Tag Archives: Kurzkritik

Kurz und Gut

Forrest Leo – Der Gentleman

Schon das Cover dieses Buchs fällt auf. Forrest Leo hat ein Buch geschrieben, das irgendwie aus den herkömmlichen Rastern und Schemata herausfällt. Er erzählt in seinem Roman vom erfolglosen Dichter Lionel Savage, der Besuch vom Teufel bekommt. Da seine Frau Savages Kreativität nur behindert (so meint es zumindest der Dichter), ist er gar nicht böse, als sich der Teufel dieses Problems annimmt. Doch schon kurz darauf keimt in Savage die Erkenntnis, dass er seine Frau doch liebt. Doch wie holt man sich die eigene Frau vom Teufel zurück? Forrest Leo verquickt für sein Buch munter barocke Elemente, den Orpheus-Mythos, Dichtung und den Fauststoff zu einem überbordenden Amalgam. Den besonderen Reiz erhält das Buch durch die sarkastischen Fußnoten des Herausgebers (und Savages Cousin). Auch wenn das Ende etwas zu überdreht und bemüht ist – ein wirklich originelles Buch!

 

 E.T.A Hoffmann/Kat Menschik – Die Bergwerke zu Falun

Die Fabel von E.T.A. Hoffmann aus dem Jahr 1819 wird von Kat Menschik gekonnt in die Gegenwart geholt und zu einem bibliographischen Highlight veredelt. Im Galiani-Verlag erschien diese Neuauflage, die die Geschichte des jungen Elis Fröbom erzählt. Jener wird vom Matrosen zum Bergmann, verliebt sich unsterblich und – mehr wird nicht verraten.

Das wahre Highlight dieser Erzählung aus der Epoche der Romantik ist die Buchgestaltung, die Kat Menschik wählt. Ein Cover das im Dunklen leuchtet, ein farbiger Schnitt, eine gerahmte Erzählung, das Ganze ergänzt von ein- beziehungsweise zweiseitigen Illustrationen im bekannten Stil der Illustratorin. Ein wirklich schmuckes Gesamtkunstwerk, bei dem auch der höhere Preis mehr als gerechtfertigt ist. Bibliophile – schaut auf dieses Buch!

 

Katarzyna Bonda – Das Mädchen aus dem Norden

Mit Katarzyna Bonda veröffentlicht der Heyne-Verlag nun eine polnische Autorin – das ist zu loben, denn Polen spielt auf der literarischen Landkarte hierzulande noch immer eine recht untergeordnete Rolle.

Bonda erzählt in ihrem Roman von der Ermittlerin Sasza Zaluska, die nach einem Aufenthalt in Sheffield wieder in ihre polnische Heimat zurückkehrt. Zahlreiche Ermittlungen und auch Fehlschläge haben sie gezeichnet – nun soll alles anders werden. Doch schon binnen kurzem zeigt sich, dass das Verbrechen auch in Polen nicht vor Sasza Halt macht. Eine Ermittlung für einen Musikclub wächst sich schnell zu einer tödlichen Angelegenheit aus. Und Sasza muss bei ihren Nachforschungen feststellen, dass die Vergangenheit wohl auch hier wieder ins Jetzt nachwirkt.

Die Autorin benötigt eine Exposition von über 100 Seiten, ehe sie nach einer Rückblende im Hier und Jetzt ankommt. So verpufft viel Spannung, die sich dann erst wieder im Lauf des Buchs etwas mühsam aufbaut. So verlangt dieser Thriller nach Lesern mit Aufmerksamkeit und Durchhaltewillen.

Kurz und Gut

Hier kommt nun wie angekündigt die zweite Fuhre von Kurzkritiken zum Osterfest. Was will man auch schon anders machen als lesen, wenn draußen vor dem Fenster die Schneeflocken vorbeiwirbeln!? In diesem Sinne eine anregende Lektüre mit neuen Tipps!

Claire Fuller – Eine englische Ehe

In ihrem ersten auf Deutsch vorliegenden Buch erzählt Claire Fuller von der Ehe, die Ingrid und Gil Coleman führten (Deutsch von Susanne Höbel). Diese turbulente Ehe mit vielen Tiefschlägen und Enttäuschungen wird von Ingrid in Form von Briefen an ihren Mann erzählt. Diese enthüllen langsam das Geheimnis, warum sie vor 12 Jahren aus dem Leben von Gil und ihren zwei Kindern trat. Und dann ist da noch der zweite Erzählstrang, der ihre Tochter Flora zum Mittelpunkt hat. Diese begibt sich wieder nach Hause zu ihrem Vater, als dieser meint, seine Frau nach 12 Jahren wiedererkannt zu haben.

Claire Fuller umschifft in ihrem Roman alle Kitsch- und Sentimentalitätsfallen großräumig. Sie entfaltet langsam eine Ehe, in der alles anders als rund lief und die nicht einmal mit dem Begriff zweckdienlich beschrieben werden kann. Das Buch ist schön und angenehm geschrieben, kurzweilig und nebenbei auch eine Hymne ans Lesen, da Gil ihre Briefe immer in korrespondierenden Büchern versteckt. Sehr lesenswert!

 

Feridun Zaimoglu – Evangelio

Luther hier, Luther da – schon zu Beginn des Lutherjahres scheint Martin Luther überrepräsentiert zu sein – schön wenn es da neben all den wissenschaftlichen Annäherungen an den Reformer auch solche Bücher wie das von Feridun Zaimoglu gibt, die den zugestellten Blick auf Luther wieder öffnen und es schaffen, dass man der überhöhten Gestalt wieder neu begegnen kann.

Zaimoglu erzählt in einer an Luther geschulten Kunstsprache vom Wartburgaufenthalt des Reformators. Dieser wird dabei just von einem katholischen Landsknecht bewacht und beschützt und gerät nicht nur mit ihm das ein oder andere Mal aneinander. Denn auch der Teufel hat es auf Luther abgesehen (das meint zumindest jener) und so wird Luther in zahlreiche bedrohliche Situationen verwickelt.

Der deutsch-türkische Autor zeigt ein derbes, stinkendes und brutales Mittelalter. Durch seine Sprache muss man sich wirklich kämpfen – doch sie schafft es, dass man sich im Thüringen 1521 einfindet. Zaimoglu zeigt viele Facetten an der Gestalt Luther, seinen Zweifel, sein aufbrausendes Wesen, aber eben auch seinen Judenhass, der ebenfalls zur Gestalt des Reformers gehört. Ein herausfordernder, aber auch bereichernder Beitrag zum Lutherjahr 2017!

 

Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen

Ein Saatguthändler, der depressiv in seinem Bett liegt. Ein Imker, der darauf angewiesen ist, seine Bienenstöcke mit Trucks quer durch die USA zu karren. Eine junge Frau in der Zukunft, die auf Felder um Beijing herum Bäume per Hand bestäuben muss, da die Bienen verschwunden sind.

Diese drei Erzählstränge verknüpft die Norwegerin Maja Lunde in Die Geschichte der Bienen zu einer zeitüberspannenden Erzählung, denn die Stränge reichen vom 18. Jahrhundert bis ins Jahr 2098 (Übersetzung Ursel Allenstein). Übergreifendes Thema ist die Beziehung von Eltern zu ihren Söhnen. Daneben ist das Buch auch eine Einführung in die Botanik und die Geschichte der Imkerei. Einsteins Bonmot dass die Menschheit nach dem Aussterben der Bienen nur noch vier Jahre zu leben hätte, wird von der Autorin mit viel Verve umgesetzt.

Maja Lunde hat zudem einen gefälligen Sprachstil, der ihrem Roman zupass kommt. Darüber hinaus sind die Kapitel sehr kurz – häufig springt sie zwischen ihren drei ProtagonistInnen umher. Das macht Die Geschichte der Bienen zu einem leicht lesbaren, unterhaltsamen und lehrreichen Buch.

 

Kurz und Gut

Das Osterfest naht mit großen Schritten – als kleine Anregung, welche Bücher man gut herschenken kann und bei welchen man ruhigen Gewissens auch drauf verzichten kann, gibt es hier die erste Fuhre von Kurzrezensionen. Weitere Minibesprechungen folgen über die Osterfeiertage. Nun viel Spaß damit!

 

Nicholas Searle – Das alte Böse

Traue keinem Rentner über 80 – diese Erkenntnis muss in Das Alte Böse auch die Engländerin Betty machen. Diese lernt über ein Datingportal im Internet Roy kennen. Jener charmante Mann gewinnt auch schon bald Bettys Herz und zieht bei ihr ein. Doch als Leser ahnt man schon recht früh, dass hier Katz und Maus gespielt wird. Doch wer spielt welche Rolle?

Nicholas Searle verwendet für die Erzählung seines Romans Rückblenden aus dem Leben Roys, die er mit der gegenwärtigen Annäherung an Betty verschneidet. Immer wieder wechselt er die Erzählperspektive, um das Geschehene aus der Sicht der beiden Protagonisten zu beleuchten. Das klingt in der Theorie gut, in der Praxis verliert das Ganze dann aber sehr schnell seinen Reiz.

Denn Searle vergisst eine wichtige Zutat für seinen mit Thriller gelabelten Roman – die Spannung. Zwar ahnt man, dass Roy etwas auf dem Kerbholz hat und Betty auch nicht ganz koscher ist, damit hat es sich dann aber. So recht mag das Aufeinandertreffen der beiden Senioren nicht zu zünden – zumindest ich langweilte mich als Leser schnell und war auf den Fortlauf der Geschichte nicht sonderlich gespannt. Die beiden von Searle gezeichneten Figuren bleiben blass und schleichen umeinander her – sonderliche Sympathien entwickelten sich für keine der Parteien. So bleibt Das alte Böse leider hinter den Erwartungen zurück und nutzt das innewohnende Potential nicht.

Anthony Doerr – Der Muschelsammler

Auch in dieser Neuauflage der fünfzehn Jahre alten Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel Der Muschelsammler erweist sich Anthony Doerr wieder als brillanter Autor, der auch in der Kurzform seine Klasse zeigt. Bereits seine Roman Alles Licht, das wir nicht sehen oder Winklers Traum vom Wasser waren eindrucksvolle Studien von Menschen in Extremsituationen, die durch die farbige und bildreiche Sprache Doerrs veredelt wurden. Genau dieses Talent kommt ihm auch in den vorliegenden acht Geschichten zugute.

Doerr erzählt darin oftmals von Anglern und Fischen – einer Art wiederkehrenden Motiv in dessen Schaffen. Mal geht es um ein Wettangeln eines europäischen und amerikanischen Teams, die auf der Suche nach dem dicksten Fisch sind, den sie erangeln können. Dann wieder betrachtet er die junge Dorotea, der Angeln eine Flucht aus ihrer ärmlichen Existenz ist und zugleich die Chance bedeutet, einem Jungen näherzukommen. Eine weitere starke Figur ist der Flüchtling und kurzzeitige Hausmeister Joseph Saleeby, der in der Natur seinen eigenen Kampf um seine Existenz führt. Da wäre auch noch der blinde Muschelsammler, der Eisenfresser, und und und.

Anthony Doerr gelingt in seinen acht Geschichten ein Kaleidoskop an Leben, Orten und Menschen – keine der Geschichten ist langweilig, vielmehr meint man, mit diesen Kurzgeschichten fast schon komprimierte Romane in der Hand zu halten. Dass dieser Autor in Deutschland nicht bekannter ist, ist eine bedauernswerte Tatsache – Doerr hätte Ruhm und viele Leser verdient, die in seine Welten eintauchen!

 

 

C. R. Neilson – Das Walmesser

Dieser Krimi verfügt eigentlich nur über ein großes Distinktionsmerkmal – das ist sein Handlungsort. C.R. Neilsons Krimi erzählt von John Callum, der vor ominösen Ereignissen auf die abgelegenen Färöerinseln im Niemandsland zwischen Island, Schottland und Skandinavien flieht. Dort möchte er wieder ein normales und unauffälliges Leben führen – doch seine Pläne werden durchkreuzt. Nachdem er in der lokalen Fischfabrik einen Job gefunden hat, erwacht er eines Morgens auf einem Steinklotz im Freien mit keinerlei Erinnerungen an die letzte Nacht. Doch in seiner Tasche steckt ein sogenanntes Grindaknivur, ein blutbesudeltes Messer, das von den Faröern zum Zerteilen von Walfleisch benutzt wird. Was ist in der Nacht passiert und ist John ein Mörder? Und vor was läuft er eigentlich davon?

Der Plot funktioniert nach hinlänglich bekanntem Muster. Der Ich-Erzähler muss langsam alle Mosaiksteine jener verhängnisvollen Nacht zusammenpuzzeln und kann dabei niemanden auf der Insel trauen. Derweil rätselt der Leser, welche Ereignisse denn Callum nun von Schottland auf die Faröer verschlagen haben. Dabei bleibt die Auflösung hinter den Erwartungen zurück – doch die Naturschilderungen der rauen Faröerinseln entschädigen dafür umso mehr. Keine Neuerfindung des Rades, aber ein solider Inselkrimi.

 

 

 

 

Kurz und Gut

Bücher, bei denen keine Zeit für lange Rezensionen war, die aber dennoch gewürdigt werden sollen – diese fallen in die Kurz&Knackig-Kategorie und werden in loser Reihenfolge immer mal wieder präsentiert. So auch nun mit drei weiteren kleinen Funden:

John Boyne – Das Lied der Einsamkeit

John Boynes Buch war wieder einer meiner Remittenden-Glücksgriffe. Einfach auf dem Tisch inmitten der Büchervielfalt entdeckt, mitgenommen und dann genossen. Eine tolle Entdeckung und ein sehr intensiver Roman über die Lebensgeschichte eines irischen Priesters. Boyne springt durch das Leben des klerikalen Ich-Erzählers und berichtet von dessen aufwachsen in einem erzkatholisch-geprägten Irland bis in die Gegenwart, in der die katholische Kirche von Missbrauchsfällen erschüttert wird. Dabei überzeugen sowohl die Konstruktion, die immer wieder neues aus dem Leben erzählt, als auch die innere Logik des Romans. Ein Roman, der nachdenklich stimmt und der auch brisanten Themen nicht aus dem Weg geht. Hier finden Unterhaltung und Anspruch gut zusammen.

 

Anna Kim – Die große Heimkehr

Anna Kim erzählt in ihrem Roman die Geschichte der Teilung Koreas und tut dies mithilfe dreier Freunde, deren Schicksal eng mit dem der beiden koreanischen Staaten verwoben ist. Yunho, sein Freund Johnny und Eve sind drei Teenager, die sich von Südkorea aus gen Japan absetzen, nachdem die Verhältnisse in Seoul chaotisch geworden sind. Während im Süden der autokratische Präsident Rhee die Wahl gewonnen hat, gründet im Norden Kim-Il-Sung den Bruderstaat Nordkorea. Inmitten der Wirren müssen die drei jungen Menschen bestehen und sehen sich mit Verrat, Tod und der Frage nach der eigenen Identität konfrontiert.

Die große Heimkehr ist ein vielschichtiges Buch, das einen aufmerksamen Leser verlangt. Die vielen Handlungsorte und fremden Namen sowie Sprünge in der Handlung muss man erst einmal einordnen, ehe man sich ganz auf Kims Geschichte einlassen kann. Immer wieder durchzieht sie ihre Erzählung mit sachbuchähnlichen Exkursen – man wird gefordert, lernt aber auch viel über die Geschichte Koreas und damit auch Asiens. Der ausgesucht gestaltete Roman der in Wien lebenden Autorin erschien im Suhrkamp-Verlag.

 

James Rayburn – Sie werden dich finden

Literarische Eleganz kann man wohl nicht von einem Buch erwarten, dessen Klappentext verkündet „Früher tötete sie für ihr Land. Heute tötet sie für ihre Tochter“. Wenn man dann noch liest, dass James Rayburn das Pseudonym vom Roger Smith ist, sollte jedem Thrillerfan klar sein, wie der Hase läuft. Denn Smiths Bücher müssten eigentlich ein FSK18-Logo auf ihren Umschlägen pappen haben, so düster und brutal sind seine geschilderten Welten. Im vorliegenden Fall spielt das Buch ausnahmsweise einmal nicht in Südafrika, sondern hauptsächlich in Thailand. Dorthin flieht Kate Swift zusammen mit ihrer Tochter und versucht so ihren Häschern zu entkommen. Denn diese haben die Jagd auf sie eröffnet, seitdem sie eine im Dunstkreis von CIA und Regierung operierende Geheimeinheit verraten hat. Roger Smith hat keine Angst vor Klischees, Charakteren vom Reißbrett und Brutalität. All das stellt er in Sie werden dich finden eindrucksvoll unter Beweis. Für alle, die es etwas brutaler mögen.

 

Kurz und Gut

Nachschub in der Kategorie der kurzen Rezensionen! Heute gibt es drei weitere Rezensionen von Büchern, die in letzter Zeit gelesen wurden

 

Stefan Kopetzky – Grand Tour

Alles andere als ein bequemer Schmöker – Kopetzky lässt den Leser an Bord von Schlafwagen mit dem Schaffner Leon Pardell quer durch Europa reisen. Verschiedene sinistre Gestalten hegen eigene Pläne, ein reicher Baron jagt einer ganz besonderen Uhr hinterher und man selbst findet sich inmitten dieser etwas chaotischen Gemengelage, die sich erst nach und nach klärt und setzt.

Der Stil Kopetzkys ist sehr barock überbordend und von einer schönen Sprache, mitunter schlägt die Erzählung aber ein paar Arabesken zu viel. Man muss sich mühen, am Ball zu bleiben und die verschiedenen Reisestationen Pardells im Blick zu behalten. Wer diese Energie für das über 720 Seiten starke Epos aufbringt, wird mit einem Schmöker belohnt, der viel Reiz hat. Zwar erreicht das Buch die Klasse des fantastischen Risikos Steffen Kopetzkys nicht, aber dennoch lohnt sich diese Neuauflage des ursprünglich 2002 erschienen Buchs auf alle Fälle.

 

 

Colum McCann – Transatlantik

Diese Buch war nur ein Zufallsfund inmitten eines Tisches voller Remittenden. Da ich eh eine Schwäche für die Literaturszene Irlands habe (Adrian McKinty, John Boyne, Ken Bruen, tbc) habe, nahm ich mir einfach diesen Roman auf Verdacht mit. Eine Entscheidung, die sich mehr als gelohnt hat. McCann erzählt in seinem Roman von drei Momenten aus der Irisch-Amerikanischen Geschichte, verwebt durch eine wunderschöne Sprache (Deutsch von Dirk van Gunsteren). Der erste Transatlantikflug ist Thema in McCanns Erzählung, ein amerikanischer Senator reist nach Irland um im IRA-Konflikt zu schlichten und ein Abolitionist kommt nach Irland, um auch dort für seine Sache zu werben, nämlich die Aufhebung der Sklaverei.

Verbindendes Element sind – wie sollte es anders sein – natürlich Frauen, die in jenen drei Momenten immer beteiligt sind oder Einfluss hatten. Die Konstruktion des Romans überzeugt, die Geschichte fasziniert, McCann beherrscht sein Handwerk genauso gut wie seine anderen irischen Schriftstellerkollegen. Ein Glücksgriff für mich, dieser Roman!

 

 

Homer – Odyssee

Etwas Anspruch darf auch einmal sein – die Möglichkeit dazu bot und bietet die Taschenbuchausgabe der Odyssee im neuen Deutschland-Ableger des Penguin-Verlags. Dieser Klassiker der Weltliteratur liegt hier in der Übersetzung von Kurt Steinmann vor und weist ein einigermaßen gut lesbares Schriftbild auf. Man braucht Geduld und muss sich auf die Sprache einlassen. Wenn man dann allerdings ins Homers Lyrik eingefunden hat, versteht man schnell, warum auch dieser Text nach tausenden von Jahren immer noch seinen Reiz hat. Die Geschichten vom Zyklopen Polyphem und der listenreichen Flucht des Odysseus oder die Episode rund um die verlockenden Sirenen sind schon längst in die Legendenbildung eingegangen. Hier kann man sie noch einmal im Kontext erleben und neu entdecken.

Für ambitionierte Leser und Kultur-Kenner, die sich mit wirklichen Originalen beschäftigen wollen!