Category Archives: Literatur

Vorschaufieber Frühjahr 2023

Wieder ein halbes Jahr vorbei, wieder gibt es neue Vorschauen mit den ersten Titeln für das Jahr 2023. Was mich am meisten interessiert und worauf ich mich am meisten freue, das versucht dieser Beitrag zu sammeln.

International

Percival Everett – Die Bäume (aus dem Englischen von Nikolaus Stingl, Hanser). Christine Dwyer Hickey – Schmales Land (aus dem Englischen von Uda Strätling, Unionsverlag). J. O. Morgan – Der Apparat (aus dem Englischen von Jan Schönherr, Rowohlt). Richard Russo – Mohawk (aus dem Englischen von Monika Köpfer, DuMont). Tara M. Stringfellow – Memphis (aus dem amerikanischen Englisch von Marion Kraft, ecco)

Mattias Enard – Der perfekte Schuss (aus dem Französischen von Sabine Müller, Hanser). NoViolet Bulwayo – Glory (aus dem Englischen von Jan Schönherr, Suhrkamp). Zain Khalid – Bruder (Aus dem Englischen von Eva Regul, Kjona). Toine Heijmans – Der unendliche Gipfel (aus dem Niederländischen von Ruth Löbner, mairisch) Sarah Winman – Lichte Tage (Aus dem Englischen von Eliane Baumbach, Klett-Cotta).

Jordan Tannahill – Das Summen (aus dem Englischen von Frank Weigand, Goya Lit). David Hewson – Garten der Engel (aus dem Englischen von Birgit Salzmann, Folio). Lisa Weeda – Aleksandra (aus dem Niederländischen von Birgit Erdmann, Kanon). Lee Cole – Kentucky (aus dem Englischen von Jan Schönherr). Olli Jalonen – Die Kunst, unter Wasser zu leben (aus dem Finnischen von Stefan Moster, mare)

Gabrielle Zevin – Morgen, Morgen und wieder Morgen (aus dem Englischen von Sonia Bonné, Eichborn). Carl Nixon – Kerbholz (aus dem Englischen von Jan Karsten, Culturbooks). Selva Almada – Kein Fluss (aus dem Spanischen von Christian Hansen, Berenberg). Hayley Scrivenor – Dinge, die wir brennen sahen (aus dem Englischen von Andrea O’Brien, Eichborn). Karina Sainz Borgo – Das dritte Land (Aus dem Spanischen von Angelica Ammar, S.Fischer).

Yara Rodrigues Fowler – Zwischen Himmel und Erde (aus dem Englischen von Maria Meinl, Hoffmann&Campe). Eric Vuillard – Ein ehrenhafter Abgang (aus dem Französischen von Nicolas Denis, Matthes&Seitz). Anthony McCarten– Going Zero (aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié, Diogenes). Shady Lewis – Auf dem Nullmeridian (aus dem Englischen von Günther Orth, Hoffmann&Campe). Nela Rywiková – Kinder der Wut (aus dem Tschechischen von Christina Frankenberg, Mitteldeutscher Verlag).

Wiederentdeckt

Mark Aldanow – Der Anfang vom Ende (übersetzt aus dem Russischen von Andreas Weihe, Rowohlt). Cécile Ines Loos – Hinter dem Mond (aus dem Spanschen von Renate Burckhardt, Atlantis). Penelope Mortimer – Daddy’s gone a-hunting (aus dem Englischen von Kristine Kress, Dörlemann). Paul Zifferer – Die Kaiserstadt (Reclam). Marvel Moreno – Im Dezember der Wind (aus dem kolumbianischen Spanisch von Rike Bolt, Wagenbach).

National

Leander Fischer – Die Doppelgänger (Wallstein). Anselm Oelze – Pandora (Schöffling). Raphaela Edelbauer – Die Inkommensurablen (Klett-Cotta). Emanuel Maeß – Alles in allem (Rowohlt). Anna Warner – Normalhöhe (Harper Collins).

André Hille – Die Jahreszeit der Steine (C. H. Beck). Annika Büsing – Koller (Steidl). Franzobel – Einsteins Hirn (Zsolnay). Demian Lienhard – Mr. Goebbels Jazz Band (Frankfurter Verlagsanstalt). Robert Seethaler – Das Café ohne Namen (Claassen).

Krimi

Erin Flanagan – Dunkelzeit (aus dem Englischen von Steffen Jacobs, Cornelius Hatz und Stefanie Kremer). James Kestrel – Fünf Winter (aus dem amerikanischen Englisch von Stefan Lux, Suhrkamp). Adam LeBor – District VIII (aus dem Englischen von Jürgen Bürger). Mary Paulson Eddis – Das Erbe des Solomon Farthing (aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt, Ariadne). Carlo E. Gadda – Die grässliche Bescherung in der Via Merulana (aus dem Italienischen von Toni Kienlechner, Wagenbach).

Annie Ernaux – Der junge Mann

Ein Blick in die Schreibwerkstatt Annie Ernaux‚ und weit mehr als eine nachgereichte Gabe zur Verleihung des Literaturnobelpreises im vergangenen Jahr: ihre kurze autobiographische Erzählung Der junge Mann, die von einer Affäre genauso wie von Klassenunterschieden und dem Aufstiegsstreben erzählt.


Der Blick auf die reinen Äußerlichkeiten des Buchs lässt zunächst den Eindruck einer Mogelpackung entstehen, die ihren dünnen inneren Gehalt geschickt kaschieren soll. Gerade einmal vierzig recht spärlich und in großer Type bedruckte Seiten, dazu noch ein paar Seiten mit einer Werkauswahl der bei Suhrkamp erschienenen Bücher von Annie Ernaux, fertig ist Der junge Mann.

Ist das nicht eigentlich eher eine kleine Erzählung, die in einem Sammelband besser aufgehoben wäre, die hier mit viel Mühe und merkantilem Geschick zu einem Buch mit ambitionierter Preisgestaltung aufgeblasen wird?

Nein, auch wenn man das Buch als Leser wohl nicht länger als zehn Minuten brauchen dürfte. Denn das Buch nimmt im Schreiben von Annie Ernaux durchaus eine spannende Doppelrolle ein, ist es doch eine autobiographische Erzählung, die sich in ihr gesamtes Oeuvre einfügt und anknüpft. Zugleich ist Der junge Mann auch Werkstattbericht und Auskunft über Ernaux‘ eigenes Schreiben, der die prägenden Erzählthemen und den erzählerischen Ansatz noch einmal vor Augen führt.

Eine Affäre mit dem Zeug zum Skandal

Dabei beginnt alles wie eine umgekehrte Version von Peter Maffays Und es war Sommer.

Mein Gedächtnis lieferte mühelos Bilder vom Krieg, von amerikanischen Panzern in La Vallée, Lillebonne, von Plakaten mit General de Gaulle und seinem Käppi, von Demos im Mai 1968, und jetzt war ich mit jemandem zusammen, dessen frühste Erinnerungen bis zur Wahl von Giscard d’Estaing zurückreichten, wenn überhaupt.

Annie Ernaux – Der junge Mann, S. 34

Das was Tessa Hadley im vergangenen Jahr in ihrem zu Unrecht kaum beachteten Roman Freie Liebe eindrücklich aber fiktiv beschrieb, Annie Ernaux hat es in der Realität selbst erfahren. Die leidenschaftliche Affäre mit einem jungen Mann, die sie als mittelalte Frau mit einem eigentlich festen Platz im Leben beginnt. Noch einmal die eigene Studentenzeit erleben, noch einmal den Rausch des Begehrens und der völligen Hingabe. Das ist es, was sie mit dem titelgebenden jungen Mann sucht und erlebt, wobei der junge Mann in ihrer Erzählung eigentlich ein konturloser Schemen bleibt, der nicht einmal einen Namen erhält.

Annie Ernaux und der junge Student

Annie Ernaux - Der junge Mann (Cover)

Die Affäre, in die sie sich kurz vor Beginn der Jahrtausendwende stürzt, ist dazu angetan, gesellschaftlich den Stab über sie zu brechen. Denn wenn sich ein Mann eine deutlich jüngere Geliebte nimmt oder sich in eine Affäre stürzt, dann ist das etwas, das gesellschaftlich kein Aufsehen erregt und weithin akzeptiert ist. Der umgekehrte Fall hingegen ist weitaus mehr dazu angetan, Aufsehen und offene Ablehnung hervorzurufen. Das muss auch Annie Ernaux selbst erleben, nicht nur am Strand von Capri, wo sie mit ihrem jugendlichen Geliebten den Sommerurlaub verbringt.

Sie mit 54 Jahren in der Menopause, er ein junger Student ohne viel Geld in einer bescheidenen Studentenbude. Und doch stürzen sich beide mit Wucht in diese Affäre, bei der Ernaux die Wochenenden bei ihm in Rouen verbringt, wo sie auch selbst einst studierte.

Er begegnete mir mit einer Leidenschaft, wie ich sie mit vierundfünfzig Jahren noch bei keinem Mann erlebt hatte.

Annie Ernaux – Der junge Mann, S. 17

Die Affäre mit dem jungen Studenten wird zugleich zum Portal in ihre eigene Vergangenheit, wenn in der Wohnung zum Liebesspiel Musik der Doors erklingt und sie in ihrer postkoitalen Ermattung auf der am Boden liegenden Matratze auf das gegenüberliegende ehemalige Krankenhaus Hôtel-Dieu blickt, in dem sie einst 1963 eine Abtreibung vornehmen ließ (was sich so wieder wunderbar ins Oeuvre Ernaux‘ einfügt, schließlich erzählte sie bereits in Das Ereignis von dieser Erfahrung).

Re-Enactment der eigenen Studentenzeit

Der junge Mann dient Annie Ernaux zum Re-Enactment ihres eigenen Lebens, ihrer Studentenzeit und jener Phase, mit der sie als arrivierte und gebildete Autorin eigentlich schon längst abgeschlossen hatte.

Mit ihm durchlief ich alle Alter des Lebens, alle Alter meines Lebens

Annie Ernaux – Der junge Mann, S. 21

Neben der Leidenschaft und der Zeitreise zurück in ihre eigene Studentinnenzeit zeigt ihr die Affäre aber auch ihr eigenes Vorankommen in der französischen Gesellschaft auf. Denn während der junge Mann in Armut lebt und sich mit kreativen Spartricks über Wasser hält, ist es doch ein gesellschaftlich gesetztes Leben, das Ernaux führt. Zwei Kinder mit einem Lehrer, akademische Bildung, literarische Erfolge als Autorin, alles ist da. Im Kontakt zu ihrer Affäre, der aus dem Prekariat stammt, dieses aber mitsamt sämtlicher habituellen Gepflogenheiten vom ostentativen Nicht-Wählen bis hin zu mangelnden Tischmanieren gar nicht ablegen will, kommt sie sich wie eine Bildungsbürgerin vor, die längst einen intellektuellen, aber vor allem sozialen Abstand zum Milieu und Habitus der Studentenwelt gewonnen hat.

So dient ihr die Affäre auch zur Selbsterkundung und zur Betrachtung des eigenen Lebensweges, auf dem sie mit dem jungen Studenten noch einmal mehr als nur einige Schritte zurückmacht, ehe die Affäre dann mit dem Beginn des neuen Jahrtausends endet. Die Klassenunterschiede, die in dieser Affäre offenbar werden, sie sind sowieso ein Lebensthema im Schreiben der Autorin – und in diesem Text wird das erneut ganz deutlich.

Die Poetik von Annie Ernaux‘ eigenem Schreiben

Was dieser Text zudem deutlich zeigt, das ist, wie Ernaux schreibt und ihre Poetik funktioniert. Denn das Konzept ihres Schreibens und ihres schreibenden Selbstverständnisses ist diesem Buch vorangestellt:

Wenn ich die Dinge nicht aufschreibe, sind sie nicht zu ihrem Ende gekommen, sondern wurden nur erlebt.

Annie Ernaux – Der junge Mann

Das beweist der Text ganz deutlich. Denn die Französin gesteht, dass sie den Abschluss eines Lebensabschnitts oder Erlebnisses braucht, um ihn schreibend zu verarbeiten. So ist die sich auflösende Beziehung zu dem jungen Studenten Ausgangspunkt für den Erfolg ihres Schreibprojekts über ihre eigene Abtreibung (wobei sie das Abstoßen des Fötus mit dem Abstoßen von der Beziehung mit dem Studenten engführt). Erst wenn etwas vorbei ist, dann kann etwas die Verschriftlichung beginnen. Das zeigt auch Der junge Mann und ist dadurch so etwas wie ein Schlüssel zum literarischen Selbstverständnis der Nobelpreisträgerin und das rechtfertigt in meinen Augen auch die große Form der Aufmachung, die keinesfalls eine Mogelpackung, sondern ein Schlüsseltext zum Werk von Annie Ernaux ist.

Fazit

Selbstbeschreibung und Selbsterkundung in einer Welt mit festgeschriebenen Rollenbildern, das Zertrümmern von Tabus, die radikale Offenheit, sie zeichnen Annie Ernaux‘ Schreiben aus. Und in Der junge Mann tritt genau das ganz deutlich zu Tage. Deshalb ist der Text weit mehr als nur ein kleiner literarischer Baustein im Gesamtgefüge von Ernaux‘ Werk, sondern ein zentraler Pfeiler, der ihr Schreiben und ihren Blick auf die Weltkonzentriert bündelt. Der Text zeigt fokussiert die schriftstellerischen Anliegen und Themen im Werk der Nobelpreisträgerin. Mit ihrem neuesten Buch erklärt uns Annie Ernaux, wie sie die Welt sieht und beschreibt. Und nicht zuletzt zeigt Der junge Mann, wie viel in einem kleinen Textkondensat stecken kann.


  • Annie Ernaux – Der junge Mann
  • Aus dem Französischen von Sonja Finck
  • ISBN 978-3-518-43110-8 (Suhrkamp)
  • 48 Seiten. Preis: 15,00 €

Emma Stonex – Die Leuchtturmwärter

Drei Leuchtturmwärter verschwinden spurlos während der Silvesternacht von ihrem sturmumtosten Arbeitsplatz vor der Küste von Cornwall. Es fehlt von ihnen jede Spur, die Wanduhren sind stehengeblieben, der Turm von innen verriegelt. Was bei Ellery Queen oder John Dickson Carr ein klassischer Rätselkrimi geworden wäre, wird bei Emma Stonex zu einer Meditation um Verlust und den Umgang mit dem Ungewissen.


Es mutet wirklich wie ein Rätsel aus einem Kriminalroman aus dem Goldenen Zeitalter der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts an. Ein verschlossener Leuchtturm auf der Insel Maidens Rock, 28 Kilometer südlich von Land’s End gelegen. Seine Bewohner, drei Männer, ohne jedes Lebenszeichen verschwunden. Und so schießen nach dem Bekanntwerden der Umstände die Spekulationen ins Kraut. Handelt es sich um einen Mord? Wurden die drei Männer entführt? Oder ist es zu einer Tragödie auf Maidens Rock gekommen?

Es bleibt nicht mehr viel übrig vom Turm. Nur noch die Laterne. Acht Etagen durchsucht und acht Etagen leer. Also hinauf auf die Spitze, und da ist sie, die Laterne der Maiden, ein riesiger Glühstrumpf umschlossen von Linsen so zart wie Vogelschwingen.
»Das war’s. Sie sind weg.«
Am Horizont ziehen Federwolken heran. Die Brise frischt auf, ändert die Richtung, treibt weiße Kämme über die tanzenden Wellen. Es ist, als wären die Wärter nie hier gewesen. Entweder das, oder als wären sie ganz nach oben geklettert und einfach davongeflogen.

Emma Stonex – Die Leuchtturmwärter, S. 28 f.

Verschwunden aus dem Leuchtturm

Emma Stonex - Die Leuchtturmwärter

Um das zu herauszufinden, will sich ein Schriftsteller mit den drei hinterbliebenen Partnerinnen der Leuchtturmwärter treffen. Er möchte ein Buch über das Rätsel von Maiden Rock verfassen und sucht hierfür das Gespräch mit den Frauen. Doch nicht alle der drei Frauen wollen mit dem Autoren reden. Auch untereinander herrscht überwiegend Funkstille, da die Frauen ganz unterschiedliche weitere Lebenswege eingeschlagen haben. Eine neue Familie oder Einsamkeit, Verdrängung der Geschehnisse oder ruheloses Grübeln. In den Gesprächen, die wir aus Perspektive des Autors erleben, entstehen langsam drei ganz unterschiedliche Leben, die sich um die Leerstelle in ihrem Leben herum gebildet haben.

Dabei erzählt Emma Stonex abwechselnd aus der Perspektive der drei Frauen, die durch die Nachforschungen des Reporters im Jahr 1992 aufgewühlt werden und ihre Sicht auf das Geschehen schildern. Aber auch die drei Leuchtturmwärter kommen zu Wort, die von ihrem Alltag auf dem Leuchtturm zwanzig Jahre zuvor erzählen. Man erhält Einblicke in eine Welt voller Einsamkeit, die ganz eigene Riten, Abläufe und Codes besitzt, die sich auch durch die Tätigkeit fernab der Zivilisation bedingen.

Drei Männer, drei Frauen – und ihre Perspektiven

Allmählich puzzelt Emma Stonex diese sechs Perspektiven aus den unterschiedlichen Jahren zusammen, um eine Variante anzubieten, was sich in der Silvesternacht auf Maidens Rock abgespielt haben könnte. Jeder der Wärter und jede der drei Frauen trägt ihr Scherflein zu der Entwicklung bei, die am Ende auch nur ein Erklärungsversuch bleibt, der aber keinen allgemeingültige Anspruch formuliert. Das macht das Buch so überzeugend, weil neben den Perspektiven der drei Paare und der Befragten auch Raum für Spekulationen und Schwebendes bleibt.

Das Ganze basiert dabei aber auf tatsächlichen Begebenheiten, wie schon die Anmerkung der Autorin zu Beginn des Buchs klarmacht.

Im Dezember 1900 verschwanden drei Wärter von einem abgelegenen Leuchtturm auf der Insel Eilean Mòr in den Äußeren Hebriden. Sie hießen Thomas Marshall, James Ducal und Donald MacArthur. The Lamplighters wurde von diesem Ereignis inspiriert und in respektvoller Erinnerung daran geschrieben, aber es ist eine fiktionale Geschichte und hat keine Ähnlichkeit mit dem Leben und der Persönlichkeit dieser Männer.

Emma Stonex – Die Leuchtturmwärter, Anmerkung

Und auch an dieser Stelle geht Emma Stonex noch einmal auf die Hintergründe zu den Taten ein, die ihren Roman um das Verschwinden der drei Leuchtturmwärter inspirierte.

Fazit

So ist Die Leuchtturmwärter eine Studie über den Verlust im Leben und auch ein genaues Bild, was die Einsamkeit der Leuchtturmwärter belangt. Die Autorin lässt eventuelle Erwartungen eines Rätselkrimis ins Leere laufen und zeigt vielmehr Einsamkeit und Entfremdung in allen möglichen Schattierungen. Ein überraschendes Buch, das Erwartungen zuwiderläuft und wenig romantisierenden vom Alltag im Leuchtturm und dem Umgang mit Leerstellen im Leben zeigt.


  • Emma Stonex – Die Leuchtturmwärter
  • Aus dem Englischen von Eva Kemper
  • ISBN 978-3-10-397037-1 (S. Fischer)
  • 432 Seiten. Preis: 22,00 €

Anuk Arudpragasam – Nach Norden

Eine Reise zu den Schmerzpunkten verschiedener Leben und denen eines ganzen Landes. Anuk Arudpragasam schickt in Nach Norden seinen Protagonisten auf eine Reise durch das vom Bürgerkrieg gezeichnete Sri Lanka und spürt dabei dem Schmerz in vielen Facetten nach.


Fast sechs Stunden dauert es laut Google Maps, möchte man mit dem Auto von Colombo bis nach Kilinochchi im Norden Sri Lankas reisen. Begibt man sich in die Hände des Reiseleiters Anuk Arudpragasam, so wird aus dieser knapp 340 Kilometer langen Strecke eine Lesereise von annähernd ähnlich vielen Seiten, die tief in die Geschichte Sri Lankas führt.

Dabei beginnt alles mit zwei Nachrichten, die in Krishan, dem Helden von Anuk Arudpragasams Roman, starke Erinnerungen und Bewegungen auslösen.

Zwei Nachrichten und eine Reise

So schreibt ihm Anjum, seine ehemalige Geliebte, die er einst in Indien kennenlernte und die sich nun nach langer Stille bei Krishan über dessen Verbleib erkundigt. Und dann stirbt auch noch Rani, die die Betreuung von Krishans pflegebedürftiger Großmutter Appamma übernommen hat.

Rani stammte aus dem Nordosten Sri Lankas, ein Gebiet, das lange vom Bürgerkrieg und dem Kampf der tamilischen Tiger geprägt war. Sieverlor in diesem Krieg ihre beiden Söhne, den jüngeren tragischerweise noch am vorletzten Tag jenes Krieges, der viele zehntausende Opfer forderte und erst 2009 nach fünfundzwanzig Jahren des blutigen Kampfes beendet wurde. Dieser Kampf, die Erinnerungen an Anjum und sein eigenes kurzzeitiges Engagement dort im Norden lösen vielfältiges Erinnern aus.

In den Jahren seit dem Ende der Kämpfe war er besessen geworden von den Massakern, die im Nordosten stattgefunden hatten, mehr und mehr hatte ihn die Schuld des Überlebenden ergriffen, und er sehnte sich nach der Art Leben, die er vielleicht führen könnte, wenn er die träge akademische Welt verließ, in die er sich abgesondert hatte, und an einem Ort lebte und arbeitete, der ihm etwas bedeutete.

Anuk Arudpragasam – Nach Norden, S. 21

Von Colombo nach Kilinochchi

Anuk Arudpragasam - Nach Norden  (Cover)

Krishan beschließt, sich von seinem aktuellen Wohnort Colombo an der Westküste Sri Lankas nach Kilinochchi im Norden der Insel zu begeben. Von dort stammt Rani, dort verunglückte sie und dort soll sie nun im Kreis ihrer Familie beerdigt werden. Und dorthin zieht es nun auch Krishan, der sich dort seinen Gedanken und Erinnerungen stellen möchte.

Während er also per Bahn in den Norden reist, stürmen die Erinnerungen immer stärker auf ihn ein. Seine Großmutter Appamma und ihr Abgleiten in die Hilflosigkeit und ihr Schwanken zwischen Selbstbehauptung und dem Einfordern von Hilfe. Die Anstellung von Rani, die nach dem Tod ihrer Söhne in Depressionen verfiel, die sie mit immer stärker werdender Elektroschocktherapie zu bekämpfen versuchte, ehe sie in der Anstellung als Betreuerin von Rani in Colombo neuen Sinn fand. Die Erinnerungen an Anjum, ihr gemeinsames Kennenlernen in Indien, die langsame und intensive Romanze, die sich entspann. All diese Erinnerungen stürmen auf den Erzähler ein – genauso wie zahlreiche Erinnerungen an Gedichte, Dokumentarfilme und Legenden, derer sich der junge Mann erinnert.

Eine Reise zu den Schmerzpunkten eines ganzen Landes und seiner Bewohner

Dabei ist Nach Norden ein Buch der Erinnerung, das konsequent die Schmerzpunkte eines Landes und seiner Bewohner umkreist und auch berührt. So schon sich schon Krishan wenig, wenn er mit akribischer Genauigkeit der verflossenen Romanze zwischen Anjum und ihm nachspürt, sich ihr ganzes Kennenlernen noch einmal vor Augen führt, was den Schmerz der Trennung noch einmal deutlicher werden lässt.

Auch das familiäre Gefüge mit der verfallenden eigenen Großmutter und den notwendigen Kraftanstrengungen, die die heimische Pflege erfordert, beschreibt uns Krishan ungeschönt. Er führt dies von der persönlichen Ebene dann auf die nationale Ebene, wenn langsam die ganze Bedeutung des Bürgerkriegs, die Zerstörung, das persönliche Leid und das der Gesellschaft in Nach Norden offenbar wird. Hier schon jemand weder sich noch sein Land, um die einschneidende Bedeutung des Bürgerkriegs dort im Norden der Insel zu vermitteln.

Ein genauer Beobachter

Zudem ist erweist sich der junge 1988 geborene Tamile Arudpragasam hier auch als genauer Beobachter, der seine Sprache bewusst wählt und bei der es ein Fehler wäre, allzu schnell über sie hinwegzugehen oder sie nur als Vehikel der Erzählung zu begreifen.

Egal ob erotisch aufgeladene nächtliche Begegnungen im Schlafwagen oder die Bestattungszeremonie von Rani – diese Prosa der Gedanken- und Erinnerungsschleifen gleicht in manchen Szenen einer hochauflösenden Zeitlupe, in der sich der tamilische Erzählung manchmal schon schmerzhaft viel Zeit nimmt, um die Handlung und inneren Bewegungen zu schildern.

Nach Norden ist ein Roman, der sich Zeit lässt, der seine Themen genau umkreist und der alle Wahrnehmungen in langen Satzperioden genau nachzubilden und abzubilden versucht (Übersetzung durch Hannes Meyer):

Als er sie beobachtete und sie ihn, hinter ihr die Landschaft vorbeirauschte, er aber nur das Blinzeln ihrer Augen und das Schlagen seines Herzens wahrnahm, war Krishan dankbar, dass sie beide Teil desselben Ortes und derselben Zeit waren, dass sie zumindest jetzt diesen Augenblick teilten, einen Augenblick, der nicht nur Nahes und Fernes enthielt, sondern auch Vergangenes und Zukünftiges, ein Augenblick ohne Länge und Breite und Höhe, der aber alles von Bedeutung in sich barg, so als wären alle anderen Bestandteil der Welt bloß kosmische Kulisse, eine Illusion, die nun verschwinden konnte, da sie entlarvt war. Was man in Ermangelung eines besseren Ausdrucks oft Liebe nannte, das wurde ihm in jener Nacht klar, war weniger die Beziehung weiter Menschen an und für sich als vielmehr eine Beziehung zwischen zwei Menschen und der Welt, deren Zeugen sie waren, einer Welt, deren Oberflächen und Äußerlichkeiten sich allmählich auflösten, währen die beiden Menschen tiefer und tiefer in ihrer Liebe versanken.

Anuk Arudpragasam – Nach Norden, S. 176 f.

Fazit

Mit Nach Norden nimmt uns Anuk Arudpragasam mit auf die zerrissene Insel Sri Lanka und zeigt ein Land fernab der touristischen Glanzpunkte. Vielmehr sind es die Schmerzpunkte, die Arudpragasam auf persönlicher genauso wie auf gesellschaftlicher Ebene interessieren. Seine Reise wird zu einer Reise in die Vergangenheit eines vom Bürgerkrieg gezeichneten Landes und auch zu einer Reise des eigenen seelischen Schmerzes. Gewiss keine leichte Literatur, aber ein Buch, auf das man sich mit genügend Zeit einlassen sollte und dessen Sprache das ideale Vehikel für Arudpragasams Erzählansatz der Langsamkeit und Nachdenklichkeit ist.


  • Anuk Arudpragasam – Nach Norden
  • Aus dem Englischen von Hannes Meyer
  • ISBN 978-3-446-27381-8 (Hanser)
  • 320 Seiten. Preis: 25,00 €

Ernest Cline – Ready Player One

Lektüre für Geeks, Gamer und Kinder der 80er Jahre. Ernest Cline lässt im Gewand eines Gamer-Romans in Ready Player One die 80er-Jahre in ihrer kulturellen Breite auferstehen und verschmilzt mittelalterliche Ritter-Literatur mit einem dystopischen Setting, in dem der Gamer Wade Watts unendliche digitale Weiten durchstreift, immer auf der Suche nach dem Heiligen Gral, auch wenn sich dieser hier zwischen Arcade-Spielen und Pixelwolken versteckt.


Schon der Name des digitalen Alter Egos des Helden Wade Watts weist ganz eindeutig auf die literarische Bezugslinie hin, in dessen Nachfolge Ready Player One steht. So trägt Watts in den digitalen Weiten der OASIS den Namen Parzival. Unter diesem Titel durchstreift der moderne Gralssucher in den 2040er Jahren die OASIS, jene allumfassenden Weltensimulation, in der Ready Player One zum überwiegenden Teil spielt.

Doch es ist nicht nur die Namensgebung seines Helden, durch die sich Ernest Clines Roman in die Tradition des mittelalterlichen Ritter-Romans stellt. Auch der Inhalt selbst ist eine Wiederkehr der Themen der mittelalterlichen Heldendichtung, die die Ependichtung Wolfram von Eschenbachs oder Hartmann von Aues in die Gegenwart beziehungsweise hier eher in die Zukunft überführt. Denn auch in den Weiten der OASIS muss Parzival Aventüren bestehen, Drachen erlegen, Zauberer besiegen und der Minne huldigen, auch wenn sich diese in der Zwischenzeit nur noch über Avatare und Chatfenster abspielt.

Eine Heldenreise in dystopischem Setting

Dabei sind die äußeren Umstände des Romans weniger schillernd als die digitalen Welten, die es zu entdecken gibt. Denn Energiekrisen, Hunger, Ausbeutung des Planeten und viele weitere Faktoren haben dafür gesorgt, dass die Welt kontinuierlich ein immer lebensfeindlicherer Ort wurde. Die Mängel der äußeren Welt haben aber zu einem Erblühen der digitalen Welten geführt, die mithilfe von Virtual Reality und leistungsstarken Simulationen zu einem Ort geworden sind, der sich für die meisten inzwischen mehr nach „echter“ Welt anfühlt als das, was die Menschen draußen vor ihrer Haustür vorfinden.

Auch Wade Watts ist ein solcher Bewohner der digitalen Welt. Im wahren Leben lebt er bei seiner Tante in einer Armensiedlung namens Portland Avenue Stacks,

einem Bienenstock aus blechernen Schuhschachteln, die am Rand der I-40, unmittelbar westlich des Stadtkerns von Oklahoma City mit seinen verfallenen Wolkenkratzern, vor sich in rosteten. Die über fünfhundert Stapel waren durch ein behelfsmäßiges Geflecht aus recycelten Rohren, Stahlträgern, Stützpfeilern und Fußgängerbrücken miteinander verbunden. Ein Dutzend uralter Baukräne stand am Rand des sich immer weiter ausdehnenden Viertels – sie leisteten die eigentliche Stapelarbeit.

Ernest Cline – Ready Player One, S. 34

Eine Traumimmobilie sieht anders aus. Zudem ist das Miteinander auf dem engen Raum eine explosive Angelegenheit. Seiner Tante ist Wade nämlich verhasst. Allein die ihm zustehenden Essensgutscheine sind für seine kaltherzigen Verwandtschaft der einzige Grund, ihn in den Stacks bei sich zu beherbergen.

Die Jagd auf Hallidays Easteregg

Ernest Cline - Ready Player One (Cover)

Und so ist es kein Wunder, dass Wade nach einer Ablenkung sucht. Diese hat er wieder fast alle anderen Mitmenschen in den unendlichen Weiten der OASIS gefunden. Diese wurde von James Halliday erfunden, nachdem dieser zunächst zusammen mit Ogden Morrow ein erfolgreiches Games-Unternehmen gegründet hatte. Doch die OASIS stellte alles bisher Dagewesene auf den Kopf.

In dieser virtuellen Welt können Spieler ihre digitalen Avatare durch unendliche Welten steuern. Verschiedene Planeten mit unterschiedlichen Welten die von Nachbauten von fiktiven und realen Welten bis hin zu ausgelagertem Schulunterricht reichen, das alles und noch viel mehr lässt sich in der OASIS entdecken.

Mit dem Tod von James Halliday, dem legendären Begründer dieser Welten, kam es dann aber zu einer bemerkenswerten Tat, die fortan Wade Watts Leben und das tausender anderen Menschen entscheidend beeinflusst. Denn James Halliday hinterließ eine Abschiedsbotschaft, in der die Existenz eines Ostereis, eines Easter Eggs, irgendwo in den Weiten der OASIS verkündete. So habe er drei verschiedene Schlüssel an ganz unterschiedlichen Orten der virtuellen Welt versteckt. Wer diese Schlüssel zuerst finde, dem offenbarten sie den Weg zu Hallidays Schatz, dem Osterei, dessen Finder*in das gesamte Vermögen Hallidays gehörte, so der OASIS-Begründer in seiner letzten Botschaft.

In den Weiten der OASIS

Dieser Nachricht elektrisierte die OASIS, deren Bewohner fortan das von Halliday installierte ScoreBoard immer ganz genau im Auge behielten. Wer würde der erste sein, der einen der drei Schlüssel fand und damit auf der Suche nach Hallidays Osterei dem Schatz ein Stück näherkam?

Am 11. Februar 2045 ist es soweit und Wades Alter Ego Parcival erscheint ganz oben auf der Bestenliste. Wie es dazu kam und wie sich die Schnitzeljagd nach Hallidays Schlüsseln ab diesem Zeitpunkt gestaltete, das erzählt Parcival im Folgenden.

Dabei ist es ein geschickter Schachzug von Ernest Cline, dass er seine Erzählung in den Weiten eines Computerspiels ansiedelt. Denn damit immunisiert sich Ready Player One schon im Vorfeld gegen einige Vorwürfe wie die von Stereotypen, allzu klaren Abgrenzungen von Gut und Böse und hölzernen bis kitschigen Dialogen, die sich immer wieder im Buch finden. Denn Clines Buch eifert erkennbar den digitalen Vorbildern von Point and Click-Abenteuern und anderen Videospielen aus der Frühzeit der Computer nach. Ebenso schematisch wie diese Spiele ist auch die Gestaltung von Ready Player One, das ganz videospiel-gemäß in drei große Hauptkapitel eingeteilt ist, die hier als Level bezeichnet werden.

Und doch überzeugt das Buch trotz mancher Klischees durch seine Kreativität und das Update von mittelalterlicher Ritter-Aventüre. So sind die Rätsel dieser digitalen Schnitzeljagd in Reime verpackt (übersetzt von Sara und Hannes Riffel) und laden zum Mitraten ein (wenngleich die Auflösung nur durch Wissen über den Ready Player One-Kosmos zu lösen ist).

Eine Hommage an die 80er

Die Handlung drängt voran, selbst wenn die Suche nach den Schlüsseln einige Durchhänger hat. Aber durch das Wettrennen zwischen den Guten (in Form von Wade und anderer freier Gamer) und den Bösen (in Form des skrupellosen Konzern IOI) bleibt man gerne dran an dieser Schnitzeljagd und wohnt den Heldenprüfungen des jungen Parzival bei. Und nicht zuletzt ist Ready Player One auch ein Fest der 80er-Jahre, von Billy Idols Rebell Yell bis zu Monty Pythons Die Ritter der Kokosnuss. Dieses Buch ist wirklich bis zum Anschlag von der Popkultur der 80er durchsättigt.

Hierbei bleibt nur noch ein weiterer Kritikpunkt meinerseits zu nennen, den Ernest Cline dann zwar mit einer Schlusspointe noch einigermaßen ausmerzt, aber der doch über weite Teile des Buchs für sich steht. Die Rede ist von der weißen, männlichen Gamer-Kultur, deren Bild Ready Player One ein Stück weit festzementiert, gerade in Passagen wie der folgenden:

Wenn es um Recherche ging, zog ich alle Register. Während der letzten fünf Jahre hatte ich sämtliche Bücher durchgearbeitet, die für einen Jäger von Interesse waren. Douglas Adams. Kurt Vonnegut. Neal Stephenson. Richard K. Morgan. Stephen King. Orson Scott Card. Terry Pratchett. Terry Brooks. Bester, Bradbury, Heinlein, Tolkien, Vance, Gibson, Gaiman, Scalzi, Zelazny. Ich las jeden Roman aller Lieblingsautoren Hallidays.

Aber nicht nur das.

Ich schaute mir auch jeden Film an, der im Almanach erwähnt wurde. Hallidays Lieblingsfilme wie WarGames, Ghostbusters, Was für ein Genie, Lanny dreht auf oder Die Rache der Eierköpfe schaute ich mir immer wieder an, bis ich jede einzelne Szene mitsprechen konnte.

Ganz zu schweigen von den Filmen, die Halliday als „Die heiligen Trilogien“ bezeichnete: Star Wars (die Original- und die Prequel-Trilogie, in dieser Reihenfolge), Herr der Ringe, Matrix, Mad Max, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones (Halliday hatte einmal gesagt, dass es ihm lieber gewesen wäre, die anderen Indiana-Jones-Filme, ab Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels, gäbe es gar nicht. Ich konnte ihm nur zustimmen).

Darüber hinaus zog ich mir die komplette Filmographie seiner Lieblingsregisseure rein. Cameron, Gilliam, Jackson, Fincher, Kubrick, Lucas, Spielberg, Tarantino. Und, natürlich, Kevin Smith.

Ernest Cline – Ready Player One, S. 94 f.

Wer sich an solch zitierter männlicher Monokultur nicht stört und das Buch eher als Dokument der tendenziell eher wenig divernsen und wenig gleichberechtigten Vergangenheit der 80er-Jahre liest, der bekommt eine spannende Schnitzeljagd in einem dystopischen Zukunftszenario geboten, deren globaler Erfolg und filmische Adaption durch den prägenden Regisseur der 80er, nämlich den oben zitierten Steven Spielberg, nicht überrascht.

Trailer zur Verfilmung von Ready Player One durch Steven Spielberg

Fazit

Popkulturgesättigt und sehr nerdig ist Ready Player One ein Lesespaß, dem es gelingt, das Videospiel in Literatur zu überführen, auch wenn man literarisch den ein oder anderen Abstrich in Kauf nehmen muss. Aber mit diesem Buch schafft es Cline, eine enorm große Gefolgschaft hinter sich zu versammeln, die von Fans der 80er Jahre bis hin zu Game-Nerds reicht. Und trotz seines großen Umfangs von über 500 Seiten ist Ernest Cline eine kreative und spannende Heldenreise gelungen, die auch den ein oder anderen Jugendlichen aufgrund des Themas und der niedrigschwelligen Umsetzung sehr begeistern dürfte – und was kann man mehr von einem Buch wollen? Deshalb: Insert Coin und Ready Reader One!


  • Ernest Cline – Ready Player One
  • Aus dem Englischen von Sara und Hannes Riffel
  • ISBN 978-3-596-70664-8 (Fischer TOR)
  • 539 Seiten. Preis: 14,99 €