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Mariam Kühsel-Hussaini – Tschudi

Ein Roman wie ein Gang durch ein Museum. Mariam Kühsel-Hussaini in Tschudi über Kunst, Geschmack, Intrigen und ein brodelndes Berlin um die Jahrhundertwende. Große Sprachkunst und eine Verneigung vor dem Impressionismus.


Mariam Kühsel-Hussaini gelingt in ihrem neuen Buch (zuletzt von ihr 2012 Attentat auf Adam) das Kunststück, sich mit Worten und Beschreibungen ihrem im Buch verhandelten Subjekt so anzugleichen, dass die Grenzen zwischen Kunst und Literatur verfließen. In Tschudi erschafft sie in ihrem Roman eine ganze Ausstellungshalle aus Ideen, Bildern und Künstler*innen, die auf den Lesenden wie ein wirkliches Museum wirken. Alleine schon die auftretenden Figuren in ihrem Roman lesen sich wie ein Who’s Who der damaligen Kunstwelt.

ADN-ZB/Archiv Berlin 1904: Die Ausstellungsvorbereitung der Berliner Sezession. Vorstand und Hängekommision bei der Arbeit. v.l.n.r. Willy Döring, Bruno Cassirer, Otto Engel, Max Liebermann, Walter Leistikow, Kurt Herrmann, Fritz Klimsch. (Aufn. 1904)

Max Liebermann, Wilhelm Bode, Anton von Werner, Max Klinger, Adolph Menzel, Walter Leistikow oder Leo von König geistern durch die Seiten von Kühsel-Hussainis Roman. Und auch sonst sind es große Namen, die das Buch bevölkern. Cosima Wagner, Walther Rathenau oder auch Harry Graf Kessler sind allesamt Figuren, denen allen eines gemeinsam ist: die Bekanntschaft mit Hugo von Tschudi. Der Schweizer aus altem Adel ist das, was wir heute als Netzwerker bezeichnen würden. Ein kunstsinniger Kosmopolit mit besten Kontakten hinein in die oberen Gesellschaftsschichten und die Kunstwelt.

Und dies kam nicht von ungefähr. Schließlich war der Vater als Schweizer Diplomat und Forschungsreisender tätigt. Der Großvater mütterlicherseits war niemand Geringeres als Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. So war der Weg für Hugo von Tschudi gewissermaßen schon vorgezeichnet. Durch seine Kenntnisse und Beziehungen prädestiniert wurde er 1896 zum Direktor der Nationalgalerie berufen. Ab diesem Zeitpunkt setzt Kühsel-Hussainis Roman ein, der Tschudis Wesen und Wirken auf höchst beeindruckende Weise schildert.

Tschudi gegen Wilhelm II.

Es ist ein brodelndes Berlin an der Jahrhundertwende, das Mariam-Kühsel Hussaini in Tschudi inszeniert. Während die Gebrüder Aschinger das megalomanische Weinhaus Rheingold am Potsdamer Platz in Betrieb nehmen, treibt der Journalist Maximilian Harden den Kaiser Wilhelm II. vor sich her (und wird später die Harden-Eulenburg-Affäre auslösen).

Hugo von Tschudi
Hugo von Tschudi

Der Kaiser steht unter Druck – und prallt nicht nur in Sachen Kunstverständnis des Öfteren mit Tschudi zusammen. Denn während Tschudi fleißig französische Meister für die Nationalgalerie ankaufen lässt, darunter etwa Manets Im Wintergarten (der auch das Buchcover ziert), steht der Kaiser für ein traditionelleres Kunstverständnis. So kann der Monarch weder mit Impressionismus noch mit der Berliner Secession etwas anfangen. Die neuartigen Ausdrucksweisen verstören Wilhelm II. Dass ihm historisierende Maler wie Anton von Werner oder der Museumsdirektor Wilhelm Bode zusätzlich ihr traditionelles Kunstverständnis einimpfen und gegen Tschudi opponieren, macht die Sache für den visionären Schweizer Museumsmacher nicht einfacher.

Während Fans wie etwa Cosima Wagner extra aus Bayreuth anreisen, um in der Gesellschaft des Schweizers die Nationalgalerie zu besuchen, brauen sich am Berliner Himmel dunkel Wolken zusammen. Doch der unter der tückischen Hautkrankheit Lupus leidende und trotzdem höchst virile Tschudi merkt davon erst viel zu spät etwas.

Impressionismus in der Sprache

Man kann von Tschudi nicht reden, ohne von seiner Sprache zu reden. Denn was Mariam Kühsel-Hussaini hier schafft, ist außergewöhnlich. Sie schafft es, die suggestive Kraft des Impressionismus mit ihren Worten abzubilden und so ein außergewöhnliches Lesegefühl zu erzeugen.

Beispielhaft sei hier nur ein Absatz aus dem Roman zitiert, der den Suizid des Malers Walter Leistikow beschreibt. Mit nur wenigen hingetupften Worten entstehen so ganze Bildwelten.

Draußen versank Berlin in den frühen Sommerabend.
Ein Spreetaucher wurde an der Schlossbrücke herausgezogen und sah Tschudi durch das kleine rechteckige Fenster seines alten Helmkastens an.
Tschudi ihn.
Lange.
Und Walter Leistikow legte den Lauf seiner Pistole hart gegen die Braue, als er am Fenster seines Sanatoriums stand, die Stirn fest ans Glas gepresst.
Vollkommen stumm.
Drückte er ab.
Ein spätgotisches, rot zerlaufendes Kirchenfenster.

Kühsel-Hussaini, Mariam: Tschudi, S. 296 f.

Dieses Buch ist mit einer suggestiven Sprachkraft geschrieben, die ihresgleichen sucht. Mal lyrisch im Ton, mal stakkatohaft mit gerade einmal einem Wort pro Zeile, dann wieder elegisch oder vorantreibend, teilweise im Dialekt. Auch die Kapitel sind ganz unterschiedlich verteilt, springen zwischen Tschudi und Wilhelm II. hin und her, erstrecken sich über viele Seiten oder sind dann wieder ganz kurze Miniaturen. 72 dieser so unterschiedlichen Kapitel hat die 1987 geborene Autorin auf insgesamt 320 Seiten arrangiert. Kapitel, die alle für sich genommen kleine Kunstwerke sind.

Nicht alles funktioniert

Kühsel-Hussaini - Tschudi (Cover)

Dass dieser vielgestaltigen Bildersturm nicht in allen Momenten funktioniert. das soll an dieser Stelle aber auch nicht verhehlt werden. Gibt es in jedem Museum wohl auch Kunstwerke, die sich dem Betrachtenden nicht erschließen oder ihm nicht zusagen, so gilt das auch für Kühsel-Hussainis Roman. Gerade zu Beginn des Romans meint es die in Kabul geborene Autorin besonders gut. Da pumpt ein Vakuum aus Traurigkeit das Herz leer oder Tschudi fliegt bewusstlos durch den Abend (wie bewusstloses Fliegen funktioniert, habe ich noch nicht verstanden, auch wenn mir klar ist, was Kühsel-Hussaini ausdrücken möchte). Hugo von Tschudi besitzt die schnellsten Tränen, die je ein Mensch geweint oder hinter Augen warten gute Gaben.

Manchmal ist das etwas manieriert, pathetisch, ungewollt komisch oder im Suchen nach originellen Wortbildern etwas anstrengend. Dann gelingen Kühsel-Hussaini aber auch wieder unerhörte Metaphern, treffende Vergleiche und eindrückliche Beschreibungen vom brodelnden Berliner Nachtleben oder dem aufkommenden Antisemitismus etwa, die die wenigen nicht funktionierenden Sätze mehr als vergessen machen.

Was Kühsel-Hussaini da mit ihren Worten schafft, ist mehr als nur große Kunst. Das ist Sprachkreativität auf höchstem Niveau, mit dem sie in diesem Frühjahr sogar Valerie Fritsch übertrifft. Etwas in dieser Qualität bekommt man nicht alle Tage zu lesen.

Fazit

So ist dieser Tschudi vieles. Ein sinnanregender Roman, der Lust auf einen Bummel durch die Alte Nationalgalerie macht. Ein Künstlerroman, der dem Impressionismus ein Denkmal setzt. Und nicht zuletzt ein Sprachkunstwerk, das seinesgleichen sucht.


Bild Hugo von Tschudi: Von unbekannt – www.pinakothek.de, PD-alt-100, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=7987764

Bild „Berliner Secession“: Von Bundesarchiv, Bild 183-1986-0718-502 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5423516

Kann man ein Herz reparieren?

Valerie Fritsch – Herzklappen von Johnson & Johnson

Ist ein Leben ohne Schmerz ein erstrebenswertes? Die österreichische Autorin Valerie Fritsch in „Herzklappen von Johnson & Johnson“ über das Verbindende von Generationen, Muttergefühle und ein Kind, das keinen Schmerz kennt.


Dass ein Indianer keinen Schmerz kennt, das wird besonders Jungen zuweilen immer noch eingeimpft. Doch was ist, wenn ein Junge tatsächlich keinen Schmerz kennt? Wenn er sich beim Schaukeln einen Arm bricht, und es nicht merkt? Wenn er stundenlang in der Sonne tobt, den schmerzhaften Sonnenbrand aber nicht fühlt? Oder wenn er einem Zauberkunststück gleich seinen Körper verstümmelt, um andere zu beeindrucken? Was macht das mit dem Kind, und was mit seinen Eltern?

Valerie Fritsch - Herzklappen von Johnson & Johnson (Cover)

Valerie Fritsch hat darüber einen zugleich zarten und doch mit rauschhafter Sprache ausgestatteten Roman geschrieben. Er rückt drei unterschiedliche Generationen in den Mittelpunkt. Da sind zunächst die Großeltern Almas. Er Soldat, der im Zweiten Weltkrieg die Hölle Stalingrads geschaut hat, Sie eine mondäne Erscheinung. Gottesgläubig, nicht-fürchtig, wie es im Roman heißt. Die Vergangenheit hat die beiden nie wirklich losgelassen, zu präsent sind die Schrecken des Erlebten zu Zeiten des Dritten Reichs.

Es sind die titelgebenden Herzklappen von Johnson & Johnson, die dem Großvater das Weiterleben ermöglichen. Die Grauen des Kriegs und die Folgen haben das Herz angegriffen. Nur die mechanischen Herzklappen halten das Herz am Laufen und ermöglichen so das Überleben des Großvaters. Manchmal kann man ein Herz eben doch reparieren.

Misstrauen gegenüber dem eigenen Körper

Das Misstrauem gegenüber dem eigenen Körper, es ist auch drei Generationen weiter wieder ein Thema. Denn als Alma Emil zur Welt bringt, stellt er sich schnell als schmerzunempfindlich heraus. Eine große Herausforderung für Alma, ihren Mann Friedrich und die gesamte Familie. Nach einer Stunde Spiel ruft Alma Emil zu sich, tastet ihn auf eventuelle Frakturen oder anderweitige Verletzungen ab. Denn Emil selbst bemerkt diese nicht. So musste er zeitweise sogar eine Taucherbrille tragen, um sich nachts nicht aus Versehen selbst die Augen auszureiben. Eine Herausforderung, der sich Alma stellen muss.

Wenn Alma mit Emil bei den Großeltern zu Besuch war, schien der Schmerzkosmos der einen mit jenem der Schmerzlosigkeit des anderen auf wunderliche Art und Weise zu kollidieren. Der Bub stürmte durch die Erstarrtheit des Hauses, rannte durch den Korridor der alten Dinge, als wäre er auf einer Zeitreise in die Vergangenheit, und nichts tat ihm weh. Die jahrelange Leidens- und Verfallsgeschichte der Alten mit dem kindlichen Unverständnis für jedes Leid auszusöhnen war keine leichte Aufgabe. Ständig musste Alma ihren Sohn zur Vorsicht anleiten, damit er nicht zu grob war mit der alten Frau, und oft musste sie der Großmutter erklären, dass die Abwesenheit des Schmerzes kein Segen war, auch wenn die sich an schlechten Tagen nichts mehr als das wünschte. Die Alten und ihr jünster Nachfahr waren Antipoden, die Gegengestalten der Familiengeschichte, der eine die Folge der anderen. Der Großbater und Emil standen sich gegenüber als Spiegelfigur der Zeit, mit einem jungen und einem alten Gesicht, voller Ersatzteile innen drin, Schrauben, die sie zusammenhielten, und einem falschen Herzen.

Fritsch, Valerie: Herzklappen von Johnson & Johnson, S. 125 f.

Ein Fest der Sprache und der originellen Bilder

Hier in diesem Ausschnitt zeigt sich schon die wahre Stärke des Romans. Diese besteht nicht in ihrer Geschichte, denn die geschilderten Schicksale etwa von Almas Großeltern kennt wohl jeder aus der eigenen Familie oder aus dem erweiterten Umfeld. Und auch Emils Schicksal wird, abgesehen von der außergewöhnlichen Krankheit, nicht wirklich tief ausgelotet. Selbst die Reise der Familie am Ende des Romans wirkt nur hingetupft. Vielmehr ist der herausragende Aspekt dieses Buchs die Sprache.

Wie es Valerie Fritsch gelingt, die Leben und Schicksale in eine wortmächtige Prosa zu kleiden, das ist große Kunst. Hinter jeder Ecke der Geschichte lauert eine originelle Formulierung oder Metapher. Stets gelingt es ihr, auch abgenutzte Bilder oder Abläufe neu zu betrachten oder durch ihre Sichtweise neue Aspekte zu vermitteln. Sätze wie dieser sind es, die die Klasse von Herzklappen von Johnson & Johnson begründen:

Mit jedem Jahr, das sie älter wurde, erschien sie mehr auf der Welt. Mit jedem Jahr wurde sie sichtbarer auf ihr, wuchs in die eigenen Formen, nahm ihren Platz ein, hineingeboren ins Fragen und in die Lücke, die auf der Welt war, bevor ein Mensch sie füllte.

Fritsch, Valerie: Herzklappen von Johnson & Johnson, S. 9

Hier schreibt eine Autorin mit einem genauen Blick auf die Welt und einer eigenen Sichtweise, die sie auch in Worte überführen kann. Wenn man wie im meinen Falle dieses schwer greifbare Wort Literatur mit Sprachgefühl, ästhetischer Empfindsamkeit, Präzision und kreativer Wortmacht definiert, dann kann man gar nicht anders als Herzklappen für Johnson & Johnson als große Literatur zu rühmen. Valerie Fritsch ist eine ganz eigene Sprachkünstlerin und dieses Buch belegt das nach Winters Garten einmal mehr.

Ähnlich sehen das im Übrigen auch Marina Büttner, Anne Fuxbooks und Tobias vom Buchrevier.


  • Valerie Fritsch – Herzklappen von Johnson & Johnson
  • ISBN: 978-3-518-42917-4, Suhrkamp-Verlag
  • Gebunden, 174 Seiten
  • Preis: 22,00 €

Theres Essmann – Federico Temperini

Von einem eigenartigen Fahrgast, vom Geiger Niccolo Paganini und einem Taxifahrer, der um die Bindung zu seinem Sohn fürchtet, erzählt die Autorin Theres Essmann in ihrem Debüt Federico Temperini. Die Novelle der Autorin ist im Tübinger Kleinverlag Klöpfer & Narr erschienen, der besonders Literat*innen aus dem Südwesten der Republik eine Stimme gibt.


Es ist ein unspektakuläres Leben, das der Taxifahrer Jürgen Krause lebt. Getrennt von seiner Frau verdient er in Köln sein täglich Brot mit Taxifahrten. Wie schon sein Vater kutschiert er Gäste durch die Domstadt. Einer dieser Gäste, die seine Dienste in Anspruch nehmen, ist Federico Temperini. Dieser kontaktiert Krause, um von ihm in die Kölner Philarmonie gefahren zu werden.

Theres Essmann - Federico Temperini (Cover)

Wie aus der Zeit gefallen wirkt dieser ältere Herr, der nun immer öfter von Krause gefahren werden möchte. Elegant gekleidet und zurückhaltend in seinen Äußerungen. Das Honorar für die Fahrten pflegt Temperini in einem Umschlag aus Büttenpapier zu hinterlegen. Aber am auffälligsten ist wohl seine verformte Hand, die er stets vor Krause im Taxi zu verbergen bemüht..

Bei einem solchen Fahrgast ist es mehr als verständlich, dass das Interesse des Taxlers geweckt wird. Nachdem Temperini gleich bei der ersten Fahrt von einem Konzert nach Hause den Begriff „Paganini“ und „Teufelsgeiger“ fallen lässt, ist Krauses Neugier schier nicht mehr zu bremsen.

Der der Hochkultur ferne Krause, der sonst eher die Lektüre der Biographie Claptons und dazu ein Bier bevorzugt, gerät nun – wie viele tausende Menschen zuvor – in den Bann des „Teufelsgeigers“. Er liest sich ein in die Vita dieses außergewöhnlichen Musikers. Fortan ist auf den Touren mit dem älteren Fahrgast Niccolo Paganini nun des Öfteren Thema. Doch was verbindet diesen Temperini mit Paganini?

Auf den Spuren Paganinis

Theres Essmann hat eine Novelle geschrieben, deren dritter Hauptdarsteller neben den beiden Hauptprotaginisten Temperini und Krause eigentlich Niccolo Paganini heißt. Auch wenn es schwer glaubhaft erscheint, dass Krause noch nie etwas von diesem Ausnahmekünstler gehört hat (schließlich ist der Teufelsgeiger schon lang zum geflügelten Wort geworden; von Filmen bis hin zu Hörspielen ist der italienische Wundergeiger über die Zeiten hinweg Thema) – über die Gespräche zwischen den beiden Männern wird der Geiger wieder lebendig. Die Geschichte seines Leichnams, das Besondere in seinem Geigenspiel – durch den Ich-Erzähler Krause bekommt man die Vita des Teufelsgeiger vermittelt.

Essmanns Sprache ist dabei genauso bodenständig und solide wie ihr Protagonist selbst. Sein Leben gleicht exakt dem, das man mit seinem Namen assoziieren würde: der Vater Taxler, der Sohn Taxler, regelmäßige Telefonate und Ausflüge mit dem getrennt lebenden Sohn, immer mittwochs Badminton und im Anschluss Gyros bei Maria. Dieser Krause steht für den Begriff Normcore. Da überrascht es wenig, dass er dann, als er von Temperini zu einem Konzertbesuch mit Paganin-Konzert eingeladen wird, zu Jeans und schwarzem Rollkragenpullover greift.

Nun ist ja zu befürchten, dass bei aller Durschnittlichkeit auch so etwas wie Langeweile aufkommen könnte. Dem ist aber mitnichten so. Denn Theres Essmann vermag es, in ihrem Debüt dieser Durschnittlichkeit ihres Krauses auch spannende Seiten abzuringen. Wie er um die Beziehung zu seinem Sohn kämpft, wie in ihm die Leidenschaft für den Teufelsgeiger geweckt wird, das schildert sie nachvollziehbar und durchdacht. Die passgenauen Dialoge unterstützen dabei die Dynamik des Romans erheblich.

Zwar könnte man, wenn man es ganz genau nimmt, abgegriffene Formulierungen wie etwa Krauses Beschreibung des „Dirigenten in seinem Pinguin-Kostüm“ (S. 94) als wenig originell kritisieren. In einem ansonsten wirklich stimmigen und gut gemachten Debüt fällt das allerdings nicht so sehr ins Gewicht.

Fazit

Es bleibt spannend, was von Theres Essmann künftig zu lesen sein wird. Federico Temperini ist auf alle Fälle eine Novelle, die Lust auf mehr macht. Glaubwürdige Figuren, eine passende Sprache und eine ganz eigene Annäherung an den Teufelsgeiger Niccolo Paganini!


  • Essmann, Theres: Federico Temperini
  • Novelle, 164 Seiten
  • Hardcover mit Lesebändchen
  • Erscheinungstermin: Februar 2020
  • ISBN 978-3-7496-1026-6, Preis: 18 Euro

Lutz Seiler – Stern 111

Ganz egal wo wir landen. Mein Zuhause ist kein Ort. Das bist du.

Fynn Kliemann: Zuhause (2019)

Wo gehören wir eigentlich hin? Und was ist dieses Zuhause eigentlich? In Stern 111 findet Lutz Seiler ganz eigene Antworten auf diese Fragen und erzählt von Wohnungsbesetzern, DDR-Auswanderern und einer schwebenden Ziege.


Ja was ist nun mit diesem Zuhause? Ist es ein Ort? Ist es der Verbund von Menschen? Oder der Ort, dem die eigene Familie entstammt? Im Falle Carl Bischoffs wäre das Zuhause Gera. Doch da halten es weder er noch seine Eltern Inge und Walter lange aus. Denn wir schreiben die Zeit kurz nach der Wende im Winter 89/90. Die Grenzer schießen nicht mehr, der sagenumwobene Westen lockt die Eltern, und so lassen sie sich von ihrem Sohn in der Nähe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze absetzen.

Der Grenzübergang war bevölkert: Spaziergänger, Neugierige, Autoschlangen und Fußgängerströme – das Land schien sich aufzulösen in einer einzigen Wanderschaft. Darunter nicht wenige mit Rucksäcken und Koffern, junge kräftige Wanderer, die wie auf Verabredung zusammenfanden und sich unterstützten, niemand im Alter seiner Eltern. Mit dem großen schwarzen Akkordeonkasen auf dem Rücken sah sein Vater wie ein Kriegsvertriebener aus, der versuchte, ein Stück Hausrat zu retten. Dazu passend ragten die Ruinen einer unfertigen Autobahnbrücke aus dem Tal.

Seiler, Lutz: Stern 111, S. 29 f.

Während Walter und Inge den Westen erkunden, soll der Sohn derweil das Zuhause in Gera und den Shiguli hüten. Doch schon bald fällt Carl die Decke auf den Kopf, während draußen ein Land zerfällt und ein neues entsteht. Und so schnappt er sich den Wagen aus russischer Fabrikation und macht sich auf nach Berlin. Dort, in der nun nicht mehr geteilten Hauptstadt, landet er einem Schiffbrüchigen gleich und muss feststellen, dass der Osten und der Westen in Berlin doch noch existieren.

Ein neues Zuhause

Er entdeckt dort eine Welt, die wie von einem anderen Stern wirkt. Ganze Straßenzüge sind verlassen, monolotische Wohnblöcke, in denen keine Menschen mehr wohnen und Grenzposten, die immer noch ein Land bewachen, das es so nicht mehr gibt.

Carl bewunderte dieses goldgelbe Gebäude [die Staatsbibliothek], das wie ein Raumschiff auf der staubigen Brache weit hinter den Plattenbauten der Ebertstraße gelandet war. Von Osten her bis dorthin vorzudringen war ein Kampf, als durchquerte man eine Wüste, die abweisend, kalt und bei Wind grau war von Staub (und Wind wehte dort eigentlich immer, auch wenn im Rest der Stadt Windstille herrschte), vorbei am Container des Grenzübergangs (niemand, der dort seinen Pass verlangte) und vorbei an den Hügeln, unter denen, wie es hieß, die Bunker lagen. Die Brandmauern, die Ruinen, die Pfeiler der Magnetschwebebahn – als durchschritte man ein verlassenenes Versuchsgelände, dachte Carl, das man niemals hätte betreten dürfen, ein Trümmerplatz, auf dem man sich hüten musste, nicht verlorenzugehen.

Seiler, Lutz: Stern 111, S. 134 f.

Eine fast außerirdisch wirkende Welt, kein Ort, in dem man normalerweise Quartier bezieht. Doch wie das so ist mit dem Zuhause – der Ort bildet nur die eine Hälfte der Rechnung. Zuhause ist doch auch das soziale Umfeld. Mitmenschen, Gesellschaft, Freunde, Familie. Und diese findet Carl auf ungewöhnliche Art und Weise. Nach ersten Übernachtungen im Shiguli wird er als Teil der A-Guerilla Hausbesetzer eines dieser verlassenen und eroberten Wohnblöcke zwischen Rykestraße und Oranienburger.

Die A-Guerilla

Lutz Seiler - Stern 111 (Cover)

Hinten dran am Haus ein kleines Bombenwäldchen, von der Ferne blinkt der Wasserturm. Dort, wo heute das hippe Leben im Prenzlauer Berg pulsiert, sind es 1990 die heruntergekommen Häuser, die das Straßenbild prägen. Ein kleiner Ofen mit Schamottsteinen, ein paar Matratzenteile mit Schnur umwickelt, mehr braucht Carl für seine Anfänge im besetzten Haus nicht. Für weiteres Interieur bedient sich die Gruppe aus den umliegenden Häusern, bricht in Wohnungen ein oder erobert sich verlassene Geschäfte. Zusammen bilden die Bewohner des Hauses eine verschworene Gruppe, die auf den Namen A-Guerilla getauft wird.

Carl wird schnell als Teil der Gruppe akzeptiert und verdingt sich in der Folge als Maurer und als Teilzeitpoet mit Ambitionen.

Der Sommer begann mit dem Hissen der Fahne. Im Fenske-Keller hatte der Hirte ihren edlen Stoff entrollt: schwarze Seide, auf die ein scharlachrotes A aufgenäht war. „Das ist unser A“, sagte der Hirte. „Es erzählt von der Schwer des Anfangs, von der Würde der Arbeit, und es erzählt von uns, der Arbeiter-Guerilla. Es ist ein dreifaches A.“

Seiler, Lutz: Stern 111, Seite 217

Es ist eine ungewöhnliche Gemeinschaft von Outcasts, die hier ihr im Kiez ihr eigenes Utopia gründen möchte. Schnell wird Carl als Maurermeister einer der Helden der Arbeits-Guerilla. Die Assel dient ihnen dabei als Ausgangspunkt. Eine Kneipe, die sich schnell als Wohnzimmer und Lebensmittelpunkt etabliert. Bald steht schon eine Mikrowelle unter dem Tresen, dann wird in Kindergarten-Manier eine beschriftete Garderobe für die lokalen Freudenmädchen angebracht. Schon bald wächst die höchst heterogene Kundschaft. Die A-Guerilla werkelt an der Kneipe und diese wird in der Ost-Berliner Untergrundszene zusehends „Kult“.

Zu diesem Kult trägt auch die bunte Mischung aus Hausbewohnern bei. Fantasten, Revoluzzer und Gestrandeten inklusive Dodo, einer Ziege, die später im Buch sogar noch das schweben lernt.

Auch ein Gentrifizierungsroman

Besetztes Haus in der Kollwitzstraße 1990 (Quelle:Bundesarchiv, Bild 183-1990-1211-013 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de)

Stetig wächst die Gemeinschaft, Wohnungen werden neu besetzt, andere Mitglieder der Gemeinschaft gehen wieder ihrer Wege. Aber auch wenn Stern 111 nur ein wenig mehr als ein Jahr in diesem Berliner Kiez beschreibt, ist das Buch doch auch Gentrifizierungsroman, der im Kleinen vorwegnimmt, worüber wir heute gesellschaftlich übergreifend diskutieren. Der Berliner Mietendeckel, ganze Wohnblöcke, die von Investoren aufgekauft werden, die Gentrifizierung, die ganze Stadtteile verödet. Alle Schlagwörter und Probleme, die dieser Tage zirkulieren, können auf Stern 111 rückgebunden werden. Das Wohnen als kostenloses Grundrecht, wie es Carl bald begreift, es wird im Buch immer wieder thematisiert.

An die Wand über den Briefkästen hatte jemand WRUBEL-KAPITALISTENSAU geschrieben. Tatsächlich hatten alle Mieter den Brief einer Erbengemeinschaft empfangen, unterzeichnet von einem Mann namens Wrubel. Die Miete, hieß es, würde demnächst erhöht, für Carls Wohnung von 31,80 auf glatte 50 DM.

„Aber du hast ja gar keinen Vertrag“, hatte So-nie gesagt, ohne jeden Beiklang in seiner Stimme. „Schlagen hier auf auf von irgendwo und wollen Kasse machen.“

Seiler, Lutz: Stern 111, S. 366

Im Epilog schildert Carl dann, wie er dann kurz darauf von der Erbengemeinschaft auf 143,25 DM erhöht wird. Die Grundmiete sei ein paar Mark pro Quadratmeter gestiegen, dazu kämen die Betriebskosten. Eine Szene, die angesichts der heutigen Mietpreise leicht lächeln lässt. Aber schon hier deutet sich alles an, worüber heute umso erbitterter gestritten wird, da der Wohnraum immer knapper und die Preise immer exorbitanter werden, und das nicht nur in der Hautptstadt. Zuhause ist eben mittlerweile auch zu einer Sache geworden, die man sich leisten können muss.

Ein sicherer Sieger

Etwas mokant könnte man sagen, dass die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse Lutz Seilers Roman geradezu prämieren MUSSTE. Allzu verlockend die Melange der Themen, die bei solchen Preisen zumeist ausgezeichnet werden: Ein Berlinroman, ein Buch über die Wendezeit und dazu noch eine gut gemachte Coming of Age-Geschichte mit Liebesirrungen und Liebeswirrungen? Ein Setzen auf Stern 111 als Preisträger hätte im Wahlbüro wahrscheinlich gerade einmal ein wenig mehr als den Wetteinsatz als Gewinn eingebracht.

Natürlich kann man dabei beklagen, dass die Wahl sehr berechenbar und das Thema des Buchs alles andere als neu ist. Schon einmal beackerte Lutz Seiler bekanntlich mit Kruso das Feld des deutschen Wenderomans (der auch im Stern 111 seinen Auftritt hat). Der wie sein Protagonist in Gera geborene Dichter heimste dafür 2014 den Deutschen Buchpreis ein. Das Wendethema ist omnipräsent, auch im Suhrkamp-Verlag erschienen schon diverse Bücher mit diesem Sujet (die dann wie im Falle Uwe Tellkamps ebenfalls gerne mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurden). Eine sichere Bank also für einen Gewinn.

Aber durch die feinfühlige Sprache, die bildmächtigen Schilderungen und die Präzision, mit der Seiler sein Milieu in aller Akribie schildert, ist der Roman auch als Preisträger nachvollziehbar. Ähnlich wie der Fotograf Daniel Biskup vor kurzem in seinem Bildband Wendejahre: Ostdeutschland 1990-1995 diese vergangene Welt mit seinen Fotografien noch einmal in die Jetztzeit zu holen, gelingt es im vorliegenden Fall auch Lutz Seiler. Allerdings setzt er eben auf das Gestaltungsmittel Worte, das aber mehr als gekonnt.

Die Qualität der Prosa Seilers ist unbestritten, der Roman trotz seiner hohen Seitenzahl atmosphärisch dicht und genau – und in seiner Vielzahl an Themen vielgestaltig interpretierbar. Ein Buch, das den Sieg des Leipziger Buchpreises verdient hat, und das auch mir als Nachwendegeborenen und Nicht-Berlin die Welt in den Straßen und Häusern der Hauptstadt 1990 nahegebracht hat.

Weitere Besprechungen:

Weitere Meinungen zum Buch findet man hier: Buchrevier und Aufklappen haben über das Buch geschrieben genauso wie Marina Büttner und Letteratura.

Hari Kunzru – Götter ohne Menschen

Ein Roman, so unergründlich wie die Wüste, in der er spielt: Hari Kunzrus Roman Götter ohne Menschen über verschwundene Kinder, kriselnde Beziehungen und Außerirdische.


Geht es um scheinbar Übersinnliches, das in den vernünftigen, geordneten Alltag einbricht, dann ist der Brite Hari Kunzru ein ausgemachter Fachmann. Das bewies er schon in seiner Vintage-Musik/Geisterstory White Tears, in der zwei Musiknerds mithilfe eines Blues-Fragments auf die Spur eines geisterhaften Musikers gelangten, die in den Süden der USA führte.

Nun liegt in der deutschen Übertragung durch Nicolai von Schweder-Schreiner Kunzrus Roman Götter ohne Menschen aus dem Jahr 2011 vor. Ein Buch, das durch seine Vielschichtigkeit und Vielstimmigkeit eine einfache inhaltliche Zusammenfassung kaum möglich macht.

Vielmehr kommt man der komplexen Erzählung Kunzrus am besten mit dem Vergleich eines Baumes nahe. Den Hauptstamm jenes Baums bildet die Geschichte des Paars Matharu. Er, Jaz, ein indischer Einwanderer, zerrissen zwischen dem Wunsch nach Teilhabe an der amerikanischen Aufstiegsgesellschaft und seinen familiären Wurzeln. Sie, Lisa, Mutter von Raj, dem gemeinsamen Sohn, der unter einer Autismus-Spektrums-Störung leidet. Die Ehe kriselt, die beiden Partner leiden unter ganz eigenen Problemen, zudem belastet beide die Situation mit ihrem Kind zusehends. Ein gemeinsamer Ausflug soll Abhilfe schaffen. Bei diesem Trip in Richtung Mojave-Wüste verschwindet Raj dann allerdings spurlos. Wilde Spekulationen über das Paar setzen ein und die Öffentlichkeit nimmt rege Anteil am Schicksal des verschwundenen Jungen.

Geschichten aus drei Jahrhunderten

Um diesen Erzählungsstamm ranken sich diverse Episoden, die Kunzru im 18. Jahrhundert beginnen lässt und die sich bis in die Gegenwart erstrecken. Da gibt es den Bericht eines spanischen Missionars, Geschichten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs bis hinein in die Flower-Power-Jahre. Inhaltlich vielstimmig sind diese Erzählungen mal an die mündliche Erzähltradition der Indianer angelegt, mal eine wilder Cowboy-Räuberpistole, mal eine höchst aktuelle Erzählung einer aus dem Irak stammenden Geflüchteten. Allen gemein ist, dass sie zu einem Zeitpunkt ihres Lebens in die Nähe einer sagenumwobenen Gesteinsformation in der Wüste kamen.

Hari Kunzru - Götter ohne Menschen (Cover)

Wie ein fein verästeltest Geflecht umgeben diese Geschichte die Haupterzählung. Verschiedene Figuren aus den Episoden tauchen in anderen Geschichten wieder auf. Leitmotive wie die Wüste, das Verschwinden von Kindern oder der Kontakt mit Außerirdischen sind Themen, die in verschiedenen Manifestationen immer wieder hervorscheinen und so ein Netz aus Bezügen herstellen. Diese Verästelungen sind manchmal ganz zart, dann auch wieder offensichtlicher. Alle Suchenden, die Lektüre auch als Schnitzeljagd begreifen, dürften hier ihre große Stunde erleben. Denn hinter Götter ohne Menschen steckt wirklich ein raffiniertes Konzept.

Zu den Kunstfertigkeiten diesen Romans zählt auch, dass Kunzru Themen zusammenbringt, die eigentlich nicht nicht zusammenpassen wollen. So schafft er es, aus der Alienbegeisterung, der Sinnsuche und dem Wunsch nach spiritueller Erfahrung in der Wüste ein Thema zu machen, das in unterschiedlichsten Facetten immer wieder im Buch auftaucht. Die Hinwendung zu einer übersinnlichen Kraft, die schon im Buchtitel thematisiert wird, setzt sich im Buch fort. Und dass, ohne dass das Buch in eine unangenehme theosophische oder esoterische Stoßrichtung kippt. Vielmehr zeigt Kunzru den Wunsch nach Spiritualität, der über alle Zeit hinweg in allen Menschen wurzelt.

Götter ohne Menschen, aber mit literarischer Vielfalt

Eine weitere Stärke dieses grandiosen Frühjahrstitels ist auch seine literarische Vielfalt. Sobald Schriftsteller*innen das Mittel der Multiperspektive für ihre Erzählung wählen, besteht eine ganz große Gefahr: die schriftstellerischen Mittel der Erzählenden sind dergestalt limitiert, dass alle Figuren gleich denken und gleich klingen (wie etwa zuletzt in Simone Lapperts Der Sprung). Obwohl sich der Name der erzählenden Figur ändert, klingt sie genauso wie die anderen Figuren zuvor, mit der wir die Handlung erlebt haben.

Für solche Fehler oder erzählerischen Limitation ist Hari Kunzru viel zu versiert. Mit welcher Akribie er sich in die unterschiedlichen Milieus einarbeitet und deren Welten auf wenigen Seiten glaubhaft zum Leben erweckt, ist meisterhaft. Wie fühlt sich eine Ehe mit einem an Autismus leidenden Kind an? Wie hat ein spanischer Eroberer im 18. Jahrhundert seine Berichte formuliert? Wie fühlt sich ein sinnentleerter britischer Rockstar, der die Flucht in ein anonymes Motel angetreten hat? All diesen höchst heterogenen Figuren verpasst der britische Schriftsteller eine eigene Sprache (toll von Nicolai von Schweder-Schreiner übersetzt) und einen eigenen Blick auf die Welt.

Es macht große Freude, immer wieder in neue Zeiten und neue Lebensgeschichten einzutauchen, die trotzdem miteinander verbunden sind. Ähnlich wie bei David Mitchells Wolkenatlas steht auch hier am Ende ein zeitenüberspannendes Netzt aus Figuren und Geschichten. In meinen Augen große Schrifstellerkunst.

Fein geschrieben, raffiniert komponiert, mit interessanten Motiven und Ideen durchzogen: Götter ohne Menschen ist ein wirkliches literarisches Ereignis, das Hari Kunzrus Ruf als einem der interessantesten britischen Schriftstellern der Gegenwart zementiert.

  • Hari Kunzru: Götter ohne Menschen
  • Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schrein
  • 416 Seiten, € 24,00 Gebunden mit Schutzumschlag
  • ISBN 978-3-95438-117-3 (Liebeskind-Verlag)