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Transfers im Krimigeschäft

Alan Carter – Marlborough Man

Nicht nur im Fußballbereich gibt es Transfers – auch im Buchgeschäft ist das Ganze gang und gäbe. Schauen wir uns einmal beispielsweise den Suhrkamp-Verlag an. Er hat einige Krimiautor*innen bei uns bekannt gemacht. Halten konnte er sie nicht immer. Bestes Beispiel ist Don Winslow, der mit seinen Surferkrimis um Boone Daniels oder das Drogen-Epos Tage der Toten bekannt wurde und viel Lob vonseiten der Kritiker*innen und Leser*innen einheimste. Irgendwann kam dann der Droemer-Knaur-Verlag, der Winslow zu sich lockte, wo der Amerikaner nun veröffentlicht und seitdem in regelmäßigen Abständen auf der Bestsellerliste zu finden ist.

Nun droht sich dieses Beispiel zu wiederholen. Adrian McKinty, der in meinen Augen beste nordirische Krimischriftsteller unserer Tage, veröffentlicht mit bestechend konstanter Flughöhe seine Krimis um den katholischen Bullen Sean Duffy in Carrickferrgus der 80er und 90er Jahre, die vom IRA-Terror gekennzeichnet waren. Nur, der große Durchbruch blieb dem Iren bislang verwehrt (zumindest in meiner Wahrnehmung). Das könnte sich im Herbst nun ändern, da erscheint dann nämlich mit The Chain ein Thriller von ihm, der deutlich mehr am Mainstream angesiedelt ist, wenn man dem Klappentext und der Bewerbung Glauben schenken darf. Wo erscheint dieses Buch? Auch hier hat Droemer-Knaur wieder zugeschlagen und sich die Rechte gesichert. Auszuschließen ist es nicht, dass damit McKinty der Durchbruch gelingt und er sich fortan größeres Publikum erschließen kann. Ihm ist es natürlich zu gönnen, Suhrkamp wird sich aber verständlicherweise ärgern.

Ein Transfer für den Suhrkampverlag

Dass es auch umgekehrt gehen kann, das zeigt der Fall von Alan Carter. Dieser hat zwei handwerklich brillante Krimis um den australischen Detektive Cato Kwong veröffentlicht. Doch auch hier schlägt das Schicksal der hochklassigen Kriminalliteratur zu: kaum einer hat es mitbekommen. Zwar standen auch diese Krimis oben auf der Krimiweltbestenliste, die breite Masse hat dies aber gekonnt ignoriert. Beispielsweise weist der zweite Krimi eine einzige mittelmäßige Bewertung auf Amazon auf, der erste Krimi bringts immerhin auf sieben Rezensionen. Das ist schade, da der der kleine Indie-Verlag Nautilus mal wieder den richtigen Riecher für gute Krimis bewiesen hat.

Diesen Riecher hatten aber offenbar auch Thomas Wörtche und der Suhrkamp-Verlag. Denn wurde das Spiel anders herum gespielt und Suhrkamp konnte einem anderen Verlag den Autoren wegschnappen. Mit Marlborough Man veröffentlicht Alan Carter nun seinen ersten Krimi im neuen Haus. Dafür hat er auch das Setting gewechselt.

Ermittlungen in den Marlborough Sounds

Statt in Australien spielt sein Krimi nun in Neuseeland, genauer gesagt in der Küstenlandschaft der Marlborough Sounds. Den Schauplatz des Krimis dürften auch Kinogänger rasch vor Augen haben, wenn man an Peter Jacksons Verfilmung des Hobbits denkt. Die Flüsse, die die Marlborough Sound durchziehen, dienten unter anderem auch für die Inszenierung der Fass-Verfolgung von Bilbo Beutlin und den Zwergen.

In dieser beeindruckenden Naturkulisse, die ganz vom Maori-Erbe durchdrungen ist, ermittelt Nick Chester, der eigentlich gar nicht so heißt. Auch aus Neuseeland stammt er ursprünglich nicht. Er ist hier untergetaucht, da in England eine verdeckte Ermittlung schief lieg und er aufflog. Nun ist er also der Polizei in den Marlborough Sounds zu Diensten und lebt mit seiner Familie abgeschieden in der Umgebung der Marlborough Sounds.

Er bekommt es nun mit einem Mörder zu tun, der es auf kleine Jungs abgesehen hat. Die Ermittlungen werden dadurch erschwert, dass Nick eigentlich immer permanent unter dem Radar fliegen muss. Denn die Anzeichen mehren sich, dass auch im fernen England jemand die Spur des Marlborough Man aufgenommen hat, der noch eine Rechnung mit ihm offen hat. Double Trouble also in Neuseeland für Nick Chester und seine Kolleg*innen.

Formal bietet der Krimi wenig Neues. Da ist der obligatorische Prolog, der uns den Mörder schon einmal in Aktion zeigt. Und auch ansonsten tritt der Mörder anonym immer wieder in Erscheinung, ehe in einem Showdown die ausgelegten Fährten zusammengeführt werden. Dass der kurz vor Ende präsentierte Verdächtige natürlich nicht der gesuchte Mörder sein kann, das ist jedem einschlägigen Krimileser und jeder Krimileserin schon im Vorfeld klar. Und auch ansonsten setzt Alan Carter eher auf kriminalliterarische Hausmannskost, die er aber sehr gut zubereitet.

Die Dialoge sitzen, die Szenerie in Neuseeland wird toll eingefangen und auch Nick ist ein tragfähiger Charakter. Wenngleich dieses Buch wie eine klassische Einführung dieses Ermittlers gestaltet ist und noch etwas überfrachtet wirkt- spätestens in ein oder zwei Büchern wird Alan Carter mit ihm zu altbekannter Form gefunden haben. Auf weitere Bücher mit dem Marlborough Man bin ich gespannt. In meinen Augen hat sich der Transfer für Suhrkamp durchaus gelohnt!

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Lucía Puenzo – Die man nicht sieht

Ismael, Enana und Ajo sind die, die man nicht sieht. Denn als Straßenkinder schlagen sie sich auf den Straßen von Buenos Aires durch. Im Stadtviertel Once leben die drei und passen gegenseitig auf sich auf. Besonders der kleine Ajo steht unter dem Schutz von Enana und Ismael. Ihr Einkommen bestreiten sie durch Einbrüche in Häuser. Ihr Pate ist dabei ein Wachmann, der die Kinder zu ihren Missionen schickt und ihnen die Diebesbeute abnimmt.

Dieser hat für die drei nun eine ganz besondere Mission. Mit Schleusern schickt er sie per Schiff nach Urugay. Dort sollen die drei für andere kriminelle Strippenzieher arbeiten. Diese wollen ebenfalls, dass sie als Einbrecher tätig werden und die Villen der Schönen und Reichen ausräumen.

Doch der geneigte Leser ahnt es an dieser Stelle schon – es wäre ja langweilig und unersprießlich, wenn bei diesen Raubzügen alles glatt laufen sollte. Wie der Zufall in die Planung pfuscht, das beleuchtet die argentinische Autorin Lucía Puenzo in ihrem neuen Roman mit Hingabe. Die perfekt geplanten Einbrüche scheitern an der Realität und setzen gefährliche Dynamiken in Gang, die für Enana, Ismael und Ajo lebensbedrohlich werden.

Oder wie es die Autorin auf Seite 195 einmal selbst ausdrückt:

Aber manchmal lief eben alles nicht nach Drehbuch.

Puenzo, Lucía: Die man nicht sieht, S. 195

Apropos Drehbuch – damit kennt sich die 1976 geborene Argentinierin sehr gut aus. Neben den Romanen nimmt auch das Drehbuchschreiben in Puenzos Leben einen großen Raum ein. Über diese Tätigkeit kam sie dann zur Regie. So sorgte sie selbst für die Verfilmung eines früheren Romans (Wakolda) und gastierte mit ihrer filmischen Adaption ihres Romans Das Fischkind 2009 auch im Programm der Berlinale.

Wenn eine Drehbuchautorin einen Roman schreibt

Lucía Puenzo (Quelle: Acovarrubias05, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29055571)

Den filmischen Blick merkt man auch Die man nicht sieht an. Immer wieder schafft es Puenzo, einprägsame Szenerien zu entwerfen, über die die Psychologisierung ihrer Figuren prima funktioniert. Den Schwerpunkt legt sie in ihrer Erzählung aber eher auf die Handlung denn auf die tiefere Ausgestaltung ihrer Figuren. Vieles vom Personal im Roman bleibt schemenhaft, nur ihre drei kindlichen HeldInnen bekommen viel Raum. Immer wieder blitzt die Empathie durch, mit der Puenzo die drei SchicksalsgefährtInnen zeichnet. Wunderbar ist etwa eine Szene geraten, in der sich der kleine Ajo nächtens in die Fluten stürzt und zum ersten Mal die Gewalten des Meeres erlebt. Dann wird wieder klar, dass sich hinter den gewieften Einbrechern immer noch kleine Kinder verstecken, die von ihrer Umwelt nur als nützliche Helfer missbraucht werden, auf die man die Drecksarbeit bequem abwälzen kann.

Wegen dieser Schwerpunktlegung auf die Kinder würde ich auch davon absehen, den Roman als Krimi zu labeln. Natürlich zieht der Roman seine Spannung aus den Einbrüchen, was ja ein Urtopos der Kriminalliteratur ist. Doch bei allem Suspense – hier geht es eher um drei Kinder, die zufälligerweise in dieses Milieu gerutscht sind, und denen keine Wahl bleibt. Das Schicksal dieser Kinder zu zeigen, das ist es, worum es Lucía Puenzo hier geht.

Auch der Wagenbach-Verlag hat das erkannt und dem Buch den äußerst generellen aber eben auch durchaus treffenden Gattungsbegriff Roman auf den Umschlag appliziert.

Sprachlicher Durchschnitt vs. Handlungsdrive

Ein Wort an dieser Stelle sei noch zur sprachlichen Gestaltung dieses Romans verloren. Diese ist für mich nämlich ganz okay, aber nicht viel mehr als Durchschnittskost (Übertragung aus dem argentinischen Spanisch von Anja Lutter). Besondere Stilmittel, Sprachbilder oder raffinierte Metaphern sucht man in Die man nicht sieht vergeblich.

Stattdessen gibt es manchmal kleinere Irritationen im Text, wie etwa wenn von der Betäubung von Einbruchsopfern die Rede ist. Hier schleichen die Kinder mit Betäubungsgas durchs Haus und nähern sich ihren Opfern, um diese mithilfe des Gases in die Bewusstlosigkeit zu versetzen.

Sie hielt die Spraydose etwa zwanzig Meter vor seine Nase und sprühte ihm direkt ins Gesicht.

Puenzo, Lucía: Die man nicht sieht, S. 194 f.

Dieses Kunststück möchte man dann doch ganz gerne einmal sehen. Auch ist es in der Ausgestaltung der Kinder nicht logisch, wenn Ismael, der sein Leben auf der Straße verbringt und folglich wenig Bildung genossen hat, plötzlich die „geheimnisvollen kyrillischen Buchstaben“ (S. 194) betrachtet. Woher der Junge weiß, dass diese Buchstaben kyrillisch sind, das bleibt wohl sein Geheimnis.

Solche kleinen Unebenheiten fallen allerdings nicht weiter ins Gewicht, da der restliche Text wirklich Drive besitzt und nach angenehmen 204 Seiten mit einer letzten, sehr passenden Schlussblende schon an seinem Ende angelangt ist.

Die man nicht sieht ist kein neuer Gipfel südamerikanischer Literatur. Dazu lässt das Buch für meinen Geschmack an Tiefgang und an Reflexionspotential vermissen. Zwei oder drei spannende Stunden bietet der neue Roman von Lucía Puenzo aber auf alle Fälle und sei deswegen hiermit gerne empfohlen.

 

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Robert Wilson – Die Stunde der Entführer

Welch konzertierte Aktion: In London werden im Handstreich sechs Sprößlinge von Milliardären auf fantasievolle Art und Weise gekidnappt. Mit außergewöhnlichen Forderungen wenden sich die Entführer an die Eltern der Opfer. Diese sind auf ganz unterschiedliche Art und Weise zu ihrem Reichtum gelangt, von einem deutschen Supermarkt-Tycoon reicht die Palette bis zu einem russischen Mafiachef mit Verbindungen zum Kreml.

Die Stunde der Entfuehrer von Robert WilsonKeine ganz einfache Gemengelage, in die sich der Kidnapping-Consultant Charles Boxer in seinem mittlerweile dritten Fall einmischt (zuvor erfolgten seine Einsätze in Stirb für mich und Ihr findet mich nie), da nicht nur jede der einflussreichen Opferfamilien eigene Strategien verfolgt, sondern auch die Kidnapper Pläne haben, die alles andere als durchschaubar sind. Einfacher wird das Spiel auch dadurch nicht, dass Charles Boxer privat durch die Schwangerschaft seiner Freundin belastet ist. Als auch noch der Freund seiner Ex-Frau gekidnappt wird, droht auch Boxer den Überblick zu verlieren.

Über eines muss man sich bei Die Stunde der Entführer im Klaren sein. Die Geschichte ist mehr als nur konstruiert (jeder der schon größere Pläne geschmiedet hat, weiß das der Zufall alles andere als berechenbar ist. Dass hier ausgerechnet eine derart komplexe und feingliedrige Operation wie die Entführung von sechs Kindern innerhalb zweier Tage an verschiedenen Orten klappen soll erfordert schon ein gewisses Quantum an Nachsicht des Lesers), doch Wilson macht seinen Job gut.

Wie stets bei ihm wächst sich aus dieses Anfangsereignis schnell in globale und höchst komplexe Bahnen aus, gleich einem Stein, den man in einen ruhigen Teich wirft. CIA, russische Geheimdienste, Edward Snowden, Folter in amerikanischen Militärgefängnissen – Wilson wirft zahlreiche Elemente in seinen Plot, bei der Leser immer wieder ordnen und rekapitulieren muss, um bei der verwicklungsreichen Geschichte durchzusteigen. Wer sich auf die komplexe Welt Charles Boxers einlässt, bekommt hier einen schnell von Handlungsstrang zu Handlungsstrang hüpfenden Thriller serviert, der nahtlos an seine Vorgänger anknüpft.

 

 

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Candice Fox – Hades

Hades, Herr der Unterwelt

HadesAustralien, Sydney: Auf der Mülldeponie von Utulla herrscht Heinrich Archer, genannt Hades,  über sein Imperium aus Schrott und Leichen. Als listiger Mittler und graue Eminenz zieht er hält er die kriminellen Fäden in Sydney in der Hand. Doch eines Tages wirft ihn ein Ereignis völlig aus seinen gewohnten Bahnen. Nach einem missglückten Raubüberfall werden zwei Kleinkinder bei Hades abgeladen, die er in der Folge unter seine Fittiche nimmt. Er erzieht sie in seinem Kodex und plant für sie eine Karriere bei der Kriminalpolizei.

Jahre später, immer noch Sydney: Der heruntergekommene und desillusionierte Cop Frank Bennett bekommt eine neue Partnerin names Eden zugeteilt. Mit dieser schlittert er in einen großen Fall hinein. Es hat nämlich den Anschein, dass in Sydney ein mörderischer Organdieb umgeht, der an Medizin, Recht und Ordnung vorbei selbst Organtransplantationen vornimmt und sich seine zahlreichen Opfer in verschiedensten Milieus sucht.

Diese zwei zunächst noch entfernt laufenden Erzählstränge werden von Candice Fox schon bald miteinander verknüpft, wobei der Leser eigentlich von den ersten Seiten an ahnt,wo die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart liegt. Die junge Australierin erzählt ihre Geschichte, indem sie Rückblenden über den Werdegang von Hades und seinen zwei Zöglingen in die Story einbaut. Auch kommen Täter und Opfer in eigenen Erzählsträngen zu Wort, was das Tempo dieses Thrillers merklich erhöht. Hauptsächlich geschildert wird das Geschehen allerdings aus der Ich-Perspektive des Cops Frank, der somit neben all den Rückblenden auch die Außenperspektive auf Eden mitbringt und dadurch Tiefe schafft.

Abgesehen vom etwas missglückten Cover bietet Hades schnelle, gut geschriebene und dabei vor allem auch spannende Unterhaltung. Das Thema mag nicht ganz taufrisch sein, doch durch die tolle Schreibe und das hohe Tempo bleibt man bei Hades gerne am Ball. Die Krimipreisträgerin (Ned-Kelly-Award 2014 und 2015) aus Down Under schafft es, eindrucksvolle Szenen für das Kopfkino zu kreieren und den Leser durch die Seiten zu treiben. Hier hat der Herausgeber Thomas Wörtche eine echte Neuentdeckung ausgegraben – und im September geht die geplante Trilogie dann mit dem Titel Eden weiter!

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Karl-Ove Knausgård – Lieben

Die Liebe des Lebens

Nach dem Auftakt seines Autobiographie-Zyklus‘ Sterben geht der Norweger Karl-Ove Knausgård nun vom Lebensende hin zum Beginn allen Lebens, nämlich der Liebe zwischen zwei Menschen.

Auf der epischen Breite von über 750 Seiten wälzt Knausgård die Hochs und Tiefs und verschiedenen Facetten der Liebe aus. Ausgehend von einer Trennung beschreibt er die Ursprünge und die Entwicklung seiner Liebesbeziehung zu Vanja, seiner Frau, aus der drei Kinder hervorgingen.

Eindringlich schildert er seinen Kampf um Vanjas Herz, seine persönlichen Niederlagen im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht und schließlich das Familienleben, das ihn einzuengen drohte. Intensiv behandelt der Norweger viele Aspekte der Liebe und schont dabei weder sich noch seine Familie.

Auch Betrachtungen der schwedischen Gesellschaft sind Inhalt genauso wie Einblicke in sein schriftstellerisches Schaffen. Er beschreibt die Arbeiten an seinen ersten Romanen, die zu seinem Ruhm als Schriftsteller beitrugen. Somit lässt sich Lieben auch als Schlüsselroman zum schriftstellerischen Oeuvre Karl-Ove Knausgårds betrachten.

In mäandernder Form gibt Knausgård seinen Erinnerungen und Eindrücken Raum. Dies mag manchmal unstrukturiert erscheinen – doch je mehr man in Lieben liest, umso tiefer taucht man in die Welt des Norwegers ein und gerät in den Sog seiner Schilderungen.

In vielen Positionen, Situationen oder Verhaltensweisen erkannte ich mich unmittelbar wieder – die verschiedensten Facetten von Liebesbeziehungen und seine Offenheit lassen den Leser somit nicht nur an Knausgårds Leben teilhaben, sondern führen auch teilweise zu tieferen Erkenntnissen. Was heißt heute Liebe? Kann die Liebe zwischen zwei Menschen über lange Zeit unverändert bleiben und wie wirken sich Kinder auf das Beziehungsgefüge aus? Welche Räume muss man sich gegenseitig zugestehen?

Man liest und liest, reflektiert über sich selber, reist mit Knausgård durch seine Erinnerungen und kennt ihn am Ende dieses Buchs fast besser als sich selbst. Und am Ende dieses Bandes giert man noch schon nach dem nächsten Buch über Karl-Ove Knausgårds Leben. Wie macht dieser Mann das nur?

Die Antwort auf letztere Frage kann ich nun auch nicht geben, nur kann ich auf den Folgeband im Autobiographie-Zyklus verweisen – dieser trägt den Titel Spielen und ist sowohl als Hardcover als auch als Taschenbuch erhältlich.

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