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Josephine Tey – Nur der Mond war Zeuge

Ein verschlafenes Nest irgendwo in England kurz nach dem Zweiten Weltkrieg- und eine ungeheure Anschuldigung, die nicht nur den lokalen Anwalt Robert Blair aufrüttelt. Josephine Tey erzählt in ihrem ursprünglich 1948 erschienenen Krimi Nur der Mond war Zeuge von der Suche nach Wahrheit zwischen Beschuldigten und Beschuldigerin – und der Sensationsgier der Boulevardpresse.


Es war doch seltsam, dachte Robert, als er in die Runde blickte, dass der Anlass zu dieser so fröhlichen, so warmherzigen, so geborgenen Familienfeier die große Not zweiter hilfloser Frauen sein sollte, die in diesem dunklen, stillen Haus zwischen den endlosen Feldern lebten.

Josephine Tey – Nur der Mond war Zeuge, S. 294

Anrufe, die einen kurz vor Feierabend erreichen, sollte man besser nicht annehmen. Meistens bringen sie nur Arbeit und vergällen einem den ruhigen Feierabend. Das ist eine Erkenntnis, die auch der Anwalt Robert Blair machen muss. Bei ihm ist es ein solcher nachmittäglicher Anruf, der ihn kurz vor seinem Aufbruch aus der Kanzlei erreicht. Versunken in der Behaglichkeit seines Daseins als Anwalt, bei dem nur die Keksauswahl etwas Abwechslung verspricht, macht er sich gerade auf, um die Dorfstraße von Milford hinabzupromenieren, als ihn der Anruf von Marion Sharpe erreicht, die ihn um anwaltlichen Beistand ersucht.

Ihrer Mutter und ihr wird nämlich ein ungeheures Verbrechen zur Last gelegt, was Blair nach seiner widerwilligen Annahme des Mandats direkt bei der Ankunft am einsam gelegenen Häuschen der Sharpes offenbart wird. Scotland Yard ist in Form von Inspektor Grant anwesend (der hier im Gegensatz zu den anderen Krimis der Reihe nur eine kleine Nebenrolle spielt) und die Zeichen stehen auf Sturm. Denn es ist der Vorwurf der Entführung und Misshandlung, der die Polizeibehörden auf den Plan gerufen hat, weswegen nun anwaltlicher Beistand für Mutter und Tochter Sharpe notwendig ist.

Im Gespräch kristallisieren sich rasch die Hintergründe für den Aufruhr heraus. So wurde ein junges Mädchen aufgegriffen, das schwere Anschuldigungen gegen die Sharpes erhebt. Es sei von Mutter und Tochter entführt und im „Franchise“ genannten Haus der beiden gefangen gehalten worden. Misshandlung und Zwangsarbeit seien an der Tagesordnung gewesen, ehe sich das Mädchen aus der Gewalt seiner Peinigerinnen befreien konnte.

Wer spricht hier die Wahrheit?

Josephine Tey - Nur der Mond war Zeuge (Cover)

Schwere Anschuldigungen, die die beiden Frauen weit von sich weisen und sich die Hilfe Roberts ausbedungen haben. Komplizierter wird der Fall dann auch noch, als das Mädchen bei einer Gegenüberstellung sämtliche Details aus dem Inneren des Hauses nennen kann, womit sich der Vorwurf der Entführung und Misshandlung erhärtet.

Obwohl zunächst noch widerwillig, verbeißt sich Robert schon bald in den Fall, der nicht nur in Milford für Aufsehen sorgt. Wer spricht die Wahrheit? Seine beiden Klientinnen oder das junge Mädchen, das sogar die Bespannung der Koffer im Schrank der Sharpes benennen kann? Da ja tatsächlich nur der Mond Zeuge der potentiellen Ereignissen gewesen zu sein scheint, steht es zunächst noch nach Aussage gegen Aussage. Scotland Yard sieht keinen Grund für weitere Untersuchungen, doch dann tritt die Presse auf den Plan. So wird der Fall durch eine Thematisierung in der Boulevardpresse rasch zu einer überregionalen Causa.

Das Ack-Emma genannte Revolverblatt setzt den Fall mit einer Inszenierung des jugendlichen Opfers auf die Titelseite – was für eine erhebliche Beschleunigung und Dynamisierung des Geschehens rund um die Sharpes sorgt. Leserbriefe werden geschrieben, sensationslüsterne Scharen von Besuchern wollen das „Franchise“ sehen, wo sich das Verbrechen mutmaßlich zugetragen hat – und je mehr der Boulevard spekuliert, umso aufgeheizter wird die Stimmung. Dabei sind die Steine, die gegen die Fensterscheiben der Sharpes fliegen, nur der Anfang….

Viel Wirbel in der Kleinstadt

Nur der Mond war Zeuge erzählt von den Kreisen, die eine Anschuldigung ziehen kann. So ist der Anruf, der Blair aus seiner Ruhe reißt, nur ein kleiner Dominostein in einer Kette immer dramatischer werdenden Ereignisse. Vor der Kulisse des kleinen Dorfs zeigt Tey, wie sich die Stimmung durch die skandalisierende Berichterstattung immer weiter aufheizt und wie die eh schon nicht so gut gelittenen Sharpes durch die Anschuldigungen zu Parias werden.

Josephine Tey erzählt mit einem genauen Gespür für die psychologischen und sozialen Mechanismen des Dorfs Milford. Während sich Robert Blair nach dem anfänglichen Hadern mit der Situation immer mehr im Fall verbeißt und selbst vom Anwalt zum Detektiv mutiert, wachsen auch die Zweifel an den unterschiedlichen Versionen der Geschichte. Wie kann es dem Mädchen möglich sein, die Beschaffenheit der Böden und die Anordnung des Dachfensters in der Kammer beschreiben, wenn es nie in dem Zimmer anwesend war? Immer stärker werden die Indizien, die Mutter und Tochter Sharpe und damit auch Robert Blair in die Bredouille nehmen.

Hellsichtig und gut beobachtet

Dabei ist dieser Roman eine genaue Studie des Dorfs, wie er auch die Dynamiken der öffentlichen Meinung in den Blick nimmt. Zwar mag man manche Meinung oder Äußerung eines Dorfbewohners und Polizisten heute mit Verwunderung zu Kenntnis nehmen (generell haben sich doch viele Ansichten deutlich überlebt) und nicht alles im Roman ist plausibel und sauber motiviert. Im Kern aber ist Nur der Mond war Zeuge aber ein sehr hellsichtiges und gut beobachtetes Buch, das auch nach über 75 Jahren immer noch wirklich lesenswert ist.

Nicht nur als ruhiger Kleinstadtkrimi, sondern vor allem als Beobachtung dieser beschriebenen Dynamiken funktioniert Nur der Mond war Zeuge ausgezeichnet, auch wenn man über manche Unplausibilitäten gnädig hinwegsehen sollte.

Schön, dass mit diesem Buch die schottische Autorin wieder neu entdeckt werden kann – ihr Werk ist es wert, Josephine Tey auch heute wieder oder erst recht zu lesen, auch wenn man den in der neuen Version titelgebenden Mond hier wirklich suchen muss. Mit einer passenderen Übertragung des Originaltitels „The Franchise Affair“ als der eher generisch wirkenden Titelwahl hätte man den Kern des Buchs besser getroffen – aber sei’s drum!


  • Josephine Tey – Nur der Mond war Zeuge
  • Aus dem Englischen von Manfred Allié
  • Mit einem Vorwort von Louise Penny
  • Produktnummer 173832 (Büchergilde Gutenberg)
  • 432 Seiten. Preis: 22,00 €

Gianna Molinari – Hinter der Hecke die Welt

Eine allesüberragende Hecke, dahinter ein Dorf, das zu verschwinden droht und Menschen, die immer mehr schrumpfen. Kinder, auf denen die Hoffnung des Dorfs ruht. Und dazu eine Forscherin in der Einsamkeit des ewigen Eises. Klingt nach einer wilden Mischung? Ist aber im Falle von Gianna Molinaris Roman Hinter der Hecke die Welt ein spannender Erzählansatz, um vom möglichen Leben inmitten der Klimakatastrophe zu erzählen.

Wie wir verschwinden

Auf den ersten Blick wählt Gianna Molinari für ihren Roman einen Erzählansatz, der auf dem deutschen Büchermarkt eigentlich schon für eine völlige Übersättigung gesorgt hat: die Rede ist vom Dorfroman. Auch in Molinaris Fall ist es schon wieder ein Dorf, vor dessen Hintergrund Molinaris Geschichte hauptsächlich verhandelt wird und in dem die beiden Kinder Lobo und Pina leben.

Gianna Molinari - Hinter der Hecke die Welt (Cover)

Auf den zweiten Blick aber wird dieses auserzählte Setting interessant – denn das Dorf steht kurz vor dem Verschwinden. Hinter einer Hecke in Übergröße gelegen schrumpft das Dorf – und mit ihm seine Bewohner. Jeder, der da über 1,50 Meter groß ist, zählt schon zu den Hoffnungsträgern. Neben dem Dorfhund Pilaster sind das eben Pina und Lobo, auf denen die Hoffnung der Dorfgemeinschaft ruht. Sie sollen das Dorf dem Vergessen entreißen und für eine Zukunft sorgen, die aktuell recht düster aussieht.

Ab und an finden noch Touristenbusse in das Dörfchen, um die Hecke zu bewundern und das Dorfmuseum zu besuchen, ansonsten ist das Dorf aber keineswegs ein Aspirant für den Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft.

Eine Welt in Auflösung

Die Welt des Dorfs, sie befindet sich in Auflösung. Und mit ihr auch die Welt da draußen, die hinter der Hecke in einem diffusen Prozess des Verschwindens inbegriffen ist.

Es gibt Stellen, sagte Pinars Vater, die von der Landkarte verschwinden. Das geht nicht nur uns so. Auch andere Orte verschwinden, Inseln gehen unter, Berge zerbröseln zu Steinklumpen, Klümpchen, zu Staub.

Pinas Vater war der Meinung, dass hinter der Hecke das Dorf liege und dieses darum besser geschützt sei als andere Orte.

Pina war der Meinung, das hinter der Hecke die Welt liege. Die Welt und irgendwo auch die Arktis.

Gianna Molinari – Hinter der Hecke die Welt, S. 27 f.

Die Arktis ist der zweite Handlungsstrang, den Gianna Molinari in ihrem Roman einführt. In diesem Strang steht die Arktisforscherin Dora im Mittelpunkt, die zugleich auch im ewigen Eis ebenjene Untergangsstimmung spürt, die auch das Dorf und seine Welt ergriffen hat. Dora, die auch die Mutter von Pina ist, schickt ihrer Tochter Sprachnachrichten, die von der schwindenden Schönheit des Eises erzählen.

Wuchernde Hecken, schmelzende Gletscher

Sie berichtet über Gletscher und Eisberge, die zerfallen, denkt über die Einsamkeit von Grönlandhaien nach und beschreibt durch kleine Momentaufnahmen die zerstörerische Kraft des Anthropozäns. Immer ist es der Mensch als Erdbewohner, der alles zerstören muss, was diese Erde eigentlich ausmacht. Ergänzt werden diese Impressionen durch kleine Skizzen, die das Erzählte in Silhouetten noch einmal nachzeichnen.

Es sind Szenen, die von ebenso still wie eindrücklich vom allmählichen Ende dessen künden, was Dora aktuell noch dort hoch oben im Eis beobachten kann.

Damit ist Hinter der Hecke die Welt eine kraftvolle Meditation über die Vergänglichkeit und den Klimawandel, in den wir sehenden Auges reichlich fatalistisch steuern. Ähnlich wie zuletzt bei T. C. Boyle fällt auch bei Gianna Molinari die menschliche Antwort auf die Klimakatastrophe reichlich fatalistisch aus.

Irgendwie arrangiert man sich mit den schmelzenden Gletschern und dem Schrumpfen der Menschen – es geht ja doch irgendwie weiter – und Aufgeben wäre eh keine Option, und so lebt man einfach weiter, von Tag zu Tag. Dieses Gefühl trifft Hinter der Hecke die Welt sehr genau.

Fazit

Gianna Molinari gelingt mit ihrem Roman Hinter der Hecke die Welt ein ungewöhnlicher Dorfroman mit Parabelcharakter, eine Erzählung übers Verschwinden und Artensterben – und den Fatalismus der Menschen, die sich auch von Schrumpfen, übergroßen Hecken und dem Schmelzen der Gletscher und Eisberge nicht aus dem Konzept bringen lassen. Obwohl das Buch nur aus kurzen Szenen und Momentaufnahmen montiert ist, gelingt der Schweizer Autorin ein tiefgreifender Eindruck dieser Prozesse, den sie in ihrer schwebenden und wie hingetupft wirkenden Prosa präsentiert.


  • Gianna Molinari – Hinter der Hecke die Welt
  • ISBN 978-3-351-04173-1 (Aufbau)
  • 208 Seiten. Preis: 24,00 €

Johanna Sebauer – Nincshof

Unser Dorf soll schöner werden – diesen Slogan kennt man nicht nur hier in Bayern, wenn man sich auf eine Landpartie begibt. Georg Ringsgwandl erhob einst im Song Dorf die gegenteilige Forderung, nämlich die gezielte Verschandelung des Lebensraums Dorf. Doch ein Dorf, das weder hässlicher noch schöner, sondern zum Verschwinden gebracht werden soll? Das ist wirklich mal etwas anderes. Johanna Sebauer probiert es in ihrem Debütroman Nincshof aus.


Nincshof heißt das beschauliche Örtchen, das sich im hintersten Zipfel Österreichs versteckt. Direkt am Neusiedlersee gelegen kann man mit einem kräftigen Steinwurf von dort aus schon ungarisches Staatsgebiet treffen. Wenig passiert hier, es gibt ein paar Straßen und einen Kanal, man konsumiert die legendären Pusztafeigen und lebt ein Leben im geruhsamen Takt.

Nincshof ist das Dorf. Auf den ersten Blick, wie jedes Dorf, in keiner Weise besonders. Auf den zweiten, wie jedes Dorf, einzigartig. Dort, wo man heute das östliche Ende von Österreich findet, wo man die Reste der Alpen nur an sehr klaren Tagen in der Ferne sehen kann, wie sie sich aufrichten, ein letztes Mal. Wo sonst keine Erhebung den Blick stört, wo der Horizont weit ist und die Sehnsüchte groß sind, dort, unweit des Neusiedler Sees, einer salzigen graubraunen Lacke, direkt neben dem Einser-Kanal, einem trägen Rinnsal, das die Grenze zu Ungarn markiert, duckt sich Nincshof mitten hinein ins Schilf. Ein paar Gassen, ein paar Häuser, Weingärten, Gurkenäcker und rundherum viel Nichts

Johanna Sebauer – Nincshof, S. 5

Ein Plan zum Vergessen

Doch im Hintergrund arbeiten drei Männer an einem Plan, der es in sich hat. Sie wollen, dass man Nincshof im Rest der Welt einfach vergisst. Ihr Vorhaben legen die Dorfbewohner auch der betagten Erna Rohdiebel vor, die seit Kindesbeinen an in Nincshof wohnt und die eines Abends recht rabiat von den Männern überfallen wird.

Der Bürgermeister holte tief Luft und sagte dann, langsam und übertrieben weihevoll wie ein Dompfarrer: „Wir wollen, dass man Nincshof vergisst. Daran arbeiten wir.“

Erna Rohdiebel blinzelte. Die Männer starrten sie an und wirkten, als hielten sie die Luft an.

„Vergisst?“, fragte sie vorsichtig.

Der Bürgermeister nickte energisch.

„Exakt! Vergisst“, sagte er strahlend.

Johanna Sebauer – Nincshof, S. 95

Die Überlegungen der Männer sind klar. Der Bürgermeister findet keinen Nachfolger, die Eingemeindung in ein anderes Dorf droht, die Weltpolitik, sie scheint nur noch Negatives hervorzubringen. Und so wagt man sich in Nincshof an eine ganz eigene Interpretation der biedermeierlichen Weltabgewandtheit, nämlich die des Vergessenwerdens.

Nincshof soll verschwinden

Johanna Sebauer - Nincshof (Cover)

Die Abspaltung vom Land Österreichs würde einen Straftatbestand darstellen – nicht aber die Tatsache, dass man einfach vom Rest der Welt vergessen wird und so wieder ungestört und ohne Einmischungen von Außerhalb seinem Tagewerk nachgehen könnte. Ein theoretisches Fundament namens Oblivismus zimmern sich die Männer um den Bürgermeister auch noch schnell zusammen und schon kann es losgehen, nachdem sie auch Erna Rohdiebel in ihre Pläne eingeweiht haben.

Straßenschilder verschwinden, Jauche wird gezielt ausgebracht, um Tagestouristen und die zahlreichen Radler rund um den Neusiedler See von einem Besuch Nincshofs abzubringen. Bang zählt das Komitee die Tage, die Nincshof nicht mehr in der lokalen Presse aufgetaucht ist.

Doch ein entscheidendes Hemmnis gibt es bei diesem Plan auch. Dieses Hemmnis ist die neuzugezogene Kleinfamilie von Silvano Mezzaroni und Isa Bachgasser. Sie eine ehemalige Filmemacherin aus Wien, er ein Ex-Architekt und nun passionierter Irrziegenzüchter. Ihr Zuzug und die damit verbundene Neugier Isas auf die Dorfhistorie und Silvanos Ambitionen auf Nincshof als Irrziegenmekka kollidieren entscheidend mit dem Projekt des Oblivismus. Und so müssen die Männer um den Bürgermeister und Erna Rohdiebel einige Kreativität an den Tag legen, damit Nincshof weiter verschwinden kann.

Zwischen Irrziegen und Pusztafeigen

Johanna Sebauers Debüt ist ein passabler Unterhaltungsroman, der ganz in der Tradition der humorvollen Dorfromane ihrer Landsfrau Vea Kaiser steht (hier wäre beispielsweise Blasmusikpop oder Rückwärtswalzer zu nennen). Die Idee eines Dorfs, das um jeden Preis vergessen werden will, ist ebenso schrullig wie Sebauers Personal, das Namen wie Frederika Liebzipfel, Sipp Sepp oder Armina Karnelli trägt, die hart an der Grenze zur Albernheit changieren.

Hätte die 1988 in Wien geborene und im Burgenland aufgewachsene Autorin nur auf diese Figuren gesetzt, so wäre der gefühlt zweihundertste Dorfroman entstanden, die momentan die Buchregale überfluten. Durch die Idee eines Dorfs, das ums Vergessenwerden kämpft, kreiert Sebauer aber ein eigenen Twist, der dem Buch Eigenständigkeit verleiht.

Und auch wenn sie die Idee des praktizierten Oblivismus im letzten Teil zugunsten eines rührseligen Irrziegen-Kidnapping-Romans etwas schleifen lässt und nicht alles wirklich zu Ende führt, so gelingt ihr doch ein unterhaltsames Debüt, das ebenso eigenwillige Figuren und Tiere in den Mittelpunkt stellt, wie sie auch Friedrich Rückerts bekannte Zeilen Ich bin der Welt abhandengekommen hier mit ganz eigenem Leben füllt.

Fazit

Johanna Sebauer hat einen unterhaltsamen Roman irgendwo zwischen Märchen, Dorf-Theater und liebevoller Schnurre vorgelegt. Nincshof weiß gut zu unterhalten und bietet skurrile Figuren, eigenwillige Pläne, Irrziegen und jede Menge Pusztafeigen. Ein nett zu lesendes Buch und eine Möglichkeit, diesen Sommer gedanklich in Nincshof am Neusiedlersee zu verbringen!


  • Johanna Sebauer – Nincshof
  • ISBN 978-3-8321-6820-9 (Dumont)
  • 368 Seitne. Preis: 23,00 €

Maria Borrély – Mistral

Schon kurz nach dem Beginn fällt der unabhängige Kanon-Verlag durch ein ambitioniertes Programm auf. Nun ist dem Berliner Verlag eine echte Entdeckung gelungen. In ihrem ursprünglich 1929 erschienenen Roman Mistral erzählt Maria Borrély ebenso präzise wie lyrisch von einem kleinen Dorf in der Provence, vom wechselseitigen Walten der Kräfte in der Natur und im Menschen und von einer unglücklichen Liebe


Manche Bücher gehen ungewöhnlichen Wege, ehe wir sie als Leser*innen zu Gesicht bekommen. Maria Borrélys Buch ist hierfür ein Beispiel, beginnt die Geschichte doch mit einer Vitrine in einer Kneipe im französischen Dörfchen Puimoisson. Dort, inmitten der Provence, verbringt die Übersetzerin Amelie Thoma regelmäßig ihre Urlaube und stieß beim Besuch einer Kneipe auf eine Vitrine, wie sie in ihrem Nachwort des Buchs erklärt. In jener Vitrine fanden sich neben den üblichen regionalen Spezialitäten auch die Erzeugnisse eines kleinen Verlagshauses, darunter den Roman Sous le vent von Maria Borrély. Schauplatz des Buches ist ebenjenes Dorf Puimoisson, in dem Thoma nun knappe 100 Jahre nach Erscheinen des Romans auf das Buch stieß – und begeistert war.

Der Grund ihrer Begeisterung ist nun in Thomas Neuübersetzung zu lesen, nachdem die ursprüngliche Übersetzung von Walter Gerull-Kardas im Züricher Scientia-Verlag aus dem Jahr 1939 datiert und in ihrer barocken Gestaltung dem vielschichtigen Ton von Maria Borrély nicht wirklich gerecht wurde, wie Amelie Thoma in ihrem Nachwort erklärt. Die Suche nach einem Verlag, der eine Neuausgabe des Werks wagte, trug in Form des Kanon-Verlags offenkundig Früchte und so gibt es nun eine französische Autorin zu entdecken, die genau auf Natur und Mensch blickt und mit ihrem Schreiben als eine der Vorreiterin der aktuell so boomenden Gattung des Nature Writing gelesen werden kann.

Le vent nous portera

Maria Borrély - Mistral (Cover)

Schauplatz des Romans von Maria Borrély ist die Region Haute-Provence in ihrer ganzen Fülle. Dort, auf und am Fuße des Plateaus gibt es den ganzen Reichtum zu entdecken, die die Natur so spendet. Mandelernte, später im Jahr der blühende Lavendel, Quitten, Salbei, Korn und dichte Wälder. Es ist nahezu ein Paradies, kostet den Menschen aber auch entbehrungsreiche Arbeit.

Die Umwelt gibt den Takt vor, nach dem die Menschen im kleinen Dörfchen hier leben. Gemeinsam trifft man sich abends im Schein der Lampe, um Mandeln zu pulen, während der Mistral ums Haus weht. Gemeinsam werden die Acker geeggt und besät. Man folgt dem Rhythmus der Natur, dem Werden und Vergehen, während die die verschiedenen Winde vom Plateau herab wehen und durch die verlassenen Viertel des Dorfs streichen.

Der Südwind bläst seit zwei Tagen, heiß wie aus einem Backofen, und hat das Korn zu schnell reifen lassen. […].

Die dichten, glänzenden Halme kommen ihm vor wie das volle Haar der drallen Erde. Den Falten des Geländes folgend, sind sie herrlich goldbraun gereift. Wo die Bäume ihnen Schatten geben, ist die Farbe weniger intensiv. An manchen Stellen sinken sie in schweren Bündeln um, als hätten sie einen Sonnenstich.

Rund um das vor Licht, trunkenen Zikaden und sonnenverbrannten Ähren sirrende Plateau bilden die Hügel einen Ring aus blauer Frische. Auf der Montagne de Lure ist ein Hauch Schnee zu erahnen.

Und der Lavendel, zwischen zwei Weizenfeldern, erscheint wie der violette Grund einer Schlucht am Morgen.

Maria Borrély – Mistral, S. 53

Frühlings Erwachen

Während neben der Natur als Hauptdarstellerin mehr oder weniger das ganze Dorf das menschliche Personal des Romans bildet, schält sich bald die junge Marie als Ankerpunkt des auktorial erzählten Geschehens heraus. Sie spürt nicht nur die Kräfte der Natur im Frühjahr erwachen – auch in ihr wirken die Kräfte der Natur und lassen die Sehnsucht und das Begehren erwachen. Ziel von Maries Leidenschaft ist der junge Müllersknecht Olivier Roure, der ihr den Kopf verdreht hat und den sie im Lauf des Frühlings und Sommers zunehmend begehrt.

Als sie im oberen Viertel herauskommt, sieht sie Olivier auf dem Karren und ist auf einmal atemloser als eben noch, während sie die steile Straße hinaufeilt.

Mit zugeschnürter Kehle verlangsamt sie ihren Schritt und wünscht, sie könnte mit den Händen ihr hüpfendes Herz festhalten.

Unter dem dünnen Stoff zeichnen sich ihre Brüste ab wie zwei aufragende Wogen. Die runde Hüfte wiegt sich, schwingt. Die Blöße des schönen, erblühten Körpers strömt über, strahlt durch die schlichte Baumwolle, die an den kraftvollen Gliedern klebt, wie Licht durch einen Lampenschirm.

Er sieht sie in einer fließenden Bewegung näherkommen, mit einem Blick, der den keuschen Schleier durchdringt, trinkt die Glut, die die Wangen der jungen Frau rötet, wie Likör, denkt, dass das Schönste an ihr weder der Körper ist noch die geschmeidige Anmut ihres Gangs, sondern die Liebe, die ihr aus allen Poren dringt, die Leidenschaft, die sie verströmt wie ein Parfum.

Maria Borrély – Mistral, S. 60

Die Kräfte der Natur walten auch in diesen beiden jungen Menschen. Und doch kann es, ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen, nichts werden, mögen auch Sinn und Sinnlichkeit noch so stark für die beiden jungen Menschen sprechen.

Alles andere als Kitsch

Man könnte es sich nun leichtmachen mit Maria Borrélys Roman und ihn des übermäßigen Pathos und Kitsch zeihen. Doch das wäre falsch, auch wenn es einem Sätze wie „Ihr Herz ist ein blühendes Feld, das nach Hoffnung duftet“ natürlich einfach machen.

Aber das wäre zu kurz gegriffen, denn Borrélys Buch ist unglaublich stimmig in der Art und Weise, wie sie Natur und Herz, Gefühl und Jahreszeiten hier zusammenbringt. Die knospende Natur, die auch in Marie waltet, die Kälte und Düsternis, die im Winter auf die junge Frau übergreift – hier schreibt eine Autorin mit einem tiefen Verständnis von Mensch und Natur, obschon man manches Sprachbild hundert Jahre später auch aufgrund wirklicher Kitsch-Autor*innen seither als abgegriffen empfinden mag.

Wie sie die Gegend dort in der Provence aber in hellen Farben schildert, wie sie den bäuerlichen Rhythmus und das Tagwerk, die versuchte Domestizierung von Äckern und Wäldern beschreibt, wie auf jeder Seite das Auge der Autorin für Ökologie durchscheint, das macht Maria Borrély in meinen Augen zu einer der frühen Vorreiterinnen der heute so boomenden Gattung des Nature Writing mit einer schon fast impressionistischen Sprachkraft, die Amelie Thoma im Deutschen nun erlebbar macht:

Auf den Tennen ein Konzert brummender Maschinen.

Die Sonne sticht vom Himmel.

Manch einer ist noch am Dreschen.

Rund um die Stangen wächst kegelförmig der Haufen aus Körnern und Spreu. Ansonsten ist der Platz gefegt, das uralte Pflaster mit seinen glänzenden abgewetzten Steinen, die die Fußsohlen verbrennen, nackt.

Maria Borrély – Mistral (S. 54)

Ein Buch, das von seiner Sinnlichkeit lebt

Sie erzählt vom Jahreskreislauf und findet immer wieder kraftvolle Metaphern, die man aus heutiger Sicht natürlich leicht als Kitsch abtuen kann, aber dabei außer Acht lässt, wie geschickt sie Natur und Sehnen verbindet.

Mistral ist ein Buch, das von seiner Sinnlichkeit lebt, die auf den ganzen 113 Seiten fast mit den Händen zu greifen ist. Zudem setzt Borrély in vielen Szenen auch auf eine großartig inszenierte Uneindeutigkeit in den Szenen, die verschiedene Lesarten erlaubt (unter anderem in der großartigen Schlussszene), und findet (auch vor allem dank ihrer Übersetzerin Thoma) Sprachbilder, die in ihrer Originalität überzeugen und bei einem bleiben, wie etwa dieses: „Der Tag sickert langsam aus den Umrissen der Dinge“.

So bleibt nach der Lektüre der Eindruck, hier einer wirklich Wiederentdeckung beigewohnt zu haben, deren Alter von fast hundert Jahren man auch dank Amelie Thomas Neuübersetzung kaum merkt. Schön, dass die weiteren Romane dieser hochinteressanten Autorin mit ihrer Prosa, deren „Reichtum an Farben, (…) eigentümlicher Klang, (…)unmittelbare Kraft bis in die kleinsten Sätze der Dialoge“ auch Andre Gide rühmte, der Borrélys Werk begutachtete und zur Veröffentlichung im renommierten Gallimard-Verlagshaus empfahl, demnächst im Kanon-Verlag erscheinen sollen!

Fazit

Das Werden und das Vergehen, die Kraft der erwachenden Natur, die auch Marie spürt, die Sinnlichkeit, die das Begehren und das ganze Leben dort am Fuße des Plateaus hat, all das fasst die 1890 in Marseille geborene und später als Dorflehrerin in der Provence lebende und lehrende Autorin konzise zusammen. Natur und Mensch, Gefühl und Jahreszeiten, alles verbindet sich in Mistral auf großartige Weise, gekleidet in eine Sprache, die an vielen Stellen an Impressionismus erinnert, und in der die Sinnlichkeit einen großen Platz einnimmt.

Eine großartige Entdeckung, die Amelie Thoma hier gemacht und gekonnt ins Deutsche übertragen hat. Diese Wiederentdeckung ist der beste Beweis, dass es sich auch im Urlaub mal lohnen kann, das literarische Angebot vor Ort mal genauer in Augenschein zu nehmen.


  • Maria Borrély – Mistral
  • Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Amelie Thoma
  • ISBN 978-3-98568-069-6 (Kanon)
  • 127 Seiten. Preis: 20,00 €

Sara Mesa – Eine Liebe

Das Landleben, es wirkt nicht nur auf deutsche Autor*innen anziehend, auch in Spanien gibt es das Phänomens des Dorfromans. Das beweist Eine Liebe, der neue Roman von Sara Mesa. Darin schickt sie eine Übersetzerin in eine kleines Dorf im spanischen Nirgendwo und konfrontiert sie mit sehr speziellen Männern und Tieren.


Das Dorf, in das es die Erzählerin Nat verschlägt, trägt den sprechenden Namen La Escapa. Es handelt sich dabei um einen winzigen Weiler, der umgeben von einer kargen Landschaft im Schatten des Glauco, eines massiven Bergs, seine Existenz fristet. Dort in diesen winzigen Weiler zieht sich die Übersetzerin zurück, um an einer Übertragung aus dem Französischen zu arbeiten. Doch auch das Erlebte aus der jüngeren Vergangenheit hat einen entscheidenden Einfluss auf den aktuellen Rückzug.

Das Haus, welches sie bezieht, ist nicht anders als eine Bruchbude zu bezeichnen. Der Wasserhahn leckt, die Bohlen sind von der Feuchtigkeit verzogen, das Dach undicht, der Garten verwildert und kaum fruchtbar. Und dennoch knüpft der unverschämte Vermieter Nat viel Geld für die Baracke ab, das sie ihm eingeschüchtert von seiner Präsenz monatlich aushändigt. Immer wieder taucht er unverhofft auf, bedrängt Nat und fällt mit einem übergriffen Verhalten auf, die sie ihm verängstigt und unterwürfig durchgehen lässt.

Ein unverschämter Vermieter

Unversehens taucht der Vermieter bei ihr auf – sie hatte ihn vollkommen vergessen. Wie gewohnt starrt er ihr ungeniert auf die Brüste, lässt dabei keinen Zweifel an an seiner Überlegenheit und Unverschämtheit. Nat hat das Geld nicht parat. Normalerweise hebt sie an einem Automaten in Petacas so viel ab, wie sie gerade braucht, aber als sie das letzte Mal dort war, hat sie nicht dran gedacht. Sie entschuldigt sich. Sagt, sie habe viel zu tun gehabt. Und ihn nicht schon wieder erwartet. Die Zeit vergehe einfach unglaublich schnell. Er blickt sie von der Seite an, presst die Lippen aufeinander, bis sie fast nicht mehr zu sehen sind. (…)

Wenn sie ihm das Geld überweisen könnte -die normalste Sache der Welt-, würde das alles nicht passieren. Oder wenn er wenigstens Bescheid geben würde, bevor er auftaucht, statt sich wie aus heiterem Himmel mit den Rechnungen in der Hand vor ihr aufzubauen, als hätte sie nichts anderes zu tun, als den ganzen Tag mit dem abgezählten Geld in einem Umschlag auf ihn zu warten. Diese Antworten kommen ihr aber erst im Nachhinein. Jetzt macht er es ihr durch sein Auftreten unmöglich, auch nur einen vernünftigen Gedanken zu fassen. Seine immer schmaler werdenden Lippen. Der funkelnde Blick. Die großtuerisch vor der Brust verschränkten Arme.

Sara Mesa – Ein Liebe, S. 120

Beistand findet sie im alten Hippie Píter, der Nat seine Hilfe anträgt, aber auch durch eigenwilliges Verhalten und abrupte Stimmungswechsel überrascht. Mal drängt er ihr Hilfe auf, mal äußert er sich verächtlich über Nachbarn oder den Vermieter, dann sucht er wieder Nats Nähe. Ebenso widersprüchlich wie Píter ist auch das Verhalten von Sieso, einem wilden Hund, den Nat gerne zähmen möchte und ihn nachts in ihrem Garten anbindet.

Ein unmoralisches Angebot

Sara Mesa - Eine Liebe (Cover)

Auch mit diesem Tier ist die Interaktion schwierig, fasst der Hund doch kaum Zutrauen, sucht mal das Weite, dann wieder Nats Nähe. Und auch bei Andreas, dem von anderen „Der Deutsche“ geheißenen Mann ist dieses Verhalten beobachtbar. Er wird im Dorf gemieden und argwöhnisch beäugt. Píter verachtet den Mann und bezeichnet ihn aufgrund dessen nicht vorhandenen sozialen Kompetenzen einen Autisten.

Mit ihm beginnt Nat eine Affäre, die unter denkbar eigenwilligen Voraussetzung mit einem unmoralischen Angebot ihren Ausgang nimmt. Denn nachdem sich das Dach von Nats Unterkunft als bei Regen sehr durchlässig erweist, weigert sich der Vermieter in irgendeiner Form den Mangel zu beheben. Andreas bietet ihr seine Hilfe bei der Reparatur an. Seine Forderung: Sex gegen Arbeit. Ein Agreement, auf das sich Nat nach einigem Nachdenken einlässt und aus dem sich eine im Dorf argwöhnisch beäugte Affäre entwickelt. Und dennoch kommt Nat diesem rätselhaften und widersprüchlichen Mann nicht wirklich näher.

Ein Buch voller widersprüchlicher Figuren

Eine Liebe ist eine Buch, das von der Widersprüchlichkeit handelt. Das beginnt bei der Tat, die Nat zu ihrem Zuzug nach La Escapa bewogen hat, setzt sich in ihrem eigenen Verhalten gegenüber dem unverschämten Vermieter oder Andreas fort und ist jeder Figur in diesem Buch eingeschrieben. Sei es Mensch oder auch Tier, viele Figuren in diesem Buch fassen einem Moment Zutrauen, dann aber zeigen sie sich wieder abweisend oder aggressiv beißen – im übetragenen Sinn und wörtlich.

Auch ist der Stil dieses Romans bemerkenswert. Figuren und Prosa sind hier ebenso karg wie die unwirtliche Landschaft, die La Escapa umgibt. Wirkliche Liebe, ein dörfliches Miteinander oder Harmonie sind hier kaum zu entdecken und höchstens in Ansätzen vorhanden. Stattdessen lebt in La Escapa jeder für sich, verachtet die Nachbarn, ist unfreundlich und macht des dem Dorfneuling Nat nicht wirklich einfach, die zudem auch mit ihrer Übersetzung kämpft.

Wenn der Klappentext des Buchs bemerkt, dass Sara Mesa auf den Luxus von Details verzichtet, dann ist das mehr als zutreffend, auch wenn ich persönlich Details nie als erzählerischen als Luxus sehen würde. Aber die Kargheit ist diesem Buch auf jeder Seite eingeschrieben (ins Deutsche übertragen durch Peter Kultzen). Auch das erratische und widersprüchliche Verhalten der Figuren wird letzten Endes auch nicht durch die Psychologie der Figuren erklärt, sondern steht einfach unaufgelöst für sich. Alles in Sara Mesas Buch ist staubig, schmutzig und wenig wohnlich eingerichtet.

Fazit

Mit La Escapa entwirft Sara Mesa ein Dorf, in das man nicht wirklich gerne ziehen möchte. Sie schreibt einen Dorfroman, der durch seine Unbehaustheit und seinen schonungslosen Blick auf das gesellschaftliche Miteinander oder eher Gegeneinander im spanischen Hinterland besticht.

Mit Eine Liebe gelingt es Sara Mesa, die Schroffheit der Umgebung und das karge Leben dort in Prosa zu überführen. Sie zeigt widersprüchliche Figuren und deren schwieriges Miteinander und liefert so einen Dorfroman, der frei von Klischees oder romantischer Verblendung ist. Eine Liebe fällt eher das Genre des Anti-Dorfromans. Denn wer dieses Buch gelesen hat, der überlegt sich den Umzug in ein Dorf vom Schlage La Escapa im spanischen Hinterland sicherlich noch einmal gut.


  • Sara Mesa – Eine Liebe
  • Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
  • ISBN 978-3-8031-3351-9 (Wagenbach)
  • 192 Seiten. Preis: 23,00 €