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Franziska zu Reventlow – Ellen

Porträt einer Widerständigen. In ihrem Roman Ellen von 1903 erzählt Franziska zu Reventlow von einer unangepassten Frau – und zugleich auch ihre eigene Geschichte, die sie zu einer Vorreiterin der Moderne in allen Belangen machte. Wie modern das tatsächlich ist, lässt sich nun dank einer Neuauflage des Romans wieder entdecken.


Aber schreiben muss ich doch. Es gibt so vieles, was man gerne künstlerisch gestalten möchte und es wenigstens noch nicht in der Malerei ausdrücken kann. Da drängt es mich mächtig dazu, es zu schreiben. Und wenn man es schreibt, so will man es auch nicht liegen lassen, einmal aus gemeiner Vernunft und praktischer Überlegenheit und kann kommt einem, wenigstens mir, auch oft das Bedürfnis das, was man vom Leben und von den Menschen gelitten hat, hinauszuschreien, um sich Luft zu machen – damit die gleichgültigen Menschen sich einmal umdrehen, um zu sehen, wer denn da geschrien hat.

Brief von Franziska zu Reventlow

So schreibt es die Künstlerin Franziska zu Reventlow in einem Brief an den Herausgeber der Literaturzeitschrift Die Gesellschaft, Michael Georg Conrad, am 13. Dezember 1893 in München.

Nachlesen lässt sich das im Band Frei Leben! Frauen der Boheme 1890 – 1920, der im Verbrecher-Verlag erschienen ist und der in Buchform die gleichnamige Ausstellung des Münchner Literaturarchivs und Literaturmuseums Monacensia konserviert.

Jene Ausstellung beleuchtet vom Juli 2022 bis in den Juli 2023 hinein die Leben dreier Frauen, die die Münchner Bohème entscheidend prägten. Emmy Hennings, Margarete Beutler und Franziska zu Reventlow bereicherten mit ihrem kreativen Schaffen jene Szene in den 1890er Jahren bis hinein in die 1920er Jahre alle auf ihre eigene Art immens – sind heute aber weitgehend vergessen. Ein Schicksal, das sie mit vielen weiteren Künstlerinnen teilen.

Die wiederentdeckte Franziska zu Reventlow

Franziska zu Reventlow - Ellen (Cover)

Doch nicht nur, dass solche Ausstellungen wie die der Monacensia das Erinnern an ihre Schaffenskraft und ihre Pionierleistungen hochhalten, auch veröffentlicht der Reclam-Verlag mit Ellen nun wieder einen Roman von Franziska zu Reventlow und wirkt damit dem Vergessen der Künstlerin entgegen.

Nicht nur inhaltlicher, sondern auch auf biografischer Ebene ist dieser dabei Roman höchst bemerkenswert und zeigt, mit welcher Konsequenz zu Reventlow Leben und Werk anging.
Ellen macht klar, warum Reventlows Schreiben so unerhört radikal und ihrer Zeit voraus war, sodass sich dieses Buch auch über hundertzwanzig Jahre nach Erscheinen noch immer höchst aktuell liest.

Ihr Roman ist jener schriftgewordene Aufschrei gegen die Konventionen, den sie zehn Jahre zuvor in ihrem Brief an Conrad beschrieb. Immer wieder drängt sich während der Lektüre ihres Buchs der Eindruck auf, dass es weniger die Lebensgeschichte von Ellen Olestjerne als vielmehr ihr eigene Geschichte ist, die wir hier zu lesen bekommen.

Fortwährende Verluste und Unsicherheit

Das beginnt schon beim biografischen Hintergrund. Ihre Titelheldin wächst nämlich wie Franziska zu Reventlow selbst in einem Schloss an der Ostsee auf. Neverhuus, so der Name des Guts, ist aber nur ein Schloss auf Zeit und damit so endlich, wie es für Vieles in Ellens Leben gelten wird.

Ihr Bruder Kai stirbt, irgendwann muss die Familie wieder aus dem Schloss ausziehen, viel Liebe gibt es für das junge Mädchen eh nicht, das als aufsässig gilt und von ihren Eltern immer wieder gemaßregelt wird.

Zwischen zwei Brüdern ist für Ellen wenig Raum für Entfaltung vorhanden, eine Gouvernante soll sie disziplinieren, später folgt die Verschickung in einen Stift. Doch davon lässt sich Ellen nicht aufhalten, die in vielen Passagen wie das Vorbild für Elspeth Barkers Heldin Janet in deren Roman O Caledonia wirkt.

Sprichwörtlich über Nacht flieht sie aus der erdrückenden Enge der Familie, um erst in Lübeck und dann später in München das Glück zu suchen. Mitgliedschaft in Intellektuellenzirkeln, das Durchschlagen als Malerin und Künstlerin, die stete Armut, all das wird in zu Reventlows Schilderungen erlebbar, die sich den ganzen Roman hindurch an den eigenen biografischen Wegmarken orientiert.

In der Schwabinger Bohème

Was das Buch nun so unerhört modern macht, ist seine Radikalität sich selbst gegenüber. Zu Reventlow erzählt ungeschönt von der Armut in München, bei der zwar die Kunst viele Blüten treibt, aber kaum dazu reicht, einmal die Miete zu bezahlen.
Sie erzählt vom Selbstbewusstsein, als Künstlerin Erfolg zu haben und sich nicht von den Männern abhängig zu machen.
Sex spielt in Ellen ebenso wie eine ungeplante Schwangerschaft und die kaum verhüllte Schilderung eines Abgangs eine Rolle.

Somit beleuchtet ihr Roman viele Themen, die auch über hundertzwanzig Jahre später noch immer oder schon wieder Thema in der Gesellschaft sind. Wie überlebt man als Künstlerin, wie findet man zu einer eigenen Ausdrucksform und sich selbst, wie schlägt man sich als Alleinerziehende durch und in wie weit kann man über seinen eigenen Körper verfügen?

Auch in Franziska zu Reventlows Leben spielten diese Fragen eine große Rolle. So zog nach dem Bruch mit ihrer Familie und dem Wegzug nach München dort alleinerziehend einen Jungen auf, dessen Vater sie nie verriet (wenn sie ihn denn überhaupt wusste), lebte in Armut als „Königin der Bohème“ in Schwabing (ganz wie es auch der Roman beschreibt), suchte sich wechselnde Liebhaber, malte, schrieb, schauspielerte, übersetzte, prostituierte sich auch zeitweise, arbeitete als Hostess, heiratete, verlor das Vermögen, kurzum, sie lebte ein unerhört modernes unangepasstes Leben, sie führte ein „einzigartiges, fast unlebbares Leben“, wie es ihre Biografin Kerstin Decker im hervorragenden Nachwort zu Ellen schreibt.

Fazit

Der innere Schrei, den Franziska zu Reventlow in ihrem Schreiben aus dem Jahr 1893 notierte, er hallt in Ellen wieder – und man kann ihn auch heute noch in mit all seiner Radikalität, Wut und Schmerz vernehmen, ohne dass er an Kraft verloren hätte. Das belegt die Lektüre dieses Buchs eindrücklich.


  • Franziska zu Reventlow – Ellen
  • Mit einem Nachwort von Kerstin Decker
  • ISBN 978-3-15-011611-1 (Reclam)
  • 252 Seiten. Preis: 25,00 €

Petra Morsbach – Orion

Zu den lebensprägenden Figuren zählen neben der eigenen Familie sicherlich auch Lehrkräfte, denen man im Laufe seines Lebens begegnet. Sie beeinflussen junge Menschen im Positiven wie auch im Negativen entscheidend — und eine von ihnen steht im Mittelpunkt des neuen Romans Orion der großen Schriftstellerin Petra Morsbach.
Bei ihr ist es eine Deutschlehrerin, deren Leben der Roman beschreibt und dabei auch immer von dem erzählt, was stets in ihrem Leben war und ist: die Literatur.


Welche Rolle spielt Literatur in einem Leben? Kann sie einem zu einem besseren Menschen machen? Diese vieldiskutierte Frage schwingt auch im neuen Roman von Petra Morsbach mit.
Sie, die sich in ihren Büchern schon mit Vertreten der Kirche und Justiz beschäftigte oder aus dem Tempel der Hochkultur berichtete, nimmt mit Orion einen weitere gesellschaftsprägenden Berufsstand in den Blick, nämlich den der Lehrkräfte.

Nora heißt die Ich-Erzählerin, die zunächst in einem Akt der Selbstanalyse auf jene Person zurückblickt, die in ihr die Liebe zum geschriebenen und manchmal auch zum gesungenen Wort geweckt hat. Es handelt sich um ihre Oma Auguste, bei der die Erzählerin in Kindheitstagen kurzzeitig einquartiert wurde.

Dort auf dem Land, wo Auguste in ihrem Zuhause das regelmäßige Singen von heute kaum mehr bekanntem Liedgut wie Abendstille überall, Zogen einst fünf Schwäne oder Flandern in Not praktizierte, wurde in der Erzählerin zum ersten Mal das Gefühl von Halt geweckt, das einem Texte geben können und die damit zu Lebensbegleitern werden können.

Die stete Anwesenheit von Literatur

Petra Morsbach - Orion (Cover)

Auch in Noras Leben wird die Literatur immer präsent sein, wird mal Lebensratgeber, mal Trost oder Vermittlerin von universellen Erkenntnissen sein, wie uns die Lehrerin auf den folgenden knapp 400 Seiten Lebensrückblick zeigt.

Dabei ist das Leben von Morsbachs Heldin eigentlich kein spektakuläres, eher das Gegenteil dessen. Neben ihrem Studium jobbt sie als junge Frau im Münchner Hauptstaatsarchiv, wo sie ihren späteren Mann mit dem schönen Namen Dr. Theseus Dellendrücker kennenlernt. Ein Kind, eine Trennung sowie viele Jahre im Staatsdienst sollen folgen.

Als Deutschlehrerin übt sich Nora in der Heranbildung von kritisch denkenden Jugendlichen, was ihr mal schlechter und mal besser gelingt. Drei Krisen gilt es in ihrer beruflichen Laufbahn zu überwinden, ehe sie sich krankheitsbedingt in den Vorruhestand zurückzieht und sich in einem Leben ohne Leistungsdruck üben kann.

Die Kunst der Charakterisierung

Das klingt auf dem Papier nach einer nicht sonderlich fesselnden Angelegenheit, erweist sich in der Praxis dann aber auch hier als das wirkliche Gegenteil. Petra Morsbach gelingt es nämlich, mit viel psychologischem Feingefühl und einem scharfsinnigen Blick nicht nur Nora, sondern auch die Figuren zu zeichnen, die der Lehrerin begegnen und die sie umgeben.

Egal ob ihr Mann Dr. Theseus Dellendrücker, ihr gemeinsamer Sohn Aeneas, genannt Enni, oder die Kollegen aus dem Lehrerkollegium am Gymnasium: sie alle werden zu komplexen, widersprüchlichen Figuren, deren Lebensbahnen Nora mal enger umkreist oder auch nur kurz passiert, ganz so wie das Sternenbild des Orion, das ihr Enni zwar in seinen Jugendtagen erklärt, das dann aber wieder für lange Zeit aus dem Aufmerksamkeitsbereich der Lehrerin verschwindet, ehe sie ihm in einer späteren Lebenszeit wieder ansichtig wird.

Auch wenn manche Menschen und Ereignisse Nora dabei mal näherkommen oder sich auch rasch wieder aus dem Nahbereich der Lehrerin entfernen, allen Figuren ist gemein ist, dass Morsbachs Heldin sie alle mit präzisem literarischen Strich und viel psychologischem Feingefühl pointiert einfängt.

Als Beleg sei an dieser Stelle nur ein kleiner Auszug zitiert, der das Miteinander oder besser gesagt das Gegeneinander im Kollegium aus Noras Sicht beschreibt. Im vorliegenden Fall blickt sie zurück auf das Verhältnis ihres einstigen Kollegen Lenny und dessen Rivalität zu seinem Vorgesetzten Dr. Kraxenberger, genannt Kraxi.

Lennys einzige Vertraute war Elsie, die Sekretärin. Dabei tyrannisierte er sie: Sie musste zum Beispiel jeden Morgen Schlag neun Uhr fünfzehn eine heiße Tasse Dallmayr-Kaffee auf seinen Tisch stellen, egal, ob er da war oder nicht. Die Bohnen kaufte sie von ihrem eigenen Geld, da er es trotz Hinweis meist vergaß. Einen Kaffeestreik wollte sie aus Furcht vor Lennys Rache nicht riskieren. Irgendwie kam sie mit ihm zurecht. Lenny rief sie ab und zu in sein Büro, um ihr sein Herz auszuschütten. Wenn Kraxi sie dort antraf, befahl er sie zum Diktat. Dann war Lenny eifersüchtig. „Hat das Arschloch Sie wieder vollgelabert?“

Es ist erstaunlich, wie viel Schieflage ein Kollektiv verträgt. Alle taten so, als sei es normal. Vielleicht ist die Schieflage der Normalzustand? Wir lehrten die Kinder eine Moral, die wir selbst nicht aufbrachten, und doch war Schule, und sie lernten etwas. Ich selbst hatte Schieflage in meiner Ehe praktiziert, und doch war es eine Ehe (was sonst?) gewesen und sogar eine Familie. Die Kluft zwischen Modell und Wirklichkeit füllten wir mit Worten, und obwohl diese Worte vor allem die Abweichungen behandelten, hielten sie das Modell zusammen. „Lenny hat sich verbarrikadiert.“ „Uli hat wieder zu tief in die Flasche gekuckt.“ Jeder gab das, was er zu geben hatte, bis er zu einem bestimmten Stichtag in den Ruhestand geschickt wurde und verschwand.

Petra Morsbach – Orion, S. 164 f.

Eine Frau mit hellsichtigem Blick

Auch Orion zeigt wieder Morsbachs hellsichtigen Blick auf Menschen und die Fähigkeit zur Analyse, die Nora sich und ihrem Umfeld zukommen lässt. Die Widersprüche und menschlichen Makel, Nora betrachtet sie abgeklärt und lebenserfahren.

Das Wichtigstes Mittel dieses Erkenntnisgewinns, der Schärfung des Blicks und dem Abgleich mit der eigenen Erfahrung ist für Nora stets die Literatur, in die sich die Deutschlehrerin versenkt und die auch der Text immer wieder zitiert.

Gibt ihr Gottfried von Straßburgs Tristan Halt während ihrer Affäre, spendet ihr der antike Philosoph Sextus Empiricus mit seinen Weisheiten Trost und Inspiration nicht nur für ihre Ethik-Unterricht, liefert Anna Achmatovas Lyrik Zuversicht oder stiftet die Lektüre eines antiken Mythos wie dem des Gilgamesch-Epos ob seiner Gewalt und der scheinbaren Unentrinnbarkeit derselbigen auch Irritation, so ist Nora immer im Gespräch mit der Literatur und findet vor allem in der Antike viel Allgemeingültiges für ihr Denken und Wahrnehmen.

Alles andere als Buchkitsch

Orion vermeidet dankenswerterweise jegliche Art von gefühligem Buchkitsch, sondern lässt die simple Feier von Wohlfühl-Literatur weit hinter sich. Vielmehr begreift die Schilderung des Lebens der Leserin Nora Literatur als essenziellen Lebensbegleiter, der auch Gewissheiten infrage stellen kann. Und auch wenn sie nach ihrem Abschied von der Schule das analytische Lesen sein lassen kann und tief eintaucht in die Welt der Literatur, so ist das Lesen für sie immer mehr Erkenntnisinstrument denn Weltflucht.

Zudem ist ein weiteres Thema in Noras Leben wie auch in Petra Morsbachs Schreiben erneut präsent. Es ist das Thema von Macht und Machtmissbrauch, das Nora im Lehrerkollegium erfährt und das ihr später wieder in der Beschreibungen anderer begegnen wird.

Wie schon in ihrer letzten Veröffentlichung, drei Essays, die unter dem Titel Der Elefant im Zimmer – Über Macht und Machtmissbrauch im Jahr 2020 erschienen, umkreist auch dieses Buch immer wieder die Frage, wie man sich Unrecht widersetzen kann und welche Erfahrungen man damit macht.
Morsbach, die auch in realiter nicht nur als Mitglied der Akademie der Schönen Künste in München immer wieder vernehmbar Kritik nicht scheut, zeigt hier anschaulich, wie auch im Kleinen große Fragen verhandelt und entschieden werden.

Fazit

Das Buch bindet diese Themen organisch in das Leben Noras ein und weist damit über eine reine Lebensbeschreibung oder Feier von Lesen hinaus.
Morsbach hat ein genaues Auge für die privaten wie beruflichen Herausforderungen im Leben ihrer Lehrerin, grundiert mit ihrem psychologischen Scharfblick und dem Talent zu präzisen Charakterentwürfen.

Orion ist ein Roman, der danach fragt, was uns Menschen prägt und wie wir unsere Mitmenschen prägen — und findet vor allem in der Literatur Antworten.
Mit diesem Buch pflanzt die so kluge und diagnostisch treffsichere Petra Morsbach neun Jahre nach Justizpalast einen weiteren hell strahlenden Stern auf ihre literarischen Himmelskarte und schreibt ihren Kosmos komplexer Charakterstudien lesenswert fort.


  • Petra Morsbach – Orion
  • ISBN 978-3-328-60073-2 (Penguin)
  • 410 Seiten. Preis: 26,00 €

Titelbild: „München, Ludwigstrasse – Bayerisches Hauptstaatsarchiv (1)“ by Pixelteufel is licensed under CC BY 2.0.

Daniel Glattauer – In einem Zug

Zwiegespräch In einem Zug. In seinem neuen Roman lässt der österreichische Romancier Daniel Glattauer zwei unterschiedliche Menschen aufeinander prallen und diese in einem vierstündigen Dialog zwischen München und Wien versinken.


Die Bahn hat es auch nicht leicht. Beständig wird sie kritisiert, steigt die Zahl der verspäteten Züge immer weiter an – und wenn einmal alles nach dem regulären Takt laufen würde, dann wartet der Zugverkehr entweder mit einer Streckensperrung oder gleich dem Streik einer Gewerkschaft auf. So die viel zitierten und leider oftmals viel zu wahren Klischees über die deutsche Bundesbahn.

Mit Neid kann man über die Grenze nach Österreich blicken, wo sich die Bahn nach wie vor in Staatshand befindet und der Schienentakt so geschmeidig vor sich hin schnurrt wie der berühmte Zeitanzeiger im Uhrturm über der Stadt Graz. Tu felix austria denkt sich der Bahnreisende – und wird mit der Lektüre von Daniel Glattauers neuem Roman In einem Zug wieder einmal bestätigt.

Ein Schriftsteller steigt in diesem einen in Zug in Wien ein, um mit diesem nach München zu reisen. Eine Fahrt, die mustergültig nach Fahrplan läuft. Wien Hütteldorf, St. Pölten und Amstetten sind Stationen dieser Reise, die der Zug mit österreichischer Bundesbahnpräzision passiert. Eine Verzögerung im Betriebsablauf gibt es erst, als sich der Zug in Salzburg quasi schon in deutsch-österreichischem Grenzgebiet befindet und einer der zu koppelnden Züge auf sich warten lässt. Dem deutschen Bahn-Ungemach entkommt man also nicht einmal wirklich hinter der Grenze.

Auf dem Weg von Wien nach München

Davon abgesehen wäre die Reise aber eine ebenso komfortable wie störungsfreie Reise für Glattauers Held und Ich-Erzähler Eduard Brünhofer, wäre da nur nicht diese Frau, die sich in Wien Hütteldorf zu Brünhofer ins abgetrennte Viererabteil setzt. Denn schon kurz nach Antritt der Reise sucht sie das Gespräch mit Brünhofer.

Schreiten wir zum konkreten Ereignis. Die Frau frühen mittleren Alters im Zug, die ich jetzt, wo ich ihren Blick erwidere, natürlich schon näher beschreiben könnte, ich tue es aber nicht, denn um Äußerlichkeiten geht es hier nicht, diese Frau fragt: „Entschuldigung, darf ich Sie etwas fragen?“

Daniel Glattauer – Im Zug, S. 13

Auch wenn sich die erste Frage der Frau als falsch erweist (sie hatte in Brünhofer einen ehemaligen Englischlehrer ausgemacht), erstirbt damit das Gespräch nicht, im Gegenteil. Hartnäckig hakt die Frau nach und so beginnt der Dialog und das gegenseitige Kennenlernen, das sich bis zur Einfahrt in den Endbahnhof in München erstrecken wird.

Ein Gespräch im Zug

Daniel Glattauer - In einem Zug (Cover)

Die als Physio- und Psychotherapeutin tätige Frau erweist sich als gnadenlos, wenn es darum geht, Eduard Brünhofer auf den Zahn zu fühlen. Langsam gibt das Gespräch der beiden den Charakter und die Dinge preis, die beide Figuren gerade umtreibt. Da die neugierige Mitfahrerin, die nicht nur in Sachen Lebens- und Liebeskonzept Brünhofer recht diametral gegenübersteht, dort der österreichische Schrifsteller auf dem Weg nach München.

Brünhofers Konturen werden im Lauf des Kammerspiels auf Schienen klarer, als sich langsam herausstellt, dass er zwar ein einst gefeierter Autor von Liebesromanen gewesen sein mag, seit geraumer Zeit allerdings eher mit Schweigen und Abwesenheit auf dem Buchmarkt glänzt. Ein Umstand, bei dem auch die zahlreichen geleerten Weinfläschchen zwischen Wels und Rosenheim keine Abhilfe schaffen.

Schon mit seinem Roman Gut gegen Nordwind, der Daniel Glattauer den Durchbruch bescherte, erwies sich der Autor als Spezialist für Dialoge, die damals im Neuland des Internets per Mail geführt wurden. Nun, knapp zwanzig Jahre später und einen immensen Boom von Podcasts oder verschriftlichten Gesprächsbücher später, ist es ein Gespräch face to face, das uns Brünhofer hier noch einmal, garniert mit kleinen Kommentierungen und Arabesken zu den passierten Städten, präsentiert.

Aber so sind wir Menschen. Solange wir uns völlig fremd sind, gering schätzen wir einander oft genussvoll um die Wette und schicken uns, mit allen erdenklichen Vorurteilen behaftet, gegenseitig in die Wüste.

Doch kaum kommen wir unverhofft miteinander ins Gespräch, teilen wir uns in liebevoller Zuwendung die schönsten Sachen mit und heischen inbrünstig nach der Gunst des anderen.

Daniel Glattauer – In einem Zug, S. 117

Fazit

Konzentrierter und gelungener als das überdeutliche Vorgängerwerk Die spürst du nicht ist In einem Zug ein Buch über einen Seelenstriptease, den vor allem der zugreisende Schrifsteller Eduard Brünhofer hier hinlegt und der Betrachtungen über das Liebesleben viel Raum einräumt. Gebaut um eine nette Schlusspointe herum ist der Roman eine auch im Ganzen nette Lektüre, und das nicht nur als Zeitvertreib bei Zugfahrten.

Gewiss, trotz allerlei intimen Geständnissen bleiben die Figuren etwas blass und eine äußere Handlung findet angesichts des Minimalrahmens für das dialoggetriebene Kammerspiel so gut wie nicht statt. Auch haben ähnliche Konversationsstücke zumeist französischer Bauart á la Yasmina Reza mehr Esprit und Feuer als dieser doch etwas zahme Roman.

Dafür aber buchstabiert Daniel Glattauer in seinem Roman das Zwischenmenschliche genau aus und lässt am Ende den Leser*innen mit einer Entscheidungsfrage zurück: möchte man sich auf der nächsten Bahnfahrt ebenfalls in ein solches mehrstündiges Gespräch begeben oder würde man lieber Zuflucht in den Seiten eines Romans, vielleicht sogar dem vorliegenden, den entspannteren und unterhaltsameren Zeitvertreib finden?


  • Daniel Glattauer – In einem Zug
  • ISBN 978-3-7558-0040-8 (Dumont)
  • 208 Seiten. Preis: 23,00 €

Dana von Suffrin – Nochmal von vorne

Eine Familie, in der es schon illusorisch scheint, eine halbe Stunde in Ruhe und Frieden gemeinsam an einem Tisch zu verbringen. Eine Familie, in der Streit, Vorwürfe und Konflikte, mal subtiler mal offen ausgetragen, zur Tagesordnung zählen: sie steht im Mittelpunkt des zweiten Romans der Münchner Schriftstellerin Dana von Suffrin. Nochmal von vorne erzählt die Geschichte der Familie Jeruscher mitsamt mitsamt ihrer grundsätzlichen Dysfunktionalität und ihrem jüdischen Familienerbe.


Es ist lediglich drei Jahre her, da feierte man in ganz Deutschland 1700 Jahre jüdisches Leben. Über zweitausendvierhundert Veranstaltungen übers Jahr und das ganze Land verteilt wollten Aufmerksamkeit dieses Thema lenken. Man gedachte der Vergangenheit und Gegenwart, diskutierte und Verlage publizierten staunenswerte Bücher.

Jüdisches Leben in Deutschland – und im Roman?

Und nun, gerade einmal drei Jahre nach diesen Feierlichkeiten ist das damals zelebrierte Miteinander an zu vielen Stellen ins Gegenteil gekippt. Der brutale Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 auf ebenjenes jüdisches Leben, der in der Folge zunehmend entgleisende Diskurs, in dem Israel-Kritik nur allzu oft in Antisemitismus kippt, all das hat viele Bemühungen der damaligen Feierlichkeiten konterkariert und die Sichtbarkeit jüdischen Lebens wieder beschränkt.

Auch auf dem Buchmarkt sind – von Sachbüchern und spezialisierten Verlagen abgesehen – Romane über jüdisches Leben hierzulande noch immer eine Seltenheit. Es sind junge Autorinnen wie Dana Vowinckel oder eben Dana von Suffrin, die sich daranmachen, diesem bedauerlichen Umstand Abhilfe zu schaffen. Dabei schreiben sie Romane, die auf Pathos verzichten und souverän mit ihrer Form und dem Inhalt spielen. Mit einem Blick für das komplizierte Selbst- und Fremdverständnis der eigenen Identität, in der das jüdische Erbe qua Geburt immer Thema ist und das heute so viele Herausforderungen mit sich bringt, schwingt in ihren Büchern all das mit. Es sind Bücher, die – in Ermangelung eines besseren Wortes – modern und relevant, gut lesbar und angenehm vielschichtig daherkommen. Nochmal von vorne ist dabei das beste Beispiel.

Die komplizierte Familie Jeruscher

Bei Dana von Suffrin ist es die Familie Jeruscher, die im Mittelpunkt ihres Romans steht. Er Israeli, geboren in Haifa und nun als Chemiker bei den Stadtwerken München arbeitend, sie geboren in Landshut, studierte Soziologin und gemeinsam mit den beiden Kindern Nadja und der Ich-Erzählerin Rosa im Münchner Stadtteil Moosach wohnend. Das sind die Marker einer Familie, die zwar auf den ersten Blick recht durchschnittlich aussehen mag, bei der sich auf den zweiten Blick aber viele Risse in dieser familiären Grundkonstellation zeigen.

Dana von Suffrin - Nochmal von vorne (Cover)

Von diesen Rissen ist allerdings nichts mehr zu sehen, als dieser Roman seinen Ausgang nimmt. Das hat einen ganz einfachen Grund. Denn irgendetwas Festes in diesem familiären Verbund, das eventuell gerissen sein könnte, gibt es schon lang nicht mehr zu sehen, als die Handlung von Suffrins Buch einsetzt.

Alles ist längst zersplittert und fragmentiert. Der Vater Mordechai tot, die Schwester Nadja entzieht sich allen Kontaktaufnahmen, die Mutter möglicherweise ebenfalls tot, zumindest aber sicher verschwunden aus dem Leben der Familie. So ist die Ausgangslage dieses Romans – ein ganzer Haufen an menschlichen und zwischenmenschlichen Scherben, die sich kaum mehr auffegen, geschweige denn reparieren lassen.

Das Aufkehren familiärer Scherben

Und dennoch unternimmt Rosa den Versuch, zumindest die Scherben des einstigen familiären Verbundes zusammen mit den Leser*innen zu betrachten. Sie muss Nochmal von vorne ansetzen, um sich und damit auch uns einen Eindruck von dieser Familie zu verschaffen, auch um die Risse an ihren Entstehungspunkten zu betrachten, die dann schlussendlich zum Zerfall des Ganzen beigetragen haben.

Wir wurden eine Familie, aber erst später ist uns allen klargeworden, was das bedeuten sollte.

Dana von Suffrin – Noch einmal von vorne, S. 179

Die Familie zwischen jüdischem Erbe und Leben in Deutschland, die Familie zwischen Tod, Verlust und Weitermachen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die Familie zwischen Israel und Moosach. All das beschreibt Rosa in einem Ton, der trotz aller Schwere ihrer Themen durchaus auch mit trockenem, manchmal sogar beißenden, aber immer lindernden Humor, einer stimmigen Erzählhaltung und einem ebenso stimmigen Erzählton mit vielen treffenden Sentenzen punktet.

Dana von Suffrins erzählerische Kunst

Dana von Suffrin beherrscht die Kunst, viel zu erzählen, ohne dafür viel Raum zu benötigen. Zwar behandelt auch ihr Roman mehreren Generationen zwischen Israel und Deutschland, verzichtet dabei aber auf überflüssigen Ballast, den solcherlei Familiensagas hierzulande gerne aufweisen.

Stattdessen schafft sie es, trotzdem, trotz aller Knappheit ihre Geschichte den Fokus auf die zentralen Bruchstellen dieser Familie zu legen und unterhaltsam und mitreißend zu erzählen, ohne dass man das Gefühl hätte, es würde etwas bei ihrer Erzählung fehlen. Ihr Roman konzentriert sich auf das, was wichtig ist, und bleibt genau dadurch im erzählerischen Rahmen. Sie schafft es, die Fehler von erzählerischer Geschwätzigkeit und unnötigen Arabesken zu vermeiden, und stattdessen auch in ihrem Erzählen kleinere Lücken und Risse klaffen lassen, wie das eben in den meisten Familienerzählungen der Fall ist.

Fazit

Nochmal von vorne pendelt das erzählerische Gewicht zwischen Leichtigkeit und Schwere gut aus. Rosas zersplitterte Familie und den Versuche, wenigstens im Erzählen etwas Ordnung in diese familiäre Entropie zu bringen, verfolgt man gerne. Dabei erzählt Dana von Suffrin en passant von jüdischem Leben in Deutschland, von Sollbruchstellen in Seelen und Leben – und von der Frage, was uns eigentlich zusammenhält – und das alles ganz konzentriert und pointiert.

Weitere Meinungen zu Nochmal von vorne gibt es unter anderem bei Katharina Herrmanns Blog Kulturgeschwätz und bei Deutschlandfunk Kultur.


  • Dana von Suffrin – Nochmal von vorne
  • ISBN 978-3-462-00297-3 (Kiepenheuer & Witsch)
  • 240 Seiten. Preis: 23,00 €

Lion Christ – Sauhund

Monaco Flori. In seinem Debüt Sauhund schickt Lion Christ den jungen Flori Anfang der 80er Jahre aus Wolfratshausen nach München , wo dieser in die schwule Welt der Landeshauptstadt eintaucht und sich durchs Leben schlägt, immer auf der Suche nach seinem Platz im Leben.


München, das ist Oktoberfest, Englischer Garten, Monaco Franze, Frauenkirche und Biergartenbehaglichkeit. So zumindest, wenn man Klischees über die bayerische Landeshauptstadt und das dortige Lebensgefühl bemüht.

Neben derlei Allgemeinplätzen gab es aber auch immer eine queere Subkultur in dieser sonst so heteronormativen Welt, die sich zwar weltoffen nennt, in der aber kein Regenbogen am weiß-blauen Horizont zu sehen ist und in der eine queere Kinderbuchlesung in einer Stadtbücherei schon einmal zu Shitstorms, Demonstrationen und Drohungen führt.

Will man das queere Leben in der München sucht, dann wird man im Glockenbachviertel fündig. Hier schlägt das Herz einer Stadt, die schwule Künstler wie Rainer Werner Faßbinder ebenso wie internationale Stars wie Freddie Mercury in den 80er Jahren anlockte (worüber, nebenbei bemerkt, dem Münchner Autor Nicola Bardo im vergangenen Jahr ein veritabler Bestsellererfolg gelang). München, das ist auch die Lebenswelt von Flori, den es nach seinem Zivildienst im Wolfratshauser Altenheim und einer anschließend unrühmlich zu Ende gegangenen Episode im Loisachkaufhaus in den Nachbarlandkreis in die große Landeshauptstadt verschlagen hat.

Aus Wolfratshausen nach München

Dort hält er sich mehr schlecht als recht über Wasser, kommt erst bei einer Freundin unter, rutscht dann aber immer weiter auf der sozialen Ebene nach unten. Während er sich im schwulen Nachtleben ausleben möchte, wie es ihm im kleinen Sonnkirchen mit seinen sozialen Kontrollmechanismen und der landläufigen Homophobie nicht möglich war, ist ihm auch beruflich eine „normale“ Rolle suspekt. Lieber schnorrt er sich durch, muss sich in schlechten Phasen selbst prostituieren, um irgendwie durchzukommen. Aber sein Wille zum Glück ist ungebrochen, auch wenn er sich selbst oft genug im Weg steht.

Lion Christ beobachtet seinen Ich-Erzähler dabei, wie er die Flucht aus der Enge der Heimat antritt, die Verheißung Münchens aber auch nicht wirklich in eigenes Glück umzumünzen vermag. Schon früh treibt die Mutter die Sorge um, was aus diesem Jungen einmal werden soll. Nach der Lektüre von Sauhund vermag man es auch noch nicht zu sagen, hat aber einen guten und interessanten Roman über einen Stolperer im Leben gelesen, weil er eben auch sehr hell das ausleuchtet, was im heterosexuellen Kontext sonst weniger Thema ist, sei es auch nur das Geschehen in öffentlichen Toiletten, in denen sich Flori des Öfteren herumtreibt.

Der Sauhund schlägt sich durch

Lion Christ - Sauhund (Cover)

Dieses Debüt ist reichlich explizit, schildert das Treiben in den mit Plüsch ausgekleideten Bars und Kneipen des Glockenbachviertels genauso wie Cruising und schwulen Sex. Was in eine plumpe und voyeuristische Heinz-Strunk-haftigkeit abrutschen könnte, entgleitet dem Autor allerdings dadurch nicht, da er auch großes Talent für die zarten Momente, für die Sehnsüchte und die Unmöglichkeit der Kommunikation eigener Gefühle und Bedürfnisse an den Tag legt.

So ist Sauhund ein Buch, das die in den 80ern weit verbreitete Tabuisierung homosexuellen Lebens in der Stadt und besonders auf dem Dorf in treffenden Bildern zeigt. Zu den berührendsten Szenen des Romans zählt, wie Christ das absehbare Coming Out des Jungen beschreibt, zu dem es in Floris Elternhaus in Wolfratshausen allerdings nicht kommt. Der zuoberst auf dem Lesestapel der Mutter liegende Spiegel, der mit der AIDS-Krise aufmacht, ist da noch die größte Andeutung des Wissens um die Queerness ihres Sohnes – wirklich ausgesprochen werden die Wünsche und Sorgen allerdings erst reichlich spät in diesem Roman.

Coming of Age – aber in gut

Lion Christs Debüt reiht sich ein die Riege dutzender Coming of Age-Romane, die seit einiger Zeit den Buchmarkt überfluten. Aber ähnlich wie zuletzt Charlotte Gneuß mit ihrem Debüt Gittersee gelingt es auch Christ dem eigentlich schon recht auserzählten Genre eine interessante und lesenswerte Facette abzuringen, indem er ein schwules Coming of Age erzählt, das der sonst sehr heteronormativ geprägten Gattung zuwiderläuft.

Und ähnlich wie Charlotte Gneuß muss man auch Lion Christ großen Respekt zollen, wie er es schafft, eine Milieu zu einer Zeit zu beschreiben, die er selber so gar nicht miterlebt haben kann. Christ, der nach Angaben seines Verlags Ende der 90er Jahre geboren wurde, kam damit erst zwanzig Jahre nach den im Buch beschriebenen Ereignissen zur Welt, legt aber großes literarisches Geschick in Sachen milieu- und zeitgeschichtlicher Präzision an den Tag, eingekleidet in eine klar bayerische Diktion, die sich gut in die Geschichte einfügt, ohne zu künstlich oder aufgesetzt zu wirken.

Dabei rückt er den Roman sogar in die Tradition oder viel mehr Gegentradition des Monaco Franze, jenes legendären Schürzenjägers aus Helmut Dietls Fernsehserie, der ebenfalls Anfang der 80er Jahre allerdings die Damenwelt Münchens unsicher machte. Hier ist es nun Monaco Flori, der sich durch das Nachtleben der Stadt treiben lässt, bei verschiedenen Männern sein Glück versucht und der auf dem Gärtnerplatz schon einmal eine Dialoghommage belauscht, die das Provinzielle, den rechten Scheißdreck der Darbietung im nebenan gelegenen Theater verdammt, wenn man sich mal nicht als „Spatzl“ tituliert.

Fazit

Ein prima Debüt, das sich mit einer Coming of Age-Geschichte im schwulen München einem Milieu verschreibt, das sonst nicht allzu häufig erzählerisch beleuchtet wird. Explizit, bayerisch, hoffnungslos und hoffnungsvoll, berührend und komisch ist diese Geschichte Floris, die Lion Christ in Sauhund präsentiert.


  • Lion Christ – Sauhund
  • ISBN 978-3-446-27747-2 (Hanser)
  • 368 Seiten. Preis: 24,00 €