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Meinungsbeiträge und Debattentexte

Die Influencierung des Buchmarkts und der Kritik

Im vergangenen Monat las ich eines der besten Bücher, das mir in diesem Jahr bislang untergekommen ist. Geschrieben hat es Kerstin Specht, die darin das Leben ihrer Mutter literarisch verarbeitet. Die Dramaturgin erzählt in Mittelberge vom Aufwachsen im Nordoberfranken der Zwischenkriegszeit, von Anpassung und Mangel – und das in literarisch bestechender Form zwischen Lyrik und Prosa.

Fast wäre das Buch allerdings nicht erschienen, wie Specht im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erzählt. Denn Specht ist trotz ihrer Lebenserfahrung von mittlerweile siebzig Jahren auf dem Buchmarkt trotzdem eine Newcomerin. Zwar hatte sie sich in den 80er Jahren auf dem deutschen Theatermarkt einen Namen gemacht, erhielt für ihre Schauspiele große Beachtung und wurde mit ihren Werken sogar von der Royal Shakespeare Company gespielt, dennoch reichte das den größeren Verlagen nicht, um ihrem Manuskript eine Chance zu geben. Trotz des Erfolgs von Autorinnen wie Helga Schubert oder Gabriele von Arnim wurde Spechts Debüt reihenweise abgelehnt, ehe es im unabhängigen Münchner Verlag Stroux Edition dann doch noch ein Zuhause erhielt.

Dieses Agieren ist mittlerweile symptomatisch geworden. Denn statt origineller (und unbekannter) Erzählstimmen geben Verlage in Zeiten sinkender Absätze und schrumpfender Lesermärkte lieber bekannten Namen und Influencern den Vorzug, um in ihren Programmen zu debütieren.

Influencer auf dem Buchmarkt

Kiepenheuer und Witsch nahm neben dem Fußballer Christoph Kramer den Internet-Komiker El Hotzo ins Programm, bei Ullstein war es El Hotzos Kollege Kurt Prödel, der Aufnahme im Verlag fand – und bei dtv setzte man auf die Internet-Comedienne Lena Kupke. Sie alle durften in den Hardcover-Programmen der Verlage auf prominenten Programmplätzen debütieren.

Die Logik dahinter ist einfach. Wo unbekannte Namen ein Risiko darstellen, die erst noch der Vermittlung und dem Aufbau einer Fangemeinde bedürfen, bringen Influencer und Social Media-Stars diese Reichweite gleich mit, die sich dann auch hoffentlich in Buchkäufer*innen übersetzt, so die Hoffnung der Verlage,.
Im Falle der genannten drei Digitalgrößen ist diese Strategie ja auch durchaus aufgegangen. Zwei von drei Titeln hielten Einzug in den Spiegel-Bestsellerlisten, Prödels Roman wurde mit dem Debütpreis der lit-cologne sowie einer Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Dass der Bekanntheitsgrade dabei den literarischen Gehalt der Werke oftmals schlägt, scheint für die Verlage vernachlässigbar. Die von den jeweils Schreibenden erarbeitete Community ist das Ziel. Fans der Autor*innen, die mit ihrer Werbung und ihrem Sprechen über die Bücher wiederum den Titeln mehr Sichtbarkeit und Absatz zu verschaffen, so funktioniert die wirtschaftliche Logik und Markenbildung.

Influencer in der Literaturkritik

Längst ist diese Logik auch in der Literaturkritik angekommen, die in Teilen schon mehr Literaturvermittlung als wirkliche Kritik ist. Der Ex-Gastgeber des Literarischen Quartetts, Volker Weidermann, empfiehlt auf Instagram und TikTok die besten aktuellen Romane für den Sommer, Elke Heidenreich ist bei Instagram vertreten, wo sie Rezepte für Eiswürfel, Dackelbilder und manch seltsame Ansichten zu Frauen im Buchbetrieb teilt – und Philipp Tingler und Nicola Steiner scheinfochten in minutenkurzen, schnell geschnittenen Clips für den SRF über aktuelle Bücher.

Natürlich ist gegen all das nichts einzuwenden. Neue Formen und Ausspielwege auszuprobieren halte ich nicht für grundfalsch. Aber es scheint dennoch, das vor allem im Digitalen mit seinem Reiz zum Oberflächlich-Knappen der Streit, die Debatte und das längere Nachdenken über Bücher und ihre Potentiale ins Hintertreffen geraten.
Man traut weder sich noch dem Publikum mehr etwas zu, fordert sich nicht heraus und bleibt lieber an der Oberfläche, statt Büchern wirklich auf den Grund zu gehen.

Beispielhaft für diese Entwicklung ist auch der Preisträger des diesjährigen Julius Campe-Preis für Literaturkritik und Literaturvermittlung. Nach Preisträger*innen wie Denis Scheck, Thea Dorn, Elke Heidenreich oder Roger Willemsen wird in diesem Jahr Thomas Sachsenmaier ausgezeichnet.
Dieser stellt auf TikTok und Instagram in sekundenkurzen Clips BookTok-Bestseller vor, filmt sich selbst dabei, während er die Anzahl von Genitalien in Büchern innerhalb einer Lesestunde zählt, präsentiert Bücher mithilfe einer Gurke, preist Rätselhefte an oder bewertet Buchregale seiner Fans. Das Ganze hat oftmals einen starken werblichen Charakter und die vorgestellten Bücher bewegen sich überwiegend im Feld eh schon dauerpräsenter Bestsellerware.

Fehlender Wille zur Kritik

Statt in die vertiefte, kritische Analyse einzusteigen, dominiert Oberflächlichkeit. Auch auf dem Feld der Laienkritik macht sich das bemerkbar. Jenen Willen zur Kritik oder gar zum Verriss zeigt dort kaum noch jemand. Stattdessen finden Bücher, die man nicht mochte, dann einfach nicht mehr statt.

Stillschweigen über Missliebiges und ein bejahender Leseansatz statt Kritik und Lust auf Debatte. Die auf TikTok aktive und reichweitenstarke Influencerin Jess Hengel fasste diese Denkschule jüngst in ihrem Porträt im Spiegel wie folgt zusammen:

„Ich will niemandem schaden“, sagt Hengel. Sie macht keine kritischen Videos mehr. Bücher, die ihr nicht gefallen, erwähnte sie meistens einfach gar nicht. Wenn sie nichts Positives über ein Buch zu sagen hat, für dessen Vorstellung sie bezahlt wurde, sage sie die Kooperation mit dem Verlag lieber ab. „Ich will mit meinem Account Freude bereiten.“

Diese affirmative Herangehensweise mag in Zeiten sinkender Leselust und schwächelnder Käuferzahlen nachvollziehbar erscheinen. Aber dennoch stellt sich die Frage, ob man mit Kritik und dem Benennen von Schwächen Büchern nicht gerechter wird, als sie dann einfach gar nicht stattfinden zu lassen.

Lässt doch schon die Bewertung eines Buchs im Digitalen per Sternchenskala oder „Mochte ich – Mochte ich nicht“ jegliche Zwischentöne und Sinne für das Abwägende vermissen, so steigt auch die Anzahl und Sichtbarkeit von Content-Creatoren, die dieses vereinfachende Sprechen über Bücher weiter auf die Spitze treiben.

Je mehr ich tanze, umso besser war das Buch

Influencer*innen liefern „3 gute Gründe, warum du dieses Buch lesen solltest“, die sich dann doch meist allein auf die Stimmung und die Passgenauigkeit zur Jahreszeit konzentrieren. Ganze Bücherstapel werden mit unterkomplexen Wertungskategorien à la „Mochte ich, mochte ich nicht“ entzweisortiert oder die Bücher werden mit seltsamen Interaktionen wie „Je mehr ich tanze, umso besser war das Buch“ abgearbeitet.

Es ist der Trend zur Simplifizierung, der jedes eingehende Nachdenken über Bücher negiert. Die Funktion von Buchkritik, nämlich die kritische Einordnung eines Werks, das Aufzeigen eines Zusammenhang des Buchs in Bezug auf die Werkgeschichte eines Autors oder die Weltlage generaliter, die möglichen Traditionslinien und Motive, die in einem Text aufscheinen, ja auch das Befassen mit der Sprache eines solchen Textes, all das verschwindet langsam aus dem Diskurs und scheint auch nicht weiter zu fehlen.

Dabei sind es ja die besten Bücher, die diese Komplexität aufweisen und oftmals auch ihren Leserinnen und Lesern viel abverlangen, die nicht ohne Widerspruch bleiben und sich einer klaren Einordnung entziehen.
Weiter gedacht ist es ja dann auch gerade das Nachdenken, Benennen und Streiten über die verschiedenen Sichtweisen eines Buchs, die die eigene kritische Urteilskraft schärfen. Je mehr unterschiedliche Perspektiven von Ablehnung bis Lob aufeinandertreffen, umso besser kann man auch sich und seine Perspektive einordnen und so vielleicht sogar dazulernen und den eigenen Blick weiten.

Doch die Plattformen und die Nachfrage der Nutzenden stärken hingegen setzen nicht auf eine Weitung des eigenen Blicks, im Gegenteil. Es dominieren die Sichtbarkeit von schnellen Clips und Masse, statt sich einem Buch mit der dafür notwendigen literaturkritischen Sorgfalt zu widmen. Die Sichtbarkeit verengt sich auf wenige Hype-Titel, die Bibliodiversität nimmt ab und die Literatur in ihrer Breite leidet.

Influencer alias „Blogger“

Schade ist dabei, dass nicht nur die Algorithmen dieser Logik folgen, sondern auch die Verlage und Preise diese Entwicklungen unterstützen.
Will man Bücher bewerben und deren Sichtbarkeit erhöhen, versieht man reichweitenstarke Content Creator mit entsprechenden Aufträgen. Auch wenn diese gar keinen Blog betreiben, werden sie dabei munter als „Bloggerinnen“ und „Bloggerpaten“ tituliert, allen voran beim wahrscheinlich aufmerksamkeitsträchtigsten Buchpreis, dem Deutschen Buchpreis.

Dieser benennt Jahr für Jahr 20 „Blogger*innen“ als Buchpaten, die die nominierten Titel auf ihren Kanälen vorstellen sollen. Ein kurzer Blick auf die Profile der sogenannten „Blogger*innen“ zeitigt schnell ein sehr ernüchterndes Bild. Von 20 Bloggenden betreibt gerade einmal einer überhaupt einen Blog. Es ist eine Verschiebung hin zur dynamischen Influencer-Welt, bei der nur die offizielle Bezeichnung seltsam statisch bleibt.

Wo sogar schon die großen Buchmessen mittlerweile von Booktoker*innen und Co als „Content Creator“ sprechen, herrscht von Seiten dieses Preises wie von vielen anderen Akteure eine sprachliche Schludrigkeit, die jegliche Präzision und Begriffsschärfe vermissen lässt. Dabei lebt das Feld, auf dem sich die „Blogger*innen“ umtun, ja eigentlich von der Genauigkeit von Worten, Begriffen, der Sprache und damit auch Denken.

Das Ergebnis dieser Patenarbeit ist dann in einigen Fällen leider auch wieder jene Oberflächlichkeit, zu der sich die Buchkritik in vielen Bereichen gerade befleißigt,

Was verloren geht

Man könnte dies alles als semantische Spitzfindigkeit abtun, als eine unumgängliche Entwicklung, die eben auch den Literaturmarkt und die Kritik erfasst hat. Schließlich ähneln manche Vorbehalte ja auch denen, die Bloggenden vor fünfzehn Jahren ebenfalls entgegenschlugen, als sich diese daranmachten, mit ihren – immerhin echten – Blogs Anteil an der Literaturkritik zu nehmen.

Dennoch finde ich die Kritik an der zunehmenden Influencierung des Buchmarkts und der Literaturkritik statthaft. Denn wo Blogs einst noch ihren großen Raum für vertieftes Nachdenken und ambivalente Buchkritik gerade auch für Titel nutzten, die vom etablierten Betrieb übersehen oder ignoriert wurden und so als wichtiges Korrektiv arbeiteten, ist jenes Korrektiv mit dem Erstarken von Instagram und Co einer Fixierung auf Hypes und der Abnahme der zuvor erkämpften Bibliodiversität gewichen.

Stimmen aus kleineren Häusern, entlegenen Sprachregionen oder Empfehlenswertes aus zurückliegenden Verlagsprogrammen, sie alle schwinden zusehends. Doch wo diese Vielfalt, das kritische Werturteil, die Debatte, die tiefergehende Auseinandersetzung mit Literatur in all ihrer Vielfalt und Komplexität schwindet, da geraten Buchmarkt und die Literatur selbst in Gefahr.

Die Literaturkritikerin Brigitte Schwens-Harrant formulierte diese Befürchtungen und die Notwendigkeit zum Streit über Bücher im Rahmen ihres Rückzugs als Jurorin beim Bachmann-Preis, einem der letzten verbliebenen öffentlichen Orte für Diskussionen über Texte und Traditionen:

Ich betrachte das öffentliche Reden über Literatur als einen sehr wichtigen Teil unserer Kultur und der Präsenz von Literatur. Wer die Literaturkritik verjagt, verletzt damit – so paradox es klingt – auch die Literatur: weil er ihr Präsenz nimmt, den Raum des Diskurses, den Raum, ernst und wichtig genommen zu werden.

Brigitte Schwens-Harrant in ihrem Beitrag für die Wochenzeitschrift „Die Furche“

Mehr Kritik, weniger Influencer

Noch verdanken wir es den Feuilletons klassischer Medien, standhaft Bloggenden, widerständigen unabhängigen Kleinverlagen und in Ansätzen dem Mut öffentlich-rechtlicher Programme, der sich besonders in der Übertragung des Bachmannpreis im ORF zeigt, dass die tiefergehende Auseinandersetzung mit Büchern noch stattfindet und auch auf die Sichtbarkeit von Randständigem auf dem Buchmarkt einzahlen kann.

So erhalten Preziosen wie die eingangs erwähnten Mittelberge von Kerstin Specht wenigstens etwas Sichtbarkeit auf dem Buchmarkt und in den digitalen Weiten.
Wenn aber weiter die Algorithmen und ihre „Mehr vom Gleichen“-Logik das digitale Gespräch über Titel dominierten, wenn die Reichweite Tiefe und kritisches Denken schlägt, dann geraten wir mit der Literaturwelt in eine ähnliche Polarisierung, wie sie die Welt im Realen gerade auch schon erlebt.

Deshalb: muten wir uns wieder mehr Komplexität zu!
Mehr Mut zu Kritik, zu Widerspruch, zu genauerer Benennung von Stärken und Schwächen, ein Blick in die Programme kleiner Häuser und Titel abseits des Mainstreams, eine Stärkung der Bibliodiversität und der differenzierenden Stimmen – die Literaturwelt kann davon nur profitieren!

Die Literaturkritik und der Nachwuchs

Wo ist er, der Nachwuchs in Sachen Literaturkritik? In etablierten Formaten und Medien findet er zumindest kaum statt, was zu einem echten Problem werden kann. Denn die Ignoranz von literaturkritischem Nachwuchs gräbt dem zusehends versickernden Gespräch in der literarischen Öffentlichkeit zusätzlich das Wasser ab. Dabei ginge es auch anders…


Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse fand auf der Bühne von ARD, ZDF und 3sat eine Diskussion zum 50. Geburtstag der SWR-Bestenliste statt. In dieser Liste stimmen Monat für Monat 30 Literaturkritiker und Literaturkritikerinnen über Neuerscheinungen ab und erstellen so zehn Plätze umfassende Empfehlungsliste als literarische Alternative zur rein auf Verkaufserfolg blickenden Spiegel-Beststellerliste.
Das Fortdauern dieser literarkritischen Institution dauert nun schon ein halbes Jahrhundert an. In Frankfurt wurde das im Gespräch mit den drei KritikerInnen und Jurymitgliedern Iris Radisch, Helmut Böttiger und Cornelia Geißler dementsprechend gefeiert. Als Rückblick alleine auf Vergangenes sollte das Gespräch aber nicht funktionieren, vielmehr stand die Veranstaltung unter der Fragestellung Wie sieht die Zukunft der Literaturkritik aus?

Ja, wie sieht sie aus? Darüber herrschte auf der Bühne Uneinigkeit. Haben junge Menschen angesichts prekärer Bezahlungen und unsicherer Zukunftsaussichten überhaupt noch Lust auf eine Karriere in den Medien? Sind TikTok und Co nicht vielmehr die Plätze, an denen das Gespräch über Bücher lebt und die Buchkultur Blüten treibt? Braucht es die Literaturkritik überhaupt noch, wenn doch die Lust auf Kritik und ästhetische Auseinandersetzung mit Büchern und Thesen sinkt, sich das literarische Gespräch in der Öffentlichkeit in Hausbesuchen und Spaziergängen mit AutorInnen erschöpft, um allzu kritische Worte zu vermeiden?

Fragen in Frankfurt

Die Runde griff viele Fragen auf und war doch auch in ihrer Zusammensetzung bemerkenswert. Denn obschon man sich viele Gedanken über die Zukunft der Literaturkritik machte, so war sie zumindest personell auf der Bühne nicht vertreten. Unter den arrivierten KritikerInnen (Jahrgänge 1956 bis 1965) stach Moderator Carsten Otte (Jahrgang 1972) als Jungspund in der Runde heraus. Dementsprechend schwer tat sich auch mancher mit den Begrifflichkeiten der neuen Medien und ihrer vielfältigen Ausprägungen. Jemanden, der aus dem eigenen Tun heraus eine Perspektive auf den Themenkomplex beisteuern hätte können, er fehlte.

Diskussion zur Rolle der Literaturkritik und des Nachwuchses, Jury der SWR-Bestenliste
Bildquelle: Screenshot SWR/SWR Bestenliste

Nun soll an dieser Stelle keineswegs ein plumpes Altersbashing betrieben werden. Die Gedanken der Runde waren ja durchaus bedenkenswert und auch in Bezug auf neue Medien in Teilen bemerkenswert kundig. Doch die Tatsache, coram publico über den Generationenwechsel in der Literaturkritik zu sinnieren, ohne die nächste Generation überhaupt ins Gespräch einzubinden, es ist zumindest ein bemerkenswerter Umstand.

Mit diesem Widerspruch einer Klage über den Niedergang der Literaturkritik und eine gleichzeitige Nicht-Einbindung nachwachsender Kräfte ist die Veranstaltung aber nicht alleine. Auch bei der SWR-Bestenliste selbst lässt sich dieser Abriss zwischen den Generationen gut beobachten. LiteraturkritikerInnen unter 50 Jahren sind im Gremium Mangelware.

Natürlich ließe sich argumentieren, dass eine solche Jury nur arrivierte Kritikerinnen und Kritiker in ihren Reihen einlädt, die über ein über die Jahre herausgebildetes literaturkritisches Wissen und Sensorium verfügen. Wenn man die jungen (jung hier im Sinne von U40, wenn nicht gar U50) Stimmen, allerdings gar nicht einbindet und ihnen die Möglichkeit nimmt, sich in solchen Runden zu ebenso arrivierten KritikerInnen heranzureifen und ihnen die Chance zum literaturkritischen Wachsen und Ausbilden ihrer Urteilskraft verwehrt, gräbt man sich und seiner Zunft letzten Endes selbst das Wasser ab.

Eine Balance zwischen Nachwuchsförderung und dem Erfahrungsschatz arrivierter Kräfte wäre wichtig

Hier wie überall sonst wäre die Balance zwischen Nachwuchsförderung und dem geteilten Erfahrungsschatz etablierter Mitglieder im Sinne einer Zukunftsfähigkeit wichtig, um nicht den Anschluss zu verpassen und fürderhin die eigene Relevanz zu wahren. Auch entginge man so der Gefahr einer Überalterung einer Jury, die bei einem solchen Strömungsabriss der Generationen irgendwann droht.

Auch andere Gremien tun sich schwer damit, Nachwuchskräfte einzubinden. Das reicht von Jurys wie der des Büchner-Preises oder der Jury des Deutschen Buchpreises bis hin zu literaturkritischen Formaten wie dem Literarischen Quartett. Sie alle fremdeln damit, junge Stimmen zu fördern und in ihr Tun einzubinden.

Letztgenanntes Format öffnet sich zwar immer wieder in Form von U21- und Zuschauerspezials, die im Rahmen der Leipziger und Frankfurter Buchmesse auf der Bühne mit Gastgeberin Thea Dorn stattfinden, in die Mediathek schaffen es die Ausgaben nur selten. Und noch seltener schafft es ein junger Gast von diesen Ausnahmeveranstaltungen in die reguläre Sendung. Einzig in der Ausgabe vom September 2023 lud man eine Teenagerin aus der U21-Ausgabe ins die „echte“ Fernsehaufzeichnung ein. Bis heute ein Ausnahmefall.

Mit den Jurys von Literaturpreisen ist es nicht anders. So sind aktuell BookTok und dessen junge KonsumentInnen zwar der einzige Anker, die den schrumpfenden Buchmarkt noch halbwegs stabilisieren. In Jurys und den wenigen noch existenten Literaturformaten in Funk und Fernsehen werden sie aber nicht einbezogen. Blogger und Instagrammer sollen Buchpreise eher werbend flankieren und ihnen über ihre Kanäle Aufmerksamkeit verschaffen, denn sie wirklich in die Entscheidungsfindung einzubinden (und wenn das beim Deutschen Buchpreis tatsächlich passiert, dann stellen die Porträts fast immer erst die Profession als BuchhändlerInnen nach vorne, um dann noch kurz ihre Social Media-Präsenz zu erwähnen).

Anschlussfähigkeit an nachkommende Generationen wahren

Viele ambitionierte Nachwuchskritiker*innen hat dieser zweifelhafte Umgang und die Abwertung durch das etablierte Feuilleton und andere Schaltstellen des Literaturbetriebs schon vergrault. Dabei sollte man angesichts der schrumpfenden Plätze für Literaturkritik solche Bemühungen doch ernster nehmen, junge Stimmen einbinden, ihnen die Chance zu Entwicklung zu geben und damit auch die Literaturkritik breiter in der Masse zu verankern.

Natürlich muss man auch Differenzierungskraft an den Tag legen. Nicht jedes BookTok-Buch ist ein literarisches Gespräch wert, nicht jeder BookToker, der ein Buch vor die Kameralinse hält, gleich ein neuer Marcel Reich-Ranicki. Aber es gibt sie eben doch, literarisch versierte, rhetorisch kundige und in ihrem Urteil konsistente Stimmen, die sich nun vermehrt auch BookTok, aber immer noch auch auf Instagram mit seinem Bookstagram, in Podcasts oder gar dem schon wieder recht verwaisten Feld der Literaturblogs tummeln.

Junge LiteraturkritikerInnen, die sich in ihrer Arbeit mit vernachlässigten Phänomenen wie etwa der Literatur aus Osteuropa beschäftigen oder die neue Formen für ein literarisches Gespräch ausprobieren und in der Vermittlung andere Wege gehen; man sollte sie nicht belächeln oder lediglich als unerwünschte Konkurrenz für das eigene Tun zu begreifen. Im Gegenteil: es kann nur guttun, diese Stimmen einzubinden und ihre Perspektiven auf Literaturkritik wahrzunehmen, ganz im Sinne der Anschlussfähigkeit von Literaturkritik an nachwachsende Generationen.

Fazit

Es wäre an der Zeit für Jurys und Formate, sich jungen Talenten zu öffnen und diese aktiv zu suchen und zu fördern. Statt bei den üblichen Verdächtigen zu verharren und jungen Literaturkritikerinnen damit die Chance zur Entwicklung und Etablierung zu verwehren, wäre es höchst dringlich, diese in Formate und Gremien einzubinden, um so nicht am eigenen Ast zu sägen. Schon alleine deshalb, damit wohlgeschätzte Institutionen wie die SWR-Bestenliste auch in 50 Jahren noch Relevanz und Einfluss genießen. Der Generationenumbruch, er müsste jetzt eingeleitet werden, um ihn dann gestaltend zu begleiten und sich so für die Zukunft zu rüsten.

Mit einer kontinuierlichen Förderung junger, kritischer Stimmen könnte es gelingen. Weiter in eine Zukunft zu gehen, in der Literaturkritik Einfluss und Ansehen genießt, das erscheint mir ein Ziel, das uns alle als Literaturinteressierte doch einen sollte. So müsste einem dann auch angesichts der in Frankfurt diskutierten Frage nach der Zukunft der Literaturkritik etwas weniger bang sein und es ließe sich zuversichtlicher nach vorne schauen.


Bildrechte Titelbild: Frankfurter Buchmesse/Anett Weirauch

Die tote Debatte

Der Buchbranche und der Leserschaft geht es nicht schlecht – wenn man sich auf den boomenden Bereich des Genres New Adult kapriziert. Fans stehen auf Messen Schlange für Selfies mit Autorinnen, signierte Bücher und besondere Ausstattungen. Farbschnitte werden heiß diskutiert und alleine in der Woche, in der ich diese Zeilen schreibe, stammen sechs der Titel der Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste Paperback aus dem Hause Lyx.

Solcher Absatz weckt natürlich auch Begehrlichkeiten. Sogar eine Marke wie Gräfe und Unzer wagt angesichts solcher Erfolgsmeldungen jüngsten Nachrichten zufolge den Sprung ins Tummelbecken des New Adult-Segments. Man wolle „psychologische Expertise“ mit belletristischer Handlung verschmelzen, um zum Genre so „hochrelevante neue Aspekte“ beizutragen, lässt sich die Vertreterin des Verlags zitieren. Dass trotz solcherlei Stanze eigentlich ökonomische Interessen angesichts des wirtschaftlichen Erfolgs solcher Genretitel im Vordergrund stehen, darf nicht ausgeschlossen werden.

Doch was passiert eigentlich außerhalb dieser Erfolgssparte? Wenig Hoffnungsstiftendes. Denn obschon die steigenden Preise die Verluste auf dem Buchmarkt etwas ausgleichen können, sinkt doch die Zahl der Buchkäufer und scheinen die Verlage rat- und ideenlos. Und noch trostloser sieht es beim Thema des Sprechens über die Bücher selbst aus.

Denn nicht nur die professionelle Kritik und ihre Institutionen steht unter Druck, auch das Sprechen über Bücher im digitalen Raum durch Leserinnen und Leser selbst verödet zunehmend. Ist die digitale Literaturdebatte gar schon tot?

Elon Musk ist schuld

Blickt man auf die Gründe, warum die Literaturdebatte im digitalen Raum so verkümmert ist, könnte man es sich natürlich einfach machen, indem man auf den Mann zeigt, der schuld ist: Elon Musk.

Mit seiner Übernahme und anschließenden Abwirtschaftung des früheren Debattenraums Twitters hin zu X hat er für eine konsequenze Verödung des Mediums gesorgt. Eine Ausdünnung der Moderation ging mit dem beschönigend unter dem wolkigen Begriff der „Free Speech“ subsummierten Einlass radikaler, zumeist rechter Kräfte einher. Blaue Haken, früher ein Zeichen von Verifizierung und wenigstens einer Art von Relevanz, sind zur Ramschware verkommen. Reichweiten stagnieren, rechte Positionen fluten die Plattform und so ist es kein Wunder, dass dies zu einer Abwanderung vieler interessanter Stimmen geführt hat.

Eine wirkliche alternative und ähnlich relevante Plattform hat sich zumindest in meinen Augen bislang nicht etablieren können. Der blaue Himmel alias Blue Sky bleibt in Sachen Reichweite weit hinter den Erwartungen zurück und auch Mastodon bekommt sein Image als sympathisches, aber doch sehr nischiges und spezielles Kommunikationsforum nicht wirklich los. Auch die von Instagram angebotene Kommunikationsplattform Threads konnte sich bislang noch nicht wirklich durchsetzen.

Die Verbindlichkeit eines belebten Marktplatzes der Meinungen und Stimmen, wie es Twitter zur besten Zeit war, hat auch – über ein Jahr nach dem Niedergang des Mediums – keine der als mögliche Nachfolger gehandelten Plattformen entwickeln können. Wirkliche Debatten entspinnen sich so kaum.

Die Probleme liegen tiefer

Aber die Probleme liegen tiefer, als alleine bei Elon Musk die Schuld zu suchen. So ist die Zersplitterung der Kommunikationsplattformen nur Ausdruck dessen, was der Soziologe Andreas Reckwitz vor einigen Jahren auf die griffige Formel der Gesellschaft der Singularitäten gebracht hat.

Alles differenziert sich aus, Menschen suchen sich vermehrt ihre Nischen, in denen sie ihren Interessen nachgehen, die auch Distinktion erlauben und in denen sie das Gefühl von Besonderheit verspüren. Die Bindungskraft des Gemeinsamen, sie verliert sich zunehmend. Das kann man gut finden, etwa wenn sich im Bereich der Literatur einer verbindender Kanon auflöst, sogar Goethes Faust nicht mehr Pflichtlektüre in Schulen ist und so eine größere Vielfalt an Stimmen und vorher Übergangenem womöglich Einzug hält.

Gleichzeitig birgt das Ganze natürlich auch eine Gefahr, wenn man sich nicht mehr auf Standards und gemeinsame Nenner einigen kann, alles irgendwie gleich wertig ist und sich frühere klare Richtschnüre in einem einzigen Knoten der Beliebigkeit verheddern. So geht nicht nur die Orientierung verloren, auch die Weitung der eigenen Perspektive wird auf diesem Weg nicht unbedingt einfacher.

Die Orientierung geht verloren

Was sich im Digitalen vollzieht, findet auch in kulturkritischen Öffentlichkeit seinen Abdruck. Formate, die früher Orientierung versprachen, sie sind zunehmend auf dem Rückzug, wenn sie nicht eh schon verschwunden sind. Rezensionsplätze schrumpfen. Im vergangenen Herbst veröffentlichte Die Zeit nicht einmal mehr ihre traditionelle Beilage zur Frankfurter Buchmesse. Im Radio scheinen sich Programmdirektionen durchzusetzen, für die Anspruch in der Programmgestaltung einer potentiellen Abschreckung der Hörenden gleichkommt, welche unbedingt vermieden werden soll (die vielfache Streichung von Formaten des Senders Bayern 2 im Frühjahr diesen Jahres zugunsten einer besseren „Durchhörbarkeit“ der Radiostrecken ist hier ein trauriges Beispiel).

Auch im Fernsehen ist die Literaturkritik und das Gespräch über Bücher auf dem Rückzug. Sprechendes Bild hierfür ist die eigene Verzwergung des einstigen Hochamts der Literaturkritik, nämlich des Literarischen Quartetts. Früher vielbeachtet, scheinen heute die Sendungen nicht nur unter Ausschluss des Publikums vor Ort alleine sitzend unter einer Lampe am Tisch stattzufinden. Relevanz und Anspruch gehen anders.

Dass nun auch noch jüngsten Pressemeldungen zufolge Denis Schecks Sendungen Lesenswert und das Lesenswert Quartett als Orte des Austauschs über Bücher und Schreiben aufgrund von Sparvorhaben des SWR zugunsten eines wie auch immer gearteten digitalen Angebots eingestellt werden, fügt sich traurigerweise in diesen Trend ein. Hätten die Öffentlich-Rechtlichen wenigstens ein Konzept für Literaturvermittlung und Kritik im Netz, das über einzelne Podcasts oder Videos hinausgeht, könnte man dies ja vielleicht noch irgendwie gutheißen.

Richtungsweisende Ideen fehlen

Aber richtungsweisende Ideen und Visionen, sie fehlen auch hier und zeigen, dass die Programmverantwortlichen ratlos vor der Fragestellunge einer angemessenen Literaturrepräsentation offline wie online stehen. Kürzungen oder Streichungen von etablierten Formaten gehen ihnen deutlich leichter von der Hand, als Antwort auf die von ihnen erzeugten Leerstellen zu geben.

All das bedauere ich umso mehr, weil eine Polyphonie an Stimmen und Meinungen ja auch den eigenen Blick auf die Lektüre schärft. Debatten und Streit fordern eine eigene Positionsbestimmung heraus, ermöglichen einen neuen Blick auf Gelesenes. Man muss alte Wertungsmaßstäbe überdenken, eventuell verschieben oder gar neu entwickeln. Durch den Austausch über das Gelesene werden neue Perspektiven möglich und man justiert den eigenen Blick auf Geschriebenes.

Aber wie soll das funktionieren, wenn Literatursendungen und Rezensionen zusammengestrichen werden, wenn sich die Teilnehmenden und Anstifter*innen solcher Debatten aus dem gemeinsamen Gespräch verabschieden und die Gesellschaft der Singularitäten sogar schon jenen Ort durchdrungen haben, der eigentlich in seiner Konzeption für eine Verbindung von alles und jedem stand, nämlich das Internet?

Das Netz trägt nicht mehr

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es an selbst an jenem Ort, der qua Grundgedanke und Konstruktion für Austausch, Wissenserweiterung und Kollaboration ausgelegt ist, nicht mehr so recht gelingt, solche fruchtbringenden Debatten zu führen.

Ermöglichte das Netz parallel zur etablierten und institutionalisierten Literaturkritik auch den Aufstieg der eigentlichen Zielgruppe der Literatur, nämlich den ganz normalen Lesenden, hin zu Kritikern, die auf verschiedenen Plattformen und Formaten Literaturvermittlung und -kritik für ihr Publikum anboten, so ist dieser Aufstieg der Laien-Literaturarbeit schon längst zum Erliegen gekommen.

Viele Blogger*innen, die sich speziell dem gehobenen Segment der Literatur verschrieben haben, haben ihre Blogs aufgegeben. Ermüdet von der zeitraubenden Arbeit, die bis heute gerne von der profesionellen Literaturkritik belächelt und als unliebsame Konkurrenz markiert wird, haben sie sich aus dem Diskurs zurückgezogen.

Der Output in Form von Postings und Dikussionsbeiträgen ist merklich geschrumpft. Viele der früheren Blogger und Bloggerinnen haben durch einen Job Zugang in die Buchbranche gefunden, sind nun Verlagsmitarbeitende oder Buchhändler*innen. Der Podcast als Gespräch zwischen zwei oder mehr Lesenden hat das digitale Schreiben über Bücher zugunsten des Sprechens in Teilen abgelöst. Reichweiten für Posts und Beiträge sinken. All das sorgt verbunden mit einer oftmals mangelnde Wertschätzung der kostenlosen und stundenintensiven digitalen Besprechungsarbeit für eine Verödung der literaturkritischen Arbeit durch Laien.

Kaum Widerhall und gähnende Leere

Wo früher von Interessierten erregt in Kommentarspalten und Meinungsbeiträgen über Buchpreislisten, Nominierungen, Titel oder Auswahlverfahren vom Bachmannpreis bis hin zum Deutschen Buchpreis gestritten wurde, herrscht heute weitestgehend Stille und gähnende Leere

Ein Symbol hierfür war für mich die Verkündung der Nominierungen des Preises der Leipziger Buchmesse in diesem Frühjahr.

Haben die Literaturpreise tendentiell eher im Herbst Saison, liegt das Feld großer Literaturpreise im Frühjahr hierzulande fast brach. Ein großer Preis wie der der Leipziger Buchmesse, immerhin gleich in drei Sparten vergeben, sollte da doch eigentlich aufhorchen lassen. Aber zumindest in meiner Wahrnehmung horchte von den Leser*innen niemand recht auf, erst recht äußerte sich niemand vernehmlich. Im Netz fand der Preis kaum Widerhall. Kaum ein Leser dürfte die drei ausgezeichneten Titel noch aus dem Gedächtnis hersagen können, fanden die Bücher doch im digitalen Kulturraum fast überhaupt nicht statt.

Selbst wenn sich eine Debatte entzündet, sind es Äußerlichkeiten, mit denen sich die Debatten aufhalten und selten tiefer dringen. So war es in diesem Frühjahr wieder einmal die Zusammensetzungen der jüngst konstituierten Literaturjury des Deutschen Buchpreises, die auf Instagram die Gemüter erhitzte (oder zumindest lauwarm erwärmte).

Auch die letzte so zu nennende Debatte, die durch den Insiderberichts von Juliane Liebert und Ronya Othmann aus bzw. über der Jury des Internationalen Literaturpreis des HKW ausgelöst wurde, war hierfür symptomatisch. So ging es im Netz und in den Feuilletons um den von Liebert und Othmann erhobenen Vorwurf der außerliterarischen Kriterien bei der Entscheidungsfindung in Literaturjurys. Der damals ausgezeichnete Roman, das literarische Für und Wider der inkriminierten Titelauswahl, das alles aber fand in der Debatte nahezu nicht statt.

Blickerweiternd sind solche Debatten dann meistens auch nur in geringem Maße, versteifen sie sich doch auf äußere, denn inhaltliche Ästhetiken.

Mehr Debatte wagen!

Das ist bedauerlich, denn wir bräuchten mehr solcher blickerweiternden Debatten fernab von affirmativen Welten wie Instagram oder auf Sender-Empfänger-Modell ausgelegte Plattformen wie TikTok dringend (dass es in der boomenden Subsparte BookTok ausgerechnet wieder ein älterer Herr ist, der einen ebenso alten Kanon reproduziert, ist dabei mehr als nur eine Kuriosität für sich, die nicht nur die Bloggerin Katharina Herrmann kritisiert).

Mehr Debatte, mehr Streit, mehr Stimmen und mehr Tiefe in der Auseinandersetzung über Bücher und literarische Bewertung, das alles könnte den eigenen Blick, den gemeinschaftlichen Blick auf Literatur erweitern. Profitieren würde davon nicht nur das eigene Lesen – und weiter gefasst die Qualität der Literatur; auch die Verlage hätten ja etwas davon, wenn die Literatur wieder mehr ins Gespräch und den Austausch kommt. Für den kriselnden Buchmarkt könnte es zumindest ein Schritt in die richtige Richtung sein.

Bislang fehlen in meiner Wahrnehmung solche Iniativen aber völlig. Dabei wäre es wirklich wichtig, die tote Debatte insbesondere im Netz, aber auch in der medialen Öffentlichkeit wiederzubeleben.

Ein wertschätzender Blick auf die Akteure in den Debatten, Lust am gegenseitigen Austausch und Streit sowie entsprechende Infrastrukturen, um solche Debatten zu führen, all das könnten Ansätze für eine erste Wiederbelebungsmaßnahmen sein. Es wäre höchste Zeit, die Rettungsmaßnahmen einzuleiten und wieder mehr Debatte zu wagen!

Von der Wirkungslosigkeit der Literatur

Angesichts dieser Überschrift zunächst ein paar Worte vorweg. Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich schätze Literatur über alle Maßen. Ich halte sie für sinnreich, aufklärend und in ihren besten Momenten für identitätsstiftend, wenn nicht gar befreiend. Wäre das anders, würde ich auch sicher dieses Blog hier nicht betreiben.

Ich würde mich durchaus als Literaturverfechter bezeichnen. Einer der Qualität, Relevanz und gutes Schreibhandwerk schätzt, Autor*innen kritisch begleitet und der sich auch bei rituellen Branchenspezifika wie etwa Buchmessen oder Preisverleihungen umtut. Literatur bereichert mein Leben und ich möchte sie nicht missen. Das schicke ich meinen Worten hier eindeutig voraus, um kein Missverständnis hinsichtlich des Folgenden entstehen zu lassen.

Literatur ist gesellschaftlich nicht relevant

Ich schätze Literatur sehr. Ich halte sie aber auch für weitestgehend wirkungslos. Wirkungslos in dieser Hinsicht, dass man Literatur auf eine Funktion in der Realität sublimieren möchte. Denn eine Instrumentalisierung von Büchern für bestimmte Anliegen und Zwecke ist zumeist so wirkungslos wie deplaziert.

Einmal mehr hat das die aktuelle US-Wahl eindrücklich gezeigt. Schon vor der Wahl Donald Trumps gab es zahlreiche Bücher, die seine Karriere und seinen Weg in die Politik beleuchteten. Seitdem sind Regalmeter um Regalmeter dazugekommen. Die meisten dieser Bücher sind sich in ihrer Ablehnung Donald Trumps und der Verdammung seiner Praktiken einig. Das reichte von medial breit besprochenen Titeln wie etwa den zwei Enthüllungsbücher von Reporterlegende Bob Woodward bis hin zu breit orchestrierten und in vielen Teilen der transatlantischen Leserschaft medial antizipierten Bestsellern wie etwa Feuer und Zorn von Michael Wolff. Nicht nur diese, sondern auch innerfamiliäre Enthüllungen wie etwa die von Trumps Nichte Mary Trump offenbarten die teilweise pathologische Großmannsucht, Lügen, Übertreibungen, fragwürdiges Geschäftsgebaren und Doppelzüngigkeit.

Nicht nur diese breit rezipierten Bücher ergaben ein vieldeutiges Bild des Präsidenten und seiner Verfasstheit. Auch literarisch irrelevante Werken wie die Insiderberichten von John Bolton oder James Comey fluteten den Büchermarkt und fanden großen Absatz. Für die (temporäre) Nachfrage ließ man in Deutschland teilweise die Übersetzer*innen im Dutzend und Akkord arbeiten, um dem öffentlichen (und natürlich auch wirtschaftlichen) Interesse möglichst rasch Genüge zu tun. Man kann also kaum sagen, dass das Themenfeld Donald Trump und dessen Abgründe auf dem Buchmarkt nicht abgebildet worden wäre. Es lag und liegt alles auf dem (Bücher-)Tisch

Keine Funktionieren der Literatur in der Realität

Und nun stellt sich heraus, dass trotz dieser dutzenden Aufklärungsbüchern und Insiderberichten im Übermaß dieser Präsident ohnegleich fast vor einer zweiten Amtszeit stehen könnte. Er hat neue Wähler erreicht, seine Basis ausgebaut und geht gestärkt aus vier furchtbaren Präsidentschaft hervor. Wirkungsvoller kann man die Irrelevanz der Literatur hinsichtlich gesellschaftlicher Prozesse und Entwicklungen nicht zeigen. Angewendet auf die Realität muss Literatur scheitern. Das geschriebene Wort, es vermag den Lauf der Dinge nicht wirklich zu beeinflussen, mögen auch gute Intentionen hinter diese Interpretation von Literatur verbergen.

Natürlich werden viele Sonntagsreden geschwungen und das Loblied auf die Literatur gesungen. Viele Preisverleihungen, Matineen oder Messeeröffnungen sind voller pathosgesättigter Worte, die immer wieder die These heraufbeschwören, Literatur könne uns und die Geschichte ändern. Ich finde sie allerdings reichlich wohlfeil.

Wie gering ihr Einfluss in Wirklichkeit ist, das hat diese US-Wahl und die Informationsfülle wieder einmal mehr gezeigt. Alles ist bekannt und publiziert – die meisten Menschen interessiert es allerdings nur peripher und/oder geht an ihrer Lebenswirklichkeit vorbei.

Auch hier in Deutschland lässt sich die Entwicklung beobachten. Mag die Realität die Literatur durchaus beeinfluss, so gilt das nicht umgekehrt. Während der mediale Raum für die Literatur schwindet und dem Buchmarkt die Buchkonsument*innen abhanden kommen, hält man an den Sonntagsreden fest und beschwört ein Bildungsbürgertum herauf, das sich so kaum mehr in der Gesellschaft findet.

Unentschiedene oder noch uninformierte Menschen, die sich ihr Urteil auf der Basis von Literatur bilden wollen, sie haben doch zumeist andere Quellen, aus denen sie sich eine Meinung bilden. Bücher und Kultur generell gehört meiner Einschätzung nach kaum dazu. Aber mit der gesellschaftliche Relevanz und Systemrelevanz für Kunst, Theater, Museen oder Literatur ist es dieser Tage eh nicht weit her.

Für einen realistischen Blick auf Literatur

Auch wenn es fast so klingt – ich möchte hier keinen Abgesang auf das Medium Buch oder die Literatur generell singen. Mir geht es alleine um einen realistischeren Blick auf die Literatur und ihre gesellschaftliche Wirkungslosigkeit.

Lasst uns weiter über Literatur reden, sie mit all ihren Möglichkeiten rühmen und preisen. Aber bitte schätzen wir ihre Wirkmacht auch konkret ein. Und diese tendiert doch eher gegen null.

Mehr Politik wagen

Liebe Autorinnen und Autoren,

nun ist sie also wieder vorbei, die größte Buchmesse der Welt, stets Leistungsschau und Schaufenster des literarischen Schaffens weltweit. In diesem Jahr war das Gastland ja Frankreich, ein Land mit einer blühenden Literaturlandschaft, vom Comic bis zum opulenten Gesellschaftsroman Balzac’schem Ausmaß, alles dabei.

Bereits im Vorfeld der Buchmesse gab es schon im Rahmen der französischen Parlamentswahl zahlreiche Beilagen und Feuilletons zu lesen, in denen die findigen Kulturredakteure frankophone Bücher zusammentrugen und präsentierten, die dabei helfen sollten, die französische Gesellschaft, ihre Probleme und aktuelle Debatten besser verstehen zu können. Und nun also die Buchmesse und auch hier wieder seitenweise Lektüretipps und erhellende Neuübersetzungen von Autoren, die uns die Grande Nation aufschließen sollten.

In diesen Artikeln AutorInnen wie etwas Virginie Despentes oder Karine Tuil, die in ihren Romanen die französische Gesellschaft vermessen, Schreiber wie Michel Houellebecq, die Visionen entwerfen, in den öffentlichen Diskurs eingreifen, die (literarische) Gesellschaft durch ihre Einwürfe bereichern und reflektieren. Große Bücher von Annie Ernaux, Sabri Louatah, Matthias Enard – und stets schwingt das Politische und Gesellschaftliche mit.

Kurzer Szenenwechsel nach Deutschland: bevorstehende Bundestagswahl – und in den Feuilletons gähnende Leere (sollte es mal eine ähnliche Strecke wie die der wichtigsten (französischen) Bücher des Herbstes gegeben haben – ich lasse mich gerne korrigieren). Kein Roman auf weiter Flur, der die gesellschaftlichen oder politischen Themen unserer Tage aufnimmt, spiegelt oder einfach nur ins Bewusstsein ruft. Kein Buch, das Themen wie Migrationsbewegungen, Klimawandel, gesellschaftliche Verwerfungen, Ost-West-Konflikte, Rechtsruck, soziale Schieflagen oder ähnliche Themen aufgreift.

Wie groß war die Begeisterung hierzulande über Didier Eribons wirklich bemerkenswerte Rückkehr nach Reims!? Das Buch wurde in meinen Filterblasen gefeiert, gute Absatzzahlen für ein soziologisches Fachbuch und einstimmiger Jubel im Feuilleton waren dem Autor gewiss, der uns Frankreich durch seine Ausführungen und Erklärungen besser verstehen lässt. Warum zieht es viele linke Stammwähler zum Front National? Warum definieren Herkunft und Klasse immer noch unsere weiteren Chancen im Leben? Groß war die Begeisterung über den gut lesbaren und erhellenden Titel (und ja – auch meine). Bezeichnend nun, dass auf der Messe die Ankündigung von Eribons neuem Werk vielfach gepriesen wurde – eine deutsche Antwort auf das Buch allerdings ausblieb. Und dabei ist es ja nicht so, dass sich unsere Probleme gravierend von den französischen Verhältnissen unterscheiden, sich eine derartige Analyse also auch in Deutschland einmal lohnen sollte.

Nur kann es wirklich sein, dass wir uns mit unseren Romanen und Analysen derart hinter Frankreich verstecken müssen und uns lieber dort bedienen, statt ein derartiges Unterfangen auch einmal bei uns zu wagen? Selbst deutsche Autoren wie etwa Gila Lustiger scheinen lieber Gesellschaftsromane über Frankreich schreiben zu wollen, in denen sie die Verwerfungslinien des Landes nachzeichnen, als etwas derartiges bei uns zu wagen. Wo ist es hin, das politische Gespür und die Lust der Erkundung der unterschiedlichen Milieus und Klassen, die Neugier auf die weitere Entwicklungen dieses Landes? Ist es denn wirklich so schwer, Romane zu schreiben, die über pure zwischenmenschliche Geschichten und Probleme hinausweisen und die größere Entwicklungen und Tendenzen greifbar machen? Gerade bei unserer wechselvollen Geschichte, deren Auswirkungen ja immer noch präsent und spürbar sind, sollte das politische Schreiben doch auf der Hand liegen!?

Beim intensiven Nachdenken und Durchforsten meiner Bücherbestände blieb nur eine Handvoll AutorInnen hängen, die sich den übergreifenden gesellschaftlichen Themen widmen und zumindest mich dieses Land besser verstehen ließen. Peter Richters 89/90 kam mir in den Sinn ebenso wie das Debüt von Manja Präkels, Nikolaus Bleuel oder Fatma Aydemir. Danach wird es schon diffiziler, zumindest in meinen Buchregalen. Albert Ostermaier oder Dirk Kurbjuweit bringen in ihren Büchern auch noch eine gewisse Aktualität und über das Buch hinausweisende gesellschaftliche Bezüge ein. Für mein Empfinden sind es aber noch am ehesten die Krimischrifststeller, die der Gesellschaft den Spiegel vorhalten  Hier sei als Beispiel nur kurz Horst Eckerts Wolfsspinne genannt, ein Buch, das sich fiktionalisiert mit dem Thema des rechten Terrorismus beschäftigt (auch ein Thema, das in der Öffentlichkeit breit diskutiert wurde, kaum aber in die Literatur Einzug fand). Auch Wolfgang Schorlau gelingt es stets, den Finger in die offenen gesellschaftlichen Wunden zu legen, egal ob Probleme wie die Abgründe unseres immensen Fleischkonsum, Pharma-Lobbyismus oder Erbsünden der RAF verhandelt werden. Dies ehrt die genannten Herrschaften natürlich sehr, aber ich frage mich, ob das wirklich alles sein kann.

Wo bleibt ein deutsches Pendant zu Michel Houllebecq? Wer wagt es, wie Karine Tuil in die verschiedenen Milieus dieses Landes zu blicken oder wer beschreibt den Weg eines Helden durch alle sozialen Schichten so, wie es Virginie Despentes gelingt?

Literatur ist immer dann spannend, wenn sie sich an den Sollbruchstellen einer Gesellschaft entlang bewegt. Nur scheint mir die deutsche Autorenschaft in großen Teilen dieses Thema seit Jahren lieber weiträumig zu umfahren, als einmal einen Blick in die Abgründe zu werfen. Diese Verweigerung finde ich fahrlässig, schließlich wird hier die Chance vertan, klare Positionen zu beziehen und den Lesern auch Orientierung oder Visionen zu bieten.

Bezeichnend auch, dass die größten Schlagzeilen, für die die Frankfurter Buchmesse gesorgt hat, nicht ein provokantes oder wagemutiges Buch oder ein Schriftstellerauftritt war, sondern es ein, zwei rechten Verlage und deren Umfeld gelang, die diesjährige Buchmesse zu dominieren und sogar den Friedenspreis des Deutschen Buchhandles in den Hintergrund zu drängen. Hier müsste auch die Literatur diesen Gedankenmodellen und Auftritten etwas entgegensetzen, um das Geistesleben zu bereichern und den Diskurs wieder zu weiten. Doch deutschsprachige Romane oder Autoren, die dieses Potential in sich haben und ihre Stimme erheben, finde ich bislang kaum. Genauso wenig wie einen irgendwie gearteten öffentlich Diskurs, der einmal aus einer kulturellen Stellungnahme erwächst und in öffentlicher Aufmerksamkeit mündet.

Warum gelingt uns das alles nicht? Ein Blick auf die Beststellerlisten dieses Jahres (jaja, ich weiß um deren Aussagekraft, dennoch ist sie nunmal auch ein Gradmesser für literarische Trends) stimmt da schon traurig. Das Mittelalter dominiert (Iny Lorentz oder Sabine Ebert mit ihren Dauerabonnements), Leichenschlitzer (die Stümpereien von Fitzek) oder persönliche Grenzerfahrungen (Simon Strauß, Mareike Krügel) schaffen es auf die Liste, wenn es deutschen Autoren überhaupt einmal gelingt, neben der fremdsprachigen Konkurrenz einen Platz zu behaupten.

Auch die „literarisch ambitionierteren“ Bestsellerautoren lassen jegliches Wagnis vermissen. Man denke nur an Juli Zeh, die über eine entkoppelte Dorfgemeinschaft in Brandenburg schreibt, Daniel Kehlmann, der gleich wieder weit zurück ins Mittelalter springt oder Uwe Timm, der sich ins Jahr 1945 schreibt und vergangene Welten heraufbeschwört. Der Rückzug von der Aktualität dominiert, mehr Innerlichkeit scheint das Motto zu sein.

Aber selbst wenn man den ökonomischen Erfolg beiseite lässt und auf anders kuratierte Listen blickt, wie etwa den Deutschen Buchpreis, ändert sich das Bild nicht gravierend. Die Auswahl der besten deutschen Bücher des Jahres erzählt von Bartforscher, die nach Japan entschwinden, von fliehenden Professoren und Rentnern, die sich im Schwimmbad den Kopf stoßen – oder ganz innovativ, von Martin Luther. Im Jahr 2017. Das hat natürlich alles seine Berechtigung und ist in den überwiegenden Fällen auch literarisch gut gemacht.

Aber frei nach Willy Brandt möchte man euch Schriftstellern doch schon einmal zurufen: lasst uns mehr Politik wagen! Dass es sich auszahlen kann sieht man ja am diesjährigen Buchpreisgewinner Robert Menasse, der das Politische gleich auf EU-Ebene in seinem Roman Die Hauptstadt verhandelt- und zack:  schon gibts den Deutschen Buchpreis, auch da niemand etwas derartiges zuvor gewagt hatte. Ihr seht also – es kann sich durchaus rentieren!

Ein scribere aude möchte ich euch zurufen. Legt den Griffel zur Seite (okay, meinetwegen auch die Gänsefeder) wenn ihr an Familienromanen arbeitet, lasst einmal die historischen Romane historische Romane sein – setzt euch an eure Schreibtische und schreibt etwas Außergewöhnliches, etwas, das uns diese Gesellschaft anders betrachten lässt oder das neue Impulse liefert. Ich würde mich freuen, wenn ihr etwas schafft, das unsere Denkmuster aufbricht, das unsere Gesellschaft erklärt oder die aktuellen Wandel abbildet. Diese Zeit ist zu spannend und vielfältig, als sie mit Literaturinstitutsprosa zu vergeuden oder sich in der neuen Innerlichkeit zu üben. Scheitern kann man damit immer, aber wenigstens der Versuch ist es schon wert.

 

Nur noch einmal zur Erklärung des Begriffs Politik wie ich ihn verstehe: ich verlange gar keine Schriftsteller, die Wahlkämpfe für Parteien machen und/oder uns Gedichte von zweifelhaftem literarischen Wert bescheren, um für oder gegen etwas zu agitieren. Auch brauche ich keinen neuen Bitterfelder Weg oder sonstige politische Unterfangen für mehr Realismus in Büchern oder derartige Ansätze. Ich halte es nur mit Siegfried Lenz, der einmal bemerkte: Ich gestehe, ich brauche Geschichten um diese Welt zu verstehen.

Liefert mir oder uns doch bitte wieder mehr dieser Geschichten, die mich das Land und seine Zeit besser verstehen lassen und die mich auch fordern. Ich hätte gerne Geschichten, die die Gesellschaft und ihre Entwicklungen abbilden, die mich neugierig auf andere Denkmuster oder Probleme machen. Einfach gute Bücher, die den Mehltau des Neo-Biedermeier abschütteln und auch einmal Partei für etwas ergreifen, anstatt sich dauernd in einer apolitische Haltung zu produzieren (und natürlich damit verbunden auch eine wache Öffentlichkeit, die angestoßene Diskurse aufgreift und in Echokammern verstärkt und weiterentwickelt).

So viel zu meinen bescheidenen Wünschen an euch, liebe Autorinnen und Autoren. Ich würde es euch danken!