Wenn der Milchmann zweimal klingelt
Zwei Morde, viele Probleme
Ein grobes Gemälde der Gewalt
Subjektive Buchkritik seit 2013
Von Ascari vom Leseratz-Buchblog wurde ich für eine tolle Aktion namens „Social Network Tag“ nominiert. Die Idee dahinter: Mit verschiedenen Social-Media-Plattformen verknüpft stellt man jeweils ein Buch vor, das die passende Voraussetzungen erfüllt:

Ich glaube ich wurde auf der Krimi-Couch zu diesem Buch inspiriert. Ein perfekter Sommerkrimi wurde mir versprochen – und genau das habe ich auch erhalten. Immer noch meine Empfehlung Nr. 1 wenn es um Sommer, Surfen, Krimi und ein fantastisches Buch geht. Die Geschichte von Boone Daniels, dem surfenden Detektiv-Dude, der die Wellen vor Kalifornien unsicher macht, ist einfach unvergleichlich lässig und lässt den Sommer auch in kälteren Jahreszeiten im Kopf entstehen.
Ich habe es vor ein paar Tagen in meinem Verriss schon geschrieben, aber „Ein Bulle im Zug“ von Franz Dobler war für mich wirklich nur ärgerlich. Wofür dieses Buch den Deutschen Krimipreis erhalten hat, vermag ich nicht zu sagen. Ich wünschte ich hätte die Entschlusskraft gehabt, dieses Buch abzubrechen. So reiht sich der Bulle im Zug ein in eine gottseidank kurze Liste von grottigen Titeln, die ich mir wirklich nicht noch einmal geben muss!
Charaktere aus einem Buch, mit denen ich mich gerne unterhalten würde? Eine schwierige Frage, bin ich doch meistens froh dass ich den Figuren nicht im täglichen Leben begegnen muss, mit denen ich in Büchern beschäftige. Zudem sind viele der Personen, die die Bücher bevölkern ärgerlich unterkomplex gestaltet. Tiefe und Widersprüchlichkeit findet sich eher selten in einem Buch, weshalb ich diese umso mehr schätze, die faszinierende Figuren aufbieten. An William Stoner, dem titelgebenden Protagonisten, der vom Bauernsohn bis zum Universitätsprofessor aufsteigt, fasziniert mich seine Duldsamkeit und seine Bescheidenheit. Mit ihm würde ich gerne einen Abend an einer alten amerikanischen Bar verbringen und mit ihm über das Leben reden.![]()
„Der silberne Sinn“ von Ralf Isau ist solch ein Buch. Gelesen habe ich es das erste Mal im Alter von 14 Jahren und dann noch einmal 2 Jahre später. Ralf Isau war schon immer einer meiner Lieblingsautoren, doch mit diesem Buch hat er es geschafft meine Faszination noch einmal zu steigern. Das Buch richtet sich zwar eher an ein erwachsenen Publikum, aber schon damals hat das Buch einen großen Reiz auf mich ausgeübt. Wie Isau in diesem Buch die Themen des Jonestown-Massakers, Empathie, den Reichstagsbrand und eine Expedition in den Dschungel von Französisch-Guyana miteinander verknüpft, obwohl die Themen eigentlich nicht zusammenpassen, das ist meisterlich.
Er erzählt von einer jungen Anthropologin, die im Auftrag ihres Dekans in den Dschungel von Französisch-Guyana aufbricht, um dort das Geheimnis der Weißen Götter zu erforschen – legendärer Ureinwohner Amerikas, die in der Lage sein sollen, Gedanken zu lesen.
Leider kam in den letzten Jahren nichts wirklich Bemerkenswertes im Stil dieses Romans oder im Stil der „Galerie der Lügen“. Sehr schade, da mich diese Bücher wirklich nachhaltig beeindruckt haben. Ich sollte sie wohl wieder einmal lesen, wenn sich Zeit fände.
Empfehlenswert sind seine Bücher aber auf jeden Fall, auch wenn „Der silberne Sinn“ schon über zehn Jahre auf dem Buckel hat.
Diese Frage lässt sich von mir kurz und bündig beantworten – ein solches Buch gibt es nicht. Klar bin ich immer wieder auf Buchverfilmungen gespannt, ans Kopfkino kommen diese meistens jedoch eh nicht heran. Deshalb klammer ich diese Frage aus!
So, nun aber zu meinen Nominierungen (der natürlich nur bei Zeit und Lust nachzukommen ist):
Die Polizeibehörde ist erst ein Jahr gegründet und schon warten schwierige Aufgaben auf die Männer, die Verbrechen aufklären und die Bevölkerung beschützen sollen. Timothy hat sich das Vertrauen seines Chefs durch eine gute Aufklärungsquote erarbeitet und wird folglich bei kniffeligen Fällen eingesetzt.
Lyndsay Faye (c) Gabriel Lehner
Ich schrieb es schon in meiner Besprechung des ersten Bandes um Timothy Wilde – die Dynamiken die Lyndsay Faye in ihrer Reihe zwischen Timothy und seinem großen Bruder Val entfesselt, erinnern nicht von ungefähr an die Gebrüder Sherlock und Mycroft Holmes. Wo Timothy oftmals mit seiner undiplomatischen und direkten Art gegen Wände rennt, zieht Valentin im Hintergrund die Strippen. Mit seinem promiskuitiven, spitzzüngigen und allen Wassern gewaschenen Bruder hat die amerikansiche Autorin zwei Charakterköpfe geschaffen, die sich im Gedächtnis des Lesers verankern.
Weitergehende Medientipps seien an dieser Stelle noch zwei genannt: Zum Einen das im Buch auch mehrmals zitierte Buch 12 years a slave, das auch unter der Regie von Alexander McQueen zu einem Erfolg und mit drei Oscars ausgezeichnet wurde. Dieses Buch ist ein Bericht von Solomon Northup, der ähnlich wie Delia im Buch von Sklavenhändlern verschleppt und im amerikanischen Süden in die Sklaverei gezwungen wurde.
Zum Anderen sei an dieser Stelle auch noch auf die famose BBC-Serie Ripper Street hingewiesen, die zwar 40 Jahre nach „Die Entführung der Delia Wright“ und in England spielt, dennoch aber auch die Atmosphäre der Bücher von Lyndsay Faye verströmt. Intrigante Bordellbesitzerinnen, Polizisten, die nicht immer fair spielen und gedungene Mörder in schäbiger Umgebung. Die Ähnlichkeiten zwischen Serie und Büchern ist immens – zur weitergehenden Beschäftigung empfohlen!
Angesiedelt in einer nahen Zukunft, in der Spannungen zwischen Israel und Palästina eskalierte und diverse ethnische Verwerfungen die Nachrichten dominieren, fällt dem angeschlagenen Inspector Februarie ein Fall in die Hände, an dem er sich die selbigen nur verbrennen kann.
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| Der Tafelberg in Südafrika [(c) Martin Reilly] |
Was hätte es für ein spannender Roman werden können – ein Bulle sitzt in einem ICE, rast durch Deutschland, lernt spannende Menschen kennen und löst nebenbei noch ein kriminalistisches Puzzle und klärt für sich, warum er einen Jungen erschossen hat. Dazu noch das lesegenussversprechende Signet „Deutscher Krimipreis 2015“ – und der Boden für ein wahres Highlight war bestellt.
Der Boden mochte bestellt sein, doch der Ertrag in diesem Falle blieb leider aus. „Ein Bulle im Zug“ gleicht einem Zug der Deutschen Bahn, der nie pünktlich kommt, sämtliche Haltestellen verpasst und dann auch noch in der falschen Stadt ankommt – bei diesem Roman (ob hier wirklich von einem Krimi zu sprechen ist, möchte ich später im Text noch erörtern) passt leider nichts.
Die Handlung des Buchs, die sich der Leser selbst zusammenklauben muss, ist schnell erzählt:
Bei einer Razzia erschoss Robert Fallner einen jungen Gangster namens Maarouf. Die Waffe, die Fallner gesehen haben wollte, tauchte nicht auf und so wurde er vom Dienst suspendiert. Um seine Dämonen aus seinem Kopf zu vertreiben, beschließt er auf Anraten seiner Freundin Jacqueline einen alten Traum zu verwirklichen – mit einer Bahncard 100 quer durch Deutschland. Doch seine Dämonen lassen ihn nicht los und so begleitet Fallner der erschossene Junge auf seiner Reise.
Liest sich der Plot in der Theorie und auf dem Klappentext durchaus vielversprechend, so ernüchterte ich beim Lesen nach den ersten Dutzend Seiten dann schlagartig. Selten kam mir in letzter Zeit ein Buch unter, das ich so oft abbrechen wollte, wie „Ein Bulle im Zug“ (oder bei dem ich so oft die Notbremse ziehen wollte, um im Bild zu bleiben).

Das Buch ist gleicht einem Stream of Consciousness, also einem Bewusstseinsstrom, bei dem sich der Protagonist ungefiltert treiben lassen kann und seine Eindrücke an den Leser weitergibt.
Dem Buch mangelt es an Struktur, luzide durchlebt Fallner ein Auf und Ab im Zug, Erinnerungsfetzen vermischen sich mit Fantasien, Spekulationen und Halluzinationen.
Das wäre alles noch irgendwie zu ertragen, wenn es nicht in solch einer flachen und dermaßen vulgären Sprache geschildert wäre, dass mein ästhetisches Empfinden manchmal schon arg strapaziert wurde. Natürlich muss ein Krimi auch einmal dahin gehen wo es weh tut – auch derbe Noir Romane eines Ken Bruen oder eines Ray Banks haben für mich einen großen Reiz. Doch Dobler gelingt es nicht mit seiner Sprache eine tiefere Botschaft zu evozieren. Stattdessen schimpft und flucht sich Fallner quer durch Deutschland und gleicht des Öfteren eines Tourette-Patienten auf Reisen.
Auf dem Umschlag des Buches von Franz Dobler prangt das Label „Deutscher Krimipreis 2015“ – dessen ersten Platz das Buch gemacht habe. Doch in meinen Augen ist das Buch nicht wirklich ein Krimi, da mir im Buch das wesentliche Merkmal eines Spannungsromans fehlt – nämlich die Spannung selbst. Ein Betrachtungsroman wäre in meinen Augen der passendere Gattungsbegriff.
Und auch wenn der Protagonist als Polizist für die Ermittlerfigur des Romans eigentlich prädestiniert ist, so verschafft es Fallner zum Einen nicht (wie eigentlich keine Figur des Romans) den Leser für sich einzunehmen und zum Anderen irgendwelche Ermittlungen anzustellen, die den Leser bei der Stange halten könnten.
Natürlich könnte man entgegen halten, dass sich andere Ermittler wie beispielsweise Wolf Haas‚ Simon Brenner sich auch nur durch die Handlung treiben lassen – aber diese Romane bieten wenigstens Handlung und Spannungsmomente. Auch wenn sich Fallners ICE mit Spitzengeschwindigkeiten durch die Landschaft bewegt – im Inneren des Zugs herrscht Windstille. Diese Stille durchweht die meisten Seiten von „Ein Bulle im Zug“ und sorgt so dafür, dass zumindest bei mir des Öfteren Langweile aufkam.
Natürlich ist der Kriminalroman an sich ein mehr als weites Feld, doch bei aller kreativen Auslegung des Begriffs Krimi – dieses Buch fällt für mich bei dieser Genreeinordnung hinten über.
Wahrscheinlich war ich nicht in der Lage, dieses Buch intellektuell in seiner Tiefe zu verstehen – aber einen zweiten Lesedurchgang werde ich mir bei diesem Buch bestimmt nicht mehr antun. Schade um die vertanen Chancen!
Die vom Autor angekündigte Fortsetzung des Romans, an der er gerade arbeitet, wird zumindest bei mir keine Lektüre mehr werden. Und so bleibt das ernüchterte Fazit, dass dieser literarische Zug zumindest für mich noch ärgerlicher als die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn war!