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Die Legende der Bayerischen Buchpreisblogger*innen

Es begab sich aber, dass ein Ruf im Bayernland erscholl. Es sollte gekrönt werden, wer das beste Sachbuch und den besten Roman des Jahres verfasst habe. Die Häupter der Sieger sollten gesalbt werden an einem Ort, der da heißt Allerheiligen-Hofkirche.

Damit das Bayernland aber verharre in großer Neugier und Spannung, sollte die Entscheidung just erst an jenem Abend gefällt werden, an dem sich alle Autoren versammelten in den Heiligen Hallen der Residenz zu München. Zur Belohnung gab es für die siegreichen Schreiber neben finanziellem Ruhm auch einen königlichen Löwen, gemeißelt aus feinstem Porzellan, auf dass ein jeder sehe, dass der oder die Autorin es geschafft hat, das lesende Volk Bayerns von sich zu überzeugen (oder zumindest die jeweilige Jury).

Dies Spectaculum spielte sich so Jahr für Jahr ab, ehe der Ruf auch in bislang unbekannte Gebiete vorstieß – dieses Neuland, genannt Internet. In der hier angewandten Allegorie befindet sich dieses zerklüftete Neuland auf den Höhen stürmischer Gipfel inmitten der Alpen. Dort hausen wagemutige Männer und Frauen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, willige Adepten durch die zerklüftete Landschaft der Literatur zu führen und ihnen besondere Genüsse abseits der Wege zu bieten. Sie hegen und pflegen die Bücher und Romane, die den Aufstieg auf die gefährlichen Bestsellerlisten verpasst haben oder diesen gar nicht antreten wollten. Gleich der Suche nach einem Edelweiß nehmen sie allerhand Unbill und stürmisches Wetter in Kauf, um ihren Leser in mühevoller Kleinarbeit Literatur zu zeigen, deren Lektüre mit mal größerem oder kleinerem Gewinn verbunden ist.

Da der Ruf des Bayerischen Buchpreises natürlich nun ein nicht alltägliches Erlebnis ist, versammelten sich nun drei besonders gewandte Bezwinger*innen dieses zerklüfteten Gebirges der guten Literatur und beschlossen, eine Seilschaft zu bilden. Zusammen, so der Plan, sollte man sich des Bayerischen Buchpreises annehmen, die Autor*innen und deren Werke prüfen und (im Falle des Lobes und der Anerkennung) ihren Ruhm auch ins Neuland hinauf tragen.

Die Seilschaft war schnell gefunden, das Triumvirat ward gebildet aus Birgit Böllinger von der Hütte Sätze&Schätze; Katharina Herrmann von der Klause 54 Books stieß zur Gruppe – und als Quotenmann (und zur Verteidigung gegen Steinschlag) wurde noch Marius Müller per Jodler aus seiner Kate Buch-Haltung zum Gespann gerufen, auf dass man tritt- und stilsicher wandle auf den Pfaden des Bayerischen Buchpreises.

Nach einer Ausstattung der drei königlich-bayerischen Buchblogger (Enzianschnaps, Ganghofer-Jutebeutel und Schnupftabak) stehen die drei Blogger nun bereit für die Route nach München, die am 7. November enden soll. Auf dem Weg bis dahin soll es auf ihren Blogs immer mal wieder Berichte und Rezensionen über die am Rand der Route gefundenen Trouvaillen geben. Auch Richtungsstreit, Diskussionen oder Umwege entlang der Route werden nicht ausgeschlossen. Für eine möglichst hohe Informationsdichte empfehlen die drei Literaturführer den regelmäßigen Besuch ihrer Berghütten in diesem Neuland. Zur Orientierung der literarischen Wanderwege wurde auch schon ein Wegweiser durchs Neuland gezimmert, er lautet #baybuch. Auch Brotzeitpackerln und aufmunternde Worte sind gerne gesehen. Bayerischer Buchpreis, mach dich auf etwas gefasst. Hollerei du Dudeljö!

 

Nobelpreis: Kazuo Ishiguro

(c) Nobelpreiskomitee/Schweden

 

Der 1954 in Nagasaki geborene Brite Kazuo Ishiguro erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis. Nach den Experimenten der letzten Jahre (2015 Svetlana Alexijewitsch, 2016 Bob Dylan) halte ich die aktuelle Wahl für eine gute Wahl, um den Preis wieder auf seinen Kern zurückzuführen – nämlich die Literatur höchstselbst. Nachdem man ja in den letzten Jahren vortrefflich stritt, ob jetzt Songtexte oder dokumentarisches Erzählen zu dieser Definition zählen, wie sie Nobel vorschwebte, hat man nun wieder einen traditionellen Romancier gekrönt.

Schade natürlich, dass es abermals keine Frau geworden ist, die mit dem 9 Million schwedischer Kronen dotierten Preis ausgezeichnet wird; in die engere Auswahl schien es dieses Jahr ja tasächlich nur Margaret Atwood geschafft zu haben. Wenigstens bekommt sie dieses Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels noch einen Preis, der für größere Aufmerksamkeit sorgen könnte. Dass die alten Bekannten Murakami, Roth oder Thion’go abermals verschmäht wurden, scheint schon zur Folklore des Nobelpreises zu zählen. Darüber kann man jammern, lohnen tut es sich auf alle Fälle nicht.

Eine feine Ironie ist es auch, dass ich just gestern Alles, was wir geben mussten aus meinem Bücherregal eine Etage tiefer räumte. Weniger als 24 Stunden später bekommt Ishiguro dann den Nobelpreis. Da bin ich auf alle Fälle schon einmal inspiriert, welche Bücher ich nächstes Jahr am Tag vor der Bekanntgabe des Siegers in meinen Regalen umstellen werden.

Zum Einstieg in den vielstimmigen Kosmos Ishiguros seien die Werke Alles, was wir geben mussten, Was vom Tage übrig blieb und Der begrabene Riese empfohlen. Viel Spaß beim Entdecken!

Veranstaltung mit Sten Nadolny

Am kommenden Samstag, 7. Oktober 2017, kommt der preisgekrönte Schriftsteller Sten Nadolny zu einer Literarischen Soiree in die Fuggerstadt. Die Lesung, die von der Augsburger Allgemeinen veranstaltet wird, beginnt um 19:00 Uhr in der Stadtbücherei Augsburg (Eintritt 12 €). Nadolny wird aus seinem jüngst erschienenen Roman Das Glück des Zauberers lesen. Das Buch erzählt vom Zauberer Pahroc, der mit 106 Jahren beschließt, sein Leben aufzuschreiben, um seine Enkelin als Erbin seiner Kunst zu gewinnen.

Im Anschluss gibt es ein moderiertes Gespräch, in dem der Autor Auskunft über sein Schaffen und Schreiben geben wird. Das wird sicherlich höchst hörenswert, gehen doch solche Erfolge wie der Ullsteinroman oder Die Entdeckung der Langsamkeit auf das Konto des 1942 geborenen Autors.  Moderiert wird das Ganze von Michael Schreiner.

 

Im Anschluss an die Lesung und das Gespräch gibt es dann eine Neuausgabe des Literarischen Salons. Zusammen mit Wolfgang Schütz und Stefanie Wirsching (beide Augsburger Allgemeine) und Buchhändler Kurt Idrizovic werde ich über folgende drei Neuerscheinungen diskutieren:

 

Zwei der Bücher fand ich fabelhaft – eines wirklich unterirdisch (fleißige Blogleser können sich hier schon ein Bild machen, welches Buch von meinem Zorn getroffen werden wird …). Die Diskussion wird von daher auf alle Fälle kontrovers, bunt und regt im besten Falle hoffentlich zur Lektüre an. Und auch Bücher gibt es im Anschluss noch zu gewinnen …

 

Karten für den Literarischen Abend gibt es bei uns in der Stadtbücherei, bei der Buchhandlung am Obstmarkt und beim AZ-Ticketservice, Maximilianstraße 3, Augsburg. Ich würde mich freuen – eine Blogleser an diesem Abend zu treffen!

Mein Shortlist-Lotto 2017

Auch dieses Jahr will ich mich mal wieder an einem kleinen Shortlist-Lotto versuchen. Nachdem meine Trefferquote aus dem letzten Jahr mit 33% eher bescheiden war (aber hey- immerhin hatte ich mit Bodo Kirchhoff den späteren Buchpreisgewinner auf meinem Zettel) gibt es dieses Jahr einen neuen Versuch. Hierfür habe ich das Leseprobenheftchen des Buchpreises gewälzt und zahlreiche der 2017 nominierten Bücher gelesen.

 

Zu Feridun Zaimoglu habe ich schon einmal eine Kurzkritik verfasst, in den kommenden Tagen werden noch die Langkritiken zu den Büchern Lichter als der Tag von Mirko Bonné, Außer sich von Sasha Marianna Salzmann und Die Hauptstadt von Robert Menasse erscheinen. Jonas Lüschers Kraft und Julia Wolfs Walter Nowak sind ebenfalls gelesen, allerdings ohne hier vorliegende Rezensionen. Dafür verweise ich auf die tollen Besprechungen von Peter liest zu Kraft und Sounds & Books zu Walter Nowak bleibt liegen, die kongruent mit meinen Eindrücken sind.

Nun aber frisch ans Werk, hier meine sechs Tipps für die morgen erscheinende Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017 – ohne Gewähr:

Jonas Lüscher mit Kraft muss mit drauf, einfach weil er das beste Buch dieses Fühjahrs geschrieben hat. Ein lustiger, ein böser, ein sprachlicher Hochgenuss – ein Buch, das auf so vielen Ebenen glänzt und schillert, das man nicht daran vorbeigehen kann. Das Floß der Medusa hatte einen sehr schweren Start bis es in die Gänge kam (schließlich erschien es schon im Januar) – aber wenn sich so ein massives Floß erst einmal in Bewegung gesetzt hat, dann kann man es schwerlich aufhalten.

Das beste Buch dieses noch sehr jungen Bücherherbstes hat bislang der Österreicher Robert Menasse mit Die Hauptstadt geschrieben, das nicht nur für den Deutschen, sondern auch für den Österreichischen Buchpreis nominiert ist (genauso wie das neue Buch seiner Halbschwester Eva Menasse). Um die Frauenquote nicht zu vergessen – auch für Marion Poschmann rechne ich mir Chancen aus, dass sie es auf die Liste schafft.

Die letzten beiden Starterplätze gehen zuletzt an den bisher Buchpreis-ungekrönten Ingo Schulze und an Julia Wolf. Ersterer wird getippt, weil die Leseprobe gut gelungen ist und nach neun Jahren dem vielfach ausgezeichneten Schriftsteller auch mal wieder ein Platz auf der Shortlist gebührt , zweite, weil ihr Walter Nowak in den Feuilletondebatten meist gut wegkam und trotz meiner Schwierigkeiten mit dem Titel doch auch das gewisse Etwas besitzt.

 

Wie seht ihr das? Welche Titel kommen in den Recall? Welches Buch hat euch enttäuscht?

Die Wahl hat begonnen …

Dieses Jahr wird der erste Buchblog-Award verliehen. Die Idee dahinter ist, die vielfältige Welt der Buchszene zum Vorschein zu bringen und zu zeigen, auf welche Art und Weise man über Bücher bloggen kann. Erlaubt sind Instagram-Kanäle, Videokanäle (auch Vlogs genannt) oder normale Blogs, wie ich einen betreibe. Auch ich habe für die Premiere dieses Preises meinen Hut in den Ring geworfen und mich für den Buchblog-Award beworben.

Seit heute ist nun die Abstimmung online – und diese funktioniert eigentlich ganz einfach. Man kann sich in verschiedenen Kategorien durch die vielen Kurzvorstellungen klicken und bei seinen Favoriten einfach mit einem Klick auf den virtuellen Daumen seine Unterstützung ausdrücken. Die Blogs mit den meisten Likes gelangen in der Folge auf die sogenannte Shortlist und werden dann im Rahmen der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet.

Wer diesen kleinen schnuckeligen Blog und meine Arbeit gerne mag, ist natürlich herzlich willkommen, meine Abstimmungsseite auf der Webseite zu besuchen und mir einen Klick dazulassen. Wer das nicht mag, ist natürlich ebenso herzlich willkommen, sich die Seite und die anderen Blogs einmal zu Genüge zu führen und auch bei der Konkurrenz zu klicken.

Denn abgesehen vom Wettkampf und dem Abstimmen ist die Seite in meinen Augen eine hervorragende Möglichkeit, um neue spannende Blogs zu entdecken und durch die Vielzahl von Kanälen zu surfen und sich inspirieren zu lassen – viel Spaß!