Category Archives: Historischer Roman

Abdulrazak Gurnah – Das verlorene Paradies

Im Oktober des vergangen Jahres ließ sich eine bemerkenswerte Beobachtung machen. Kollektives Schweigen und Kopfschütteln, das bis hin zu völliger Ignoranz reichte, nachdem aus Stockholm die Kunde des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers in unsere Gefilde vordrang. Abdulrazak wer? Kein Buch lieferbar, kein bekannter Titel, der im Feuilleton groß besprochen wurde – es konnte sich also nur um einen Fehler des Komitees handeln. Schnell war eine Erklärung bei der Hand – hier habe sich die Jury wohl nur für Zeitgeistiges und Politisch Korrektes entschieden, eher eine politische denn literarische Wahl, die man getrost ignorieren könne. So die selbstsicheren Kommentare, die aus dem Feuilleton zu vernehmen waren. Katharina Herrmann hat das Ganze in ihrem Artikel Die Borniertheit der Bauchnabelfluse sehr eindrücklich herausgearbeitet.

Ich hingegen war ganz gespannt ob dieser Verkündung. Ein mir völlig unbekannter Autor mit dem Schwerpunkt auf afrikanischer Geschichte? Welch schöne Abwechslung zu meinem so westlich geprägten Leseverhalten, bei dem mir Titel vom afrikanischen Kontinent eher selten unterkommen. Und nachdem dann im Dezember der erste Titel von Abdulrazak Gurnah in deutscher Übersetzung wieder zugänglich war, machte ich mich an die Lektüre.

Eine überkommene Übersetzung

Das verlorene Paradies, im englischen Original mit Paradise etwas bündiger gehalten, ist ein Roman von Gurnah aus dem Jahr 1994. Die deutsche Übersetzung von Inge Leipold stammt aus dem Jahr 1996 und wurde für die Neuauflage sorgsam durchgesehen, wie es in der Editorischen Notiz am Ende des Buchs heißt. Auch erklärt der deutsche Verlag hier die bisweilen rassistischen und herabwürdigenden Begriffe noch einmal als Figurenrede. Eine Erklärung, die man vor 26 Jahren noch vergeblich in dem Buch gesucht hätte. Hier lässt sich deutlich eine Entwicklung in Sachen Sensibilisierung ablesen – leider vermisst man diese Entwicklung in der Übersetzung, die sich für mich oftmals schwerfällig und besonders im Streben nach gehobener Ausdrucksweise im Mündlichen unfreiwillig komisch und antiquiert las.

So unterhalten sich hier gerne einmal zwei junge Männer, eher Teenager, die Sätze mit „Gleichwohl“ einleiten. Dinge tun hier not oder man scheltet sich. Auch völlig überkommene Begriffe wie etwa der Terminus „Unflat“ anstelle von Schmutz oder Unreinheit ließen mich stutzen. Ohne das englische Original zu kennen, beschlich mich während der Lektüre der Eindruck, dass es hier wohl eine Neuübersetzung mit einem in der afrikanischen und deutschen Begriffswelt firmen Übersetzer oder Übersetzerin gewesen wäre, die not getan hätte, um einen optimalen Zugriff auf den Text zu schaffen. Und auch wenn es dann ein paar Monate mehr gedauert hätte, um eine sorgfältige und auf der Höhe der Zeit stehende Übersetzung in Händen zu halten – ich hätte sie mir gewünscht. Aber ökonomische Überlegungen. öffentliches Interesse und die Rechtesituation dürften ihr Übriges dazu getan haben, dass wir nun eben Leipolds Übersetzung aus dem Jahr 1996 zu lesen bekommen. Aber sei’s drum.

Der afrikanische Blick auf unsere koloniale Vergangenheit

Abdulrazak Gurnah - Das verlorene Paradies (Cover)

Es ist ja neben der Form auch der Inhalt, der zählt. Und hier erweist sich Abdulrazak Gurnahs Werk als spannendes Antidot zu unserem historisch-kolonialistischen Blick auf Afrika. Denn Das verlorene Paradies bekommen wir aus der Sicht von Yusuf geschildert, einem jungen Afrikaner muslimischen Glaubens, der in Ostafrika aufwächst. Wir schreiben das Ende des 19. Jahrhunderts und alles geht seinen gemächlichen Gang. Doch als sich Yusufs Vater verschuldet, gibt er seinen Sohn als Pfand in die Hände von Onkel Aziz, einem umtriebigen Händler.

Dieser parkt Yusuf im Laden von Khalil, den er bei seiner Arbeit unterstützen soll. Doch schon bald wird Yusuf abermals aus dem neuen Umfeld gerissen, da er zusammen mit Aziz und dessen Kolonne auf eine Handelsreise gehen soll. Der Junge sieht neue Städte, Menschen und Lebensweisen, die ihm seine eigenen engen Grenzen deutlich vor Augen führen. Eine dieser Expeditionen wird dann zum großen Desaster, das Yusuf dann aber auch zum ersten Mal eine Vorahnung auf die große Liebe gibt.

Und über allem schwebt die Herrschaft der Europäer, die sich in Yusufs Umgebung immer deutlicher abzeichnet. Die Europäer setzen ihren Machtanspruch blutig durch, bevormunden die lokale Bevölkerung und zeigen Härte. So ist es etwa dem Mechaniker Kalasinga widerfahren, der für einen Europäer einen Generator reparieren sollte und dessen Expertise nicht wirklich zählte, wie er in einem abendlichen Gespräch preisgibt. Stattdessen wurde er vom Hof gejagt und Hunde auf ihn gehetzt. Ein Motiv, das sich im Buch noch öfter wiederholen soll und das vor allem in der Schlusspointe eindrücklich wirkt.

Fazit

Das verlorene Paradies zeigt dem Feuilleton und uns Leser*innen, dass hier eben kein Autor ausgezeichnet wurde, der biedere und brave politisch korrekte Literatur fabriziert, wie des Öfteren insinuiert. Hier schreibt ein Autor mit eigener Stimme, der uns Afrika aus den Augen seiner eigentlichen Bewohner zeigt, der den Schmelztiegel von Ethnien vielstimmig inszeniert und der eine Welthaltigkeit in die hiesige Literaturszene bringt, die uns allen nur guttun kann.

Dieser Abdulrazak Gurnah hat etwas zu sagen – mit diesem Buch vor allem uns Deutschen, deren koloniale Vergangenheit hier immer wieder durchscheint. Und wenn dessen Botschaften in den kommenden Veröffentlichungen noch eine zeitgemäße Sprache in Form von guter Übersetzungsarbeit zupass kommt, dann habe auch ich gar nichts mehr zu mäkeln (oder zu schelten, um in der Begrifflichkeit dieses Buchs zu bleiben).


  • Abdulrazak Gurnah – Das verlorene Paradies
  • Aus dem Englischen von Inge Leipold
  • ISBN 978-3-328-60258-3 (Penguin)
  • 336 Seiten. Preis: 25,00 €
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Matthias Lohre – Der kühnste Plan seit Menschengedenken

Ein Wolkenkratzer, eine Brücke über kilometerlange Schluchten oder ein Tunnel durch ein ganzes Gebirge – alles nichts gegen diesen Plan, von dem Matthias Lohre in seinem Romandebüt erzählt: das Mittelmeer durch Dämme und Wasserkraftwerke zähmen und absenken, um in der Folge Afrika und Europa zu einem Kontinent zu vereinen, für Friede, Wohlstand und Reichtum. Das ist fürwahr Der kühnste Plan seit Menschengedenken, den sein Held Hermann Sörgel verfolgt.


Nur 14 Kilometer sind es, die den afrikanischen vom europäischen Kontinent in der Meerenge von Gibraltar trennen. Wie wäre es, diese beiden Kontinente durch einen gewaltigen Damm zu verbinden und damit den Nachschub von Wassermassen aus dem Atlantik zu unterbinden? Der sonstige Zulauf von Wasser in das Mittelmeer wäre zu vernachlässigen und könnte mit Wasserkraftwerken sogar noch genutzt werden, ehe über die Zeit das ganze Becken austrocknen würde und so Landmasse für Millionen freilegen würde. Stromnetze von Afrika bis Europa, freier Handel, eventuell noch eine Wasserfläche um Venedig herum und ein paar Seen in den afrikanischen Wüsten – damit wäre allen gedient. Die Afrikaner könnten an europäischem Wohlstand und am Handel partizipieren, die Europäer erhielten Fläche für Nahrungsanbau und Siedlungsgebiete. Das ist die kühne Idee, die Hermann Sörgel entwickelt hat.

Panropa bzw. Atlantropa-Plan Hermann Sörgels

Sein Vater sorgte einst für den Bau des Walchenseekraftwerks, der Sohn will mit einer eigenen Idee aus dem Schatten seines vom bayerischen König in den Ritterstand erhobenen Vaters treten. Der 1885 in Regensburg geborene Sörgel ist sich sicher, dass eine solche gewaltige Idee, ein solches Gemeinschaftsprojekt alle europäischen Nationen fordern würde, die folglich gar keine Zeit mehr für Kriegsvorbereitungen und Säbelrasseln hätten. Frieden durch Panropa, so die Idee des verhinderten Architekten, die er in der Zeit der Weimarer Republik propagiert.

Ein Friedensprojekt in schwierigen Zeiten

Matthias Lohre - Der kühnste Plan seit Menschengedenken (Cover)

Als Unterstützerin seiner Pläne weiß Sörgel seine Frau Irene an seiner Seite. Er hat sie 1925 auf einer Schiffsreise nach Amerika kennengelernt und sie kurze Zeit später geehelicht. Selbst aus einer schwierigen Verhältnissen stammend hilft sie Sörgel bei seinen Auftritten und steht ihm in Krisen und Selbstzweifeln zur Seite. Langsam nimmt Sörgels Idee Fahrt auf, er wirbt landauf, landab für das Projekt und gründet mit Unterstützern auch einen Verein für Panropa.

Doch Deutschland stehen schwierige Zeiten bevor – und ein Projekt, das von Frieden kündet ist nicht unbedingt das, was die kommenden Machthaber goutieren. was Um seine Idee weiterzuverfolgen, geht Sörgel über Grenzen und setzt auch seine Partnerschaft mit Irene schwersten Belastungen aus.

Ein mehr als überzeugendes Debüt

Mit Der kühnste Plan seit Menschengedenken ist Matthias Lohre ein ebenso kenntnisreicher, wie literarisch überzeugender und anrührender Roman gelungen. Denn er verlässt sich nicht nur auf die fantastischen Geschichte des Panropa- oder späteren Atlantropa-Plans, sondern gestaltet auch den Rahmen jenes Plans und die Lebenswelt seines Erschaffers überzeugend.

Großartig ist es, wie Matthias Lohre von der Zeit erzählt, die auf Sörgels Plan und seine Beziehung einwirkt. Von der brodelnden Zeit der Weimarer Republik bis hin zur Zeit des Nationalsozialismus und des II. Weltkriegs gestaltet der 1976 geborene Autor seine Erzählwelt großartig und eindringlich. Egal ob Amerika in den 20ern, München während der Nazi-Herrschaft oder Oberstdorf in den letzten Kriegstagen – stets prägt ein Gefühl von Authentizität und Unmittelbarkeit die Lektüre. Dass Lohre als Autor von Sachbüchern über Kriegsenkel und die Zeit des Nationalsozialismus sowie von Recherchen für zeithistorische Magazine bereits hervorgetreten ist, kann nur als zuträglich für die Lektüre gewertet werden.

Doch abseits der historisch verbürgten Fakten und des Zeitkolorits ist es auch die Psychologie der Figuren, die Lohre zusätzlich großartig gelingt und die mein Urteil des Buchs entscheidend prägt. So gelingt es ihm, die Lebenswelten seiner beiden Hauptfiguren und deren schwierige Dynamiken plausibel zu schildern. Nähe und der Wunsch nach einem Kind prägen vor allem von Seiten Irenes aus die Partnerschaft. Gleichzeitig schmieden beide Parteien immer wieder Pläne hinter dem Rücken des jeweiligen anderen und ergehen sich in Heimlichkeiten oder Täuschungen.

Ambivalente Figuren inmitten von Zeitkolorit

Hermann Sörgel (Bildquelle: Wikipedia)
Hermann Sörgel

Matthias Lohre vermag es, die Figur des Hermann Sörgel so ambivalent zu schildern, dass man sich scheut, diesen als „Helden“ des Buchs zu bezeichnen. Man versteht diesen Utopisten, Opportunisten, Egomane, Wolkentänzer (und noch so vieles mehr) gleichzeitig, währenddessen sein striktes Beharren auf seine Pläne und Ignorieren der Umwelt nur noch den Kopf schütteln lässt. Besitzt Sörgel die Idee zu Altantropa oder ist nicht in Wahrheit der Plan, der schon von Sörgel Besitz ergriffen hat und der ihn sich sogar den Nazis andienen lässt?

Diese Ambiguität in der Figurengestaltung gelingt Lohre auch in Sörgels Konterpart Irene. Sie, die aufgrund ihres geburtsrechtlichen Status als Jüdin ab dem Ende der 20er Jahre zunehmend gefährdet ist, versteht man, wenngleich ihr Verharren an Sörgels Seite auch den Kopf schütteln lässt. Immer enger zieht sich die Schlinge um ihren Hals, während ihr Mann zur Realisierung seiner Pläne die Kooperation mit den Nationalsozialisten sucht. Sämtliche Versuche einer Flucht scheitern wahlweise an den Umständen oder Sörgels Passivität. Und doch versteht man dieses Paar und fühlt mit ihnen.

Fazit

Beeindruckend, wie Lohre gleich in diesem Debüt plastische und lebensechte Figuren erschafft, die manchmal kaum aushaltbar scheinen und wie er von einer Idee erzählt, die einen Mann und dessen Frau gleich mit verschlingt. Der kühnste Plan seit Menschengedenken ist eine Geschichtsstunde über einen größenwahnsinnigen Plan (von dem zumindest ich hier zum ersten Mal hörte, wenngleich er sogar in Erich Kästners Fabian schon Erwähnung findet).

Aber es ist eben auch deutlich mehr, da er sich nicht nur im Deskriptiven ergeht, sondern eben ganz hineinfühlt in den Erfinder des Plans, dessen Zögern, Zaudern und Taktieren, das sein ganzes Leben und damit auch das seiner Frau prägen wird. Ein ganz starkes Literaturdebüt, das ich auf die Liste des vergangenen Deutschen Buchpreises gepackt hätte, hätte ich irgendetwas in diesem Literaturbetrieb zu sagen.


  • Matthias Lohre – Der kühnste Plan seit Menschengedenken
  • ISBN 978-3-8031-3336-6 (Wagenbach)
  • 474 Seiten. Preis: 26,00 €
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Alida Bremer – Träume und Kulissen

In die engen Gassen von Split kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entführt Alida Bremer in ihrem zweiten Roman Träume und Kulissen. Sie zeigt eine zerrissene Stadt zwischen Krieg und Frieden, Kommunismus und Faschismus und Ost und West. Ein Breitwandpanorama, das von Schicksalen und Geschichte erzählt. Sinnlich und begeisternd.


Nein, es ist kein großer Fisch, den der Fischer Fran Nisiteo aus den Netzen im nächtlichen Hafen von Split birgt und per Sackkarren zur Polizei fährt. Vielmehr handelt es sich um einen Toten, der durch Messerstiche den Tod fand. Die Nachricht alarmiert nicht nur die Polizei, sondern versetzt halb Split in Aufregung. Schließlich schreibt man das Jahr 1936 und die Lage auf dem Balkan und ganz Europa gleicht einem Pulverfass.

An Spitzel war man in Split gewohnt. Seit Beginn des Jahrhunderts tummelten sich Österreicher, Ungarn, Türken, Bulgaren, Rumänen, Ukrainer, Albaner, Italiener, Franzosen, Serben, Russen, Griechen, Deutsche, Tschechen, Polen, Briten und sogar Amerikaner in der Stadt. Alle unterhielten ihre Netze von Schnüfflern, die an die jeweiligen Auftraggeber in ihren Ländern berichteten – man fragte sich bloß, was? Das jugoslawische Königreich wirkte bisweilen wie ein Umschlagplatz, auf dem keine Handelswaren, sondern politische Ideen, nationale Spinnereien, Abenteurer, Agenten und Flüchtlinge verladen wurden.

Alida Bremer – Träume und Kulissen, S. 24

Die Herrschaft Österreich-Ungarns über Split ist Geschichte, die Königsdiktatur nach der Ermordung Alexander I. vor zwei Jahren ebenfalls. In Italien herrscht Mussolini und treibt gerade den Abessinienkrieg voran und unterstützt die kroatische Ustascha, in Deutschland hat Hitler die Macht ergriffen und viele Juden und Andersdenkende haben die Flucht ergriffen. In Europa und auf dem Balkan brodelt es – und beobachten lässt sich das auch in Split, das bei Alida Bremer zu einem Brennglas auf die damaligen Verhältnisse wird.

Eine zerrissene Stadt

Alida Bremer - Träume und Kulissen (Cover)

So schwanken die Bewohner Splits zwischen Nationalstolz und dem unbedingten Willen, die besseren Italiener zu sein. Fabrikerben huldigen den Ideen d’Annunzios, man ist sich uneins, ob es nun Fiume oder doch in Rijeka heißt. Kommunisten wie der Deutsche Frederick Achnitz sind genauso in der Stadt präsent wie eine Filmcrew, die Propagandafilme für die Nationalsozialisten zu drehen scheint.

Alle Figuren haben geheime Missionen, die sie im Schatten des Diokletianspalastes verfolgen und die zu Verwicklungen und Unübersichtlichkeit führen – was Alida Bremer immer wieder mit Augenzwinkern und feinem Humor schildert.

Für die Partei hier in Dalmatien , so hatte der Verbindungsmann weiter gesagt, stehe der Kampf gegen die italienischen Faschisten, gegen die kroatischen Nationalisten, gegen die katholische Kirche, gegen das serbische Königshaus und gegen die italienischen und jugoslawischen Kapitalisten ganz oben.

Alida Bremer – Träume und Kulissen, S. 15

So ist hier vieles wirklich Traum und Kulisse. Der Apotheker träumt von dem toten Schiffsbesitzer als Fisch, für die Filmcrew sind die historischen Mauern und Strände auch nur Fassade. Oftmals kommt man sich wie in einem alten Spionagefilm voller Kulissenschieberei vor.

Ein schnell drehendes Figurentableau

Alida Bremer erzählt schnell und mit Witz, stellt zahlreiche Figuren in den Mittelpunkt, die sie immer wieder durchwechselt. Der stets mit lateinischen Sentenzen um sich werfende Arzt, der zwischen Genuss und Wut schwankende Notar oder der sich vor der Zusammenarbeit mit der Politischen Polizei drückende Ermittler Bulat. Sie alle sind Teil des sich schnell drehenden Figurentableaus.

Geschickt schafft sie es, die verschiedenen Stimmungen und Tonlagen in der Stadt während des Sommers heraufzubeschwören. Von der stickigen Enge der Gassen bis zum reinigenden Gewitter, stets fühlt man sich, als würde man tatsächlich gerade durch Split streifen, während hinter allen Häuserecken Menschen auf besonderen Missionen unterwegs sind, egal ob Logenbrüder, Marktfrauen Kommunisten, Faschisten, Italiener, Kroaten oder Deutsche.

So gelingt ihr ein eindrucksvolles Bild von Split kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, das auch pars pro toto für den Balkan und ganz Europa steht. Und auch wenn das Grundgerüst ein Krimi ist, der sich zentral mit der Frage der Ermordung des Schiffsbesitzers auseinandersetzt, ist Träume und Kulissen daneben auch deutlich mehr, nämlich die Schilderung einer zerrissenen Gesellschaft und einer zerrissenen Stadt. Auch ist das Buch eine liebevolle Hommage an die kroatische Küstenstadt Split und ihre diversen Bewohner.

Fazit

Alida Bremer hat mit ihrem zweiten Roman ein großartiges Sommerbuch geschrieben, das davon erzählt, wie es sich 1936 angefühlt haben könnte, als Frieden noch möglich, aber schon nicht mehr recht wahrscheinlich war. Ein tolles Leseerlebnis aus dem Jung und Jung-Verlag, für den man nur hoffen kann, dass nun nach der Übernahme durch den Kampa-Verlag weiterhin genau diese Sorte von origineller Literatur erscheinen wird, die den Verlag bislang ausgezeichnet hat. Ich würde es mir wünschen.


  • Alida Bremer – Träume und Kulissen
  • ISBN 978-3-99027-258-9 (Jung und Jung)
  • 360 Seiten. Preis: 24,00 €
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Eva Menasse – Dunkelblum

Etwas wächst und wuchert da im Dunkeln. Ist es eine Blume oder doch eher dicht verflochtenes Wurzelwerk, kaum zu durchdringen, tückisch und an der Oberfläche fast nicht sichtbar? Eva Menasse erzählt in Dunkelblum von der Vergangenheit, die doch nicht tot ist, vielleicht noch nicht einmal vergangen. In Dunkelblum, kommen Knochen ans Tageslicht und mit ihnen viele Geschichte, die man in dort im kleinen österreichischen Dorf an der Grenze zu Ungarn doch lieber vergessen hätte.


Eigentlich ist es ein ganz unscheinbares Dorf, dieses Dunkelblum. Gelegen an der österreichisch-ungarischen Grenze im Burgenland wirkt es auf den ersten Blick recht austauschbar. Früher gab es ein wenig Adel, eine Synagoge und als besondere Sehenswürdigkeit eine Pestsäule. Erstere sind verschwunden, die Pestsäule in der Dorfmitte hat Bestand. Dass der Zahn der Zeit allerdings stark an dieser genagt hat, ist nicht nur für die Säule bezeichnend. Das ganze Dorf ist im Niedergang inbegriffen, so ganz weiß man auch nicht, wo man sich hinentwickeln will. Risse durchziehen hier nicht nur Bauwerke, sondern die ganze Gemeinschaft.

Es gibt einen historischen Ortskern und einen neueren Teil, den Bahnhof hat man gleich mehrfach abgerissen und neugebaut (immer schiacher allerdings, wie man dort sagen würde). Man ist sich uneins ob der Schwerpunktsetzung eines geplanten Museums (soll es eher die Geschichte der Grafen Dunkelblums oder handwerkliche Aspekte in den Vordergrund rücken?), man separiert sich in Stammtischbrüder und Auswärtige, der geografisch nicht weit von Dunkelblum entfernte Grenzzaun, er lässt sich in vielen Abwandlungen überall in Dunkelblum finden.

Sauber abgegrenzte Geschichte

Auch die Vergangenheit hat man dort im Burgenland sauber abgegrenzt und hinter sich gelassen. So meint man jedenfalls, bis einige Ereignisse beweisen, dass die Vergangenheit eben nicht tot ist, nicht einmal vergangen. Bei Probegrabungen auf einer Dorfwiese tauchen alte Knochen auf, die unschöne Erinnerungen wecken. Zudem ist es die Tochter einer Dorfbewohnerin, die sich ebenfalls sehr für die Dunkelblum’sche Vergangenheit interessiert. Flocke Malnitz tut sich mit dem Besitzer des Reiseladens zusammen, um die Geschichte ihres Heimatortes zu ergründen.

Das schmeckt nicht jedem in Dunkelblum, die die Vergangenheit lieber ruhen lassen würden. Schließlich gibt es einiges zu verbergen. Da war dieses Fest der Gräfin von Dunkelblum, in dessen Folgen es zu einem Massenmord kam, über den man sich lieber ausschweigt. Dass die jüdischen Mitbewohner aus Dunkelblum auf mal mehr oder weniger subtile Art und Weise einst aus dem Dorf verschwanden, auch das möchte man besser nicht so genau hinterfragen. Die letzten Tage vor dem Einmarsch der Russen, die Endphaseverbrechen, all das hat man recht erfolgreich aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt.

Da passt es jetzt ganz schlecht ins Bild, dass die junge Frau alten Staub aufwirbelt und hartnäckig die Nerven der Dunkelblumer und Dunkelblumerinnen strapaziert. Noch dazu kümmern sich plötzlich junge Menschen um den vergessenen alten jüdischen Friedhof, der doch so pittoresk vor sich hinverfallen ist und. Vom honorigen Alt-Nazi bis zum überforderten Ersatz-Bürgermeister – sie alle sind beunruhigt. Kann man es nicht einfach gut sein lassen mit diesen alten Geschichten?

Von der Kontinuität der Geschichte

Dunkelblum ist ein Roman, der sich mit der Kontinuität von Geschichte sowie der kollektiven Verdrängung beschäftigt. Die große Kunst des ganzen Buchs ist dabei die Tatsache, dass der Kern ihres Buchs ausgespart und nahezu gar nicht berührt wird. Die schier unfasslichen Verbrechen in der Endphase des Kriegs, die ihr historisches Vorbild im Massaker von Rechnitz haben, werden hier nur touchiert, manchmal in Gesprächen angerissen, ansonsten wird das Verbrechen hier gar nicht ausbuchstabiert. Menasse interessiert sich in Dunkelblum mehr für den Umgang mit dieser Schuld, die viele im Dorf auf sich geladen haben. Die Verarbeitung bzw. Verdrängung sind Themen, die die Österreicherin vielschichtig und nuanciert herausarbeitet.

Dabei gibt es zahlreiche Aspekte, die man an Eva Menasses Roman rühmen kann. Die Mühelosigkeit, mit der sie von Vergangenem zu Gegenwärtigem und wieder zurück wechselt. Die Sicherheit, mit der sie diese verschiedenen Zeitebenen verbindet und aus ihnen das Zeitlose destilliert. Die Frage von Schuld und Verdrängung. Die, welchen Preis Aufarbeitung haben kann und die, wie man sich mit dem Bösen arrangiert. Ihr Werk ist in viele Richtungen deutbar, besitzt Anknüpfungspunkte zu vielen Debatten unserer Tage und ist darüber hinaus nie schwer, sondern nur böse, unterhaltsam und von großem Anspruch.

Die Vermessung der österreichischen Seele

Ihr gelingt es hier, die österreichische Seele aus einem Dorfroman herauszudestillieren. Während die DDR-Flüchtlinge am Grenzzaun zu Österreich rütteln und ein leibhaftiger Flüchtling sogar im Dorf auftaucht, ist schon klar, dass mit aller Macht eine neue Zeit heranbricht. Dennoch versucht man in Dunkelblum alles so handzuhaben, wie man es immer schon gemacht hat. Nicht von ungefähr wird hier kurz auf den unseligen Kurt Waldheim und die damit verbundene Waldheim-Affäre angespielt. Erst diese Affäre, immerhin schon Anfang der 90er Jahre, setzte in Österreich einen Prozess der Aufarbeitung der eigenen Geschichte während des Dritten Reichs in Gang. Der falsche Mythos, dass Österreich immer Opfer gewesen sei, er wird auch in Eva Menasses Buch thematisiert und deutlich widerlegt.

Aber die in Berlin lebende Autorin blickt in Dunkelblum nicht nur zurück auf die dunklen Kapitel der Geschichte Österreichs – sie schafft auch Anknüpfungspunkte in die Gegenwart, etwa dann, wenn Nazi-Schmierereien auf dem jüdischen Friedhof auftauchen. Eine „b’soffene G’schicht“ sei das, nicht mehr, so redet der Bürgermeister dieses antisemitische Delikt klein. Jener Ausruf lässt doch dann sehr an H.C. Strache und dessen Verteidigungslinie im Ibiza-Skandal denken, der unlängst die Alpenrepublik erschütterte. Und so gibt es in diesem Buch viele Beispiele von Anknüpfungspunkten aus der Vergangenheit bis hinein in unsere Gegenwart. Das verleiht dem Buch in seiner Offenlegung historischer Kontinuitäten etwas Zeitloses, das ihn zum Klassiker der österreichischen Literatur bzw. Anti-Heimatliteratur machen könnte.

Auch sprachlich überzeugend

Auch auf der sprachlichen Ebene überzeugt ihr Buch vollends. Sie schafft ein gut lesbares österreichisches Kunst-Idiom, das vor wunderbaren Einfällen und (im Appendix erklärten) Austriazismen nur so strotzt. So verkündet etwa ein Nachfahre des Dunkelblumer Adels, dass die lokale Gruft dringend renovierungsbedürftig sei, da „die Vorfahren safteln“. Immer wieder sind es originelle Sprachbilder und Vergleiche, die Eva Menasse für ihre Erzählung findet. Gedanken „sedimentieren“ da bei einer Frau, der Aushilfsbürgermeister erinnert an ein Murmeltier, dass hilflos mit seinen Händchen ringt, der Geruch eines geschälten Eis ist hier „mephistophelisch“. Hier offenbar eine Autorin einen originellen Zugriff auf die Sprache, die ihre Erzählung zu jedem Zeitpunkt unterstützt.

Umso bedauerlicher der Umstand, dass dieses Buch für keinen großen Buchpreis in diesem Jahr nominiert wurde. mit diesem Roman nicht auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat, lässt einen doch verwundert die Augen reiben. Dass dieser Roman dann noch nicht einmal für die Auswahl des Österreichischen Buchpreises beachtet wurde, lässt einen dann gar nicht mehr aus dem Staunen herauskommen. Wie konnten all die Jurys die Qualität verkennen, die diesem Werk innewohnt? Man sollte den Fehler dieser Literaturjurys nicht machen und in diesem Herbst an diesem Buch vorübergehen. Man würde es bereuen.

Fazit

Eigentlich bietet dieses Buch alles, was Literaturjurys hierzulande mögen und was im Trend liegt. Dunkelblum ist die Aufarbeitung von Historie, vom Dritten Reich bis zum Fall des Eisernen Vorhangs. Dunkelblum ist ein Dorfroman, der eine ganze Gesellschaft mithilfe einer Dorfgemeinschaft vor Augen ruft. Dunkelblum ist eine Erzählung von Erinnern und Vergessen, von Verdrängung und Aufdeckung. Ein stilistisch großartiger Roman, der zum besten zählt, das die österreichische Literatur seit Langem hervorgebracht hat. Dass er für die großen Preise in diesem Herbst übergangen wurde, man muss es nicht verstehen.


  • Eva Menasse – Dunkelblum
  • ISBN 978-3-462-04790-5 (KiWi)
  • 528 Seiten. Preis: 25,00 €
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Melissa Harrison – Vom Ende eines Sommers

Langsam werden die Folgen des Brexit sichtbar. Während sich die Regierung des Landes in symbolischen restituierenden Maßnahmen wie der Einführung von alten Gewichtseinheiten wie Unzen oder antiquierter Eichmaße we dem Crown Stamp übt, herrscht in Weiten Teilen des Landes die Lorry Crisis. Zahlreiche Facharbeiter*innen oder Fahrer*innen sind im Zuge des Abschieds aus der EU zurück auf den Kontinent gegangen, was sich nun in zahlreichen Bereichen des täglichen Lebens bemerkbar macht. So sind die Versorgungsketten brüchig geworden, was häufig zu leeren Supermarktregalen genauso wie zu langen Schlangen vor den Tankstellen führt. Egal ob Nahrungsmittel oder Benzin, der Brexit hat gezeigt, dass es mit der versprochenen neuen Stärke Großbritanniens nicht weit her ist.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich da auf dem Buchmarkt. Auf ihm treten vermehrt Bücher in Erscheinung, die ein gegenläufiges Bild Großbritanniens zeichnen. In den Dorfromanen sind es zumeist Protagonist*innen, die auf Bauernhöfen wohnen, in der ländlichen Umgebung fest verwurzelt sind und die aus der sie umgebenden Natur ihre Stärke ziehen. Zu nennen wäre hier beispielsweise Sebastian Barry mit seinem Roman Annie Dunne, der eine widerborstige Frau in den Wicklows 1959 zeigt. J. L. Carr beschreibt in seinem Roman Ein Monat auf dem Land die Gesundung eines Weltrkiegsveteranen im ländlichen Yorkshire. Benjamin Myers lässt in Offene See einen jungen Mann kurz vor dem Ernst des Lebens durch die englische Natur wandern . Und Reginald Arkell zeigt in Pinnegars Garten ein ebenso gegensätzliches Paar, das die Liebe zur englischen Natur, insbesondere der Flora, zusammengeführt hat.

Melissa Harrison - Vom Ende eines Sommers (Cover)

Viele Bücher also, die die Vorstellungen eines unberührten aus der Zeit gefallenen Vereinigten Königreichs bedienen und so konträr zu den aktuellen Entwicklungen stehen. Einmal mehr erscheint nun im Dumont-Verlag ein weiteres Buch, bei dem das Cover an genau die Sorte der obigen Beispiele erinnert. Schwalben, die eine blühende Natur aus Feldern und gesunden Bäume bestehend durchmessen. Helle Farben, blühende Sträucher und Sicht bis zum Horizont. Das verspricht der Melissa Harrisons Roman rein äußerlich – erschöpft sich dann aber gottseidank nicht Landschaftskitsch. Vielmehr ist Vom Ende eines Sommers der genaue Blick auf das Erwachsenwerden einer jungen Frau und die Probleme der ländlichen Bevölkerung vor dem Zweiten Weltkrieg, fernab von jeglicher Empire-Romantik.

Sommer in Suffolk 1933

Wir schreiben das Jahr 1933 – es herrscht Sommer in Suffolk. Als Kind von Bauern weiß die vierzehnjährige Edie um die Fülle und den Reichtum der Natur. Mit den Gleichaltrigen vermag sie nicht allzu viel anzufangen. Stattdessen fasziniert die plötzlich in ihrem Dorf aufgetauchte Constance FitzAllen das junge Mädchen ungemein. Die Journalistin recherchiert über das Dorfleben und hegt ganz eigene Ansichten über den Lebensstil der Dorfbevölkerung. In ihrer Andersartigkeit wird sie für Edie zum Orientierungspunkt und zeigt dem Mädchen eine Alternative zum Altbekannten auf. Doch auch Constance FitzAllen hat ihre nicht so schönen Seiten, die Edie erst spät kennenlernen wird.

Vom Ende eines Sommers ist ein Roman, der die ganze Fülle des britischen Landlebens und der Natur atmet. Insofern verspricht das Cover nicht zu viel. Hier steht alles in voller Blüte, in den Hecken zwischen den Feldern ziept und zirpt es beständig. Melissa Harrisons Buch nimmt aber auch die weniger pittoresken Seiten des Dorflebens der 30er Jahre in den Blick. So grassiert die Armut, Edie Eltern leben am unteren Existenzminimum und sind auf gute Ernten angewiesen, um halbwegs die Schulden auf Abstand zu halten. Der lokale Adel wirft einmal im Jahr ein Fest und fällt ansonsten durch größtmögliche Distanz zur normalsterblichen Bevölkerung auf. Heruntergekommene Höfe und Armut, sie sind ein entscheidender Teil vom Bild des lokalen Englands.

Auch der zurückliegende Weltkrieg hat die Bevölkerung nachdrücklich geprägt und die Erinnerung an die damaligen Ereignisse ist bei den meisten Menschen noch immer präsent. Auf den Feldern Flanderns oder Frankreichs sind viele junge Männer zurückgeblieben, auch auf Edies Hof gab es tragische Verluste zu beklagen. Die Verluste wurden nicht richtig verarbeitet, Männer nehmen sich, was sie wollen. Gleichberechtigung und gegenseitige Achtung sind hier noch nicht wirklich festzustellen. Deshalb übt die so unangepasste und starke Constance einen derartigen Reiz auf Edie aus, die so wenig in die ländliche Umgebung passt, aber gerade deshalb umso mehr vom einfachen Landleben angezogen wird, in das sie sich ganz hineingibt.

Fazit

Durch den genauen Blick auf die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit besticht Melissa Harrisons Roman, der sich eben nicht alleine mit Naturschilderungen und Verklärung der „guten, alten Zeit“ begnügt. Das Buch ist in seiner Verschmelzung von romantischen und naturalistischen Ansätzen sehr reizvoll und kombiniert den klassischen Coming-of-Age-Roman mit zeitgeschichtlichem und naturnahem Kolorit. Von Werner Löcher-Lawrence wurde das Ganze in seiner ganzen Beschreibungsfülle ins Deutsche übertragen.

Ein Buch, das wenig beschönigt und nicht den Fehler begeht, die Geschichte der Landbevölkerung zu verklären. Und gerade dadurch gewinnt Vom Ende eines Sommers, das eben kein pures Nostalgiebedürfnis der Leserschaft befriedigt, sondern einen genauen Blick auf die ländliche Geschichte der 30er Jahre in Suffolk liefert. In diesem Buch steckt deutlich mehr, als es das Cover suggeriert!


  • Melissa Harrison – Vom Ende eines Sommers
  • Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
  • ISBN 978-3-8321-8152-9 (Dumont)
  • 320 Seiten. Preis: 22,00 €
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