacht der Alkohol. Die Folge: Filmriss bei Anna, unklare Erinnerungen bei Jonas.

Zwei Monate später wird Anna Jonas anzeigen, sie spricht von Vergewaltigung, Jonas von betrunkenem, aber einvernehmlichen Sex. Was ist wirklich passiert? In der Folge beobachtet Bettina Wilpert die gesellschaftlichen Prozesse und Entwicklungen rund um Jonas und Anna, während wir als Leser*innen schwanken, unsere Sympathien verteilen und selbst ein Urteil über die beiden fällen.

Das ist gut gemacht und wieder einmal ein Lehrstück darüber, wie weit unsere Wahrnehmungen auseinander liegen können. Gibt es so etwas wie eine objektive Wahrheit über ein Geschehnis wie eine Vergewaltigung? Wer hat Recht – und was macht eine Falschbeschuldigung mit einem? Wie reagiert das Umfeld?

Bettina Wilpert erzählt in einem unterkühlten, sachlichen Ton und überlässt die Bewertung dann den Leser*innen. Manchmal chronistisch genau, dann auch wieder angemessen subjektiv – genauso, wie man diesem so schwierigen Thema nur gerecht werden kann. Die zahlreichen Preise, die Wilpert mit ihrem Debüt eingeheimst hat (Aspekte-Literaturpreis, Das Debüt 2018, Hotlist-Nominierung, etc.) sprechen ebenfalls für sich. Ein bemerkenswertes Debüt!

Wenn die Mitmenschlichkeit Schiffbruch erleidet

Davide Enia – Schiffbruch vor Lampedusa

Im Zuge des Europawahlkampfs 2019 wollte vor zwei Wochen die Satirepartei Die PARTEI einen Wahlwerbespot im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk platzieren. Eine Ausstrahlung dieses Spots wurde aber zunächst verweigert. Der Grund hierfür: die PARTEI hatte ihre Sendezeit der privaten Seenotrettung „Sea Watch“ zur Verfügung gestellt. Dass ZDF argumentierte folglich, dass es sich hier nicht um Wahlwerbung, sondern um einen Aufruf zur Unterstützung der Organisation „Sea Watch“ handele. In geänderter Form war der Film dann aber doch zu sehen. Im Einerlei aus Stockphoto-Wohlfühl-Mainstream-Clips und absurd-dilettantischen Beiträgen ragt dieser Beitrag krass heraus – und ist mehr als notwendig, wie ich finde.

Wahlwerbung der Partei „Die PARTEI“

Einen ähnlichen Effekt verspürt man, wenn man Davide Enias Buch Schiffbruch vor Lampedusa liest (Deutsch von Susanne Van Volxem und Olaf Matthias Roth, erschienen im Wallstein-Verlag).

Denn genauso wie dieser Spot richtet auch Enias Buch unseren Blick auf dieses Thema, das wir so bequem verdrängen. Das Mittelmeer ist zu einem riesigen Friedhof geworden. Jeden Tag sterben im Schnitt sechs Menschen auf dem Mittelmeer beim Versuch, dieses zu überqueren. In rechten Kreisen und sozialen Medien ist gerne von Asyltourismus und Wassertaxis die Rede, als sei die Überquerung des Mittelmeer ein Spaziergang.

Private Seenotrettern wird der Zugang zum Mittelmeer immer weiter erschwert und sogar die die Wochenzeitung Die Zeit sah sich im letzten Jahr genötigt, in ihrem Editorial ein Pro und Contra für private Seenotrettung zu veröffentlichen. „Oder soll man es lassen“, so die zynischen Contra-Überschrift, die auf das Argument abhob, dass solche private Rettungsmissionen den Schleppern ja nur die Arbeit erleichtern würden und noch mehr Menschen nach Europa lockten.

Leben und Sterben vor und auf Lampedusa

Lässt man die Politik und dass dumpfe rechte Gebrüll einmal außen vor und schaut sich an, was da im Mittelmeer so passiert, dann wird man schnell sehr still und betroffen. Davide Enia hat das für uns Leser*innen getan und hat sich nach Lampedusa begeben, jene vorgelagerte italienische Insel, auf der viele der Flüchtlingsboote anlanden. Er hat sich umgesehen auf der Insel, mit den Bewohner*innen gesprochen, war bei dem Eintreffen von Flüchtlingsbooten Zeugen und schildert das alles nüchtern – und deshalb umso ergreifender.

Auf Lampedusa sagte ein Fischer zu mir: »Weißt du, was für Fische wir hier neuerdings wieder haben? Seebarsche.«

Er zündete sich eine Zigarette an und verfiel in ein tiefes Schweigen. »Und weißt du, warum die Seebarsche zurückgekommen sind? Weißt du, wovon sie sich ernähren? Genau.«
Er drückte seine Zigarette aus und ging.
Es gab nichts, aber auch wirklich nichts hinzuzufügen.

Enia, Davide: Schiffbruch vor Lampedusa, S. 2

Man kann Schiffbruch vor Lampedusa nicht lesen, ohne ergriffen und beschämt zu sein. Es zeigt sich, wie stark unsere Mitmenschlichkeit schon Schiffbruch erlitten hat. Die Geschichten, die Rettungstaucher, Kapitäne und Inselbewohner erzählen, sind verstörend. Doch allzu bequem ist es für uns, diese Geschehnisse an den Außenposten Europas zu verdrängen und uns mit wohlfeilen Worthülsen wie etwa „man müsste die Fluchtursachen bekämpfen“ abspeisen zu lassen. Doch Davide Enia tut dies eben nicht – wofür ich ihm wirklich dankbar bin.

Zudem ist das Buch nicht nur ein Buch über den Verlust von Mitmenschlichkeit und den omnipräsenten Tod im Mittelmeer – auch auf persönlicher Ebene sind diese Themen bei Enia präsent. Denn über seinen Aufenthalt auf der Insel versucht er auch eine Annäherung an seinen Vater und seinen krebskranken Onkel, der den Tod ebenfalls vor Augen hat. Hier zeigt sich eine andere Spielart des Humanismus, den wir leider zu sehr aus dem Blick verloren haben.

Ein Appell an unsere Mitmenschlichkeit

Mit den beiden erzählerischen Fäden webt Davide Enia ein Buch, das man so schnell sicher nicht vergisst. Man kann sich natürlich in unserer privilegierten Wohlstandsblase einschließen und die Augen vor der Realität verschließen. Man kann aber auch Davide Enias Buch lesen und sich der so erodierenden Mitmenschlichkeit entsinnen. Denn ich finde, dass Nächstenliebe, Hilfe und Unterstützung von Schwachen keine Frage von Rechts oder Links sind, sondern Grundpflichten eines jeden Menschen sein sollten. Davide Enia erinnert uns in Zeiten von Abschottung und Mauerbau wieder daran – und das ist mehr als notwendig!

Joe Mungo Reed – Wir wollen nach oben

Es gibt da eine schöne Geschichte, die der Teammanager Rafael dem Radsportler Solomon bei einer Gelegenheit erzählt. Man stelle sich ein Dorf vor, in der es eine junge Dame gibt, hinter der die Dorfjungen allesamt her sind, man selbst inklusive. Da gibt es nur ein Problem – alle Jungs sind größer als man selbst. Und wenn es etwas gibt, dass auf Frauen attraktiv wirkt, dann ist es Größe. Doch man selbst hat dadurch einen Nachteil, denn man ist leider der Kleinste in dem Dorf. Doch dann stellt sich heraus, dass alle andere Jungs im Dorf Schuhe mit versteckten Absätzen tragen, um größer zu erscheinen. Was macht man selbst?

Joe Mungo Reed - Wir wollen nach oben (Cover)

Das ist die Frage, auf die diese Metapher hinausläuft. Der Teammanager Rafael liefert Solomon die Antwort dann sofort mit: man besorgt sich natürlich ebensolche Schuhe, um den Nachteil zu den anderen wieder wettzumachen. Doch welche Konsequenzen sollte Solomon aus dieser Geschichte schließen, wenn es sich um kein Dorf handelt, sondern um das bekannteste Radrennen der Welt, die Tour de France?

Mit dieser Frage beschäftigt sich das Debüt des Engländers Joe Mungo Reed. Was tun wir, um den Anschluss an die Spitze nicht zu verpassen? Wenn alle anderen schneller Radfahren oder im Job mehr Erfolge vorweisen können? Wenn da oben so unendlich weit weg erscheint?

Wie bleibt man an der Spitze?

Der Weg nach oben, er ist ein anstrengender und ein steiniger. Doch wenn man es dann nach oben geschafft hat, dann kommt die größte Aufgabe. Seinen Platz an der Spitze zu behaupten. Denn wenn die Luft merklich dünner wird, dann wird es schwierig. Welche Mittel sind dann erlaubt, um weiterhin an der Spitze zu bleiben? Solomon und seine Frau Liz geben darauf eine Antwort, die man als Leser*in nicht unbedingt mögen muss. Faszinierend schaut man dabei aber allemal zu.

Denn während Solomon bei der Tour de France bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit und darüber hinaus geht, kämpft Liz an einer anderen Front um ihren Erfolg. Sie hat Forschungs- und Drittmittel eingeworben für eine biologische Studie. Doch diese liefert nicht den gewünschten Erfolg und zeigt, dass ihrer Studie höchstwahrscheinlich eine falsche Hypothese zugrundeliegt.

Diese zweite Erzählstrang tritt deutlich hinter den um Solomons Tour de France zurück. Immer wieder unterbricht Reed diese intensiv und sehr unmittelbar geschilderten Radelepisoden, um sich dann Solomons und Liz‘ Ehe zu widmen. Das erinnert in seiner Struktur damit auch an David Coventrys Die unsichtbare Meile.

In erster Linie ist Wir wollen nach oben natürlich ein Sportler- bzw. Radrennroman. Aber die zweite Ebene macht das Buch dann wirklich spannend (wenngleich sie noch etwas mehr Raum verdient hätte). Für welche Werte stehen wir ein und zu welchen Mitteln greifen wir? Und ist im Sport und in der Liebe wirklich alles erlaubt?

Wer Wir wollen nach oben gelesen hat, der wird da unweigerlich so seine Zweifel bekommen.