Anne Serre – Einer reist mit

Ist das noch Anne Serre, die uns hier eine Geschichte auftischt – oder stecken wir in einem Roman von Enrique Vila-Matas? Aus einer eigentlich recht unspektakulären Bahnfahrt zu einem Literaturfestival wird bei der französischen Autorin Anne Serre in Einer reist mit ein vogelwildes Buch, das den Leser schnell zweifeln lässt, in welcher Realitätsebene wir gerade feststecken.


Am 31.03.2026 diesen Jahres verlor der deutsche Buchmarkt vielleicht nicht einen seiner größten, dafür aber umso prägenderen Verlag, der über zwanzig Jahre lang mit seinen dünnen, charakteristisch mit Halbleinen gestalteten Büchern die Buchregale des Landes bereicherte.

Die Rede ist vom Berenberg-Verlag, der mit seinem stilsicheren Verlagsprogramm Stimmen wie Christine Wunnicke, Adania Shibli, Maike Albath oder Vicente Valero eine Heimstatt bot (nachzulesen ist die ganze Geschichte auch im letzten Jahr erschienenen Porträt des Hauses und seiner Autoren, die Verleger Heinrich von Berenberg unter dem schönen Titel Vom Stemmen der Gewichte veröffentlichte).

Immer wieder tat sich der Verlag mit Büchern hervor, die ganz eigene Erzählstimmen präsentierten und dem schnellen, bestsellerorientierten Buchmarkt sorgfältig übersetzte, editierte und gestaltete Kleinodien mit literarischer Qualität entgegensetzten. Mal Romane, mal Sachbücher, immer aber in handverlesener Anzahl stifteten die Bücher im Frühjahr und Herbst Erkenntnis und Lesefreude.
Eine dieser eigenen Erzählstimmen, die Berenberg förderte und die sich mit ihrer Prosa konsequent einer klaren Einordnung in puncto Inhalt und Erzählen widersetzte, war und ist Anne Serre.

Neues von Anne Serre

Anne Serre - Einer reist mit (Cover)

Nach den ebenfalls von Berenberg herausgegebenen Werken Im Herzen eines goldenen Sommers (2022) und Die Gouvernanten (2023) erschien im — horribile dictu — letzten Programm im vergangenen Herbst mit Einer reist mit das dritte Buch von Anne Serre in der Übersetzung von Patricia Klobusiczky.

Wie schon fast üblich bei ihr gestaltet sich eine Inhaltsbeschreibung des mit 140 Seiten gewohnt schmalen, aber umso inhaltsreicheren Buch schwierig.

Ausgangspunkt ist eine Anfrage für eine Lesung der Autorin im französischen Montauban, für die sie sich trotz ihres Unwillens für derlei Lesungen mit einer Gruppe anderer Menschen per TGV von Paris aus in den Südwesten des Landes begibt.

Fünf Stunden Fahrt liegen vor ihr, die sie nutzen möchte, um sich noch einmal in das Buch einzuarbeiten, das im Zentrum ihrer Lesung steht, das ihr aber selbst nicht mehr so recht präsent ist. Doch statt eines konzentrierten Arbeitens wird die Fahrt im TGV zu einer einzigen großen Abschweifung.

Anstatt wie geplant mein letztes Buch aufzuschlagen, um es mir vor der abendlichen Publikumsveranstaltung in Montauban in Erinnerung zu rufen, oder das von Inès, das ich mir ebenfalls in Erinnerung rufen sollte, oder das von Enrique Vilas-Matas, Kassel: eine Fiktion, das ich in aller Ruhe wiederlesen wollte, weil ich ja fünf Stunden Fahrt vor mir hatte, eine erkleckliche Zeitspanne, und weil ich im Zug immer wunderbar lesen kann, besser als zu Hause, dachte ich an die beträchtliche Notlage meiner Familie, an den Alarmzustand, in dem ich immer gelebt hatte, bis sie alle gestorben waren, obwohl ich vor allem Ruhe und Frieden schätze.

Anne Serre – Einer reist mit, S. 15

Unterwegs mit Enrique Vilas-Matas

Hier schon fällt neben dem etwas schräg stehenden Sinn des Ganzen die Abschweifung auf, die Serres Sätze auch im Folgenden prägen sollen. Denn nicht nur, dass sie eine Kollegin trifft, vor allem nimmt der spanische Schriftsteller Enrique Vilas-Matas im Folgenden eine immer zentralere Rolle ein.

Der Autor, eine Art Hausheiliger der Autorin, wird zunehmend präsenter in ihrem Denken, bis schließlich sogar die Möglichkeit im Raum steht, dass der Spanier selbst im TGV anwesend ist.

In steigendem Maß verschwimmen die Grenzen zwischen dem, was anfangs als Realität erschien, und dem Schreiben Enrique Vilas-Matas, der später sogar selber zu einer Figur in der Geschichte wird.
Es scheint, als wäre das eingetreten, was die Autorin in Bezug auf ihr Denken und ihre Faszination zuvor nur angedeutet hat:

Im Grund gibt es in allen Städten dieses Netz aus identischen Wegen, dachte ich, sodass es einem schwerfällt, sowohl Fantasie als auch Gedächtnis im Zaum zu halten, und ich staunte darüber, dass jede Einzelheit mir etwas in Erinnerung rief, jede Einzelheit eine Kette von Assoziationen hervorbrachte, vor denen ich mich hin und wieder in Acht nehmen sollte, sagte ich mir, denn eines Tages werden dich diese Ketten womöglich noch fesseln.

Anne Serre – Einer reist mit, S. 49

Nun scheint der Fall eingetreten und die Autorin ist gefesselt in den Banden der Fantasie. Oder ist es vielleicht doch Enrique Vilas-Matas, dessen Figur die Autorin ist? Die Reise im TGV verwischt alle Grenzen zwischen den verschiedenen Fiktionsebenen und stürzt die Lesenden in zunehmende Verwirrung.

Eine Verwischung der Realitätsebenen

Anne Serre hat lesbare Freude an dem Verwirrspiel, dessen zentraler Konterpart Enrique Vilas-Matas nicht nur im 2017 erschienenen Original Voyage avec Vilas-Matas schon im Titel präsent ist. Auch scheint sein Schreiben eine wichtige Inspirationsquelle für die Erzählung von Anne Serre gewesen zu sein.
Die beiden zentral im Roman erwähnten Titel Kassel: eine Fiktion sowie sein Doktor Pasavento zeichnen sich nämlich beide ebenfalls durch eine Vermischung und Verwischung der erzählerischen Ebenen aus.

Ist es im Falle von Kassel: eine Fiktion eine Künstlerresidenz auf der Documenta in Kassel, die zunehmend ins Surreale abgleitet, ist es in Doktor Pasavento ein Schriftsteller, der einen dem Schriftsteller Robert Walser nachgebildeten Professor befragen möchte, sich dabei aber selbst ein Stück weit in der Geschichte zu verlieren droht.

Neben der unübersehbaren Verbeugung vor Enrique Vilas-Matas und dem ebenfalls im Buch zitierten Robert Walser erinnert Anne Serres Buch auch an die postmoderne Spielerei eines Italo Calvino und dessen Wenn ein Reisender in einer Winternacht.

Zudem steckt Einer reist mit voller weiterer zitierter Autoren und Werke, die das Spiel mit Realität und Fiktion fortführen. Denn neben apokryphen Autoren wie Elido Ivanez, René Crevel, Giacinto Scelsi oder Marguerite Duras‚ wohl nur ausgewiesenen Kennern bekannter Roman Die Pferdchen von Tarquinia stolpert man immer wieder auch über Autorennamen, die bei einer bibliographischen Suche ins Leere führen und für noch mehr Verwirrung sorgen.

Ein postmodernes Verwirrspiel im Zug

Ein Stück weit gilt, was ich in meiner Rezension zum letzten Roman Anne Serres schrieb. Damals merkte ich an, dass sich Die Gouvernanten einer eindeutigen Zuordnung und Lesart entzieht. Das gilt auch drei Jahre später noch, wenn man Einer reist mit liest.
Sitzt Enrique Vilas-Matas nun mit im Zug, hat er das Buch geschrieben, aus dem die Autorin sogar zeitweise verschwindet, träumt sie während der TGV-Fahrt oder imaginiert sie das alles nur vom heimischen Schreibtisch aus, da sie ja nach eigener Aussage am liebsten solche Lesungstermine wie den in Montauban vermeidet?

Serres postmodern angehauchter Roman lädt ein zum Spekulieren — vor allem aber zum Verlorengehen zwischen den Bezügen und Erzählebenen. Das scheint mir der größte Reiz an Einer reist mit zu sein, der auf kurzer Reisestrecke maximale Verwirrung auslöst.

Sorgen um die weitere Publikation dieser so eigenen französischen Erzählstimme muss man sich indes nicht machen. Ihr Roman Ein Leopardenhut, für den sie im vergangenen Jahr eine Nominierung für den International Booker Prize erhielt, wird im November diesen Jahres in der Übersetzung der bewährten Patricia Klobusiczky erscheinen, die nicht nur im vorliegenden Fall für ein gut lesbares Deutsch sorgt, das wie eine Art Geländer Orientierung auf fragilem erzählerischen Untergrund bietet.
Man darf gespannt sein, womit uns die Autorin dann im Falle des neuen Buchs überrascht.


  • Anne Serre – Einer reist mit
  • Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky
  • ISBN 978-3-911327-04-6
  • 144 Seiten. Preis: 24,00 €

Dario Ferrari – Die Pause ist vorbei

Der Corriere della Sera nennt Dario Ferraris Roman den „schönsten italienischen Roman seit Langem“ — und man könnte nach der Lektüre hinzufügen, wohl auch den witzigsten Roman seit langem.
Denn in Die Pause ist vorbei erzählt Ferrari vom Irrsinn des akademischen Betriebs und einem Tagedieb, der sich ganz bequem in ebendiesem Betrieb durchmogelt, ehe ihn die akademische Arbeit überraschenderweise doch noch ereilt.

Selten wohnte man dem Irrlichtern durch die Gelehrtenrepublik so gerne bei.


Früher sprach man noch vom Bummelstudenten, der über Jahre teilweise mehr das Leben als wirkliche Fächer studierte. Spätestens mit der Bologna-Reform schien er aber eigentlich so gut wie ausgestorben.
Eine Verschulung des universitären Systems, Creditpunkte für Kurse und Prüfungen, Bachelor und Master: was nach einer Vereinheitlichung des akademischen Betriebs und der Steigerung der Effizienz klang, es sorgte auf der anderen Seite auch für steigenden Leistungsdruck und einer Beschleunigung der universitären Laufbahn hin zu einer schnelleren Eingliederung in den Arbeitsmarkt, ohne vielfach gewechselte Studienfächer mit entsprechend langen Studienzeiten.

Liest man nun Dario Ferraris Roman Die Pause ist vorbei, dann scheint wieder viel von diesem Bummelstudententum auf, das die nach der ältesten Universität Europas benannte Reform ja austreiben wollte und das fast ausgemerzt schien.

Ein Bummelstudent in Pisa

Dario Ferrari - Die Pause ist vorbei (Cover)

Doch schon 110 Kilometer von Bologna hat es in Form von Marcello Gori überlebt. Dieser lebt im kleinen Städtchen Viareggio, das an der Küste des Ligurischen Meers gelegen ist. Wie auch der Autor selbst ist Marcello Gori ein Kind der Stadt und hat keine Pläne, daran auf absehbare Zeit daran etwas zu ändern.

Zwar ist er als Student an der nahegelegenen Universität in Pisa eingeschrieben, ein gesteigertes Interesse an einem Studium und dem Erwerb von Wissen hat er allerdings nicht. Stattdessen hat er das Slackertum perfektioniert, um nicht gar von Faulheit zu sprechen.

Er lebt als Untermieter bei seiner Mutter und pendelt nur ab und an zur Uni, an der er sich — wie generell im Leben — bislang mit minimalem Aufwand und größtmöglichen Ertrag durchgemogelt hat. Prüfungen, akademische Arbeiten, für Marcello Gori ist das Mittelmaß und das bestmögliche Verhältnis aus Aufwand und Ertrag das Ziel.

Wenig Ansprüche an das Leben

An akademischen Usancen hat er erkennbar kein Interesse, viel lieber hängt er mit seinen Freunden ab, stürzt sich auch mit Anfang dreißig noch auf die Tanzfläche der lokalen Disko, um mit den Kumpels zu alten Indiehits aus seiner Jugend herumzuhüpfen.
Mit ein paar schwarz bezahlten Nebenjobs hält sich der für das Fach Italianistik eingeschriebene Tagedieb mehr schlecht als recht über Wasser, sonderliche Ansprüche an sich oder das Leben hat er aber eh nicht, seine Freundin bleibt aus selbst für ihn rätselhaften Gründen an seiner Seite und ist für ihn da. Insofern hat er sich mehr als bequem eingerichtet in diesem Leben.

Doch dann findet auch er überraschend in den akademischen Betriebs, der er sonst mit Verachtung straft. Zu seiner eigenen Überraschung erringt er einen Platz als Promotionsstudent bei der Universitätskoryphäe, Professore Sacrosancti und sollte als künftiger Doktor nun mit den Arbeiten an seiner Promotion zu beginnen.

Nachdem er — wenig überraschend — mit keinem brauchbaren Thema für eine akademische Arbeit aufwarten kann, jubelt ihm der Professor dann ein Thema unter, das sich als wahres Himmelfahrtskommando erweisen wird.

„Sie raten also, mich auf einen einzigen Autor zu konzentrieren?“
„Wenn Sie mich so direkt fragen, dann ja. Am besten auf einen italienischen Autor aus der zweiten Reihe. Werden Sie zum weltweit führenden Experten für, sagen wir, Igino Tarchetti. Oder für Guido da Verona.“
Wer verdammt noch mal ist Guido da Verona?
„Okay. Ich denke drüber nach.“
„Bevor Sie das tun, möchte ich Ihnen einen Vorschlag machen. Oder genauer: Ich gebe Ihnen einen Tipp. Kennen Sie Tito Sella?“
Mal ernsthaft: Wer wäre schon so dämlich und würde behaupten, den Namen Tito Sella zu kennen, wenn er nicht einen einzigen Titel des Autors nennen könnte? Also ich bestimmt nicht.
„Selbstverständlich“, antworte ich.
„Das freut mich. Im Übrigen stammt er genau wie Sie aus Viareggio. Nicht jeder kennt ihn, da er nie die ihm gebührende Anerkennung erfahren hat. Er war immer unzeitgemäß, wenn Sie verstehen, was ich meine.“
Nun bin ich schon so weit aufs Glatteis geraten, dass nur eins bleibt: Ich gebe vor, sogar seine unausgesprochenen Andeutungen zu verstehen, und grinse wie ein Alteingeweihter.

Dario Ferrari – Die Pause ist vorbei, S. 42

Der schreibende Terrorist

Denn bei dem weithin unbekannten Literaten Tito Sella handelt es sich weniger um einen Literaten, als primär um einen Terroristen, der lange Zeit im Gefängnis saß, wie Marcello bei ersten Recherchen feststellen muss. Zudem ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Sella nicht weit gediehen, sodass Marcello nun zum ersten Mal wirklich arbeiten muss — oder es besser sollte.

Die Pause ist vorbei ist eine ganz hervorragende Satire auf den akademischen Betrieb, in dem viel zu oft Eitelkeiten und die Zitate der „richtigen“ Wissenschaftlern in Fußnoten statt echte Kompetenz und Erkenntnis zu beruflichem Erfolg führen.
Die privaten Kleinkriege, die Professoren führen und dabei ihre Student*innen instrumentalisieren, die Frage ob der Einladung der richtigen Personen für einen Kongress oder die Wichtigkeit der korrekten Zitation, die dem ahnungslosen Marcello von seinen strebsamen Akademikerfreunden nahegebracht werden: Dario Ferrari versteht es, mit Augenzwinkern und Überzeichnung aus Perspektive von Marcello auf den aus einen Augen ein ums andere Mal absurd erscheinenden akademischen Betrieb zu blicken.

Gleichzeitig ist sein Roman auch das bestechende Porträt eines Mannes, der erst langsam in eine andere Gangart fernab des bequemen Trabs durch das Leben findet. Nicht umsonst lässt Dario Ferrari seinen Helden mit Urvater alle Slacker, Tagediebe und Bummelstudenten beschäftigen, nämlich Gontscharows Held Oblomow.

Marcello Gori wirkt wie dessen Wiedergänger aus der Toskana, dessen Tun und Treiben man ausnehmend gerne folgt und dabei sogar Einblick in die Jahre erhält, als die Roten Brigaden und andere Terrororganisationen das Land mit Schrecken überzogen. Clever eingebaut verschafft dieser historische Rückgriff Ferraris Buch damit eine zweite Ebene und lässt somit eines gar nicht aufkommen, das in Marcello Goris Leben selbst zuhauf existiert, nämlich Langeweile.

Fazit

Die Pause ist vorbei ist ein großartiges, höchst unterhaltsames und humorvolles Werk, das unter Beweis stellt, wie lustig der akademische Betrieb sein kann, wenn man aus dem richtigen Augenwinkel darauf blickt. Ein wunderbares Buch auch für Nicht-Akademiker und solche, die es wieder werden wollen!


  • Dario Ferrari – Die Pause ist vorbei
  • Aus dem Italienischen von Christiane Pöhlmann
  • ISBN 978-3-8031-3384-7 (Wagenbach)
  • 352 Seiten. Preis: 26,00 €

Steffen Kopetzky – Die Harzreise

Wanderer, kommst du nach Wernigerode… In seinem neuen Buch Die Harzreise schnürt der Autor Steffen Kopetzky die Wanderschuhe, um sich zweihundert Jahre nach dem Erscheinen von Heinrich Heines Die Harzreise abermals auf die Route zu begeben, die Heine einst bereiste und deren Begehung auch zwei Jahrhunderte später noch viele Erkenntnisse über Land und Leute zutage fördert, wie Kopetzkys Buch zeigt.


Auf die Berge will ich steigen,
Wo die dunklen Tannen ragen,
Bäche rauschen, Vögel singen,
Und die stolzen Wolken jagen.

Lebet wohl, ihr glatten Säle,
Glatte Herren! Glatte Frauen!
Auf die Berge will ich steigen
Lachend auf euch niederschauen.

Heinrich Heine – Die Harzreise, S. 1

So dichtet es Heinrich Heine in seinem 1824 entstandenen und 1826 veröffentlichten Frühwerk Die Harzreise.
Die „Stadt der Würste“, seine Studienstadt Göttingen, wollte er mitsamt der von ihm empfundenen Enge und Rückständigkeit hinter sich lassen und sich ganz in romantischer Tradition hinaus ins Offene begeben. Das Ergebnis seiner Wanderung verarbeitete Heine in seinem Bericht, den der Hoffmann und Campe-Verlag in Hamburg publizierte und der bis heute immer wieder aufgelegt wird.

Nun, zweihundert Jahre später, tut es der Autor Steffen Kopetzky Heine nach und wandert zu Fuß auf jener Route, die der 1797 geborene Heine einst in seiner Harzreise verewigte.

Kopetzky wandert

Steffen Kopetzky - Die Harzreise (Cover)

Auch für Kopetzky geht es aus Göttingen hinaus über Osterode und Clausthal über die Grenze von Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt. Von dort führt seine Wanderroute hinauf auf den Brocken, den er besteigt, ehe es über Wernigerode bis nach Rübeland geht, wo Heines Aufzeichnungen der einstigen Harzreise dann abbrechen.

Kopetzky, der mit seinen historischen Abenteuerromanen in letzter Zeit viele Bestsellererfolge erzielte (unter anderem Monschau, Risiko, Atom) und gerne die schnelle Fortbewegungsarten beschrieb, etwa im von eigenen Erfahrung als Schlafwagenschaffner gestützten Großepos Grand Tour, setzt nun auf das entschleunigte Wandern.
Derlei Wanderbeschreibungen kennt man aus der Vergangenheit, etwa von Robert Louis Stevenson, der gemeinsam mit seiner Eselin Modestine die Cevennen durchwanderte, bis hin zu Hape Kerkeling in unseren Tagen, dem mit seinem Buch über seine Wanderung auf dem Jakobsweg einer der größten Bestseller der vergangenen Dekade gelang.

Kopetzkys Wandertour sucht sich nun ihr Plätzchen auf dem Regal der Wanderliteratur zwischen historischem Re-Enactment und gegenwärtiger Betrachtungen des Landes, wie sie auch Heinrich Heine ja schon in der Harzreise und auch im späteren Deutschland, ein Wintermärchen satirisch zu schildern wusste. Den Untertitel Eine Deutschlanderkundung nimmt das Buch nämlich durchaus ernst.

Eine Landschaft im Wandel, ein Land im Wandel

Obschon sich Kopetzky streng wie sein historisches Vorbild Heine fast ausschließlich auf Schusters Rappen auf überschaubaren Etappen fortbewegt, schwingt neben einer Schilderung des Wanderns auch immer eine Betrachtung der Umgebung im weiteren und weitesten Sinne mit. Wandern im Jahr 2026 bedeutet auch, dass man den Wandel in seinen unterschiedlichen Formen überall im Land wahrnimmt.

Das betrifft die Umwelt, deren Leid sich Kopetzky am eindrücklichsten rund um den Brocken zeigt. Dort krankt der Wald am starken Borkenkäferbefall, der zusätzlich zur steigenden Trockenheit den Baumbestand sichtbar dezimiert und so für ein deutlich unerfreulicheres Erscheinungsbild des Nationalparks sorgt, als er sich Heine einst geboten haben dürfte.

Aber auch politisch stellt der wandernde Autor einen Wandel fest. So erlebt Kopetzky den Harz mitsamt seiner Städte und Dörfer ebenfalls in Teilen als bedrohte Gebilde. Des Öfteren tritt ihm das Stadtbild vor allem durch Leerstand und Entkernung bedroht entgegen. Alleine der Zuwanderung ist es geschuldet, dass sich rudimentäre Angebote in Sachen Gastronomie und Hotellerie dort im Harz noch aufrechterhalten lassen.
Auch die studentische Tradition hat sich seit Heines Zeit massiv gewandelt. So erfährt der wandernde Autor bei seinem Aufenthalt im Städtchen Clausthal, dass selbst dort in Mitteldeutschland die Hälfte der Studierenden der örtlichen Technischen Universität mittlerweile aus dem Ausland stammt. Wandel allerorten.

Es sind Erfahrungen, die in krassem Widerspruch zu wohl frappantesten Phänomen eines weiteren Wandels stehen, nämlich den des politischen Klimawandels der Gegenwart.

Bei seiner Harzreise wird der schreibende Wanderer dieser politischen Klimaveränderung in Form von Vertretern und Infostände der AfD ansichtig, deren destruktives Weltbild und Fremdenfeindlichkeit schon ins Denken so mancher Menschen vor Ort eingesickert sind, obgleich sich die Region eine solche Fremdenfeindlichkeit schon alleine aus eigenem Interesse gar nicht leisten kann.

Historisch informierte Wanderpraxis

Zwischen Politik und Geschichte, zufälligen Begegnungen und Überlegungen mäandert Kopetzkys Reisebeschreibung. Dabei ist auch die Vergangenheit immer wieder Thema, etwa wenn der Wanderer ein Bergbaumuseum oder die Historie des Brockens beleuchtet. Angereichert wird das Ganze auch mit einer Prise Bildungsbürgertum, etwa den Überlegungen zu Ernst Jüngers Buch Auf den Marmorklippen in Bezug auf seine Reise oder Verweise auf historische Literatur, etwa Friedrich Gottschalcks Taschenbuch für Reisende in den Harz aus dem Jahr 1806.

Die größte analytische Tiefe hat diese Wanderung nicht — wer sich von dieser Wanderung eine hochdiagnostische Deutschlandvermessung á la Steffen Mau erhofft, der dürfte vom soziologischen Erkenntniswert eher enttäuscht sein.
Unbehagen am AfD-Stand, Bedauern über die sichtbaren Folgen des Klimawandels im Harz und eine Aufgeschlossenheit gegenüber dem Unbekannten, das sind Dinge, die Kopetzkys Überlegungen berühren und die doch wohl immer noch trotz allen Wandels für große Teile der Leserschaft konsensfähig sein sollten.

Als anregende Wanderungslektüre mit einem Blick auf das Große durch das Kleine funktioniert Die Harzreise aber wunderbar. Dem Pfaffenhofener Autor ist mit seinem Abgleich von Gegenwart und einstiger Heine’scher Wanderlust ein Buch gelungen, für das man vielleicht den Begriff einer bestens informierten historischen Wanderpraxis ersinnen könnte. Sein Buch ist ebenso unterhaltsam, wie es Lust auf eigenes Wandern und Erleben macht – und natürlich auch eine Erkundung des Harzes auf den Spuren der beiden Harzreise-Autoren.


  • Steffen Kopetzky – Die Harzreise. Eine Deutschlanderkundung
  • ISBN 978-3-7371-0256-8 (Rowohlt Berlin)
  • 240 Seiten. Preis: 23,00 €

Nadine Schneider – Das gute Leben

Vier Generationen Frauen zwischen Rumänien und Franken, Nähe und Distanz, sie stehen im Mittelpunkt des Romans Das gute Leben von Nadine Schneider. Darin erzählt sie von den so unterschiedlichen Leben ihrer Frauenfiguren und der Frage, was nach dem Tod bleibt.


„Alles leer. Quelle. Das ist unsere Weltgeschichtsstraße. Quelle, Adler, AEG, lauter untergegangene Weltunternehmen.“.
Es sind noch keine zehn Minuten im ersten Franken-Tatort Der Himmel ist ein Platz auf Erden aus dem Jahr 2015 vergangen, da ist der verblichene Ruhm der ehemaligen Nürnberger Großkonzerne schon Thema. Während einer Autofahrt beschreibt die von Dagmar Manzel gespielte Kommissarin Paula Ringelhahn ihrem neuen Kollegen die Besonderheit jenes Areals im Westen der Stadt, das sich zum damaligen Zeitpunkt durch viele Leerstände und bauliche Hoffnungslosigkeit auszeichnete.

Tatsächlich sind große Namen wie Grundig oder Quelle aus der Region verschwunden, die von den Zeiten des Wirtschaftswunders an die Identität der Region prägten und deren Ende im Leben der Menschen nicht nur als Arbeitgeber eine große Lücke hinterließen, bis hin zum Tatort, der sechs Jahre nach der offiziellen Insolvenz des Versandhauses den Verlust erneut thematisierte.

Verluste des Lebens

Auch im Leben von Anni spielt der Verlust des Quelle-Versandhauses eine große Rolle. Sie war früher Angestellte des Konzerns, verlor aber zwei Jahre vor Renteneintritt ihren Job dort.

In zwei Jahren wollte Anni ihren Renteneintritt feiern. So wie die anderen vor ihr wollte sie Sekt trinken, ein Geschenk und eine Karte und Umarmungen entgegennehmen, eine Urkunde von der Quelle kriegen. Stattdessen kriegt sie jetzt einen Arschtritt. Personalabbau. Und sie ist eine von denen, die abgebaut werden.

Nadine Schneider – Das gute Leben, S. 214

Dabei bedeutete der Kosmos des Arbeitgebers damals ihre Welt. Als Alleinerziehende fand sie in den 60er Jahren hier Arbeit, bewährte sich beim Packen der Pakete, die von Nürnberg aus in die ganze Bundesrepublik versendet wurden und traf sogar die Firmenchefin Grete Schickedanz, die sie zeitlebens hoch verehrte.

Doch nicht nur das Kapitel Quelle hat zu einem Ende gefunden, auch Anni selbst ist tot, wie wir im zweiten Erzählstrang des Romans von Nadine Schneider erfahren. Ihre Enkelin Christina hat ihr Haus geerbt, das sich im Nürnberger Umland befindet und begibt sich nun nicht nur räumlich auf eine Erkundung der Lebenswelt ihrer Großmutter.

Lebensspuren im Haus, Brüche in der Biografie

Nadine Schneider - Das gute Leben (Cover)

Fortan entspinnt sich eine Lebenserkundung auf zwei Ebenen. Denn nicht nur, dass Christina tief in ihre eigene Vergangenheit eintaucht und die Lebensspuren ihrer Großmutter vom Keller bis ins Schlafzimmer nachgeht und so neben vielen Erinnerungen an die gemeinsam dort verbrachte Zeit auch einen tiefergehenden Eindruck von ihrer Großmutter erhält.

Aber wir gehen weiter, und das geduckte Haus mit dem eingedellten Dach, das Haus mit den schlechten Fenstern und der alten Dämmung, das, wenn ich es hergebe, wahrscheinlich an Leute verkauft wird, denen man schon in der Anzeige eine Lust am Renovieren attestiert, sieht auf einmal sehr klein aus, dafür, dass es ja der Mittelpunkt der Welt gewesen ist.

Nadine Schneider – Das gute Leben, S. 289

In den dazwischengesetzten Kapiteln blickt Nadine Schneider auf das Leben von Anni selbst, in dem nicht nur die Entlassung bei der Quelle eine große Zäsur darstellte. So stammt Anni aus Rumänien und entschied sich in jungen Jahren mitsamt ihrer neugeborenen Tochter Helene für einen Neuanfang in Franken.

Diese Zeit, die Verbindungen nach Rumänien und die Herausforderungen einer neuen Verwurzelung, sie betrachtet die 1990 geborene Autorin, die damit jene Themen vorsetzt, die sie seit ihrem Debüt 3 Kilometer immer wieder umkreist und bearbeitet. Dabei legt sie einen feinen Sinn für Brüche im Leben und zwischenmenschliche Konflikte an den Tag.

Das schwierige Verhältnis von Anni zu ihrer Tochter, die generationenübergreifende Verbindung von Anni hin zu Christina und die familiären Spuren der in Rumänien verbliebenen Generation, all das ist Thema in Das gute Leben und hat der Autorin in meinen Augen zurecht Vergleiche mit einer Autorin wie Iris Wolff eingebracht, die in ihrer Prosa ähnliche Themen wie Nadine Schneider bearbeitet und einen ebenso zarten Erzählton an den Tag legt.

Fazit

Das gute Leben ist dreigenerationales Porträt einer Familie mit Brüchen und zugleich ein Blick auf ein zentrales Kapitel deutscher Unternehmensgeschichte, das hier aus Perspektive einer Arbeiterin geschildert wird und das die Verluste, die der Niedergang des Unternehmens für das Land bedeutete, auf privater Ebene nachzeichnet und so viele unterschiedliche Themen gelungen zusammenführt.


  • Nadine Schneider – Das gute Leben
  • ISBN 978-3-10-397713-4 (S. Fischer)
  • 304 Seiten. Preis: 25,00 €

Bildrechte: Flickr/Labormikro unter CC BY-SA 2.0

Julian Barnes – Abschied(e)

Wie geht Abschied? Der britische Schriftsteller Julian Barnes verabschiedet sich mit seinem letzten Werk Abschied(e) von der literarischen Bühne und seinen Leser*innen — und nimmt sie mit in die Welt seiner Gedanken und Reflektionen. Großes Thema, lose Form.


Der Gedanke, der hinter Julian Barnes von ihm selbst als letztes Werk betitelten Abschied(e) steckt, ist ein großer. Wie geht man von der literarischen Bühne ab, wie verabschiedet man sich als Autor von seinem Publikum, wenn man noch selbst in der Lage ist, über den Abschied zu bestimmen?

Berühmt etwa das Beispiel von Jacob Grimm, der zusammen mit seinem Bruder Wilhelm das Grimm’sche Wörterbuch verfasste, in dem sie alle Wörter ihrer Zeit und deren Bedeutungen und Herkunft sammelten und erfassten. Auf der Seite 259 heißt es da in einer Fußnote zur Eintragung des Begriffs Frucht: Mit diesem Worte sollte Jacob Grimm seine Feder von dem Werke leider für immer niederlegen.

Ein selbstbestimmtes letztes Werk

Julian Barnes - Abschied(e) (Cover)

Julian Barnes möchte es da anders machen und selbstbestimmt ein letztes Werk vorlegen, da ihm sein Ende schon vor Augen steht. Myeloproliferative Neoplasie heißt die Diagnose, die er erhalten hat. Ein Art seltener Blutkrebs, zwar behandelbar, aber dennoch letal, sodass ihm noch etwas Zeit gegeben ist, um sich von der Welt zu verabschieden.
Er hat diese Zeit über die letzten drei Jahre hinweg genutzt , um Abschied(e) zu verfassen und zu nehmen.

Sein Buch ist ein Spaziergang durch Erinnerungen, dessen Ausgangspunkt der literarische Versuch eines sogenannten IAMs bildet, eine Involuntarily Autobiographical Memory, also eine unwillkürliche autobiographische Erinnerung, die eine Erinnerungskaskade auslöst.

Ähnlich wie bei seinem Hausheiligen Marcel Proust, bei dem ein in den Tee getunkter Madeleine die von Erinnerungen getriebene Handlung seines Mammutwerks Auf der Suche nach der verlorenen Zeit in Gang setzt, die sich über ganze viereinhalbtausend Seiten erstreckt. Ganz so viele Seiten werden es bei Barnes nicht, ihm genügen 240 Seiten für die Coda seines über vierzig Jahre währenden Karriere als Schriftsteller.

Erinnerungen eines Lebens

Reich an Erinnerungen ist aber auch Barnes Werk. Im leichten Parlando begibt er sich ausgehend von der Theorie der IAM auf eine Erinnerungsreise, die ganz unterschiedliche Themen berührt. Barnes begreift sein Buch nämlich wirklich als Gespräch mit uns als Leser*innen, was er auch so klar formuliert.

Was mich betrifft, ich bin jetzt achtundsiebzig , und dies ist definitiv mein letztes Buch — mein offizieller Abgesang, mein letztes Gespräch mit Ihnen. Dass ich mein letztes Buch in aller Ruhe zu Ende schreibe und dann verstumme, hat zumindest eine nützliche Folge: Es bedeutet, dass man nicht mitten im Schreiben — wie Brian Moore fürchtete — unterbrochen wird. So spricht man dem Tod seine Handlungsmacht ab. Wenn auch, zugegeben, in sehr bescheidenem Maße.

Julian Barnes – Abschied(e), S. 229

Möchte man kritikasterhaft sein, könnte man sagen, dass Barnes‘ Werk wirklich das Gespräch mit einem älteren Herrn ist. Seine Erinnerungen kreisen um die alterstypischen Themen Krankheit, Tod und die hell glänzenden Erinnerungen der eigenen Jugend, hier in Form der Studienjahre des Erzählers in Oxford, als auch einmal ein Mädchen im Zimmerspind versteckt wurde und die olfaktorischen Spuren von deren Anwesenheit mit fleißigen Rauchen überdeckt wurden, um die Nase des Zimmerinspekteurs auf eine falsche Fährte zu locken.

Ein Gespräch mit Julian Barnes

Nun hat man aber das Glück, dass Julian Barnes der Gegenüber in diesem Gespräch ist. Denn das, was leicht in eine peinliche oder larmoyante Beschwörung der eigenen Jugend und der Hinfälligkeit hätte werden können, ist in der Realität eine durchaus charmantes Unterfangen, das von Barnes Distinguiertheit und feinem, britischen Witz getragen ist.

Egal ob Krankenhausaufenthalt zu Coronazeit, bei der Barnes als berühmter Schriftsteller erkannt wird, oder die Geschichte seiner guten Freunde, für die er gleich zwei Mal im Leben zum Beziehungsstifter wird, immer liegt über allem ein augenzwinkernder Ton, der mal wehmütiger und mal heiterer ist.

Was Abschied(e) fehlt, ist ein roter Faden. Ein wenig arg unbehauen stehen die Themen hier nebeneinander. Jugend in Oxford, der um ihn herum wegsterbende Freundeskreis von Intellektuellen wie Martin Amis oder Christopher Hitchens, der Verlust seiner Frau und die eigene Diagnose über den nahenden Tod. Immer wieder springt Barnes in seiner Erinnerungskaskade hin und her, ergeht sich in Gedanken, literarischen Betrachtungen oder biografischen Splittern.
Auch ist der Text durchwirkt von Zitaten, die von Goethe über den ebenschon erwähnten Marcel Proust bis hin zu George Sand reichen.

Fazit

So entzieht sich sein Text auch einer klaren Zuordnung. Ist es Autofiktion, ein Memoir, literarische Meditation oder in seiner Vielgestaltigkeit etwas womöglich ganz anderes? Abschied(e) lässt Fragen offen, womöglich sogar die, ob es sich hier um Julian Barnes wirklich letztes Werk handelt.

Ich würde es dem mittlerweile achtzig Jahre alten Schriftsteller auf alle Fälle wünschen, damit es ihm dann wirklich nicht so geht wie Jacob Grimm und dessen Feder, die ihm noch vor der Vollendung seines Lebenswerks aus der Hand fiel. Ein interessanter Schlusspunkt ist hier auf alle Fälle gefunden.


  • Julian Barnes – Abschied(e)
  • Aus dem Englischen von Gertraude Krueger
  • ISBN 978-3-462-00919-4
  • 240 Seiten. Preis: 23,00 €